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DAUN, 02.02.2021 - 11:21 Uhr
Kultur

„Ein echter Glücksfall“ – Interview mit Jürgen Prochnow

Er ist einer der weltweit bekanntesten Schauspieler Deutschlands, war in vielen großen Hollywood-Produktionen zu sehen und startete mit dem „Boot“ seine internationale Filmkarriere. Jetzt zeigt Jürgen Prochnow in der turbulenten Generationskomödie „Der Alte und die Nervensäge“, dass „der Alte“ sich noch längst nicht zur Ruhe gesetzt hat und vor der Kamera das Steuer weiter in der Hand behält. In dem warmherzigen Roadmovie spielt der 79-Jährige einen eigenwilligen Witwer, der im alten Campingbus vor seinem 75. Geburtstag flüchtet und den jungen Ausreißer Felix mit auf seine letzte Reise nimmt. Im Interview verrät der mehrfach ausgezeichnete Charakterdarsteller, was ihn an dieser abenteuerlichen Geschichte gereizt hat, warum er trotz USStaatsbürgerschaft heute wieder in Deutschland lebt, an welche Hollywoodgröße er sich besonders gerne erinnert und wie er 1977 einen bundesweiten Skandal auslöste. Bei den lebensklugen Erzählungen wird spürbar, dass hinter der rauen Schale des strengen U-Boot-Kommandanten und eiskalten Kino-Bösewichts ein großes Herz schlägt.

Herr Prochnow, Sie treten inzwischen nur noch für ausgewählte Filme vor die Kamera. Was hat Sie dazu bewegt, in diesem ungewöhnlichen Roadmovie mitzuwirken?

Die Idee und die Machart des Films haben mich überzeugt: Das ist schöne Unterhaltung mit Tiefgang. Reizvoll im Kontrast zwischen der jungen und der alten Generation, die hier durch eine Zufallsbegegnung aufeinandertreffen, aneinanderwachsen und schließlich zueinander finden. Auch wird diese Geschichte zweier Suchender in unterschiedlichen Lebensphasen sehr gekonnt und gefühlvoll erzählt – für mich als Schauspieler ein echter Glücksfall.

Das Drehbuch stammt von einer Debütautorin; auch für die Regisseurin war das ihr erster Spielfilm. Wie war die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Newcomerinnen und Ihnen als „alter Filmhase“?

(lacht) Ganz wunderbar. Wir haben uns prima zusammengefunden. Ich finde, die beiden haben eine sehr gute Arbeit gemacht. Mit viel Leidenschaft und großer Genauigkeit. Auch wenn die Regisseurin zunächst noch eine etwas andere Vorstellung hatte von dem Mann, den ich in diesem Film spiele – was ja auch völlig normal ist. Jede Regisseurin und jeder Regisseur hat nun mal eigene Vorstellungen von den Filmfiguren und den Menschen, die diese Rollen verkörpern sollen. Und als ich mit ins Boot kam, war ich wohl erstmal nicht der, den sie sich für diesen Charakter vorgestellt hatte.

Wen hatte sich die Regisseurin denn ursprünglich für die Rolle vorgestellt?

Ich denke, einen noch älter wirkenden und vom Leben deutlich gezeichneten Mann. Dabei fand ich mich selber eigentlich alt genug für diese Rolle (lacht). Ich bin schließlich auch schon 79. Trotzdem ist man dann nicht zwangsläufig senil und gebrechlich. Auch in diesem Alter gibt es viele Menschen, die noch relativ fit sind – oder sich zumindest jünger fühlen als sie sind.

Und wie haben Sie sich mit Ihrem jugendlichen Filmpartner verstanden?

