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DAUN, 08.11.2019 - 16:10 Uhr
Auto & Technik

Fair und rechtssicher - So gelingt der Verkauf des eigenen Autos

(dpa/tmn) - Jedes Jahr wechseln in Deutschland rund sieben Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer, während nur etwa 3,5 Millionen Neuwagen abgesetzt werden. Dennoch ist der Verkauf des eigenen Autos für viele Halter alles andere als alltäglich. Denn die Deutschen fahren ihren Wagen oftmals lange. Im Januar 2019 lag das Durchschnittsalter aller rund 47 Millionen zugelassenen Pkw laut Kraftfahrt-Bundesamt bei 9,5 Jahren.

Wer sein Auto schließlich verkauft, sollte einige Regeln beachten. Die Autoclubs ADAC und ACE sowie der Tüv Süd geben Tipps, damit es beim Besitzerwechsel keine bösen Überraschungen gibt:

Den Wagen aufpolieren

Klebt noch der Schmutz von der letzten Feldwegfahrt an den Stoßfängern, kommt das ebenso wenig gut an wie staubige Armaturen. Der potenzielle Käufer sollte nicht den Eindruck bekommen, das Auto sei vernachlässigt worden. Eine Fahrzeugwäsche ist also angeraten. Und der Innenraum wird gründlich gereinigt.

Oft steigert eine professionelle Aufbereitung den Verkaufswert weit über deren Kosten hinaus. Autohäuser und Spezialfirmen bietet das an. Doch zu viel Hygiene für das Auto kann auch nach hinten losgehen. Wer zum Beispiel eine Motorwäsche durchführt, kann den Verdacht erwecken, mögliche Ölspuren und damit Lecks verschleiern zu wollen.

Wer Kratzer ausbessert und Schönheitsreparaturen erledigt, gibt dem Käufer dagegen weniger Anlass, den Preis zu drücken.

Zum guten Gesamteindruck trägt bei, wenn Reifendruck, Öl- und Kühlwasserstand stimmen, der Wischwassertank gefüllt ist sowie die Beleuchtung einwandfrei funktioniert. Ist die Hauptuntersuchung (HU) bald fällig? Dann am besten vorziehen. Laut ADAC kann eine frische HU den Verkaufspreis um bis zu 2000 Euro heben. Den Gesamtzustand seines Fahrzeugs kann man von Sachverständigenorganisationen für Preise ab rund 30 Euro ermitteln und sich bescheinigen lassen.

Den Wert des Autos ermitteln

Nur so lässt sich ein angemessener Preis aufrufen. Eine erste Orientierung darüber, was der Wagen noch wert ist, bietet eine Internet-Recherche auf großen Verkaufsportalen wie mobile.de oder autoscout24.de. Dort kann man nach in Alter, Ausstattung, Laufleistung und Motorisierung vergleichbaren Fahrzeugen suchen. Wichtig zu beachten: Die Preise auf den Portalen dienen meist nur als Verhandlungsbasis, die letztlich erzielten Summen liegen oft niedriger.

Marktbeobachter wie die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) oder Schwacke (für 7,90 Euro) bieten Fahrzeugbewertungen online an, die teils Sonderausstattungen berücksichtigen, den individuellen Zustand des Fahrzeugs aber nicht. Dieser wird zum Beispiel in einem individuellen Wertgutachten ermittelt.

Das Fahrzeug inserieren

Man kann den Wagen zur Werkstatt des Vertrauens fahren und dort relativ schnell loswerden. Doch den besten Preis wird man dort meist nicht bekommen. Steht ein Neuwagenkauf an, erzielt der Verkäufer mit einer Inzahlungnahme in der Regel einen besseren Preis. Verkauft man dagegen von privat an privat, wird man wahrscheinlich am meisten Geld bekommen. Doch bis ein Käufer gefunden ist, braucht man oft Geduld.

Umso wichtiger ist ein sorgfältig erstelltes Inserat. Dazu zählen gute Fotos, die das Auto am besten aus mehreren Blickwinkeln zeigen.

Schäden wie Beulen oder Kratzer sollten dokumentiert werden. Bilder des am besten durchgängig ausgefüllten Wartungsheftes schaden nicht. Pflicht ist die Angabe über die letzte HU. Man sollte Interessenten generell viele Details liefern, etwa zur Sonderausstattung.

