Sie bringen Internet auf die Erde: Zwei Starlink-Satelliten als Lichtstreifen am Nachthimmel, aufgenommen mit 15 Sekunden Belichtungszeit. Sie bringen Internet auf die Erde: Zwei Starlink-Satelliten als Lichtstreifen am Nachthimmel, aufgenommen mit 15 Sekunden Belichtungszeit. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul -
DAUN, 13.05.2022 - 08:51 Uhr
Auto & Technik

Internet via Starlink: Schneller Weg aus der Breitbandlücke

Mittelgebirge wie die Eifel halten für den erdgebundenen Glasfaserausbau gleich mehrere Herausforderungen bereit. Nicht nur, weil der Tiefbau ein aufwändiges und langwieriges Unterfangen ist. Auch die bürokratischen Hürden sind enorm. Damit liegt trotz erheblicher Förderinvestitionen eine Gigabitversorgung via Glasfaser nicht nur dort, sondern für Millionen Menschen in Deutschland noch in weiter Ferne.

Vertraute Situation

Für Einwohner ländlicher Gebiete ist das eine vertraute Situation: Zur Befriedigung selbst der einfachsten informellen Grundbedürfnisse war man hier bis tief in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts auf eine äußerst spärliche Versorgung durch Antennenfernsehen angewiesen. Eine Problematik, die die Landbevölkerung erst mit der Verbreitung des Satellitenfernsehens in Vorteil setzte, über das sich mit einer einfachen Sat-Antenne hunderte deutscher und internationaler TV- und Radio-Programme empfangen lassen – inzwischen allein 100 freie TV-Sender in beachtlicher HD-Qualität.

Satellitenempfang ist überall möglich

Rund die Hälfte aller deutschen TV-Haushalte empfängt heute ihre Programme über Satellit. Wer über Land fährt, wird kaum ein Gebäude ohne Sat-Antenne entdecken. Das hat einen guten Grund: Denn im Prinzip ist das europaweit flächendeckend ausgestrahlte Satellitenfernsehen selbst mit kleinsten Antennen fast überall mühelos zu empfangen.  

Internet via Satellit

Dies gilt gleichermaßen für die jüngste Generation von Internet via Satellit-Diensten. Über sie können innovationsfreudige Privat- und Geschäftskunden in der deutschen Breitbandmisere schon jetzt auf zeitgemäße Plattformen digitaler Arbeit und vernetzter Industrialisierung zugreifen. Hierbei steht insbesondere das vom US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betriebene Satellitennetzwerk Starlink im Fokus, das mittlerweile auch in Deutschland hochleistungsfähige Internetanschlüsse anbietet.

Neuartige Technologie

Mit mehr als 1792 Starlink-Satelliten (Stand Ende 2021), die die Erde auf 72 Bahnen im niedrigen Orbit von wenigen hundert Kilometern Höhe umkreisen, ist SpaceX in wenigen Jahren zum mit Abstand größten Satellitenbetreiber weltweit aufgestiegen – und schon jetzt dabei, seine Flotte im zweiten der drei geplanten Ausbauschritte auf 2.824 Satelliten auszubauen. Diese sind untereinander und über ein weltweites Netz von Bodenstationen mit dem Internet verbunden.

Schneller Weg ins Internet

Über ein einfaches vollautomatisiertes Satelliten-Terminal greifen Starlink-Kunden in bemerkenswert wenigen, selbst für Laien durchführbaren Schritten, praktisch sofort auf einen hochleistungsfähigen Internetanschluss mit rund 100 Mbit/s Datendurchsatz und schnellen Reaktionszeiten zu. Auch die Bestellung ist kinderleicht: hierfür braucht der Kunde nur wenige Daten im Online-Bestellformular unter www.starlink.com auszufüllen und die Zahlung zu veranlassen.

