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DAUN, 26.11.2021 - 13:39 Uhr
Essen & Trinken

Der Duft aus der Kindheit: Wie belgische Waffeln perfekt gelingen

Ganz gleich, ob man sie nun belgische, Brüsseler Waffeln oder Sahnewaffeln nennt, süße Leckermäuler verstehen dasselbe darunter: rechteckige dicke Waffeln mit tiefen Waben. Die sind wichtig, damit man sie - anders als die dünneren Schwestern in Herzform - auch noch gut belegen kann.

Mit heißem Kirschkompott etwa. Doch meistens reicht es auch schon, ihre knusprige Oberfläche mit ein bisschen Puderzucker zu bestreuen und danach die fluffige Konsistenz auf der Zunge zergehen zu lassen.

Auch dem Deutschen Kay Baumgardt, Gault Millaus Patissier 2020 in der Schweiz, läuft beim Gedanken daran das Wasser im Mund zusammen, wie er zugibt. Ganz gleich, ob man sie auf dem Weihnachtsmarkt riecht oder in einem Gourmet-Restaurant: „Dieser Geruch weckt so viele Kindheitserinnerungen, dass es nichts Schöneres gibt, als wenn man lauwarme, frisch gebackene Waffeln direkt vor sich hat!“

Das Grundrezept für den Waffelteig

Das hat wohl auch seine kleine Tochter so empfunden, als er ihr die süßen Waffeln das erste Mal kredenzte - und die Spezialität dabei für sich wiederentdeckte. Für sein Grundrezept vermengt Baumgart 280 g Weizenmehl, 16 g Backpulver, 2 g Salz, 35 g feinen dunklen Rohrzucker, fügt 2 Eigelb, 380 g Milch und etwas Mark einer Vanille hinzu und verrührt alles mit einem Schneebesen zu einer glatten Masse. Darin werden dann 50 g flüssige Butter eingerührt.

Während nun das Eiweiß der zwei Eier mit dem Handrührgerät steif geschlagen wird, lässt man langsam weitere 35 g feinen dunklen Rohrzucker einrieseln. Der süße Schnee wird anschließend vorsichtig unter die Masse gehoben und alles im Waffeleisen goldgelb gebacken.

Der Braune-Butter-Trick macht Waffeln knuspriger

„Um der Waffel ein noch großartigeres Aroma zu verleihen, die Butter noch langsam einkochen lassen, bis sie braun ist“, lautet Baumgardts Profi-Tipp. Dadurch entstehe ein nussiges Aroma. Allerdings müsse man dann etwas mehr Butter einkochen, damit die Angabe von 50 g wieder stimmt. Baumgardt liebt es zudem, Klassiker neu zu interpretieren und empfiehlt, beim Teig auch mal zu variieren, etwa mit einem komplett rotfleischigen Redlove-Apfel, Haselnüssen - oder Petersilie.

Die verfeinerte Waffel-Alternative mit Nüssen hat auch Einzug in sein neues Buch „Dessert unplugged“ gehalten. Dafür 130 g Mehl, 30 g Mineralwasser, 80 g Sahne, 50 g Rohrzucker, 80 g flüssige Nussbutter, 2 Eier, 3 g Salz und 30 g Haselnuss-Paste (Haselnüsse fein püriert) zusammen mit dem Schneebesen verrühren. „Wichtig ist hier, dass die Masse homogen ist“, rät der 39-Jährige.

Auch bei Autorin und Foodjournalistin Angelika Ilies, die den Waffeln ein ganzes Buch („Waffeln“) gewidmet hat, werden bei deren Duft alte Erinnerungen wach: an die Oma, mit der sie zusammen den Teig anrührte und an den Streit unter den Geschwistern, wer damals die erste Waffel frisch aus dem Eisen bekommt.

Bis heute liebt die 61-Jährige dieses Gebäck - weil es „ruckzuck fertig ist“ und man auch spontan blitzschnell einen Teig anrühren kann, wenn überraschend der Ruf nach etwas Süßem laut wird. Aber auch pikante Alternativen mit Tomaten und Mozzarella oder gar Grünkohl und Mettwurst hat sie schon kreiert.

