Statt zu telefonieren, kommunizieren viele Jugendliche lieber über Messengerdienste wie Whatsapp - und mühen sich dann, wenn sie in der Ausbildung oder im Job wieder Gespräche am Telefon führen sollen. Statt zu telefonieren, kommunizieren viele Jugendliche lieber über Messengerdienste wie Whatsapp - und mühen sich dann, wenn sie in der Ausbildung oder im Job wieder Gespräche am Telefon führen sollen. - © Foto: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand -
DAUN, 16.09.2022 - 12:39 Uhr
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Medienerziehung: So werden Kinder fit an Telefon und Handy

(dpa/tmn) - „Hallo, hallo?“ Die ganz Kleinen halten sich noch plappernd den Bauklotz ans Ohr, die etwas Älteren schon das bimmelnde, blinkende Spielhandy. Und am allerliebsten natürlich ein echtes Telefon. Kinder fasziniert schon sehr früh, dass man in einen Kasten hineinspricht und einen anderen Menschen hört. Und an den Erwachsenen beobachten sie: So ein Handy muss etwas unerhört Wichtiges sein - die Großen legen es ja fast nie aus der Hand.

Schon Kleinkinder zeigen deshalb oft wenig Scheu, wenn es ums Telefonieren geht. Bei aller Selbstverständlichkeit empfiehlt es sich aber, ein paar Verhaltensregeln einzuüben, vor allem auch mit Blick auf die Tatsache, dass immer mehr Kinder schon im Grundschulalter ihr eigenes Smartphone haben.

„Kinder sollten Schritt für Schritt ans Telefonieren herangeführt werden“, rät Medienpädagogin Iren Schulz von der Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“. Der erste Schritt könnte sein:

Das Kind darf die Eltern rufen, wenn es klingelt. Die nächste Kompetenz: Selber wählen, zum Beispiel die eingespeicherte Nummer der Großeltern. Das Vorschulalter ist meist ein guter Zeitpunkt, um Kindern zu erlauben, bei einem Anruf selbst den Hörer abzuheben oder das Hörersymbol zu drücken.

Mit oder ohne Namen melden? Experten uneins

Sollen sie sich dann mit Namen melden? „Da bin ich selbst unschlüssig“, räumt Schulz ein. Für Joachim Auer, der als Businesscoach unter anderem mit jungen Azubis das richtige Telefonieren übt, ist die Antwort dagegen klar: „Später im Berufsleben ist es üblich, sich mit vollem Namen zu melden.“ Das könne daher ruhig auch schon den Kindern beigebracht werden.

Je mehr die Kinder dürfen in Sachen Handy und Telefon, umso wichtiger sind klare Regeln, betont die Medienpädagogin. Dass Mamas Diensthandy für sie tabu ist oder dass sie sich nur melden, wenn der Name des Anrufers erkennbar ist. Und auflegen, wenn ein Fremder am Apparat ist. „Entscheidend ist immer die Frage, was die Kinder preisgeben“, sagt Iren Schulz: „So muss ganz klar sein, dass keine Fotos an Unbekannte geschickt werden dürfen.“

Dafür zu sensibilisieren, sei umso wichtiger, weil Foto und Video seit der Corona-Pandemie noch viel selbstverständlicher in der Alltagskommunikation genutzt werden: Mit Oma sprach man via Zoom und vom neugeborenen Cousin gab es jeden Tag ein Foto in der Whatsapp-Familiengruppe.

Bandbreite der Gefahren kaum überblickbar

Schon kleine Kinder seien sehr geschickt im Umgang mit den Geräten. „Dabei verliert man leicht aus dem Blick, dass sie natürlich noch nicht die Bandbreite der Möglichkeiten und Gefahren überblicken können“, gibt die Medienpädagogin zu bedenken und rät für die kindgerechte Verdeutlichung zu einem ganz anschaulichen Vergleich: „Wir öffnen ja auch nicht jedem Fremden einfach die Wohnungstür.“

Ein Verständnis für die Risiken ist umso wichtiger, weil Kinder oft schon im Grundschulalter ihr eigenes Smartphone in Händen halten. Von den Acht- bis Neunjährigen besitzt ein Drittel ein eigenes Gerät, bei den Zehn- bis Elfjährigen liegt der Anteil bei 75 Prozent, wie eine Befragung des Branchenverbands Bitkom aus dem Jahr 2019 ergab.

