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DAUN, 10.01.2020 - 16:36 Uhr
Auto & Technik

Mit altem Blech auf Zeitenjagd: So starten Sie bei Oldie-Rallyes

(dpa/tmn) - Der Fahrer spielt nervös mit dem Gaspedal, der Beifahrer hält mit schwitzigen Händen den Drücker der Stoppuhr. Oldtimer-Rallyes hören sich nach wild driftenden Autos an. Tatsächlich sind es eher gemütliche Ausfahrten mit einigen Prüfungen. Wer als Neuling kommende Saison mitfahren will, macht sich besser schon im Winter Gedanken darüber. Denn es gibt Unterschiede.

Peter Göbel, fünffacher Deutscher Rallyemeister als Copilot und heutiger Organisator von Oldtimer-Rallyes, unterscheidet zwischen Gleichmäßigkeitsfahrten und Soll-Zeit-Fahrten.

Für eine Soll-Zeit-Prüfung benötigen Teilnehmer neben ihrem Auto nur Wegstreckenzähler und Stoppuhr. Die Mehrzahl der Oldtimer-Veranstaltungen fällt in diesen Bereich, da sie für die meisten einfach zu bewerkstelligen sind. „Innerhalb einer vorgegebenen Zeit legen die Fahrzeuge eine definierte Strecke zurück, wie 140 Meter in 22 Sekunden. Da geht es zwar um hundertstel Sekunden, aber das Rechnen hält sich in Grenzen“, sagt Göbel.

Können Sie mit Ihrem Oldtimer einen genauen Tempo-Schnitt halten?

Bei Gleichmäßigkeitsfahrten hingegen muss auf einer langen Strecke die Geschwindigkeit exakt gehalten werden, wie beispielsweise auf 23 Kilometern ein genauer Schnitt von 47 km/h. „Das ist auf einer Landstraße einfach, im Gebirge mit engen Kurven aber schwierig. Da muss der Copilot mit Schnitttabellen oder Schnittcomputer sowie einem exakten Wegstreckenzähler, einem Tripmaster, arbeiten. Gleichzeitig muss er darauf achten, dass die Reifen nicht durchdrehen, weil sonst die gemessene Strecke nicht mehr stimmt“, sagt Göbel.

Spaß mit Gleichgesinnten sollte im Mittelpunkt stehen

Anfängern empfiehlt Peter Göbel Ein-Tages-Rallyes im Umkreis, um zu sehen, ob diese Art von Autofahren einem überhaupt liegt. Die Startgebühren liegen um die 100 Euro und bieten häufig einfache Streckenführung und Verpflegung.

Gut für Anfänger seien auch Orientierungsfahrten, Ori 75 genannt. „Dort geht es für 75 Kilometer per Karte durch die Gegend. Das trainiert das Kartenlesen, das ja sonst heute kaum einer mehr beherrscht“, sagt Peter Göbel. Einige Einsteiger denken, dass sie sofort exakt fahren und gut sind. „Das ist aber der falsche Ansatz.“

An einer Oldtimer-Rallye sollte man mitfahren, um mit Gleichgesinnten Spaß zu haben, die Strecke und das Essen zu genießen, nicht um zu gewinnen“, sagt Göbel. Dann gebe es Rallyes wie die Silvretta Classic in Österreich, die Sachsen Classic oder die Heidelberg Historic. „Die sind sehr gut organisiert und bieten viel Fahrspaß“, sagt Göbel. Die Startgebühr liegt für die Mehrtagesveranstaltung bei rund 1500 Euro.

Auch die von ihm organisierte Sauerland Klassik kostet so viel. Rund 100 Mitarbeiter investieren mit allen Behördengängen und der Durchführung dafür auch über 7500 Stunden. Termine von aktuellen Veranstaltungen finden sich etwa in Zeitschriften wie „Oldtimer Markt“ und „Motor Klassik“.

Mit welchen Autos kann ich mitmachen?

Für Rallyes braucht man keine teuren Oldtimer, auch historische Kleinwagen wie Fiat 500, Mini oder ein VW Käfer funktionieren dafür gut. „Schön ist es auch, wenn man mit Freunden unterwegs ist. Dann macht das Fahren doppelt Spaß“, sagt Göbel.