Perfekte Nutzerführung

Wer danach sein Starlink-Paket zugestellt bekommt, erhält ein selten vollständig vorkonfiguriertes System. Alle Kabelverbindungen sind nicht nur farbig gekennzeichnet, Netzteil, Router und Antenne sind auch bereits vollständig miteinander verbunden, sodass nur noch die Antenne auf ihr Dreibein gesteckt werden muss und das Netzteil an den Stromanschluss. Mit der Starlink Smartphone-App kann nun die Verbindung zur Antenne aufgebaut und ein Check des für die Antenne erreichbaren Himmelsausschnitts vorgenommen werden. Ist der Standort passend, findet sie schnell die von Ihr ausgewählte Satellitenbahn und stellt eine Verbindung her. Über das vom Router bereitgestellte WLAN sowie einen Anschluss für ein Netzwerkkabel, kann man nun auf das Internet zugreifen. Damit hält das Starlink-Netzwerk sein Versprechen, schnelles Internet praktisch überhall hin zu liefern.

Nicht ohne Nachteile

Dabei zählt das System eher zu den kostenintensiven Lösungen: So fallen für die Grundanschaffung 499 Euro plus 79 Euro Versand für die Starlink-Motorantenne an. Der Service schlägt dann nochmals mit 99 Euro monatlich zu Buche. Nicht zu unterschätzen ist auch der Stromverbrauch des Systems, der sich im Dauerbetrieb nochmals mit rund 20 Euro Stromkosten niederschlägt. Zwar ließe sich hier mit einer Zeitschaltuhr viel Geld sparen, jedoch nur um den Preis der immer wichtiger werdenden, permanenten Netzbereitschaft. u

Schritt für Schritt: Ins Internet via Satellit

Schritt 1 – App installieren

Die Starlink-App ist für Android und iOS verfügbar und stellt den Dreh- und Angelpunkt für alle Einstellungen des Starlink-Systems dar. Praktische Tools ermöglichen, den Status der Verbindung zu prüfen und mögliche Verdeckungen der notwendigen direkten Sichtverbindung zu den Satelliten aufzuspüren.

Schritt 2 – Standort auswählen

Die Starlink-Antenne steht möglichst so, dass von ihr aus ein möglichst großer Himmelsausschnitt überblickt werden kann. Ein enger Garten mit hohen Hecken kann dabei durchaus ein Problem darstellen. Hat man einen geeigneten Aufstellplatz gefunden, kann man dessen Eignung mit der App prüfen. Dabei wird der sichtbare Himmelsausschnitt mit der Smartphone-Kamera abgefahren, sowie Position und Ausrichtung erfasst.

Schritt 3 – Antenne aufstellen

Im Lieferzustand sind alle Elemente der Starlink-Antenne bereits vollständig verkabelt. Die Antenne mit der integrierten Motoreinheit ist bereits fest mit der Haltestange verbunden. Auch das sehr lange graue Anschlusskabel kann nicht von der Antenne gelöst werden. Daher braucht die Antenne nur mit der Stange in den beiliegenden Dreibeinständer eingesteckt zu werden und ist damit aufgestellt. Sind die Kabelverbindungen gelöst, macht die Farbgebung der Anschlüsse und Einheiten den korrekten Anschluss kinderleicht.

Schritt 4 – Stromversorgung herstellen

Nun muss nur noch die Stromversorgung über eine klassische 230V-Steckdose hergestellt werden. Das Netzteil und der zum Starlink-System gehörige WLAN-Router brauchen dabei einen trockenen Standort. Optimal ist eine Kabeldurchführung des langen grauen Antennenanschlusskabels in den Innenraum, damit Netzteil und Router trocken stehen. Der Stromverbrauch fällt dabei von Zeit zu Zeit durchaus unterschiedlich aus.

Schritt 5 – Netzwerk in Betrieb nehmen

Nach wenigen Minuten Startzeit richtet sich die Antenne auf die optimale Position zur Verbindung mit den Starlink-Satelliten aus, die auf 72 Bahnebenen in rund 400 km Höhe um die Erde kreisen. Nun braucht man netzwerkfähige Geräte nur noch mit dem vom Router zur Verfügung gestellten WLAN zu verbinden. Auch eine einzelne Kabelverbindung zum Router ist möglich. Dieser bietet allerdings wenige Komfortfunktionen. Daher ist es sinnvoll, ihn nur als Brücke z. B. zum Netzanschluss einer FritzBox zu nutzen, die dann das Management der heimischen Netzversorgung übernimmt.  u

Internet via Starlink: Die wichtigsten Fragen & Antworten

Wo kann ich Starlink empfangen?