Hervorragend. Die Zusammenarbeit hat viel Spaß gemacht. Ich war ja schon beim Casting dabei. Mir war klar, dass der ganz Film auch davon abhängt, wie dieser Junge ist. Dass man den richtigen Typen für die Rolle des Ausreißer Felix findet. Und dass dieser Darsteller das auch wirklich spielen kann. Ein 16-Jähriger ist nun mal kein gelernter Schauspieler. In Marinus Hohmann haben wir dann einen jungen Mann gefunden, der diesen Felix ganz wunderbar gespielt hat. Und der auch schon Filmerfahrung hatte. Marinus war mir ein ausgesprochen zuverlässiger Partner, sehr gut vorbereitet und sehr professionell. - Ich hatte bei einem anderen Film schon erlebt, dass mein junger Filmkollege beim Drehen plötzlich auf dem Apfelbaum saß, während das ganz Filmteam auf seinen Einsatz warten musste (lacht).

Sie spielen in diesem Film den Mittsiebziger Wilhelm Schürmann, der keine Lust hat, seine Lebensweise seinem Alter anzupassen und der vor seiner überfürsorglichen Tochter Reißaus nimmt. Was hat Sie an dieser Rolle besonders gepackt?

Wilhelms Geschichte: Das Schicksal dieses Mannes, der seine Frau verloren hat, die er sehr geliebt hat und an der er immer noch sehr hängt. Als sie stirbt, bricht die Familie zusammen und Wilhelm glaubt, am Endpunkt seines Lebens angekommen zu sein. Er hat schon mit allem abgeschlossen, bis er durch Zufall dem jungen Ausreißer Felix begegnet und sein Leben eine neue Richtung nimmt. Das hat mich sehr gereizt, zu spielen. Auch Wilhelms Motiv, seinem alten Leben zu entfliehen, der Überfürsorge seiner Tochter, die ihn einengt und in gewisser Weise entmündigt - das fand ich sehr berührend. Wie er sich aus dieser Situation befreit, sich noch einmal in sein altes wunderschönes Wohnmobil setzt und einfach losfährt - das hat was.

Wieweit konnten Sie sich mit Ihrer Filmfigur identifizieren?

Wilhelms Geschichte ist nicht meine eigene Lebensgeschichte. Das bin nicht ich, obwohl schon sehr viel von meiner eigenen Persönlichkeit in dieser Rolle steckt. Zum Beispiel diese ausgeprägte Willenskraft, der Wunsch nach Selbstbestimmung und eine gewisse Impulsivität. Auch konnte ich Wilhelms große Liebe zu seiner Frau sehr gut nachvollziehen. Genauso wie die Liebe, die er gegenüber seinen Kindern empfindet. Auch ich selber habe in meiner Kindheit viel Liebe erfahren. Wenn ich nicht die Liebe meiner Eltern und Großeltern gehabt hätte, gäbe es mich heute nicht. Der Zusammenhalt in unserer Familie hat uns durch den Krieg gebracht.

Wilhelm lernt im Laufe des Films, loszulassen. Glauben Sie, dass Menschen das Loslassen mit steigendem Lebensalter leichter fällt?

Das Loslassen von einem geliebten Menschen ist immer schwer, gleich wie alt man ist. Ich denke sogar: Je älter man wird, desto schmerzhafter ist es. In diesem Jahr sind zwei mir sehr nahestehende Menschen gestorben. Das hat mich sehr getroffen – und schmerzt immer noch. Auch macht man sich in meinem Alter schon sehr ernsthafte Gedanken über das eigene Ende. Loszulassen bleibt bis zum Schluss eine Lebensaufgabe. Genauso wie man im Leben Fehler macht und daraus lernen sollte – und oft eben doch nicht daraus lernt.

Wilhelm flüchtet vor seinem 75. Geburtstag. Sie haben dieses Ereignis schon hinter sich. Waren Sie auch auf der Flucht, oder haben Sie gefeiert?

Ich hatte eine Feier geschenkt bekommen: Das Filmmuseum in Düsseldorf hatte eine Feier zu diesem Anlass ausgerichtet. Da gab es ein kleines Festprogramm zu meinen Ehren, und da wurden auch ein paar Filme mit mir gezeigt. Das war sehr schön. Meinen 80. Geburtstag im kommenden Jahr wollten wir eigentlich im Familien- und Freundeskreis feiern. Doch wegen der Corona-Pandemie kann man momentan überhaupt nichts planen. Trotzdem hoffe ich, dass diese schreckliche Zeit bald überwunden ist und wir 2021 vielleicht doch noch nachfeiern können. Aber es gibt weitaus Wichtigeres als Geburtstage.