Jan Hennen vom Bundesverband Oldtimer-Youngtimer (Deuvet) unterscheidet bei Oldtimer-Rallyes zwischen Oldtimer-Wandern und Gleichmäßigkeitsprüfungen. „Beim Oldtimer-Wandern fahren Teilnehmer eine vorgegebene touristische Strecke ohne besondere Prüfungen.

Bei Gleichmäßigkeitsrallyes müssen Pilot und Copilot hingegen Aufgaben lösen“, sagt der Deuvet-Vizepräsident. Da seien meist vorgegebene Strecken in einer bestimmten Zeit zu fahren. Als Ausrüstung benötigen die Teilnehmer neben dem Auto lediglich eine oder mehrere Stoppuhren. Bei einigen Veranstaltungen sind auch elektronische Hilfsmittel wie spezielle Apps erlaubt.

Einsteigern empfiehlt auch Hennen kleinere Tagesveranstaltungen in der Nähe. Dort könnten sich Fahrer und Beifahrer ausprobieren. „Viele Organisatoren bieten vorab Lehrgänge für Navigation und Zeitnahme an“, sagt Hennen. Für ambitionierte Fahrer empfiehlt er mehrtägige Veranstaltungen, bei denen pro Tag viele Wertungsprüfungen zu bestehen sind. „Das kann aber für den Copiloten anstrengend werden, deshalb ist das nichts für Neulinge.“

Viele Modelle dürfen mitmachen, aber nicht alle

Novizen sollten darauf achten, welche Autobaujahre überhaupt zugelassen sind. Exotische Autos kommen bei Rallyes besonders gut an. Die müssen nicht unbedingt teuer sein, auch ein alter Ford Taunus Kombi zählt dazu. „Grundsätzlich kann ich mit jedem Auto Spaß haben.

Autos, die gut beschleunigen, sicher bremsen und im Stand nicht ausgehen, sind ideal“, sagt Hennen. Bei alten Autos rät er zu nachgerüsteten elektrischen Lüftern, da die Fahrzeuge vor Prüfungen oft im Stau stehen. Ohne Lüfter können die Motoren überhitzen.

Motorsport-Spezialist Hans Gerd Brauneiser rät Neulingen, vor der ersten Rallye zu üben. „Mit einer normalen Straßenkarte sollten Fahrer und Beifahrer eine bestimmte Route vorab fahren, um Ansagen abzustimmen und sich aufeinander einzustimmen“, sagt der Inhaber der Rheinlandgarage aus Köln. „Sonst klappt später die Kommunikation bei den Prüfungen nicht.“ In der Vorjahresausschreibung der Veranstaltung finden sich auch wertvolle Infos, dort können Teilnehmer oft erkennen, wie die Rallye abläuft.

Gut gewartete Autos brauchen eigentlich keine Vorbereitung

Eine spezielle Vorbereitung benötigen klassische Fahrzeuge vor solchen Veranstaltungen nicht. Vorausgesetzt, die Autos sind gut gewartet und haben eine gültige HU-Plakette. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt sich gängige Teile wie Keilriemen, Öl, Wasser und Reifenpilot in den Kofferraum.

Dennoch rät Brauneiser vor der Tour zu einer kleinen Abstimmungsfahrt, damit der Pilot weiß, dass sein Fahrzeug auch einwandfrei funktioniert. „Auf einem großen Parkplatz kann der Fahrer ein Gespür für langsames Fahren, Beschleunigen oder abruptes Bremsen entwickeln“, sagt er. „Der Beifahrer kann dabei die Zeit stoppen - eine gute Vorbereitung für Soll-Zeit-Prüfungen.“

Häufig schätzen Neulinge das Arbeiten mit dem Kartenmaterial falsch ein. „Die Vorbereitung ist deshalb wichtig. Sie entspannt Fahrer und Beifahrer bei der eigentlichen Rallye. Wer erst bei der Prüfung die Karte aufschlägt, verfällt leicht in Panik“, sagt Brauneiser. Dann schwitzen die Hände des Copiloten und der Fahrer tritt nervös aufs Gaspedal.

Von Fabian Hoberg, dpa


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