Quatsch im Matsch: Für den Spaß auch abseits der Straße bietet KTM Modelle wie die 890 Adventure R und deren limitiertes Sondermodell Rally (Foto) an. Quatsch im Matsch: Für den Spaß auch abseits der Straße bietet KTM Modelle wie die 890 Adventure R und deren limitiertes Sondermodell Rally (Foto) an. - © Foto: picture alliance/dpa/KTM | KTM -
DAUN, 19.11.2020 - 09:21 Uhr
Auto & Technik

Bayerische Boxer und China-News: Motorrad-Trends 2021

(dpa/tmn) - Draußen sein, die Freiheit genießen. Motorradfahren wird immer beliebter. Der Run aufs Bike hält weiter an. Die Motorrad-Branche erlebte auch 2020 wieder einen Aufschwung. Von Januar bis August wurden in Deutschland fast 100 500 Motorräder neu zugelassen - 5000 mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Auch für 2021 haben sich die Zweiradhersteller viel vorgenommen. Mit neuen Modellen und Techniken wollen sie weitere Kunden locken, auch wenn dieses Jahr alles andere als normal war. Da im Herbst die beiden Leitmessen Intermot in Köln und Eicma in Mailand coronabedingt ausfielen, zeigen manche ihre Neuheiten deutlich später. So will etwa Harley-Davidson seine Modellpalette erst Anfang 2021 vorstellen.

Dreizylinder und Neues aus China

Michael Lenzen hält mehrere Neuheiten für 2021 für interessant, darunter Maschinen der Mittelklasse zwischen 500 und 1000 Kubikzentimeter. „Die neue Triumph Trident mit Dreizylindermotor und rund 100 PS zählt für mich zu den Höhepunkten 2021, aber auch die vielen Kooperationen zwischen chinesischen und europäischen Herstellern“, sagt der Vorsitzende vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM).

Dazu zählt die Benelli TRK 800, eine Reiseenduro der italienischen Marke Benelli, die zum chinesischen Konzern Qianjiang gehört. Auch die hier bislang noch unbekannte chinesische Marke Voge verkauft nun die Modelle 300R, 300AC, 500R und 500DS in Europa.

Retromaschine fürs Gelände und die Straße

Eine Nummer größer ist die CF Moto 1250 TR-G. Die große Reisemaschine wurde in China als Polizeimotorrad vorgestellt und soll in Europa der BMW R 1200 RT Konkurrenz machen. Angetrieben wird die CF Moto von einem 1,3 Liter großen V2 von KTM. Die französische Firma Mash verkauft mit der X-Ride 650 nun ein Retro-Motorrad im Stil der Yamaha XT 500, lässt es in China produzieren.

Ganz modern: das Super-Bike Bimota Tesi H2 mit 231 PS und Achselschenkellenkung. Einen Trend zur Elektromobilität wie bei Autos sieht Lenzen für 2021 nicht:  „Harley-Davidson bietet mit der Live Wire zwar ein E-Motorrad an, Zero nun die neue SR/S. Aber einen Durchbruch sehe ich noch nicht.“

Viele interessante Neuvorstellungen finden sich in der Mittelklasse, meint auch Jörg Lohse: „Der Bereich zwischen 650 und 1000 Kubikzentimeter mit einer Leistung zwischen 75 und knapp über 100 PS wird nächstes Jahr zulegen, wenn neue Maschinen und neue Konzepte auf den Markt kommen“, sagt der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift „Motorrad“.

„Hier tummeln sich viele Hersteller mit vielen Modellvarianten, umfangreichen Ausstattungen zu attraktiven Preisen“, sagt Lohse. Dazu zählen unter anderem Modelle wie KTM 890 Adventure R und das Sondermodell Rally, Aprilia RS 660, von der noch Naked- und Enduro-Ableger zu erwarten sind sowie die neue Triumph Trident. Günstige Modelle in der Klasse fangen bei rund 7500 Euro an.

Assistenzsysteme sorgen für mehr Komfort und Sicherheit

„Interessant werden auch die Maschinen chinesischer Kooperationen sein, wie Mash oder Brixton, die nun auch Modelle in größeren Hubraumklassen als bisher Modelle anbieten werden“, sagt Lohse. Voge will mit zwei 500er-Allroundermodellen Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dazu entdeckt Honda wieder den 350er-Kubikzentimeter-Bereich für sich und präsentiert mit der H'ness CB 350 sehr klassisch gestylte neue Modelle.