Apropos Geburtstage - was denken Sie über die junge Generation: Meckert die Jugend von heute zu viel?

Nein, im Gegenteil. Die Jugend hat das Recht zu revoltieren. Wir Alt-68er sind ja damals auch auf die Straße gegangen, weil wir in dieser Adenauer-Ägide aufgewachsen sind, in einer Zeit, in der die Welt mit Brettern vernagelt schien. Wo es noch Nazi-Beamte gab und diese ganzen überholten Gesetze – wie den Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellte -, und diese Abtreibungsverbote. Wir haben damals für eine Entnazifizierung der Gesellschaft gekämpft, für demokratische Verhältnisse. Heute geht die Jugend für das Klima auf die Straße.

Und wie finden Sie das?

Sehr sehr gut! Die „Fridays for future“-Bewegung finde ich ganz wunderbar. Die heutige Jugend wehrt sich zu Recht. Wenn eine Gesellschaftsordnung wie der Kapitalismus die Welt ausraubt, die Erde ihrer Ressourcen beraubt und damit der Jugend ihre Zukunft nimmt, dann muss sie sich dagegen zur Wehr setzen. Das immer mehr, immer nur Wachstum - das kann nicht gut gehen. Was soll da letzten Endes noch übrigbleiben?

Es gibt wieder Hoffnung für das Weltklima: Gerade wurde Joe Biden zum neuen Präsidenten der USA gewählt. Hatten Sie für die Wahl von Ihrer amerikanischen Staatsbürgerschaft Gebrauch machen können?

Ja, das war mir ganz wichtig. Ich habe im letzten Moment noch wählen können. Ich hatte schon vor einiger Zeit die Wahlunterlagen angefordert, doch die kamen nicht. Dann half mir jemand von der amerikanischen Botschaft, so dass ich meinen Stimmzettel gerade noch rechtzeitig rüber faxen konnte. Ich war sehr glücklich darüber, dass ich das noch hinkriegen konnte. Und noch mehr habe ich mich natürlich gefreut, dass Joe Biden die Wahl dann tatsächlich gewonnen hat.

Wie hatten Sie vor vier Jahren die Wahl erlebt, als Trump überraschend Hillary Clinton geschlagen hatte und zum Präsidenten gewählt worden war?

Ich war erschüttert. 2016 hatte ich ja selber noch drüben gelebt. Damals stand ich völlig fassungslos da, als sogar Menschen in unserem engen Freundeskreis - zu meinem absoluten Erstaunen – plötzlich einen Sinneswandel durchlebten und ins Trump-Lager übergewechselt sind, obwohl sie vier Jahre zuvor noch die Demokraten gewählt hatten. Das hat mich sehr schockiert. Auch jetzt war ich wieder fassungslos, wie viele Amerikaner für Trump gestimmt hatten – trotz seiner rassistischen und frauenfeindlichen Statements, trotz seines Versagens in der Corona-Pandemie und in der Klimapolitik. Zum Glück hat sich diesmal die mitdenkende Mehrheit durchgesetzt und mit der Abwahl Trumps eine klare Haltung eingenommen.

Sie selber haben schon immer Haltung gezeigt. 1977 hatten Sie sogar für einen Skandal gesorgt, als Sie in dem ARD-Film „Die Konsequenz“ Martin Kurath spielten – einen homosexuellen Schauspieler. Wie ist Ihre Erinnerung daran?

