- © Foto: Diego Bircher / pixabay -
DAUN, 15.01.2020 - 16:34 Uhr
Auto & Technik

Mindestens 30 und gut in Schuss: So wird das Altauto zum Oldtimer

(dpa/tmn) - Der Vorteil von anerkannten Oldtimern - übrigens ein deutscher Begriff - liegt im Kennzeichen. Mit dem historischen H-Kennzeichen dürfen die Autos auch ohne Katalysator Umweltzonen befahren. Doch bevor ein Wagen offiziell als Oldtimer anerkannt wird, muss er zum geprüften Sachverständigen.

Mindestens 30 Jahre muss das Auto alt sein, außerdem gut erhalten. Dazu zählt auch der Originalzustand oder zeitgenössische Veränderungen. Diese strengeren Richtlinien haben eine Schwemme von 30 Jahre alten Alltagsautos verhindert. „Gebrauchsrostlauben bekommen heute kein H-Kennzeichen“, sagt Jan Hennen vom Deuvet, dem Bundesverband Oldtimer-Youngtimer.

Von der Prüforganisation zum Amt

Nach Paragraf 23 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StvZO) prüft ein anerkannter Kfz-Sachverständiger oder Prüfingenieur das Fahrzeug und bescheinigt ihm am Ende bestenfalls den Status als kraftfahrttechnisches Kulturgut. „Die Sachverständigen kommen fast zu 100 Prozent von einer der großen Prüforganisationen Tüv, Dekra, GTÜ oder KÜS“, sagt Hennen. Deshalb sollten Besitzer auch zu einer dieser Prüforganisationen fahren.

Mit dem Gutachten geht es anschließend zu der für sie zuständigen Kfz-Zulassungsstelle oder dem Straßenverkehrsamt. Die Zeit zwischen Gutachten und der Umschlüsselung bei der Zulassungsstelle sollte vier bis acht Wochen nicht überschreiten. Andernfalls kann die Zulassungsstelle ein neues Gutachten verlangen. Danach fehlen nur noch neue Nummernschilder mit dem H am Ende.

„Erst mit der Zulassung und den Nummernschildern wird das Auto dann amtlich zum Oldtimer“, sagt Hennen. Je nach Prüforganisation koste das Gutachten zwischen 150 und 200 Euro. Für die Zulassung verlange die Kfz-Behörde je nach Stadt und Kommune 30 Euro, neue Nummernschilder kosten rund 30 Euro.

Oldtimer-Status lohnt nicht immer

Ob sich das Ummelden rentiert, hängt von der Nutzung ab. Wer in Umweltzonen wohnt oder einfahren will, benötigt das H-Kennzeichen. Bei großvolumigen Motoren oder alten Dieseln fährt der Besitzer mit der pauschalen Oldtimer-Steuer von jährlich 191,73 Euro meist günstiger. Für Halter von Kleinfahrzeugen wie Fiat 500, Citroën 2CV oder Motorrädern rechnet sich diese Umschlüsselung dagegen nicht.

Auch Halter junger Oldies mit einem G-Kat und Euro-2-Einstufung zahlen weniger Steuer als mit einem H-Kennzeichen. Außerdem begrenzen viele Oldtimerversicherungen die Jahreslaufleistung auf ein paar Tausend Kilometer im Jahr. Es gibt also nicht nur Vorteile.

„Das H-Kennzeichen ist nur die Zusammenfassung dessen, wie das Fahrzeug aussehen muss“, sagt Frank Wilke, Oldtimer-Experte und Geschäftsführer von Classic Analytics, einem Unternehmen zur Marktbeobachtung und Bewertung von Oldtimern. Bis vor ein paar Jahren reichte dafür ein guter allgemeiner Zustand, meist Note 3. Heute gelten andere, notenunabhängige Kriterien.

Ausstattung muss zur Zeit passen

„Dafür muss das Fahrzeug verkehrstüchtig und gepflegt sein“, sagt Wilke. Zeitgenössisches Tuning sei aber erlaubt. „Ein Opel Ascona mit einem nachgerüsteten Doppelvergaser erhält ein H-Kennzeichen, das gleiche Auto mit einem Motor aus dem jüngeren Astra jedoch nicht mehr“, sagt Wilke. Die Prüfingenieure müssen sich deshalb gut in der Fahrzeughistorie auskennen.

Wilke rät, zur Prüfung alle Unterlagen wie alte Prospekte oder Fotos mitzubringen: „Dadurch lässt sich klären, ob das Auto original oder mit klassischem Zubehör ausgestattet ist.“ Vor der Fahrt zur Prüfstation sollte man das Auto kontrollieren. „Unter Umständen zählt das schon seit Kauf verbaute Sportlenkrad oder ein Sportauspuff gar nicht zur Originalausstattung oder die Räder stammen nicht aus der vorgeschriebenen Zeit.“

Ein Oldtimerkennzeichen steigert übrigens nicht unbedingt den Wert. „Dafür erhalten die Besitzer aber ein Gutachten über den Zustand des Fahrzeugs und die Erlaubnis zur Einfahrt in Umweltzonen“, so Wilke. „Bei vielen Fahrzeugen über 30 Jahre zählt ein H-Kennzeichen aber zum Standard.“

Großvolumige Fahrzeuge wie ein Mercedes 500er S-Klasse oder ein BMW 7er werden durch ein H-Kennzeichen nicht automatisch teurer, lassen sich aber besser verkaufen, da die Unterhaltskosten für die spezielle Oldtimer-Versicherung und pauschale Kfz-Steuer niedriger sind als bei konventionell angemeldeten Pkw.

Auch kulturelle Bedeutung kann Kriterium sein

Thorsten Rechtien vom Tüv Rheinland nennt nicht nur den Zustand als Oldtimer-Kriterium, sondern auch Historie und Bedeutung. Besitzer müssten zwar die Zulassung vor mehr als 30 Jahren und den originalen und gut erhaltenen Zustand nachweisen, doch es gebe Ausnahmen: „Ein altes Fahrzeug mit deutlich Patina mit einem Prominenten wie James Dean als Erstbesitzer ist ebenso ein automobiles Kulturgut wie ein historischer Rennwagen mit Straßenzulassung in unrestauriertem Zustand.“

Bei allen Fahrzeugen gleich: Im Zuge der Begutachtung erfolgt immer eine Hauptuntersuchung (HU), um zu sehen, ob das Fahrzeug mangelfrei ist. „Bei Importfahrzeugen erfolgt eine Vollabnahme“, erklärt Rechtien. Besitzer von Importautos müssen außerdem nachweisen, wann das Auto im Ausland erstmals zugelassen wurde. Andernfalls wird die Zulassung auf den 1. Juli des Baujahres geschätzt.

Schon vor dem Kauf empfiehlt sich eine genaue Kontrolle. „Wer vorhat, aus einem alten Fahrzeug einen Oldtimer zu machen, sollte schon bei der Besichtigung das Fahrzeug auf Originalität hin genau kontrollieren“, rät Rechtien. „Dazu zählt auch ein kritischer Blick unter Fußmatten und Auto.“ Vermeintliche Schnäppchen sollten Interessenten kritisch hinterfragen. Denn stellt sich das Fahrzeug später als Bastelbude heraus, ist spätestens beim Gutachten zum Oldtimer die Enttäuschung groß.

Von Fabian Hoberg, dpa


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://vivanty.de/auto-technik/mindestens-30-und-gut-schuss-so-wird-das-altauto-zum-oldtimer
Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.