- © Foto: Hannes Niederkofler / Eisacktal Wein -
DAUN, 24.08.2022 - 16:04 Uhr
Essen & Trinken - Touristik

Brixen, die Hochburg der Weißweine

Das nördlichste Anbaugebiet Italiens fasziniert Weinkenner*innen und Weinliebhaber*innen mit besonderen Erlebnissen und innovativen Design-Ideen rund um den Wein. Junge Winzer produzieren im Zeichen der Nachhaltigkeit und einzigartige Hotels bieten Wein und Architektur im Doppelpack.

Dass Wein in Brixen seit jeher einen besonderen Stellenwert hat, verdankt die älteste Stadt Tirols der Tatsache, dass im Jahr 990 der damalige Bischof, der Heilige Albuin, den Bischofssitz vom Kloster Säben nach „Prihsna“, dem 901 erstmals urkundlich genannten Meierhof, verlegte. Kirche und Wein gehören seit dem letzten Abendmahl aus dem Neuen Testament unwiderruflich zusammen. Das stetig wachsende Städtchen, das später zum Sitz der Fürstbischöfe avancierte, mit seinen vielen Klöstern verschiedenster Orden war immer auch auf den Weinanbau für Messweine angewiesen. Als 1142 die Augustiner Chorherren von Klosterneuburg bei Wien ihr neues Kloster Neustift nördlich von Brixen bezogen, war das natürliche Amphitheater des Moränenkegels rund um das Kloster bereits mit Weingärten bedeckt. Bis heute ist die Stiftskellerei Neustift in Betrieb und zählt somit zu den ältesten Weinkellereien der Welt.

Die steilen Hänge um Brixen bieten sich als ideale Lagen für den Anbau von Wein. Wahrscheinlich wussten dies auch schon die ersten Siedler, die Räter. Beweis dafür sind Funde von Traubenkernsamen im Raum von Brixen, die auf das Jahr um 500 v. Chr. zurückzuführen sind. Nicht nur die Hanglagen waren und sind ausschlaggebend für gute Weine. Die von Gletschern geformten Moränen aus Dolomitenkalk, Schiefer und Brixner Quarzit bieten die richtigen lockeren Böden. Als weiteres Element gesellt sich das besondere Klima dazu mit großen Temperaturschwankungen zwischen warmen Tagen und kühlen Nächten. Das heutige Anbaugebiet umfasst fast 400 ha und geht von 550 bis fast auf 1.000 Meter Höhe. Ideale Voraussetzungen für besondere Weißweine, wie der Sylvaner, der Kerner, der Müller Thurgau und auch neuere, unerwartete Weinsorten. Wer hier hingegen Rotweine sucht, findet im Grunde genommen die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Einige wenige Winzer bauen die autochthone Vernatschtraube an, ebenso wie etwas Blauburgunder und Zweigelt.

Zwischen Tradition und Innovation: Die Winzer in und um Brixen

Gemeinsam, traditionell und offen für Neues: So könnte man die kleinen, familiengeführten Weingüter in und um Brixen charakterisieren. Der Tradition verbunden, wenn es um den eigenen Hof geht, der teilweise seit Generationen der eigenen Familie gehört. Offen für Neues bei der nachhaltigen Bewirtschaftung der Weinberge und der Suche nach resistenten Weinsorten geht. Gemeinsam im Austausch von Erfahrungen. Es sind acht Weingüter und die Stiftskellerei Neustift, die jeden Tag des Jahres für ihren Wein leben, jeder mit seiner eigenen Philosophie und Geschichte, jeder mit vollem Einsatz und Begeisterung.

Johannes Messner vom Burgerhof-Meßner setzt für seine Bio-Weine auf neue pilzresistente (PIWI) Weinsorten, wie die weißen Johanniter, Solaris und Muscaris, sowie die rote Sorte Regent; Paul Huber vom Griesserhof lässt auf den besonderen Lagen Gols, Gall und Rigger Sylvaner, Veltliner und Kerner wachsen, aber auch etwas Zweigelt und Blauburgunder; Günther Kerschbaumer vom Köfererhof schwärmt von seinem preisgekrönten Sylvaner R (Riserva) und nicht nur; Für Familie Pliger, Brigitte und Peter mit Sohn Simon, vom Kuenhof ist das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Kulturpflanze ausschlaggebend, speziell wenn es um ihren besonderen Riesling „Kaiton“ geht; Andreas Huber führt am Pacherhof speziell mit dem Sylvaner aus alten Reben die Tradition seines Großvaters weiter und baut neben Kerner, Müller Thurgau auch Veltliner und Gewürztraminer an; Hannes Baumgartner vom Strasserhof setzt auf Vielfalt und baut verschiedene Weißweinsorten an, darunter Kerner, Riesling, Sauvignon und Müller Thurgau, sowie auch den roten Zweigelt; Besonders stolz ist Peter Wachtler vom Taschlerhof auf seinen süßen Riesling Spätlese, den er als einer der wenigen im Eisacktal produziert; Das Vater-Sohn-Duo Meinrad und Florian Hilpold vom Villscheiderhof baut auf 4 Hektar Kerner, Sylvaner, Riesling und etwas Gewürztraminer zum Kerner für den „Passito St. Cyrill“, sowie etwas roten Zweigelt an; Der Kellermeister der Stiftskellerei Neustift, Celestino Lucin, ist besonders auf die traditionsreichen Top-Weine der Linie „Praepositus“, speziell jene der Weißweinsorten Kerner (auch als „Passito“-Süßwein), Sylvaner und Riesling stolz.