Bei den stärkeren und teureren Maschinen sieht Lohse einen Trend zu mehr Assistenzsystemen, die größere Sicherheit bieten. Bei der neuen Ducati Multistrada 1200 V4 arbeitet erstmals ein radargestütztes Assistenzsystem für einen Abstandswarner, Tempomat und Totwinkel-Warner. BMW hat ein ähnliches System angekündigt, KTM wird wahrscheinlich nachziehen.

Boxer und schwere Brummer aus Bayern

Dazu dürften laut Lohse Superlative weiter zunehmen. BMW etwa hat mit dem Cruiser R 18 eine Maschine mit einem luftgekühlten 1,8-Liter-Zweizylinder-Boxer vorgestellt. Das 2021er Modell ist bereits jetzt ausverkauft. Daneben gibt es die Touring-Variante R 18 Classic im nostalgischen Look mit Windschild, Satteltaschen und Zusatzscheinwerfen. Weitere Individualisierungen sind möglich. „Mit dem einzigartigen XXL-Boxer in der R-18-Reihe bietet BMW dann eine echte Alternative zu Harley an“, sagt Lohse.

Daneben steht ein anderes Extrem: Mit der M 1000 RR stellte BMW das erste Motorrad mit M-Logo vor. Die straßentaugliche, extreme Maschine mit Renntechnik leistet 212 PS, kann bis zu 315 km/h schnell werden und kostet rund 32 000 Euro. Die erfolgreiche GS-Reihe von BMW bekommt zum 40-jährigen Jubiläum der Baureihe noch etliche Sondermodelle spendiert, angefangen bei der kleinen Einsteiger-GS mit 310 Kubik bis zum Topseller R 1250 GS.

Auf was sollte Käufer beim neuen Motorrad achten

Weniger wichtig für die Kaufentscheidung sieht Lohse die Frage, ob die Maschine mit Euro 4 oder Euro eingestuft ist. Die Euro-5-Norm gilt ab 2020 für alle neue Typenzulassungen für Maschinen, die schneller als 45 km/h fahren. „Auch mit Euro 4 kaufen Interessenten keine veraltete Maschine“, sagt der Experte.

Dafür werde es 2021 aber Restbestände von Euro-4-Motorrädern deutlich günstiger geben. Wichtig für einen eventuellen Wiederverkauf seien hingegen bereits ab Werk umfangreiche Ausstattungen oder Pakete. „Eine Reiseenduro oder ein Tourer ohne Griffheizung, Hauptständer oder Koffersystem macht in der Praxis wenig Sinn“, sagt Lohse.

Interessierte sollten sich vor dem Kauf genau überlegen, für welchen Zweck sie die Maschine einsetzen wollen: als Wochenend-Tourer, Urlaubsgefährt oder Daily-Driver? „Es gibt auch 2021 für jede Nische das richtige Fahrzeug, nur passen sollte es“, sagt Lenzen. Dazu zähle vor allem eine bequeme Sitzposition mit dem richtigen Kniewinkel und eine gute Ergonomie und Sicht auf die Armaturen. Erst danach folgen Antrieb und Design. Das Bike muss zur jeweiligen Körpergröße passen.

Auf Assistenzsysteme achten und Probefahrten machen

Matthias Haasper rät Kunden, die favorisierte Maschine vor dem Kauf unbedingt ausgiebig zu testen: „Ein sicherer Stand, mit beiden Füßen gleichzeitig auf dem Boden, bequemes Sitzen und gute Handlichkeit sind dabei wichtig“, erklärt der Fachmann vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz). „Dies ist gerade bei Fahranfängern von Bedeutung, um Unsicherheiten vorzubeugen.“

Beim Neukauf sollten Motorradfahrer auf aktuelle Assistenzsysteme achten. Sei Januar 2017 zählt ABS für alle Neuzulassungen zur Pflichtausstattung. Aktuelle Systeme bieten kurventaugliches ABS, das auch technisch kontrollierte Bremsungen in Schräglage ermöglicht, soweit die Fahrphysik es zulässt. Manche Maschinen bieten Traktionskontrollen, semiaktive Fahrwerke, Kombibremssysteme, Kurvenlicht oder auch Reifendruckkontrolle.

„Je mehr Assistenzsysteme an Bord sind, desto mehr Sicherheit bietet die Maschine. Das gilt für Fahranfänger ebenso wie für routinierte Fahrer“, erläutert Haasper. Damit sie auf schönen Straßen noch mehr und vor allem sicherer ihre Freiheit genießen können.

Von Fabian Hoberg, dpa


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