Sanfte Spezialisten: Für die schonende Fahrzeugpflege gibt es spezielle Reiniger und Pflegemittel, von aggressiven Haushaltsreiniger raten Experten in der Regel ab. Sanfte Spezialisten: Für die schonende Fahrzeugpflege gibt es spezielle Reiniger und Pflegemittel, von aggressiven Haushaltsreiniger raten Experten in der Regel ab. - © Foto: Christin Klose/dpa-tmn -
DAUN, 22.05.2020 - 10:34 Uhr
Auto & Technik

Üblen Dreck entfernen: So wird das Auto wieder richtig sauber

(dpa/tmn) - Viele Kurven, starkes Beschleunigen und abruptes Abbremsen - und es ist geschehen. Selbst der stabilste Magen kapituliert bei einer zu wilden Fahrt im Auto. Wenn sich das Ergebnis dann auf Polster und Teppich verteilt, ist guter Rat teuer. Bei solchen starken Verschmutzungen müssen Autofahrer nicht gleich in Panik verfallen. Aber manchmal ist etwas Eile geboten.

„Je geringer die Einwirkzeit ist, desto einfacher lässt sich die Verunreinigung entfernen“, sagt Fahrzeugpflege-Profi Christian Petzoldt aus Hagen. Hartnäckigen Dreck wie Kaugummi, Schokolade oder andere klebrige Speisen lassen sich am einfachsten mit Kältespray aus der Apotheke entfernen. „Einfach aufsprühen bis der Schmutz bröckelt, ausbürsten, dann absaugen“, erklärt Petzoldt.

Gegen Milch, Urin, Blut oder Erbrochenes helfen biologische Reiniger mit Mikroorganismen. „Die werden auf die Stelle gesprüht und fressen alles Organische rückstandslos auf. Nach ein bis zwei Tagen ist die entsprechende Stelle sauber sowie geruchsfrei und die Mikroorganismen sterben ab“, sagt Petzoldt. Gegen Tierhaare helfen spezielle Gummibürsten, Handschuhe und ein starker Sauger.

Gute Saugarbeit ist die beste Vorarbeit

Wer abseits solcher Härtefälle generell den Innenraum auf Vordermann bringen will, setzt am besten zunächst den Staubsauger ein und saugt lose grobe Verschmutzungen und Sandpartikel ab. Bei der Reinigung sollten Autofahrer generell auf harte Bürsten und Tücher verzichten, weil sonst feine Kratzer oder Schrammen entstehen. Besser seien weiche Werkzeuge, auch wenn die Arbeit dann länger dauert.

„Auf sensiblen Oberflächen wie dem Cockpit, der Mittelkonsole oder dem matten Navidisplay dürfen Autofahrer nicht stark reiben, weil sonst sehr schnell Kratzer entstehen“, sagt Petzoldt. Er rät, die Reiniger oder Pflegemittel zuerst auf einen Lappen aufzutragen und nicht direkt auf die Fahrzeugteile zu sprühen. Andernfalls könne Nässe in Ritzen dringen und elektrische Schalter sowie elektrische Bauteile schädigen. Bei Leder verursacht zu viel Wasser irreparable Schrumpfungen.

Beim Saubermachen von Sitzen gilt zudem, das Reinigungsmittel wieder aus dem Polster oder Leder zu entfernen - und zwar möglichst vollständig. „Es ist wie beim Haare waschen. Wenn das Shampoo nicht vollständig ausgespült wird, greift es die Kopfhaut und Haarwurzeln an“, erklärt Petzoldt.

Haushaltsreiniger können aggressiv sein

Generell empfiehlt der Fachmann milde Seifen oder Reiniger mit milden Tensiden. „Grundreiniger aus dem Haushalt sind meist zu aggressiv. Die reinigen zwar vordergründlich, schädigen aber später die Substanz“, sagt er. Und im Gegensatz zu Haushaltsmitteln bieten spezielle Kfz-Reiniger für Kunststoffteile einen UV-Schutz. „Der ist wichtig, da die meisten Fahrzeuge draußen oft in der Sonne stehen. Ohne UV-Schutz kann der Kunststoff schneller altern, ausbleichen und dadurch grau und unansehnlich werden“, sagt er.

