Kantiger Genosse: Ein rund 40 Jahre alter Toyota Land Cruiser steht zur Ausfahrt bereit. Kantiger Genosse: Ein rund 40 Jahre alter Toyota Land Cruiser steht zur Ausfahrt bereit. - © Foto: Toyota/dpa-tmn -
DAUN, 03.06.2020 - 08:13 Uhr
Auto & Technik

Bestseller im Busch: Der Millionenschlager Toyota Land Cruiser

(dpa/tmn) - Egal, ob abends am Lagerfeuer in der Savanne, beim Cocktail an der Golfplatz-Bar oder in der Schickimicki-Kneipe: Wann immer Fans über legendäre Geländewagen fachsimpeln, ist die Rede zumeist von der Mercedes G-Klasse, dem Jeep Wrangler oder dem Land Rover Defender. „Die sind zwar aller Ehren wert“, sagt Alexander Wohlfarth. Doch einer werde dabei gerne vergessen: der Toyota Land Cruiser, so der Experte, der dem Wagen ein Buch gewidmet hat.

Denn der Japaner ist nicht nur genauso alt und genauso gut wie das notorische Trio der Dinosaurier im Dreck, sondern er ist obendrein viel erfolgreicher. „Er ist der meistverkaufte Geländewagen der Welt und hat gerade die zehn Millionen vollgemacht“, sagt Wohlfarth, der Initiator des vor allem dem Toyota gewidmeten Buschtaxi-Treffens.

Doch während bei der Konkurrenz längst das Marketing die Kontrolle übernommen und die Geländewagen auf den Legenden-Sockel gestellt hätte, gehe es Toyota bis heute nicht um den Ruhm, sondern allein darum, dass der Land Cruiser immer und überall seinen Job mache: „Ein Nutzfahrzeug durch und durch, eher Werkzeug als Spielzeug und ganz sicher kein Lifestyle-Objekt“, umreißt der Experte die Positionierung und erklärt so den Image-Rückstand.

Am Anfang stand der militärische Einsatz - eigentlich

Aber so ganz leicht hatte es der Land Cruiser ohnehin nie. Denn schon am Beginn der Geschichte stand eine Niederlage, räumt Wohlfarth ein. Entwickelt wurde der Geländewagen ursprünglich als Angebot an das US-Militär, das seine in Japan stationierten Truppen im Korea-Krieg mit Fahrzeugen aus lokaler Produktion mobil machen wollte: „Aus Material- und Zeitknappheit griff man einfach ins Teileregal und verwendete bewährte Komponenten aus verschiedenen hauseigenen Lkw“, zitiert Wohlfarth aus der Chronik.

„Über dieses Prachtstück der Bastelkunst stülpte man ein paar rudimentär geformte Blechteile, fertig war der Prototyp. Und weil das ganze aussah wie ein Jeep und der Motor das Kürzel B hatte, wurde der Wagen kurzerhand Toyota Jeep BJ genannt.“ Dummerweise sprengten die Entwickler dabei den Kostenrahmen und verloren den Auftrag an die Konkurrenz.

Doch wo das Auto schon mal fertig war, demonstrierte Toyota dessen Fähigkeiten nicht nur den Militärs, sondern auch der Öffentlichkeit und schickte Prototypen auf den Mount Fuji. Das konnte zwar die Amerikaner nicht umstimmen, hatte aber zahlreiche japanische Institutionen überzeugt - und am Ende genügend Aufträge für eine Serienproduktion zusammengebracht, die 1951 beginnt, so Toyota.

Exportschlager in über 170 Länder - großer Durchbruch in den USA

Die erste Auflage wurde - mit bescheidenen Stückzahlen von wenigen hundert Autos - fünf Jahre gebaut, musste aber zwischendurch den Namen ändern. Denn 1954 lässt sich Willys Overland „Jeep“ als Marke schützen und zwingt Toyota so zu einer zweiten Taufe: Aus dem Jeep BJ wird deshalb am 24. Juni 1954 der Land Cruiser. Und macht seither seinem Namen alle Ehre. Denn er cruist tatsächlich durch aller Herren Länder und wird mittlerweile in über 170 Staaten verkauft. Die ersten Exporte gingen nach Pakistan und Saudi-Arabien, und dann ab 1958 in der mittlerweile zweiten Generation auch nach Amerika.

