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DAUN, 26.06.2018 - 16:39 Uhr
Essen & Trinken

Überraschend vielseitig: Rote Bete im eigenen Gemüsebeet anbauen

(dpa/tmn) - Wilhelm Böck isst für sein Leben gern Rote Bete - oder „Ranner“ wie die Rote Rübe in seiner bayerischen Heimat heißt. „Rote Bete ist gesund, am liebsten mag ich sie als Salat“, sagt der Vizepräsident des Zentralverbands Gartenbau. Das sehen viele so: Zuletzt ist die Anbaufläche für Rote Bete in Deutschland gestiegen - von 1205 Hektar 2013 auf 1741 Hektar im Jahr 2017. Doch nur wenige Rüben erreichen den Handel als frische Ware: „95 Prozent der Produktion geht direkt in die Konservenfabriken“, sagt Böck. „Die Rote Bete ist ein Industrieprodukt.“ Ein guter Grund also, dem Gemüse Platz im eigenen Garten einzuräumen.

Zumal die Auswahl an Sorten groß ist. Rote Bete gibt es nämlich in vielen Formen und Farben. „Neben den dunkelroten Rüben gibt es auch gelbe, weiße und rot-weiß geringelte Sorten“, erklärt Cornelia Lehmann, Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen (VERN) in Greiffenberg in der Uckermark. „Und die Blätter können grün oder rot sein, mit grünen oder roten Stielen und Blattadern.“

Diese Vielfalt kennt manch einer von einem anderen Gemüse: Mangold. Und das ist nicht verwunderlich, denn die beiden Gänsefußgewächse sind miteinander verwandt. „Wie die Runkelrübe und die Zuckerrübe stammen Mangold und Rote Bete von der Wilden Rübe ab, die um dem Mittelmeerraum herum bis nach Indien verbreitet war“, so Lehmann.

Während moderne Züchtungen eine einheitliche dunkelrote Färbung aufweisen, sind bei alten Sorten wie der 'Ägyptischen Plattrunde' und 'Roten Kugel 2' die einzelnen Ringe noch deutlich zu erkennen. Die Knolle der 'Tonda di Choggia' ist sogar pink-weiß geringelt. Gelbfarben mit orangener Schale ist die 'Burpees Golden', weiß die Sorte 'Albina Verduna'.

Die Wahl sollte aber nicht nur von Form und Farbe abhängen, sondern auch vom Geschmack. „Rote Rüben enthalten Oxalsäure und können daher ungekocht sehr kratzig schmecken“, sagt Lehmann. Wer sie roh verzehren möchte, sollte die Sorten 'Robuschka', 'Jannis' oder den walzenförmigen 'Marner Halanga' anbauen. „Diese Sorten wurden auf Süße gezüchtet.“

Rote Bete gilt als pflegeleichtes Gemüse - und das macht sie aus Sicht von Buchautorin Heide Haßkerl aus Dortmund zu einer idealen Pflanze für Einsteiger. „Grundsätzlich eignen sich alle Standorte, nur Vollschatten ist nicht empfehlenswert. Die Erde sollte jedoch nicht frisch gedüngt sein, auch nicht mit Kompost.“

Das Gemüse wird ab Mitte Mai direkt ins Beet gesät. Aber wer die Rüben einlagern will, sollte erst ab Ende Juni bis August säen. Für die Mischkultur eignen sich Zwiebeln, Schalotten, Porree und Hülsenfrüchte wie Bohnen. „Als ungünstige Nachbarn gelten Tomaten und andere Gänsefußgewächse“, sagt Lehmann. Sie empfiehlt, eine Fruchtfolge einzuhalten und daher im Rote-Bete-Beet mindestens drei Jahre lang keine Gänsefußgewächse wie Spinat oder Melde anzubauen.

Damit sich die Pflanzen optimal entwickeln, sollten sie in einem Abstand von mindestens zehn Zentimetern zueinander stehen. Bei den meisten Sorten ist es notwendig, Jungpflanzen zu vereinzeln: „Aus dem Knollensaatgut entwickeln sich bis zu fünf Pflanzen“, sagt Gemüseexperte Böck. Inzwischen gibt es aber auch Sorten wie 'Mobile', die nur einen Keimling hervorbringen und somit die Arbeit erleichtern. Dennoch rät Böck dazu, die Bete nicht allzu früh zu vereinzeln. „Gerade im jüngeren Stadium sind die Blätter bei den Nacktschnecken sehr begehrt - und dann freut man sich, wenn man noch eine Rübe mehr im Garten hat.“

Neben Schnecken und Nagern, die es auf die süßen, saftigen Knollen abgesehen haben, können auch Blattläuse und Rübenfliegen Probleme bereiten. Bei einem Befall trocknen die Blätter stellenweise ein. Haßkerl empfiehlt daher, die Knollen besser spät als früh im Jahr zu säen. „Das Ausbreiten von Fliegennetzen verspricht nur zuverlässigen Erfolg, wenn sich keine Larven mehr im Boden befinden. Die erste Generation schlüpft ab Mitte April.“

Je nach Sorte, Pflanzzeit und Standort kann man Rote Bete 12 bis 16 Wochen nach der Aussaat ernten. Für den frischen Verzehr sollte der Durchmesser der Rübe etwa fünf bis sieben Zentimeter betragen, sagt ZVG-Vizepräsident Böck. „Für eine Lagerung sind ein Durchmesser von acht Zentimetern optimal. Größere Rüben können verholzen.“

Grundsätzlich sollte die Bete vor dem ersten Nachtfrost geerntet werden und ohne Blätter in einem dunklen Keller lagern. Wichtig: Die Rüben müssen unversehrt sein, da sie sonst faulen, so Haßkerl. „Wer keinen Keller besitzt, kann sich auf einem Schrottplatz eine Waschmaschinen-Trommel besorgen und diese in den Gartenboden eingraben, um darin die Rüben mit Möhren und anderen Wurzelgemüsen frostfrei zu überwintern.“

Übrigens: Bei Roter Bete sind nicht nur die Rüben, sondern auch das Grün essbar. „Die jungen Blätter kann man Salat beigeben, die älteren wie Spinat zubereiten“, sagt Lehmann. Auch als Sprossen lassen sie sich auf der Fensterbank ziehen. Wer die Pflanze blühen sehen möchte, muss sich gedulden. „Abgesehen von Frühschossern im ersten Anbaujahr blüht Rote Beete erst im zweiten Jahr - wenn man sie überwintert und nach dem Frost wieder auspflanzt“, so die Expertin.


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