Über seine sehr gute Flächenabdeckung und die vollautomatische Motorsteuerung des Satelliten-Terminals lässt sich Starlink nicht nur in Deutschland sondern auch in vielen anderen Ländern weitestgehend flächendeckend empfangen. Ausschlaggebend ist die Standortwahl mit möglichst viel freiem Himmel, bei dem der Blick auf die in Ketten über den Himmel wandernden Satelliten nicht verstellt ist.

Was kostet das Starlink-Internet?

In Deutschland wird das Starlink-Internet unabhängig vom genutzten Datenvolumen mit 99 Euro monatlich berechnet. Für das von Starlink selbst produzierte Terminal sind einmalig 499 Euro plus 73 Euro Versand fällig. Der Betrieb des Systems wirft zudem nicht unwesentliche Stromkosten auf, die man mit einrechnen sollte.

Wie viel Bandbreite erhalte ich über Starlink?

Während der aktuellen Beta-Phase gibt Starlink eine maximale Internet-Download-Geschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s zwischen den Starlink-Kit-Geräten im Haus/in der Wohnung des Kunden und dem Starlink-Internet-Edge an. Die tatsächliche Leistung kann geringer ausfallen und ist nicht garantiert. Im Testzeitraum waren rund 70 Mbit/s die Regel.

Wie hoch sind die Latenzen?

Mit einer durchgängig niedrigen Latenz von um die 40-50 ms eignet sich die Antenne gut für Live-Anwendungen wie Streaming, Videokonferenzen oder Online-Telefonie. Hin und wieder auftauchende kleinste Unterbrechungen können jedoch bei besonders zeitkritischen Anwendungen wie z. B. reaktionsschnellen Online-Spielen stören. 

Kann ich größere Bandbreiten buchen?

Über das neue Angebot Starlink Premium, das auch über eine größere Antenne verfügt, sollen sich demnächst Download-Geschwindigkeiten von 150–500 Mbit/s bei Latenzzeiten von 20–40 ms buchen lassen. Hierüber will Starlink kleinen Büros, Ladengeschäften und Super-Usern weltweit Konnektivität mit hohem Durchsatz bereitstellen. Die Kosten für das in den USA bereits gestartete Angebot liegen bei 2.500 Dollar für die Hardware und 500 Dollar monatlichen Anschlusskosten.

Wie hoch ist der Stromverbrauch des Starlink-Terminals?

Im Schnitt liegt der durchschnittliche Stromverbrauch bei rund 100 Watt (80-150 Watt) monatlich also etwa 72 kWh. Im Dauerbetrieb kommen also bei einem durchschnittlichen Preis von 31,89 Cent pro kWh monatlich rund 23 Euro Stromkosten zusammen [(100 Watt x 24h x 30)/1.000 = 72 kW/h]. Ein durchschnittlicher DSL-Router kommt hier mit etwa 10-15 Watt aus. Eine Zeitschaltung z. B. um das Terminal in der Nacht abzuschalten, kann hier echtes Geld sparen.

Ist das Starlink-Internet wetterfest?

Dank der niedrigen Umlaufbahnen mit reinen Signallaufzeiten von etwa 2 Tausendstel-Sekunden hat auch schweres Wetter wie starker Regen, Schneefall oder Hagel, wenn überhaupt, nur geringfügigen Einfluss auf die Verbindungsqualität des Starlink-Systems. Zwar kann eine vollständige Bedeckung der Antenne die Signalqualität sehr wohl beeinträchtigen. Dank der Wärmeentwicklung des Empfangssystems (Messen) schmilzt Schnee jedoch relativ schnell ab. 

Von Hermann Dresen

(Stand: Artikel aus der Ausgabe No. 94 / März 2022)


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