Dort begann mit der dritten Auflage von 1960 unter dem Kürzel FJ40 der große Durchbruch. Mit einem freundlichen Lego-Gesicht und einem meist in Weiß lackierten Dach läuft dieses Modell in zahlreichen Varianten fast 20 Jahre vom Band und erreicht einen Kultstatus wie ihn bei den Amerikanern sonst nur noch der VW Bus hatte. Afrika, Asien, Amerika - überall dort kommt man um den Land Cruiser seitdem nicht mehr herum.

In Deutschland wird das Raubein komfortabel

Nur nach Deutschland schafft er es offiziell erst 1977, meldet die Toyota-Zentrale und berichtet von einem baldigen Image-Wandel. Denn 1980 kommt der J60 und macht der Ära der raubeinigen Geländegänger, für die Luxus ein Fremdwort war, eindrucksvoll ein Ende: Er bietet mehr Komfort, mehr Platz und mehr Pkw-Schick als alle seine Vorgänger und bewahrt sich dennoch deren unverwüstliche Robustheit und souveränen Offroad-Eigenschaften. „Das Talent, stilvoll durch den Dreck zu reisen und anschließend mit starkem Sechszylinder die Autobahn zu stürmen, macht den 4,68 Meter langen Toyota zum König der Geländekreuzer“, heißt es im Kölner Werksmuseum.

Diesen Spagat zwischen Schlamm und Straße steht der Land Cruiser bis heute. Mit allen erdenklichen Extras ausgestattet, klettern die Preise schnell aber auch leicht über 70 000 Euro. Wie weit sich der Geländewagen dabei entwickelt hat, zeigt eine Ausfahrt mit einem J40 aus der historischen Sammlung des Herstellers. Der ist zwar auch erst knappe 40 und noch nicht über 60 Jahre alt, wirkt aber gemessen an dem elektronisch aufgerüsteten Luxuslaster von heute wie aus der automobilen Steinzeit.

Ausfahrt im 40 Jahre alten Oldtimer

Wo man im aktuellen Modell mit dem kleinen Finger die Richtung weist, braucht man hier Oberarme wie ein Preisboxer, um den Toyota am dürren Lenkrad auf Kurs zu halten. Man springt auf den klapprigen Gartenstühlchen den Blattfedern und Starrachsen sei Dank bei jeder Bodenwelle so hoch, dass man schnell Beulen am Kopf und im dünnen Blechdach hat. Und „rustikal“ ist für das nüchterne Ambiente aus nacktem Metall und wenig Plastik noch geschönt.

Doch der 3,4 Liter große Vierzylinder-Diesel kennt kein Halten: Nicht das Auto, sondern der Fahrer definiert die Grenze, wenn es mit 66 kW/90 PS und maximal 216 Nm im Kriechgang über Kuppen geht, vor denen jeder Wanderer kapituliert. Steilstrecken, Kletterpartien quer zum Hügel, Schlamm oder Wasserdurchfahrten - all das kann dem Land Cruiser nichts anhaben. So wird selbst eine kleine Sonntagsfahrt zum Abenteuerurlaub auf Rädern.

Für Liebhaber ist der Land Cruiser noch erschwinglich

Aber nicht nur deshalb ist der Land Cruiser für Liebhaber ein ausgesprochen dankbares Auto, sagt Wohlfarth. Denn von den ganz alten Modellen abgesehen, die auch mal für 50 000 Euro gehandelt würden, sei der Toyota bei den Sammlern noch gar nicht richtig angekommen. Er wird wie ein gewöhnlicher Gebrauchter gehandelt und ist entsprechend bezahlbar: „Für 15 000 Euro gibt's ein Tüv-fähiges Auto,“ taxiert der Experte den Markt und verspricht wenig Probleme auch bei viel Laufleistung. „Bei 300 000 Kilometern ist der Land Cruiser gerade erst so richtig eingefahren und 1,5 Millionen Kilometer sind für ihn keine Herausforderung.“ Und wenn doch mal was kaputtgehe, sei die Ersatzteilversorgung solide.

Dass man den Land Cruiser eher selten bei Oldtimer-Veranstaltungen oder in Sammlungen sehe, habe aber noch einen anderen Grund: Das Auto sei fürs Museum und den gestutzten Rasen vor irgendwelchen Schlössern viel zu schade: „Wer einen Land Cruiser besitzt, den zieht es nicht auf irgendeine Bühne, sondern in den Busch - egal, wie alt der Wagen ist.“

Von Thomas Geiger, dpa


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