Mehr als nur Wein: Architektur und Design

Wenn Wein nicht nur in den Weinbergen, in Weinkellern und Önotheken, sondern auch beim Feriendomizil zum Protagonisten wird, bedeutet das die Krönung der Urlaubsgefühle für Weinliebhaber:innen. In der Hotellerie und in der Weinwelt spielt Architektur und nachhaltiges Bauen eine bedeutende Rolle. Aber auch Kellermeister sind im Grunde hervorragende Architekten und „bauen“ ihre Weine vom Fundament, dem geeigneten Boden für die Reben, bis hin zum Dach, dem fertigen Wein in der Flasche.

Von den 29 Vinumhotels Südtirol befinden sich gleich zwei in Brixen: My Arbor in St. Andrä und Pacherhof in Neustift. Das Baumhotel My Arbor ist ein für seine spezielle Architektur einzigartiges Gebäude, das sich perfekt in die Baumwipfel unterhalb der Plose, dem Hausberg Brixens, einnistet. Wein erlebt man hier bei den dreimal wöchentlichen Weinverkostungen sowie im eigenen Weinkeller, wo an die 300 verschiedene Weine lagern. Der Pacherhof befindet sich direkt an der Quelle zu Spitzenweinen mit dem eigenen Weingut. Alte Architektur aus dem 11. Jahrhundert vermischt sich hier mit Moderne im Hotelbereich wie auch in der futuristisch anmutenden Pyramide des Weingutes. Weinverkostungen, Kellerbesichtigungen und Weinbergführungen werden angeboten.

In den Weinberg hineingebaut ist das Haller mit seinen 18 Panoramazimmer mit herrlichem Blick auf die Bischofsstadt und die umliegenden Weinhänge, wo der Eigenbauwein wächst. Eine kleine, aber sehr gut selektionierte Weinkarte begleitet Gäste abends im hoteleigenen Restaurant AO.

Ein besonderes architektonisches Highlight ist der Weinkeller des neueröffneten Santre Dolomythic Home in St. Andrä. Neben der umfangreichen Auswahl an lokalen, nationalen und internationalen Weinen ist im Keller der Naturfelsen aus Brixner Quarzphyllit gut sichtbar. Hier finden Wein- und Käsedegustationen statt.

Zu einem der ältesten und berühmtesten Hotels im Lande gehört das Hotel Elephant. So wie das Hotel ist auch der Weinkeller dem exotischen Dickhäuter Soliman gewidmet, der 1551 hier als spezieller Gast Unterschlupf gefunden hatte. Der Weinkeller ist mit 900 Etiketten aus aller Herren Länder und Südtirol bestückt.

Was kann man mit Rebenlaub machen? Die Brixner Designerin Jasmin Castagnaro verwendet „Laab“, wie das im Herbst herabfallende Laub im Südtiroler Dialekt genannt wird, und verwandelt es mit biologischem Harz in reizvolle Lampen und Tischplatten.

Wein hautnah „erleben“ und genießen

Vom Frühling bis in den Herbst hinein, aber auch im Winter auf den Skipisten der Plose, kann Wein erkundet, erlebt und genossen werden. Ob bei Wanderungen durch die Weinberge, Kellereibesichtigungen und Weinverkostungen bis hin zu besonderen Veranstaltungen, bietet Brixen besonders im Herbst echte Weinerlebnisse.

Bis kurz vor der Weinlese, bis zum 13. September, findet jeden Dienstag eine Wanderung mit Einkehr und Verkostung beim Griesserhof statt. Der Preis beträgt 35 € pro Person (30 € mit der BrixenCard). Jeden Freitag bis zum 9. September steht der Besuch eines Weingutes mit Führung auf dem Programm. Der Preis pro Person beläuft sich auf 30 € pro Person (25€ mit der BrixenCard).

Auf Reservierung sind Weinbergführungen und Verkostungen von Montag bis Samstag in der Stiftskellerei Neustift zum Preis von 20 € möglich, während der Kuenhof auf Anfrage besichtigt werden kann.

Wenn die Weinlese vorbei ist, der Wein eingekeltert ist, dann beginnt in Südtirol und besonders in der Gegend um Brixen die fünfte Saison: das Törggelen. Von Oktober bis zum Beginn der Adventszeit ist diese Tradition verbunden mit einer Wanderung durch die herbstliche Landschaft und dem Einkehren in die typischen Buschenschänke. Man verkostet hier besondere Bauerngerichte, hofeigene Produkte, Kastanien und vor allem den „Sußer“, den süßen noch nicht ganz vergorenen Wein, den „Nuien“, den neuen Wein, und den „Alten“, den Wein aus dem Vorjahr.

Im Laufe des Jahres finden weitere Wein-Events statt, die Weinliebhaber*innen nicht versäumen sollten: Neustifter Frühling, Dine Wine & Music und Vahrner Wei(s)se.

Und hier noch Tipps für all jene, die es nicht zur einen oder anderen Besichtigung oder Veranstaltung schaffen. Das ganze Jahr über können Brixner Weißweine verkostet und als Erinnerung oder Geschenk gekauft werden bei: Vinothek Vitis, Weingalerie, Vinus Peters Weinbistro.

Alles über Brixen und Wein unter https://www.brixen.org/de/mit-allen-sinnen/wein-brixen

 


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