Inserate werden heute meist online über bekannte Verkaufsportale geschaltet. Eine Anzeige in der örtlichen Zeitung ist eine weitere Möglichkeit. Wer ein Liebhaberfahrzeug anbietet, kann eine Anzeige in einem Spezialmagazin schalten oder seine Verkaufsabsicht über soziale Medien in bestimmten Gruppen posten. Ein Aushang des Inserats an der hinteren Seitenscheibe des Autos sorgt für analoge Aufmerksamkeit - und macht vorbeigehende Spaziergänger auf das Angebot aufmerksam.

Das Auto richtig präsentieren

Beim Treffen mit einem Interessenten sollte man sämtliche vorhandene Unterlagen vorlegen - von den Zulassungsbescheinigungen Teil I und II (Fahrzeugschein und -brief) über das Wartungsheft bis zu Nachweisen über vergangene Haupt- und Abgasuntersuchungen (AU).

Wartungs- und Reparaturrechnungen schaffen Transparenz, denn vergangene Schäden sollte der Verkäufer nicht verschweigen. Gutachten verschaffen Klarheit über dessen Ausmaß. Um eine Vertrauensbasis und die richtige Chemie im Verkaufsgespräch zu schaffen, ist es ratsam, auch kleinere Kratzer zu erwähnen, die ab einem gewissen Alter ohnehin als gängige Gebrauchsspuren angesehen werden.

Verschweigt man erhebliche Mängel, die einem nachweislich bekannt waren, kann das als arglistige Täuschung gewertet werden. Dann kann der Käufer den Kaufvertrag nach Angaben des Tüv Süd später anfechten und rückgängig machen.

Die Probefahrt

Das Auto auszuprobieren, sollte keinem Interessenten verweigert werden. Doch kann man dabei folgenschwere Fehler begehen. Zunächst gilt es, sich den Führerschein des potenziellen Käufers zeigen zu lassen. Um späteren Ärger zu vermeiden, dokumentiert man Kratzer und andere äußere Schäden.

Auf Nummer sicher geht man mit einer Vereinbarung, die Interessenten verpflichtet, im Fall der Fälle für eine Selbstbeteiligung oder eine Rückstufung bei der Kfz-Versicherung aufzukommen. Entsprechende Musterdokumente bieten etwa der ADAC oder ACE.

Zur Probefahrt sollte man immer mit einsteigen, um Herr der Lage zu bleiben. Ideal ist es, wenn noch eine weitere Begleitperson mitfährt. Wichtige Dokumente wie der Fahrzeugbrief als Besitzurkunde sollten zu Hause bleiben, ebenso vorhandene Zweitschlüssel. Ist das Fahrzeug abgemeldet, müssen zur Probefahrt Kurzzeitkennzeichen ans Auto.

Vertragsabschluss und Fahrzeugübergabe

Sind sich die Parteien einig, ist ein Kaufvertrag Pflicht. Mustervordrucke im Netz bietet zum Beispiel der Tüv Süd. Mit dem Vertrag wird die Fahrzeugübergabe sauber dokumentiert. Festgehalten werden Details zu Käufer und Verkäufer, zum Auto, außerdem Datum und Uhrzeit und natürlich der Kaufpreis.

Besonders wichtig: die gesetzliche Gewährleistung ausschließen. Das ist bei Privatverkäufen möglich. Ansonsten unterliegt der Verkäufer wie ein Händler der zweijährigen Gewährleistungspflicht - was bei Beanstandungen teuer werden kann.

Schlüssel und Fahrzeugpapiere sollte man erst übergeben, wenn man den Kaufpreis in voller Höhe erhalten hat. Experten raten zur Barzahlung, um Betrügereien vorzubeugen.

Gängig ist, dass der neue Besitzer das Auto ummeldet. Sicherer ist es jedoch, der Versicherung und der Zulassungsstelle selbst mitzuteilen, dass das Auto verkauft wurde - am besten direkt per Fax oder E-Mail. Und noch sicherer ist es, das Auto bereits abgemeldet zu verkaufen. Denn Steuern, Versicherung und etwaige Bußgelder zahlt man selbst, solange das Auto unter dem eigenen Namen registriert ist.

Von Stefan Weißenborn, dpa


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