Die Apple Watch Series 6 kann Puls und Blutsauerstoff messen und auch ein EKG erstellen. Im Praxistest stimmten die Messergebnisse weitgehend mit medizinischen Pulsoximetern überein. Die Apple Watch Series 6 kann Puls und Blutsauerstoff messen und auch ein EKG erstellen. Im Praxistest stimmten die Messergebnisse weitgehend mit medizinischen Pulsoximetern überein. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Christoph Dernbach -
DAUN, 19.10.2020 - 10:38 Uhr
Auto & Technik

Series 6: Die Apple Watch will immer höher hinaus

(dpa/tmn) - Am Handgelenk kann man die verschiedenen Modelle der Apple Watch auf den ersten Blick kaum auseinanderhalten. Die Unterschiede zwischen der neuen Apple Watch Series 6, dem neuen Einsteigermodell SE und dem Vorgängermodell 5 werden allerdings nach einigen Sekunden sichtbar: Während das Display der Apple Watch SE abschaltet, um Strom zu sparen, bleibt der Bildschirm bei der Series 5 und 6 ständig an - wenn auch etwas weniger hell.

Wer dann genauer hinschaut, wird auch zwischen den beiden „Always on“-Uhren einen Unterschied erkennen. Apple sagt, die Series 6 habe im passiven Modus einen zweieinhalb Mal helleren Bildschirm als das Vorjahresmodell. Im Alltag bemerkt man das schon, auch wenn die höhere Helligkeit nicht so krass spürbar ist, wie der Wert von 250 Prozent vermuten lässt.

Nimmt man die Uhren vom Handgelenk und schaut sich die Rückseite an, erkennt man einen weiteren Unterschied. Neue Sensoren und vier LED-Cluster ermöglichen es, mit der Series 6 den Anteil von roten Blutkörperchen zu erkennen, die Sauerstoff im Blut transportieren. Damit damit kann die Sauerstoffsättigung (SpO2) des Blutes gemessen werden.

Sauerstoff im Blick

Dieser Wert sagt aus, wie gut der Körper mit Sauerstoff versorgt ist. Er spielt auch bei chronischen Lungenerkrankungen, Asthma oder beim Schlafapnoe-Syndrom eine Rolle, ebenso bei der neuen Lungenkrankheit Covid-19. Manche Sportler, die im Training ihre Vitalwerte überwachen, haben diesen Wert ebenfalls im Blick.

Herkömmliche Pulsoxymeter in der Medizin ermitteln den SpO2-Wert an der Fingerkuppe oder am Ohrläppchen, die neue Apple Watch - wie Smartwatches anderer Hersteller - dagegen am Handgelenk. Dabei leuchten die LED-Cluster in die Haut, die Sensoren registrieren die Farbe des Blutes und schließen auf den SpO2-Wert.

Das Verfahren nutzt den Umstand, dass Blut je nach Zustand verschiedene Färbungen zeigt: Gesättigtes, mit Sauerstoff beladenes Hämoglobin ist hellrot und absorbiert vor allem rotes Licht. Ungesättigtes Hämoglobin erscheint dunkelrot bis bläulich und nimmt vor allem Licht im infraroten Bereich auf. Im Praxistest liefert die Apple Watch 6 quasi identische Werte wie ein Spezial-Pulsoximeter an der Fingerkuppe.

Series 6 ist kein Medizingerät

Bei Werten zwischen 93 und 100 Prozent ist alles in Ordnung, sagen Mediziner. Sollten dauerhaft niedrigere Werte erscheinen, sollte man ärztlichen Rat suchen. Apple selbst preist die Funktion nur als reines Fitness- und Wellness-Feature an und warnt davor, von diesen Werten auf die Gesundheit zu schließen. Das hat auch damit zu tun, dass die Watch unter viel strengere rechtliche Rahmenbedingungen fallen würde, wenn Apple die Uhr als Medizingerät deklarieren würde.