Der Bayerische Rundfunk hatte sich damals aus dem ARD-Verbund ausgeschaltet, als der Film im Fernsehen lief. Weil die damaligen BR-Programmverantwortlichen der Meinung waren, dass man „so etwas“ in der Öffentlichkeit nicht zeigen könne. Das muss man sich mal vorstellen: Damals war Homosexualität nach Paragraph 175 noch strafbar. Insofern hatte dieser Film 1977 einen unglaublichen gesellschaftlichen Ruck ausgelöst. Ich habe damals tausende von Briefen bekommen. Noch heute sagen mir viele Leute, wie dankbar sie sind, dass ich damals diesen Film gedreht habe. Später kam „Die Konsequenz“ dann ins Kino. Erstaunlicherweise ist der Film auch heute noch sehr im Bewusstsein der Menschen. Das war schon ein Ereignis.

Ein Ereignis ist auch das Kriegsdrama „Das Boot“, mit dem Sie Filmgeschichte geschrieben haben und das Ihnen den internationalen Durchbruch bescherte. Werden Sie heute noch auf Ihre legendäre Rolle als U-Boot-Kommandant angesprochen?

(lacht) Das passiert tatsächlich immer noch, sogar sehr häufig. Die Bewunderung für diesen Film und der Eindruck, den er bei den Menschen hinterlassen hat, das hat wirklich ganz lange angehalten. Bis heute, kann man sagen.

Sie sind einiger der wenigen deutschen Schauspieler, die in Hollywood Erfolge feiern konnten. Wie haben Sie das geschafft?

„Das Boot“ war mein Eintrittsticket zum amerikanischen Markt, mein Türöffner. Wenn ich mich irgendwo vorgestellt habe und die wussten, da kommt der Captain vom Boot, dann haben die innerlich den Hut gezogen vor Achtung, dass ich in diesem Film mitgespielt habe. Das hat dazu geführt, dass ich mit großartigen Regisseuren zusammenarbeiten durfte, die Interesse an mir hatten und mit mir arbeiten wollten. Dadurch habe ich in den USA gleich in der Bundesliga gespielt. Ich musste mich dort nicht erst über die Kreisklasse hocharbeiten, wie das hier in Deutschland am Theater der Fall war. Außerdem hatte ich das große Glück, in Amerika auf Anhieb an eine Top-Agentur geraten zu sein. Auch das war sehr hilfreich.

Sie haben in den USA neben großen Filmstars wie Tom Hanks, Sylvester Stallone, Donald Sutherland, Susan Sarandon und Hollywood-Legende Marlon Brando gespielt. Wer hat Sie besonders beeindruckt?

Ganz klar Marlon Brando. Der war mein großes Vorbild. Immer wenn ich Brando im Kino sah, dachte ich, der sprengt die Leinwand. Eine großartige Persönlichkeit, sehr charismatisch. Ich hatte die Ehre, mit ihm 1989 für den Film „A dry white season“ vor der Kamera zu stehen, der in Deutschland unter dem Titel „Weiße Zeit der Dürre“ lief. Inszeniert wurde dieses Anti-Apartheidsdrama von Euzhan Palcy, der ersten schwarzen Regisseurin Hollywoods. Und Brando war es eine Herzensangelegenheit, nach neunjähriger Drehpause in diesem Film mitzuspielen. Den Film durften wir damals übrigens gar nicht in Südafrika drehen, sondern im benachbarten Simbabwe.

Und wie war Ihre persönliche Begegnung mit Marlon Brando?

Ebenfalls sehr beeindruckend. Es hieß immer, Marlon Brando spielt im Film mit – er hatte einen zehnminütigen Auftritt als südafrikanischer Rechtsanwalt -, aber er kommt nicht zu den Außenaufnahmen, sondern erst, wenn wir in London in den Pinewoods Studios den Film zu Ende drehen. Deshalb waren wir alle ungewiss und aufgeregt, ob er dort wirklich kommt. Und dann kam er und ließ sich alle Mitwirkenden vorstellen. Ich hatte eine große Gerichtsszene mit ihm. Da meinte er zu mir: „Ich kenne Dich!“ Ich war völlig verblüfft und wollte wissen: „Woher?“ Er darauf: „Ja aus dem Boot“. Dann hat er noch verraten, dass er „Das Boot“ sieben Mal gesehen hatte und die Videokassette bei ihm auf dem Nachttisch lag. Da war ich natürlich stolz wie Bolle.

