- © Foto: pixabay -
DAUN, 08.08.2018 - 11:55 Uhr
Auto & Technik

Datensicherheit ist Neuland für Deutschland

Fach- und Führungskräfte der IT-Sicherheit sind sich einig

Im Rahmen der IT-Security Messe it-sa führte die NIFIS vom 10. bis 12. Oktober 2017 unter 100 Fachkräften der IT und der IT-Sicherheit persönliche Befragungen zur Datensicherheit in Deutschland durch. Laut den Ergebnissen der Befragungen, die sich in der nun veröffentlichten Studie „IT- und Datensicherheit 2017“ wiederfinden, ist die IT-Branche mit der Entwicklung Deutschlands im Bereich Datensicherheit enorm unzufrieden. So gehen beispielsweise fast drei Viertel der 100 Befragten davon aus, dass Deutschland durch unpassende Digitalisierungsstrategien hunderte Milliarden Euro verschenkt. Gleichzeitig fordern 91 Prozent der Experten eine erhöhte Investition Deutschlands in den Breitbandausbau, um im internationalen Vergleich in Zukunft überhaupt konkurrenzfähig bleiben zu können. Laut der NIFIS-Studie führten vor allem fehlendes Wissen und große Unsicherheit zur aktuellen Unzufriedenheit. So gehen 86 Prozent davon aus, dass Deutschland bei der digitalen Transformation vor allem deshalb hinterherhinkt, da Sorge und Angst einen möglichen digitalen Fortschritt schlicht überdecken. Dem entspricht die Meinung von 87 Prozent der Befragten, die in den strengen Datenschutzbestimmungen in Deutschland die Ursache dafür sehen, dass Innovationen ausgebremst und im Keim erstickt werden.

Übergreifende Lösungen gefordert

In Zeiten der Unsicherheit wird die Forderung nach übergreifenden Lösungen für die IT-Sicherheit lauter. Mit 49 Prozent sieht knapp die Hälfte, dass die deutsche Sicherheitspolitik zwar durch Maßnahmen wie etwa dem 2011 gegründeten Cyber-Abwehrzentrum die Gefahren aus dem Netz senke, 46 Prozent geben im Rahmen der Befragung jedoch an, dass es an funktionierenden EU-übergreifenden Lösungen für eine erfolgreiche IT-Sicherheitspolitik fehle. „Wir können in den Studienergebnissen deutlich ablesen, dass der Wunsch nach Sicherheit dem Wunsch nach Freiheit und Innovation gleichwertig gegenübersteht. Es wird eine EU-übergreifende Aufgabe sein, diesem Ruf nach einem sicheren Rahmen zu folgen und Deutschlands Aufgabe, die Innovationskraft in dieser Umgebung zu stärken und zu fördern“, kommentiert der NIFIS-Vorsitzende Dr. Thomas Lapp die Ergebnisse.

Ist Datensicherheit wirklich „Neuland“?

„Das Internet ist für uns alle Neuland“ – dieser Satz von Angela Merkel aus dem Jahr 2013 ist wird immer wieder ausgegraben, wenn es um infrastrukturelle Themen aus dem Bereich der Technik und des Internets geht, bei denen Deutschland hinterherhinkt. Die 100 Befragten ITExperten reagieren auf die Frage, ob IT-Sicherheit auch noch „Neuland“ in Deutschland sei nur auf den ersten Blick zwiegespalten: 43 Prozent stimmen dieser Aussage nur teilweise zu, 35 Prozent komplett – nur 22 Prozent stimmen nicht zu. Addiert man jedoch die Stimmen derjenigen, die voll und teilweise zustimmen, kommt man auf einen Gesamtwert von 78 Prozent unter den IT-Experten, die mehr oder weniger deutlich sagen: Ja, Datensicherheit ist in Deutschland „Neuland“. Ein hoher Wert, der deutlich macht, dass Handlungsbedarf besteht.