Bei der Lederpflege rät der Fachmann zu speziellen Reinigern. „Ledersitze bei Autos besitzen einen speziellen Schutz auf der Oberfläche, eine Art Klarlack. Wenn dieser Schutz durch scharfe Reiniger und harte Werkzeuge zerstört wird, geht es ans Leder“, sagt er. Ebenfalls problematisch: In vielen Haushaltspflegemitteln ist Bienenwachs enthalten. Der führe zu Knarzgeräuschen zwischen den Lederpolstern, sei also fürs Auto ungeeignet.

Sattelseife aus dem Reitsport für den Autositz

Philipp Ballas, Sattler-Meister der Autosattlerei Ballas in Köln, rät bei normaler Verschmutzung auf Sitzen zu einem feuchten Schwamm und wenig oder mildem Reiniger. „Autofahrer sollen auf keinen Fall zu chemischen Produkten oder Alkohol greifen. Bei verschmutzten Ledersitzen reicht häufig ein bisschen Sattelseife, um den ersten Schmutz zu entfernen“, sagt Ballas.

Das Reinigen erfolgt einfach mit einem Schwamm oder einer Lederbürste. Mit starken Reinigern wird häufig neben den Schmutz auch die Farbe abgerieben. „Schadhafte Stellen lassen sich häufig ausbessern und nachlackieren, bei großen Schäden können wir Einzelteile austauschen oder komplett neu beziehen“, sagt Ballas. Schwierig sei bei historischen Fahrzeugen nur, dass ein Farbunterschied selten zu vermeiden ist. Viele Bezugsstoffe werden dafür mittlerweile in originaler Optik wieder nachproduziert.

Auch auf die Gesundheit achten

Damit der Originalzustand des Innenraums möglichst erhalten bleibt, sollten Autofahrer außerdem keine Mittel verwenden, die den Zustand stark ändern. „Alles was glänzt, ist zwar toll. Aber wenn sich das falsch behandelte Armaturenbrett in der Windschutzscheibe spiegelt, ist das gefährlich“, sagt Markus Herrmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Fahrzeugaufbereitung.

Außerdem kann es sein, dass scharfe Mittel Atemwege und Haut reizen. Dazu unbedingt die Angaben auf der Packung beachten und im Zweifel bei Hersteller, der Fachwerkstatt oder einem Fahrzeugaufbereiter nachfragen.

Essig ist nicht ganz tabu

Herrmann rät zu einer Reinigung von oben nach unten. Also zuerst bei den Sitzen anfangen und anschließend die Fußmatten und den Fahrzeugteppich bearbeiten. Bei besonders hartnäckigem Schmutz kann man mit Nasssauger und Essig arbeiten. Der Nasssauger nimmt viel Schmutz auf und reinigt den Teppich leicht. Dann lässt sich mit einem in warmem Essigwasser getränkten Handtuch die Stelle anschließend abtupfen, damit die letzten Bakterien zerstört werden.

„Das verhindert üblen Geruch, ganz ohne chemische Keule im Auto“, erklärt Herrmann. Wasserverdünnter Essig in kleinen Schalen dient anschließend über zwei Tage als Geruchskiller, da er die letzten Bakterien im Fahrzeug tötet.

Hausmittel wie Kaffee zum Übertünchen von Gerüchen sehen die Experten eher kritisch. „Kaffee zerstört die üblen Geruchsmoleküle im Auto nicht, sondern überdeckt sie nur“, erklärt Herrmann. Wichtiger sei es, die Ursache für den schlechten Geruch zu finden, ergänzt Ballas.

„Das können modrige Polster, nasse Fußmatten oder Dämmfilze sein, die zuerst ausgetauscht oder erneuert werden sollten, bevor man dem Geruch in der Luft an den Kragen geht“, sagt er. Sonst ist die Lösung nur von kurzer Dauer und es riecht es wieder übel.

Von Fabian Hoberg, dpa


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