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DAUN, 17.10.2018 - 16:34 Uhr
Auto & Technik

80 Jahre große Fahrt: Der Opel Kapitän feiert Geburtstag

(dpa/tmn) - Heute ein König. Nein, das ist diesmal keine Frage des Getränks, sondern des Autos. Denn wer heute in einen Opel Kapitän von 1952 steigt, der fühlt sich tatsächlich hochherrschaftlich und erhaben. Das gilt im wörtlichen Sinn, weil man auf den weichen Sesseln viel höher sitzt als in einem aktuellen Auto, an einem größeren Rad dreht und deutlich mehr Masse bewegt. Das gilt vor allem aber auch im übertragenen Sinn.

Denn wenn der Blick erst über die wundervoll verzierten Armaturen mit den goldenen Ziffernblättern und dann über die endlos lange Motorhaube schweift, dann schwillt einem stolz die Brust und man fühlt sich tatsächlich so groß und mächtig wie der Kapitän am Steuer seines Ozeandampfers, der dem großen Opel seinen Namen gegeben hat. Nicht umsonst erinnert sogar der glänzend verchromte, stolz zwischen den ausgestellten Kotflügeln aufragende Kühlergrill an den Bug eines Kreuzfahrtschiffs.

Als sich andere damals in einen Fiat 500, einen Kabinenroller oder eine Isetta quetschen mussten, fuhr man dem immerhin 4,72 Meter langen Opel mit der Würde eines Kreuzfahrt-Kapitäns. Allerdings brauchte es auch dessen Weitsicht. Denn während man mit fester Hand und starkem Arm am spindeldürren Lenkrad mühsam den Kurs vorgibt, wankt der butterweich gefederte Straßenkreuzer durch enge Kurven wie ein betrunkener Matrose über die Reeperbahn. Und zumindest nach heutigen Maßstäben sind die Bremsen ein besserer Scherz.

Dafür jedoch ist der unverwüstliche Sechszylinder, der im riesigen Motorraum so verloren wirkt wie eine Nussschale auf dem Ozean, munter wie am ersten Tag. Kurz den Choke gezogen, braucht die Zündung nur wenige Sekunden, um den 2,5 Liter großen Reihenmotor in Gang zu bringen. Wenn man dann noch seinen Weg durch das am Lenkrad angeschlagene Dreiganggetriebe findet, steht einer Ausfahrt im Geist von Gestern nichts mehr im Wege. Denn obwohl man viel Anlauf und Rückenwind braucht, bis der Wagen tatsächlich auf 125 km/h Spitze kommt, hat er mit 43 kW/58 PS und 147 Nm noch immer genug Luft für eine launige Landpartie.

Sorgen um Pannen und Probleme muss man sich dabei kaum machen, heißt es in einschlägigen Internetforen und den Kaufberatungen der Fachmagazine: Zwar kosten gut erhaltene Originale aus jener Zeit mittlerweile zwischen 20 000 und 30 000 Euro, sagt Jens Cooper aus der Opel-Klassikwerkstatt, doch ist ein gepflegte Kapitän dafür auch absolut seetüchtig. Schließlich kommt er aus einer Zeit, in der die Hessen mit dem Slogan „Opel, der Zuverlässige“ geworben haben. Und viele Oldies tragen selbstbewusst jene Bronze-Plakette, die den Besitzern damals nach 100 000 Kilometern ins Cockpit geklebt wurde. Stolz und erhaben - dieses Gefühl hat beim Kapitän Tradition.

Mehr Tradition als bei den allermeisten anderen Opel-Modellen sogar. Denn der Kapitän war laut Klassik-Sprecher Uwe Mertin nicht nur 42 Jahre lang das Flaggschiff der Marke. Sondern er lief damit auch länger als die allermeisten anderen Opel-Modelle.

Begonnen hat seine Karriere 1938: Ein Jahr, nachdem Opel mit dem Admiral in die Oberklasse vorgestoßen ist, soll der Kapitän die Lücke zum bürgerlichen Kadett schließen. Allerdings hat dieses so genannte A-Modell nur eine sehr kurze Karriere: Nach nur neun Monaten muss Opel die Produktion wegen des Krieges einstellen, schickt bis dahin aber immerhin gut 25 000 Kapitäne auf große Fahrt.

Und die Technik überdauert. Denn als die Hessen zehn Jahre später wieder einen Kapitän auf den Markt bringen, gleicht der bis auf wenige Details noch immer dem Ur-Modell, sagt Mertin. Das gilt für die sehr amerikanische und deshalb chromlastige Firmensprache genauso wie für die Technik und für den weiterhin verbauten Sechszylinder. Diese Kombination kommt an, sagt Mertin: „In der Wirtschaftswunderzeit wird der Opel Kapitän zum Synonym für Fortschritt, Wohlstand und Zuverlässigkeit“. Und in den 1960er Jahren gehört das Rüsselsheimer Topmodell zu den meistverkauften Sechszylinderwagen Deutschlands und lässt sogar Mercedes hinter sich.

Das macht den Hessen Mut, und sie weiten ihre Modellpalette aus: Als 1964 mal wieder ein neuer Kapitän ansteht, kommt er deshalb nicht alleine, sondern gleich im Dreierpack mit einem Admiral und einem Diplomat und läuft weitere sechs Jahre. 1970 geht die Karriere dann nach 42 Jahren und knapp 500 000 Exemplaren zu Ende. Der Kapitän geht von Deck. Diplomat und Admiral laufen zwar noch etwas weiter. Doch 1977 verabschiedet sich Opel dann vollends aus der Oberklasse.

Die Flaggschiffe sind dann nicht nur eine Liga tiefer angesiedelt, sondern wechseln auch schneller ihre Namen. Erst kommt der Senator, der aber nur eine Generation hält. Danach folgen zwei Generationen Omega, und seit 2008 steht der Insignia an der Spitze der Opel-Palette. Zwar ist der mittlerweile auch in der zweiten Generation - doch bis er sein Kapitänspatent bekommt, muss er noch ein paar Jahrzehnte durchhalten.

 


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