Waffeleisen muss richtig heiß werden

Gerade der Klassiker, die von ihr „Sahnewaffeln“ genannten, sind „schön einfach“: Dazu 80 g Butter cremig schlagen und dann zwei Eier, 80 g Hagelzucker, 170 g Mehl und 250 g Sahne zugeben. Das Waffeleisen gegebenenfalls fetten und auf mittlerer Stufe aufheizen. Für jede Waffel 3 bis 4 EL Teig mittig auf das Eisen geben und in drei bis vier Minuten goldbraun backen.

„Damit die Waffeln möglichst knusprig werden, brauchen sie eine gewisse Hitze“, betont Ilies. Allzu preiswert sollte das Waffeleisen daher nicht sein: „Sonst besteht die Gefahr, dass es nicht heiß genug wird und die Waffeln nicht richtig durchbacken.“

Auch Kay Baumgardt empfiehlt, bei der technischen Ausstattung nicht zu sparen: „80 Euro sollte man schon investieren, damit es Spaß macht. Und wenn man dann anständig mit dem Gerät umgeht, hält es auch ein Leben lang“, meint er. Mittlerweile seien wirklich gute Eisen mit verschiedenen Einstellungen ab etwa 100 Euro zu haben.

Etwas Geduld mit dem 30-Minuten-Ruhe-Trick

Doch bis zum Genuss braucht es noch ein wenig Geduld. Denn für Baumgardt ist es unabdingbar, dass man den Teig etwa eine halbe Stunde ruhen lässt. „Das sollte man grundsätzlich machen, damit er sich erholt“, so der Chef-Patissier aus dem Zwei-Sterne-Lokal „Gasthaus zur Fernsicht“ am Bodensee.

Und noch ein Tipp für unbegrenztes Waffelvergnügen: Der Teig sollte wirklich frisch zubereitet werden. „Ihn über Nacht kühl zu stellen und erst am nächsten Tag zu verwenden, ist Humbug. Dann zieht die Butter an und der ganze Teig verliert an Cremigkeit und Fluffigkeit.“

Wenn keine Butter oder Eier da sind oder die Waffel vegan sein soll, empfiehlt Angelika Ilies, statt Butter neutrales Pflanzenöl oder vegane Margarine zu nehmen und die Eier durch Banane oder Apfelmus zu ersetzen. Falls der Teig zu dickflüssig geworden ist, hilft es, etwas Milch oder Saft unterzurühren. „Auch ein Schuss Mineralwasser ist gut dafür und macht den Teig besonders luftig und locker.“

Waffeln übrig? Im Toaster werden sie zum Frühstück

Sollte nach der Zubereitung und dem Geschmackserlebnis das Unvorstellbare passiert und die ein oder andere Waffel übrig geblieben sein, könne sie am nächsten Tag einfach im Toaster aufgebacken werden. „Das ist sehr praktisch und lecker für ein schnelles Frühstück, ob süß oder herzhaft“, sagt Ilies.

Sterne-Patissier Kay Baumgardt hat die Auftoast-Variante erfolgreich ausprobiert: „Ich hätte nicht geglaubt, dass es funktioniert“, gibt er zu. „Man versaut sich zwar seinen Toaster ein wenig, aber wenn man die Waffeln mit Backpapier einpackt, bekommt man wirklich ein relativ lustiges Endergebnis!“

Obwohl er grundsätzlich alles frisch zubereite, habe er zudem getestet, ob man die Waffeln einfrieren kann. Sein Rat: Die Waffeln dann bei 160/170 Grad im Ofen aufbacken. „Man muss sich darüber bewusst sein, dass sie natürlich nicht mehr so fluffig sind wie frische Waffeln“, räumt er ein. „Aber wenn man dann frischen Honig drübergibt, schmecken sie auch noch!“

 

Von Katja Sponholz, dpa


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