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DAUN, 14.11.2019 - 16:30 Uhr
Auto & Technik

Keine Scheu: So erschließen sich Ältere die digitale Welt

(dpa/tmn) - Die Bank im Dorf gibt es nicht mehr, Geld überweisen läuft jetzt online - doch wie soll das gehen? Der Gang zum Einkaufen fällt nicht mehr so leicht - aber kann man es wagen, Lebensmittel im Internet zu bestellen? Fragen wie diese beschäftigen viele ältere Menschen.

Aus Sicht von Günter Voß ist es wichtig, dass sich Ältere mit dem Digitalen auseinandersetzen. „Medienkompetenz ist Altersvorsorge“, betont der Koordinator des Senioren-Computer-Clubs Berlin-Mitte.

Man komme mit anderen Menschen in Kontakt oder könne ihn halten, führt Voß aus - zum Beispiel zu den Enkeln, die in fernen Ländern unterwegs sind. Aber welches Gerät ist dafür sinnvoll? Muss es ein spezieller Senioren-PC sein? Oder reicht ein Tablet?

Speziell auf Senioren zugeschnittene Geräte

Verschiedene Hersteller haben speziell konfigurierte Computer, Smartphones und Tablets auf den Markt gebracht, die für Senioren leichter zu handhaben sein sollen. Die Geräte sind auf wesentliche Funktionen reduziert, haben große Icons und liefern Erklärtexte, wie Ingolf Leschke von der Zeitschrift „Computer Bild“ erläutert.

Oft liefen diese Rechner mit dem Betriebssystem Linux und lieferten alles, was man im Alltag braucht. „Wer damit allerdings Kinder oder Enkel um Rat fragt, muss davon ausgehen, dass diese mit Windows oder Apple-Computern arbeiten und sich bei Linux erst einmal einarbeiten müssen“, gibt Leschke zu bedenken.

Eher Laptop als Desktop-Computer

Worin sich die Experten einig sind: Die Zeiten des klassischen Desktop-PCs, der unter dem Schreibtisch steht, sind mehr und mehr vorbei. „Das nimmt zu viel Platz weg“, findet Günter Voß.

„Ein Laptop ist leicht zu handhaben, leicht zu tragen, man ist einfach mobiler damit“, sagt auch Reinhard Gundal. Der Webdesigner gibt an der Volkshochschule Mainz PC-Kurse für Senioren. Jedoch ist bei Laptops die Größe des Bildschirms begrenzt - schwächer werdenden Augen kommt das nicht entgegen.

Dietmar Kroschel, Inhaber einer Senioren-Computerschule im Westerwald, empfiehlt einen Laptop mit 17-Zoll-Bildschirm. Weniger als 15 Zoll Diagonale sollte es nicht sein. Das sind 38,1 Zentimeter. Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf eines zusätzlichen Monitors, an den man den Laptop zu Hause anschließen kann.

Bedienung der Maus ist Übungssache

Dazu kommen Tastatur und Maus und bei Bedarf ein Multifunktionsgerät, das Dokumente und Fotos drucken, faxen, scannen und kopieren kann. Der Umgang mit Maus, Touch-Display beim Tablet oder des Maus-Ersatzes Trackpad ist Übungssache, meint Voß. Er rät, vor dem Kauf alles anzufassen und zu testen, wie die Geräte in der Hand liegen. Kroschel weiß: „Viele betrachten die Maus erst einmal als Fremdkörper, den sie nur ganz vorsichtig bewegen.“ Mit Training ändert sich das jedoch.

Wer mit der Vielzahl der Anwendungen oder der Größe der Abbildungen und Schriften nicht zurechtkommt, kann sich das Gerät so einstellen, dass nur die wichtigsten Programme auf dem Desktop angezeigt werden, rät Leschke. In den Einstellungen lasse sich sowohl bei Windows als auch bei macOS bestimmen, wie groß die Symbole dargestellt werden.

Beim Betriebssystem raten Gundal und Kroschel zu Microsoft Windows 10 mit dem Office-Paket für E-Mails, Textbearbeitung und weitere Anwendungen. „Es ist das gängigste und für alle Apps, zumindest was diese Klientel betrifft, besser geeignet“, findet Gundal. Gerade weil Windows 10 so weit verbreitet sei, finden hier Ältere leichter Hilfe, sagt Kroschel. Manchen reiche auch das kostenlose Open-Office-Paket als Bürosoftware sowie Mozilla Thunderbird als Mailprogramm.

Vor dem Kauf ist es nach Angaben von Gundal wichtig, sich ausführlich beraten zu lassen und mehrere Meinungen einzuholen, damit sich Ältere im Elektronikmarkt kein überdimensioniertes PC-Equipment aufschwatzen lassen. Von Tablets rät Gundal eher ab: „Sie sind einfach zu klein.“

Soll es dennoch ein Smartphone oder Tablet sein, rät Günter Voß dazu, einen Stift zur Bedienung zu nutzen. Der erleichtert es, Symbole und Buchstaben auszuwählen, was die Finger vielleicht nicht mehr präzise können.

Digitales Wissen erarbeiten

Wer ungeübt auf dem digitalen Feld ist, kann spezielle Kurse belegen. Dort werden die Vorgänge erklärt und Ängste abgebaut. „Wir versuchen, das langsam und in einfachen Worten zu erklären“, schildert Günter Voß die Kurse, die sein Senioren-Computer-Club anbietet.

Kinder oder Enkelkinder sind zwar eine Hilfe, oft aber nur bedingt. Sie erklären Vorgänge nicht, sondern lösen Probleme lieber schnell selbst oder per Fernzugang zum PC, weiß Kroschel. „Schreiben Sie mit“, rät er - und dann: „üben, üben, üben“, ohne Hilfe von außen.

Paare trainieren am besten gemeinsam. „Es sollte nicht einer allein für den PC zuständig sein. Dann steht der andere im Krankheits- oder Todesfall unwissend da“, warnt Kroschel.

Sich selbstständig im Digitalen zurechtzufinden, ist aus Sicht von Reinhard Gundal ein ganz zentraler Punkt: „Ohne ein gewisses Maß an Grundwissen geht die Lust ganz schnell verloren und die PC-Welt wird frustriert ad acta gelegt.“

Von Bernadette Winter, dpa


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