Das „Ökomodell Hindelang“ ist eine Allianz zwischen Bergbauern, Naturschutz und Tourismus. Gemeinsam mit ihrem Vieh kümmern sich Bergbauern um den Erhalt der Landschaft mit ihren typischen Buckelwiesen, farbenprächtigen Pflanzenteppichen und klarem Wasser. Somit erhalten Mensch und Tier im Einklang mit der Natur die traditionelle Berglandwirtschaft und eine intakte alpine Kulturlandschaft. Das „Ökomodell Hindelang“ ist eine Allianz zwischen Bergbauern, Naturschutz und Tourismus. Gemeinsam mit ihrem Vieh kümmern sich Bergbauern um den Erhalt der Landschaft mit ihren typischen Buckelwiesen, farbenprächtigen Pflanzenteppichen und klarem Wasser. Somit erhalten Mensch und Tier im Einklang mit der Natur die traditionelle Berglandwirtschaft und eine intakte alpine Kulturlandschaft. - © Foto: Bad Hindelang Tourismus/Wolfgang B. Kleiner -
DAUN, 09.03.2021 - 15:31 Uhr
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Bad Hindelang bringt hochwertige Produkte in örtlichen Tourismus und Handel

(dk). Im Dezember 2020 wurde Bad Hindelang (Allgäu) zur Fairtrade-Gemeinde ausgezeichnet. Der beliebte Urlaubsort zählt somit zu den Dörfern und Städten, die sich aktiv für fairen Handel in der Welt einsetzen. Mit dem Beitritt in den Verein „Eine Welt Netzwerk Bayern“ und in das darin integrierte Bündnis „bio-regional-fair“ macht Bad Hindelang jetzt den nächsten Schritt. Ziel ist es, neben fair gehandelten Produkten aus aller Welt die ökologisch hochwertigen Produkte aus dem gemeindeweiten Landschaftspflegeprojekt „Ökomodell Hindelang“ verstärkt in die örtlichen Tourismusbetriebe wie Hotellerie, Gastgeber, Gastronomie und in den Einzelhandel zu bringen. Damit einher geht das Bestreben, ein im Lebensraumkonzept „Unser Bad Hindelang 2030“ zentrales Schlüsselprojekt voranzutreiben: Die Übertragung des traditionellen Umwelt-Wissens aus den Bereichen der Alp- und Berglandwirtschaft in den Tourismus, zum Beispiel durch weitere Erlebnisangebote auf der Servicegästekarte „Bad Hindelang PLUS“.

„Die Bewusstseinsbildung für unsere Bergland- und Alpwirtschaft, die Stärkung regionaler Kreisläufe sowie die Belebung der Nachfrage heimischer Produkte sind Kernthemen in unserem Lebensraumkonzept“, sagt Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel. Die Auszeichnung zur Fairtrade-Gemeinde macht mich stolz, sie ist zugleich Anerkennung und Verpflichtung, den im Lebensraumkonzept vorgegebenen Weg konsequent weiter zu gehen.“ Die Bad Hindelanger Gemeindechefin hebt die Arbeit der Bergbauern und Älpler sowie das „großartige ehrenamtliche Engagement der Fairtrade-Steuerungsgruppe im Vorfeld der Auszeichnung“ lobend hervor.

Zweimal im Jahr werden ein Bio-Bauernmarkt und ein „faires Frühstück“ organisiert. In Supermärkten und Sportgeschäften werden regionale und fair gehandelte Bioprodukte und Lebensmittel sowie fair produzierte hochwertige Sportbekleidung angeboten. Die Schule der Hochgebirgsklinik „Santa Maria“ (Sophie Scholl-Schule) in Oberjoch ist seit 2018 zertifizierte „Fairtrade School“, die Jugendbildungsstätte der Jugend des Deutschen Alpenvereines nimmt sich seit längerer Zeit ebenfalls dem Thema an.

Die Prädikate ökologische Landwirtschaft, Regionalität und fairer Handel fügen sich nahtlos in die Geschichte der Gemeinde ein. Im Grunde sind sie die logische Fortführung des Ökomodells, das seit bald 35 Jahren zusammen mit der als „Immaterielles Kulturerbe“ anerkannten Alpwirtschaft ein alpenweites Paradebeispiel für Artenvielfalt, Artenschutz, hochwertige ökologische Produkte und eine intakte alpine Kulturlandschaft ist.

