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DAUN, 24.08.2018 - 09:41 Uhr
Kultur

Draußen ist besser: Warum uns die Natur so gut tut

(dpa/tmn) - Das Laub raschelt unter den Füßen, der Wind streicht leise durch die Baumwipfel, irgendwo ruft ein Kuckuck oder singt eine Lerche. Und dann passiert etwas Erstaunliches: Stress fällt von einem ab, Aufregung legt sich - nicht nur gefühlt. Studien zufolge kann bereits durch eine kleine Dosis Natur das Level des Stresshormons Cortisol gesenkt werden, sagt Anja Göritz, Psychologieprofessorin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Der Faktor Grün scheine dabei eine Rolle zu spielen, sei aber nicht unbedingt notwendig. Es darf auch eine Auszeit am Meer sein oder in den Bergen. 

„Schon um den Block zu laufen ist besser als nicht um den Block zu laufen“, sagt Andreas Michalsen, Arzt für Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus in Berlin. Wie lange sich jemand draußen aufhält, sei nicht wichtig. Vielmehr geht es darum, die kleine Frischluftkur möglichst gut in den Alltag zu integrieren. Also lieber jeden Tag zehn Minuten spazieren gehen als alle drei Monate einmal den Berg heraufzukraxeln.

© pixabayFür Michalsen hält die Natur gleich ein ganzes Potpourri an positiven Effekten für den Menschen bereit. Da wäre zum einen die Stille. Längst ist der Lärm, der gerade in Städten vorherrscht, als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall oder Schlafstörungen und Depressionen erforscht und bekannt. In den Bergen oder am Meer dagegen ist es in der Regel ruhig - oder zumindest anders laut: „Wenn wir Geräusche hören, dann sind es angenehme wie Wasserplätschern oder Vogelzwitschern.“ Darüber hinaus sei die Ozon- und Feinstaubkonzentration in der Natur nicht so hoch, ergänzt Göritz. „Der Mensch atmet im wahrsten Sinne des Wortes auf.“ 

Dazu kommen die Düfte des Waldes – die sogenannten Terpene -, ätherische Öle, die die Stimmung heben und das Immunsystem stärken sollen. „Schon ein frisch gemähter Rasen verströmt diesen typischen Geruch“, sagt Michalsen, „aber auch Blüten oder feuchter Waldboden vermitteln diesen Eindruck“. Am Meer dagegen seien es Stoffe wie Sole, Fluor und Jod. Die sind unter anderem gut für die Haut und die Atemwege. Scheint obendrein noch die Sonne, regt sie - in Maßen genossen - die Vitamin D-Produktion an. Dieses wichtige Vitamin braucht der Körper zum Beispiel für gesunde Knochen oder funktionierende Muskeln.

© pixabayAnnette Bernjus gibt Seminare im Waldbaden, eine japanische Tradition, die inzwischen auch in Deutschland Anhänger findet. Dabei schlendern die Teilnehmer durch einen Wald, um ganz bewusst zu pausieren und nichts zu tun. „Die Menschen sollen die Zeit vergessen und wieder anfangen, zu riechen und zu schmecken“, erzählt Bernjus.

Dazu leitet sie kleine Achtsamkeitsübungen an. Erst nehmen die Teilnehmer das Äußere wahr, zum Beispiel, wie sie stehen. Dann erkunden sie, wie es ihnen geht. „Das klingt so einfach“, gibt die Expertin zu, „aber viele haben das verlernt.“ 

Also zurück zur Natur. Immer mehr Waldbesitzer erkennen den Trend und lassen sich vom Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung PEFC als „Erholungswald“ zertifizieren. Neun solcher Wälder gibt es bereits. „Die Wälder müssen nicht nur nachhaltig bewirtschaftet werden, uns ist auch ein nachgewiesenes Konfliktmanagement wichtig“, sagt PEFC-Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers. Wer Waldbaden will, soll nicht dem Jogger oder Mountainbiker in die Quere kommen. 

© pixabayApropos joggen: Sich in der Natur zu bewegen, verstärkt die positive Wirkung, sagt Michalsen. Sein Tipp für alle, die schon sportlich aktiv sind: Draußen ist besser. Dabei geht es jedoch um eine maßvolle, achtsame Bewegung wie beim Waldbaden, nicht um den nächsten Marathonlauf. Wer anfängt, ein straffes Programm abzuarbeiten, mache den gesunden Effekt zunichte, konstatiert Göritz. „Der Aufenthalt in der Natur sollte freiwillig und selbstbestimmt sein, dann ist er gesund“, sagt die Freiburger Professorin.

Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, sondern die Natur uns mitunter herausfordert, sieht Göritz als weiteren positiven Effekt. „Draußen bieten sich mehr Abwechslung und andere Stimuli als im normalen Alltag“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Vielleicht ist es aber auch ganz einfach die Sehnsucht nach unseren Wurzeln, die uns an der frischen Luft den Alltag vergessen lässt. “Wir sind auf das Leben draußen eingestellt, nicht auf Gebäude mit Kunstlicht und Fahrstuhl“, sagt Michalsen. Nicht umsonst bevorzugten Menschen offene Landschaften mit Bäumen und etwas Wasser, in denen man sich einen guten Überblick verschaffen kann, sagt Bernjus. „Das erinnert an die Savanne.“

Und wenn dieses Idealbild nicht vor der eigenen Haustür wartet? Dann könnte man statt in die Kantine doch einfach mal in den Park gehen, raten die Experten. Jeder nach seinen Vorlieben und vor allem nach seinen Möglichkeiten - Hauptsache raus. 


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