Da geht es dann längst nicht mehr nur ums Telefonieren: Es wird gespielt, gechattet, gestreamt. Gerade am Anfang rät Iren Schulz zu Jugendschutzapps, um die Funktionen des Geräts kindersicher einzuschränken. „Auch Datenschutz-Optionen sollten restriktiv genutzt werden.“

Kontaktaufnahme durch Fremde ist größtes Risiko

Die größte Gefahr sieht sie in der Möglichkeit, dass Kinder von Fremden direkt kontaktiert werden können, ohne dass die Eltern davon etwas mitbekommen, beispielsweise über Spiele-Chats. Fast ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 18 Jahren wurde bereits im Netz von Erwachsenen zu einer Verabredung aufgefordert, ergab eine im Jahr 2021 im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW erstellte Studie.

„Aber auch manche Kettenbriefe, die als Sprachnachrichten über Messenger-Apps verteilt werden, ängstigen Kinder sehr“, sagt Schulz. Und nicht zuletzt gilt es zu lernen, wie man mit Werbeanrufen umgeht - oder sie am besten gleich unterbindet.

Im Gespräch bleiben

Alles zu verbieten, um die Kinder zu schützen - das ist nach Ansicht der Medienpädagogin keine Lösung: „Je älter die Kinder sind, umso mehr kann man auf technische Einschränkungen verzichten. Die Kinder sind ohnehin zunehmend in der Lage, sie zu umgehen.“ Viel wichtiger sei es, von Anfang an klare und transparente Regeln und Routinen zu etablieren, im Gespräch zu bleiben, sich zu interessieren für die Spiele und Apps, die von den Kindern genutzt werden - und vor allem, selbst Vorbild zu sein.

Statt zu telefonieren, kommunizieren viele Jugendliche lieber über Messengerdienste wie Whatsapp - und mühen sich dann, wenn sie in der Ausbildung oder im Job wieder Gespräche am Telefon führen sollen, beobachtet Business-Coach Joachim Auer. Er hat den Eindruck, dass es vielen Jugendlichen schwerfällt, „am Telefon eine Beziehung aufzubauen“.

Im beruflichen Kontext sei aber genau das oft entscheidend: „Nur, wer seinen Gesprächspartner für sich gewinnt, bleibt ihm positiv im Gedächtnis. Und bekommt deshalb vielleicht den begehrten Auftrag, einen günstigeren Preis oder kann ein Reklamationsgespräch gewinnbringend führen.“ Auer übt in seinen Kursen deshalb auch die Kunst des Smalltalks: „Das beherrschen viele Jugendliche nicht mehr.“

Smalltalk beim Abendbrot trainieren

Dabei lasse sich das ganz einfach zu Hause in der Familie trainieren - mit derselben Methode, die auch die Medienpädagogin empfiehlt: „Immer im Gespräch zu bleiben, ist entscheidend“, sagt Auer: „Eltern und Kinder können zum Beispiel abends am Esstisch erzählen, was sie den Tag über Schönes und Positives erlebt haben.“

Und zwar ohne dabei ständig aufs Handy zu schielen. Denn zum richtigen Umgang mit Handy und Telefon gehört auch die Fähigkeit, es liegen zu lassen, wenn es nicht angebracht ist - in der U-Bahn, im Restaurant und vor allem im persönlichen Gespräch. Funktionieren wird das allerdings nur, wenn auch die Eltern sich daran halten.

Von Eva Dignös, dpa

 


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