Scheinwerfer an: So wirken nicht nur Fahraufnahmen von Motorrädern dynamischer. Scheinwerfer an: So wirken nicht nur Fahraufnahmen von Motorrädern dynamischer. - © Foto: picture alliance/dpa/Daniel Wollstein | Daniel Wollstein -
DAUN, 07.08.2020 - 11:33 Uhr
Auto & Technik

Tipps vom Profi: So gelingen tolle Motorrad-Fotos

(dpa/tmn) - Es ist Hochsaison für das Motorrad, der Winterschlaf längst vergessen. Höchste Zeit also, die Maschine fürs Foto-Shooting zu putzen und zu polieren. Einfach nur zum Vorzeigen - oder um sie zu verkaufen. Mit ein paar Tipps gelingen selbst Amateuren gute Fotos.

Rossen Gargolov, professioneller Fotograf aus Stuttgart, fotografiert seit 20 Jahren unter anderem für Motorradzeitschriften. Vor dem eigentlichen Fotografieren rät er dazu, den richtigen Ort und eine gute Position für die Maschine zu finden.

Ideal sei ein Platz mit einem neutralen Hintergrund. „Das Wichtigste ist aber, dass einem selbst der Anblick von Motorrad, Position und Hintergrund gefällt, dass der Betrachter die Komposition mag.“

Ein paar Sekunden Bedenkzeit

Bevor Besitzer jetzt drauflosknipsen, sollten sie sich aber ein paar Sekunden Zeit nehmen und ihre Maschine genau betrachten, erklärt Gargolov. Dabei wirke jedes Motorrad anders: Manche Maschinen sehen gut von vorne aus, manche von der Seite, andere wiederum von hinten.

Besonders schön würden Aufnahmen, wenn sie morgens oder abends angefertigt werden. „Je früher am Morgen und je später am Abend, umso schöner werden die Fotos.“ Morgenlicht scheine etwas weißer und kühler, Abendlicht etwas gelber und wärmer. „Hartes Mittagslicht würde ich vermeiden“, sagt Gargolov.

Wenn das Motorrad teilweise im Schatten steht und dadurch fleckig wirkt, nutzt Gargolov einen Trick: „Schön werden die Bilder, wenn der Fotograf von der Schattenseite aus auf die Schatten fotografiert. Dort wird das Licht gleichmäßig verteilt, so dass die meisten Kameras und Smartphones das Bild gut regulieren können. Das ergibt spannende Fotos“, sagt er.

Dritte Dimension

Sollte die Sonne hart auf die Maschine scheinen, rät der Profi zu einer leicht seitlichen Aufnahme der Front oder des Hecks. „Durch diese Position und den Schatten erhält die Aufnahme eine dritte Dimension. Das sieht deutlich besser aus, als wenn das Motorrad nur platt von vorne abgelichtet wird“, sagt er.

Gute Aufnahmen gelingen, wenn der Fotograf sich möglichst tief und nah am Motorrad positioniert. Das wirke meist dynamisch - und der Himmel als Hintergrund sei neutral und lenke nicht ab.

Eine Profi-Fotoausrüstung benötigen Motorradfahrer nicht unbedingt. „Moderne Smartphones bieten mittlerweile eine gute Foto-Qualität.“ Beim Porträtmodus bleibe die Maschine scharf und der Hintergrund werde automatisch unscharf. „Das hebt das Motorrad schön ab.“ Bei einer Kamera ohne Porträtmodus gilt es, eine möglichst kleine Blendenzahl und eine kurze Verschlusszeit zu wählen.

Weitwinkel verzerren

Auf Weitwinkel-Aufnahmen würde Gargolov verzichten, da es Bauteile der Maschine optisch verzieht. Auch den Blitz lässt man besser aus. „Das direkte Licht bricht dann die Dreidimensionalität wieder auf zwei Dimensionen runter, die Maschine verliert Strukturen und das Foto sieht künstlich aus.“ Außerdem reflektiere Chrom oft das Licht und irritiere die Kamera. Die Fotos werden dann oft zu dunkel.

Auch Fahraufnahmen traut Gargolov Amateuren durchaus zu. Dafür eignen sich Kurvenfahrten: Der Fotograf steht in der Kurve und bewegt sich synchron zum vorbeifahrenden Motorrad. „Im Porträt-Modus zieht der Fotograf einfach mit, als würde er ein Video drehen.“ Auch hier wirke eine tiefe Position dynamisch, sagt er. Geübte Fotografen können auch vom Kurvenaußenrand Fotos machen, am besten schräg von vorne, wenn die Maschine schön tief in der Kurve liegt.

Daniel Wollstein, Motorradfahrer, Fotograf und Geschäftsführer der Fotoagentur Right Light Media, fotografiert seit zwölf Jahren professionell Motorräder. Für ihn ist neben dem richtigen Ort auch der korrekte Stand entscheidend.

Dreiviertel-Ansicht von vorne

„Maschinen stelle ich grundsätzlich auf dem Seitenständer ab. Wenn sie sich zu stark neigen, klemme ich einen kleinen Keil unter den Ständer.“ Sonst sehe es so aus, als würde das Motorrad absacken, erklärt Wollstein. Als Perspektive empfiehlt er eine Dreiviertel-Ansicht von vorne, um möglichst viel von der Maschine ablichten zu können.

„Schön sieht es aus, wenn das ganze Bike vom Vorderrad bis zur Heckleuchte zu sehen ist und das Licht vom Heck aus seitlich über die Maschine streift“, sagt er. Durch das Licht-und-Schatten-Spiel komme die Tiefe des Motorblocks ebenso zum Vorschein wie Konturen der Sitzbank oder die Speichen der Felgen.

„Das Streiflicht modelliert alle dreidimensionalen Aspekte des Motorrads, dadurch wird es nahbarer und lebendiger“, sagt Wollstein. Bei Cruisern setzt Wollstein auf möglichst lange Brennweiten zwischen 80 und 100 Millimetern, um die eh schon extremen Proportionen einzelner Bauteile nicht weiter zu verzerren. Sportler und Café Racer fotografiert er hingegen mit kleinen Brennweiten zwischen 35 und 50 Millimetern, um kleine Bauteile wie Scheinwerfer und Lenker anders darzustellen. Wegen der meist aussagekräftigen Front oder dem reduzierten Design bieten sich viele Modelle auch für ein Frontalfoto an.

Enduros lichtet er eher von der Seite mit einem 80-Millimeter-Objektiv ab, um optisch mit dem großen Tank und der hohe Sitzposition zu spielen. Wichtig: Die Auspuffanlage gehöre immer auf das Foto. Und für Fahraufnahmen rät der Profi zu angeschalteten Lampen: Sie erwecken das Motorrad zum Leben.

Von Fabian Hoberg, dpa


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