Im Gegensatz zum Ein-Kanal-EKG, das mit der Apple Watch 4 eingeführt wurde, muss man für die Blutsauerstoffmessung nicht unbedingt eine eigene App starten, sondern kann die Werte auch im Hintergrund erfassen lassen, etwa in der Nacht zur Schlafanalyse.

Neu in der Apple Watch Series 6 ist auch ein anderer Höhenmesser, der nun im Normalbetrieb ständig im Hintergrund läuft und viel präziser ist als in den älteren Modellen. Anhand der ermittelten Höhenmeter können nicht nur Berg- oder Radsportler ihr Training besser planen. Auch die Alltagsaktivität etwa beim Treppensteigen lässt sich so besser vermessen.

Kein großer Performance-Unterschied

Nachgebessert hat Apple beim Hauptprozessor S6, der nun 20 Prozent schneller sein soll. Im Alltag ist im Vergleich zur Series 5 kein Performance-Unterschied spürbar. Nur der Sprachassistent Siri meldete sich gefühlt etwas flotter zu Wort. Der neue Chip soll zudem effizienter mit dem Strom umgehen. Doch auch hier waren in der Praxis kaum Unterschiede zu spüren. Die Bewährungsprobe steht dem neuen Prozessor wohl erst in ein oder zwei Jahren bevor, wenn WatchOS 9 oder 10 installiert wird.

Auch mit dem erstmals verbauten U1-Chip investiert Apple in die Zukunft. Der Prozessor ermöglicht der Uhr, im schnelleren 5-GHz-WLAN zu funken. Außerdem ermöglicht er Verbindungen im Ultrawide-Band. Zwar gibt es bislang dafür kein konkretes Anwendungsszenario, auch weil Apple die Einführung seiner seit Monaten erwarteten, smarten Schlüsselanhänger zuletzt wieder verschoben hat. Man ist aber für die Zukunft gewappnet.

Mit der Apple Watch Series 6 hat der iPhone-Hersteller ein ausgereiftes Produkt noch einmal verbessert. Sie ist heller, kann Blutsauerstoff messen und verfügt über einen besseren Höhenmesser. Die Unterschiede zur Series 5 fallen aber nicht so gravierend aus, dass man das Vorjahresmodell unbedingt gegen die neue Smartwatch austauschen möchte. Doch wer bislang ein älteres Modell besitzt, hat jetzt mehr Gründe für einem Wechsel.

Preise starten bei 418 und 291 Euro

Die Apple Watch Series 6 ist mit dem 40-Millimeter-Aluminiumgehäuse ab 418 Euro zu haben, die größere 44-Millimeter-Version kostet 447 Euro - etwas weniger als die Apple Watch 5 vor einem Jahr. Der Aufpreis für die Mobilfunk-Option (LTE) macht knapp 100 Euro aus. Teurer ist eine Apple Watch 6 mit goldfarbenen Edelstahlgehäuse und einem aufwendigen Lederarmband für 759 beziehungsweise 808 Euro.

Wer weniger Geld anlegen möchte, hat die Wahl zwischen der neuen Apple Watch SE und der älteren Apple Watche Series 3, die weiterhin im Angebot ist. Die SE ist ab 291 Euro zu haben. Es gibt sie aber nicht im Edelstahlgehäuse. Auch die neuen Gesundheitssensoren (EKG und Blutsauerstoff) und das Always-on-Display fehlen. Immerhin hat sie den neuen U1-Chip und ist damit besser für die Zukunft gerüstet als die Series 3, die ab 213 Euro kostet.

Schnäppchenjäger können auch Ausschau nach dem Vorjahresmodell Series 5 halten, das zwar bei Apple selbst nicht mehr zu haben ist, aber noch von vielen Händlern zu ähnlichen Preisen wie die SE angeboten wird. Die Series 5 verfügt bereits über den Always-on-Modus, der für viele Anwender einen größeren Unterschied machen wird als eine Blutsauerstoff-Messung. Die Stunde der Apple Watch SE wird eher dann schlagen, wenn sich ihr Preis in Richtung 200 Euro bewegt.

Von Christoph Dernbach, dpa


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