Frage nach Zuständigkeiten

Doch wer ist für die Gewährleistung der IT-Sicherheit in erster Linie zuständig? Auf diese Frage herrscht unter den Experten Uneinigkeit: Die NIFIS-Studie fragte nämlich, ob dies in erster Linie die Aufgabe des Staates sei, was 43 Prozent der Befragtem bejahten, 37 Prozent stimmten dem nur teilweise und 20 Prozent gar nicht zu. Viel eindeutiger fällt hingegen die Antwort auf die Frage aus, ob es denn nicht doch die Wirtschaft sei, die sich in erster Linie selbst gegen Cyber-Angriffe schützen müsse: Ganze 83 Prozent stimmten hier zu. Auch beim Thema Eigenverantwortlichkeit jedes eigenen Bürgers in puncto IT-Sicherheit ist das Stimmungsbild eindeutig. 78 Prozent stimmen der Aussage zu, dass jeder Bürger dafür selber persönlich Sorge tragen müsse, was mit seinen Daten geschieht. 17 Prozent waren sich unschlüssig, nur fünf Prozent lehnten diese Auffassung ab.

DSGVO könnte helfen

Doch wie nun Datensicherheit verbessern? Laut den Befragten Experten ist es vor allem die am 25. Mai europaweit in Kraft getretene DSGVO (Datenschutzgrundverordnung), die tatsächlich einen Unterschied machen könnte. Auf die Frage, welche Maßnahmen für mehr Datensicherheit am erfolgversprechendsten gehalten werden, sprachen sich 91 Prozent für die Prävention durch hohe Strafen, wie sie die DSGVO vorsieht, aus. Für 89 Prozent sind auch – da Mehrfachnennungen möglich waren – Mitarbeiterschulungen von äußerster Wichtigkeit, damit in den Betrieben mehr Sensibilität für das Thema im Allgemeinen entsteht. An letzter Stelle, mit nur 71 Prozent, steht die Auffassung, dass konsequente Strafverfolgung für mehr Datensicherheit sorgen könnte. Diese Zahl lässt sich so deuten, dass unter IT-Experten gilt: Nur Prävention verhindert effektiv Schaden, bevor er entsteht. Kurz gesagt: Vorsicht ist besser als Nachsicht – weshalb 87 Prozent regelmäßige Daten-Backups ebenfalls unabdingbar für Datensicherheit halten.

Deutsche wünschen sich mehr Cybersicherheit

In der gesamten deutschen Bevölkerung ist das Thema Datenschutz und Cybersicherheit spätestens seit dem jüngsten Datenskandal um Facebook ein Thema. In einer Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern durch die Management- und Technologieberatung BearingPoint sprachen sich 84 Prozent der Befragten für härtere Gesetze aus, die nicht an Staatsgrenzen enden, sondern länderübergreifend funktionieren. „Unsere Umfrageergebnisse zeigen, dass der Facebook-Datenskandal das bereits starke Bedürfnis der Deutschen nach Cybersicherheit weiter erhöht hat. Mit 49 Prozent fühlen sich rund die Hälfte der Befragten hier nicht genügend durch den Staat geschützt“, kommentiert Stefan Pechardscheck, Partner und globaler Leiter Technology bei BearingPoint. Neben härteren Gesetzen sind es aber auch die Unternehmen, von den sich die Deutschen mehr Engagement wünschen: 88 Prozent der Befragten gaben an, dass sie von Unternehmen vor allem den Schutz ihrer Kundendaten erwarten. „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Deutschen gut einschätzen können, worauf es beim Schutz ihrer Daten ankommt“, kommentiert Stefan Pechardscheck dieses Ergebnis.

Von Max Philipp Kegler, Infosat Verlag


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://vivanty.de/auto-technik/datensicherheit-ist-neuland-f-r-deutschland

Aktuelle Ausgabe
November 2018 / No 54

Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.