„Das Ökomodell Hindelang und die damit verbundene traditionelle, seit Jahrhunderten verwurzelte Berglandwirtschaft haben seit jeher im Ort und natürlich auch in der Tourismusstrategie 2030 höchste Priorität. Nun geht es im Kern darum, das Ökomodell mit seinen Produkten und mit erlebbaren Angeboten im Tourismus zu integrieren und die Fairtrade-Philosophie im Dorf umzusetzen. Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein – die Biodiversität und der großflächige Biotopverbund in Bad Hindelang sind einzigartig, die bäuerlichen Kleinstrukturen sind unverzichtbar und bieten mit ihren Produkten Klasse statt Masse“, sagt Tourismusdirektor Maximilian Hillmeier.

Schritt für Schritt sollen künftig traditionell hergestellte Produkte aus dem Ökomodell ebenso im Ort angeboten und beworben werden wie zum Beispiel fair gehandelte Lebensmittel aus aller Welt. „Zum selbstgemachten heimischen Kuchen oder Käse könnte  fair gehandelter Kaffee aus Südamerika gereicht werden“, sagt Karin Agerer von der Fairtrade-Steuerungsgruppe und ergänzt: „Weil wir Landwirte das nicht alleine leisten können, geht es zunächst darum, das Bewusstsein für ein solches Angebot zu schärfen, Möglichkeiten zum Mitmachen aufzuzeigen und Vertriebswege auszuloten.“

Die erste Bad Hindelanger „Fairtrade-Visitenkarte“ gibt es bereits: Es handelt sich um eine zu 100 Prozent fair gehandelte Bio-Vollmilchschokolade aus dem Weltladen Sonthofen, der seit vielen Jahren mit verschiedenen Fair-Handelsunternehmen zusammenarbeitet. Mit dem Kauf der Hindelanger Schokolade mit illustrierten Motiven der heimischen Tierwelt unterstützen Käufer die nachhaltige Förderung der Produzenten in den Erzeugerländern. In dem Fall Bolivien, Paraguay, dem afrikanischen Inselstaat São Tomé sowie der Dominikanischen Republik.

Das Ökomodell Hindelang und die heimische Berg- und Alpwirtschaft

Das „Ökomodell Hindelang“ ist eine Allianz zwischen Bergbauern, Naturschutz und Tourismus und seit bald 35 Jahren ein Paradebeispiel für großflächigen Biotopverbund, Artenvielfalt, Artenschutz sowie hochwertige ökologische Produkte: Bergbauern kümmern sich um den Erhalt der Landschaft mit ihren typischen Buckelwiesen, farbenprächtigen Pflanzenteppichen und klarem Wasser. Sie erhalten im Einklang mit der Natur die traditionelle Berglandwirtschaft und intakte alpine Kulturlandschaft, die sich auf diese Weise regelmäßig reproduzieren kann – ein Übernutzen der Natur wird so vermieden. 80 Prozent der Gemeindefläche in Bad Hindelang stehen unter Landschafts- oder Naturschutz.

Innerhalb des Landschaftspflegevereins „Hindelang – Natur & Kultur“ bewirtschaften 63 Bergbauern ihre alpinen Wiesen traditionell nach strengen, eigens auferlegten Richtlinien. Diese umfassen gemäß der Satzung unter anderem den vollkommenen Verzicht auf Kunstdünger sowie die Beschränkung auf maximal eine Kuh pro Hektar, um eine Überdüngung und Übernutzung der Wiesen zu vermeiden und möglichst viel Kulturlandschaft zu bewirtschaften und offen zu halten. Darüber hinaus werden 90 Prozent des benötigten Futters innerhalb des eigenen Betriebes selbst erzeugt. Auf Gentechnik wird komplett verzichtet.

Zugleich gewährleistet das „Ökomodell Hindelang“ die Produktion ökologisch hochwertiger Produkte: Die Bergkäse- und Alpkäse-Produktion funktioniert seit Jahrhunderten nachhaltig erfolgreich und ist für Bad Hindelang die engstmögliche Kreislaufwirtschaft überhaupt. So haben Hindelanger Bergbauern und Älpler das angeeignete Wissen und die damit verbundenen Fähigkeiten in Bezug auf die schonende Naturnutzung und die Käseproduktion über Jahrhunderte weiterentwickelt.

Mensch und Natur in Bad Hindelang wurden dafür mehrfach ausgezeichnet. 2016 nahm die Deutsche UNESCO-Kommission die Hochalpine Alpwirtschaft in die bundesweite Liste des Immateriellen Kulturerbes als besonders gutes Praxisbeispiel auf. Eine hohe Auszeichnung vor allem für die Bergbauern und Älpler, die auf den 46 Alpen im Gemeindegebiet auf bis zu 2.200 Metern Höhe ihre anstrengende Arbeit verrichten.


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Mai 2021 / No 84

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