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DAUN, 03.04.2020 - 12:20 Uhr
Kultur

Diesmal aber wirklich: So klappt das Aufhören mit dem Rauchen

(dpa/tmn) - Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko, deshalb ist der gesundheitliche Nutzen eines Rauchstopps sehr groß. Das gilt in jedem Alter und ungeachtet der Vorgeschichte, wie Studien zeigen: Fünf Jahre nach dem Rauchausstieg ist das Schlaganfallrisiko zum Beispiel auf dem Niveau eines Menschen, der nie geraucht hat. Nach 15 Jahren ist das Risiko für eine koronare Herzkrankheit deutlich gesunken.

Und doch fällt das Aufhören vielen schwer - weil Zigarette und Co. süchtig machen. Verantwortlich dafür ist das Nervengift Nikotin. „Rauchen ist sozusagen Kopfsache“, sagt Wolfgang Behrens, Vorsitzender des Nichtraucherbunds Berlin-Brandenburg. „Nikotin ist ein Stimmungsaufheller und kann konzentrationsfördernd wirken. Es bewirkt einen Zustand entspannter positiver Stimmung, weswegen es natürlich sehr schwer ist, aus diesem Kreislauf zu entkommen.“

Hartnäckigkeit und kleine Tricks

Wer es nicht beim ersten Anlauf schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte deswegen aber nicht verzweifeln. „Wer mit dem Rauchen aufhören will, muss sich mit seinem Rauchverhalten auseinandersetzen und sein Gehirn trainieren“, erklärt der Experte. Es gehe darum, sich selbst zu überlisten und Gewohnheiten zu durchbrechen.

Hilfreich ist zum Beispiel, die Hände mit etwas anderem zu beschäftigen, also statt zur Zigarette zum Apfel zu greifen. Und auch ein Gewohnheitswechsel hilft - die Tageszeitung also zum Beispiel nicht mehr im Tabakladen, sondern anderswo zu kaufen.

Studien zeigen, dass in der Rauchentwöhnung vor allem die kognitive Verhaltenstherapie zum Erfolg führt. „Die psychische Abhängigkeit kann auch mit Medikamenten nicht aufgefangen werden“, erklärt Prof. Dr. Rainer Thomasius, Psychiater am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ).

Eine Garantie gibt es nicht

„Erfolgreiche Programme zeichnen sich dadurch aus, dass sie von gut qualifizierten Kursleiterinnen oder Kursleitern durchgeführt werden und nicht mit einer Erfolgsgarantie werben“, sagt Michaela Goecke, Referatsleiterin Suchtprävention bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Die Expertinnen und Experten empfehlen die sogenannte Schluss-Punkt-Methode: Dabei wird ein fester Tag gewählt, ab dem nicht mehr geraucht wird. Die mentale Vorbereitung auf diesen Tag sei dabei entscheidend. Aufhörwillige machen sich im Vorfeld ihr Rauchverhalten bewusst und entwickeln individuelle Strategien gegen einen möglichen Rückfall.

Außerdem wird Aufhörwilligen empfohlen, sich von Familie, Freundes- und Kollegenkreis beim Rauchstopp motivierend begleiten zu lassen. Bei einer starken körperlichen Abhängigkeit vom Nikotin kann zusätzlich zur Verhaltenstherapie eine Ersatztherapie helfen - sie reduziert in der ersten Zeit die körperlichen Entzugssymptome.

Medikamente sind nur zweite Wahl

Es gibt auch Medikamente zum Rauchstopp, meist mit den Wirkstoffen Bupropion und Vareniclin. Beide sind apotheken- und verschreibungspflichtig - und für viele Fachleute nur zweite Wahl. 

„Vareniclin imitiert die Nikotinwirkung im Gehirn und vermindert dadurch das Suchtverlangen“, erklärt Thomasius. Der Suchtexperte empfiehlt die Arzneimittel aber nur in ganz bestimmten Fällen: „Das Medikament ist für Raucherinnen und Raucher zu empfehlen, die sehr starke Entzugserscheinungen zeigen. Es hat einige Nebenwirkungen wie Schwindel oder Schlafstörungen, dafür ist seine Wirksamkeit sehr hoch.“ 

Ähnliches gelte für den Wirkstoff Bupropion, eigentlich ein Antidepressivum zur erhöhten Ausschüttung des sogenannten Glückshormons Dopamin. „Die Kosten dafür werden von der Krankenkasse nur in Ausnahmefällen erstattet“, warnt Behrens vom Nichtraucherbund.

Und was ist mit den vielen anderen Angeboten? Da gibt es Hypnose, Akupunktur, Atemübungen oder das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP). Thomasius rät davon aber eher ab: Die Wirksamkeit der Methoden sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Für jeden Raucher die richtige Methode

„Der Rauchstopp ist eine sehr individuelle Angelegenheit“, sagt BZgA-Expertin Goecke. „Eine für jede Raucherin und jeden Raucher passende Methode gibt es nicht, aber es gibt qualitätsgesicherte Angebote, die nachweislich die Erfolgsaussichten beim Rauchausstieg erhöhen.“

Die Bundeszentrale selbst unterstützt Aufhörwillige mit einem breiten Programm: Verhaltenstherapeutische Gruppenkurse, eine kostenfreie Telefonberatung oder das Online-Verhaltensänderungsprogramm „Rauchfrei“. „Computer- und internetbasierte Ausstiegsprogramme sind in der Tabakentwöhnung relativ neu“, so Thomasius. „Es ist aber mittlerweile belegt, dass die Verwendung erfolgreich sein kann.“

Viele Raucher haben Angst, dass nach der letzten Zigarette ihr Gewicht in die Höhe schnellt. Und tatsächlich gibt es da einen Zusammenhang, sagt Goe>www.anbieter-raucherberatung.de. Einige Krankenkassen haben für ihre Kunden teils kostenfreie Rauchstopp-Angebote im Programm - Infos dazu gibt es direkt bei den jeweiligen Kassen. Darüber hinaus erstatten viele Kassen die Kosten für eine Teilnahme an qualitätsgeprüften Gruppenkursen zum Rauchstopp, regelmäßige Teilnahme vorausgesetzt.

Übrigens: Die E-Zigarette ist nach Ansicht der Expertinnen und Experten kein Entwöhnungsmittel. Denn die gesundheitlichen Folgen des Tabaks entfallen dort zwar - der Suchteffekt des Nikotins jedoch bleibt. Und welche gesundheitlichen Folgen der Nebel auf den menschlichen Körper hat, ist noch nicht abschließend erforscht.

Von Lorena Simmel, dpa


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