Sie haben bis heute in den unterschiedlichsten Filmen mitgewirkt. Führt ein größeres Budget, wie es Hollywood-Produktionen zur Verfügung steht, automatisch zu einem besseren Film?

Mit einem größeren Budget hat man natürlich einen ganz anderen Rahmen. Während ein Film hier in Deutschland zum Beispiel in 25 Tagen abgedreht wird, hat man drüben 40 Drehtage zur Verfügung und bei großen Kinoproduktionen natürlich noch für viel mehr. Das bedeutet auch, dass man die eine oder andere zusätzliche Einstellung drehen kann. Dass man höhere Gagen bezahlen und für die ganze Technik Topleute engagieren kann. Man hat also ganz andere Voraussetzungen. Das heißt aber nicht, dass man am Ende einen guten Film hat. Ich habe drüben schon Filme mit einem Riesenbudget gedreht, die trotzdem gefloppt sind.

Sie haben lange in Amerika gelebt, sind 2003 US-Staatsbürger geworden und 2017 wieder in Ihre Geburtsstadt Berlin gezogen. Was hat Sie dazu bewegt, nach Deutschland zurückzukehren?

Die Liebe. Ich hatte das späte Glück, meine jetzige Frau kennenzulernen. Ich dachte erst, wir könnten abwechselnd eine Zeit lang zusammen drüben leben und eine Zeit lang bei ihr in München. Das hat sich dann aber als Fehlschluss herausgestellt. Sie hatte mich zwar öfters drüben besucht, aber dann ging es aus beruflichen und persönlichen Gründen nicht mehr, auch weil sie ihre Mutter nicht im Stich lassen wollte. Also haben wir nach einer anderen Möglichkeit gesucht und beschlossen, gemeinsam nach Berlin zu ziehen. Sie hatte hier schon als Schauspielerin gearbeitet, für mich ist Berlin meine Heimatstadt. Und das war für uns beide die absolut richtige Entscheidung. Wir finden es hier wunderbar.

Auch wenn Sie es inzwischen ruhiger angehen lassen - Sie haben sich noch nicht wirklich zur Ruhe gesetzt, oder?

(lacht) Nein. Meine Arbeit bereitet mir immer noch sehr viel Freude. Aber ich drehe natürlich bei weitem nicht mehr so viel wie früher und suche mir jetzt noch mehr aus, was ich machen will. Wie zum Beispiel diese schöne Komödie. Oder den Film „Eine Handvoll Wasser“, den wir letztes Jahr gedreht haben und der Ende Oktober 2020 bei den Hofer Filmtagen gelaufen ist. Diese Filmfestspiele waren für junge Filmemacher schon immer ein ganz großes Sprungbrett. Da geht es nicht ums Geld – die haben auch gar kein Budget für eine Gage -, sondern ums Thema und darum, diese jungen engagierten Leute zu unterstützen. Wenn mich dann auch noch das Drehbuch packt und die Rolle reizt, die mir angeboten wird, bin ich mit Leidenschaft dabei.

Das Theater ist ebenfalls Ihre große Leidenschaft. 2018 standen Sie bei den Wormser Nibelungen-Festspielen in dem Stück „Siegfrieds Erben“ zum ersten Mal auf einer Freilichtbühne. Wie war diese Erfahrung für Sie?

Das war schon eine riesige Herausforderung. Am Anfang war ich sehr skeptisch, ob ich das überhaupt schaffe. Auch weil ich als Hunnenkönig Etzel eine sehr große Rolle hatte, mit sehr viel Text und schwierigen Sätze. Und ich hatte vorher tatsächlich noch nie in einem Freilichttheater gespielt. Doch dann hat alles gut geklappt, auch Dank unseres großartigen Regisseurs. Schließlich wurde dieses Engagement für mich zu einer ganz wundervollen Erfahrung, für die ich immer noch sehr dankbar bin. Und das alles hat mich dazu animiert, dass ich auch noch mal Theater spielen würde, wenn das richtige Angebot und die richtige Rolle käme.

Sie haben für diese Inszenierung in 15 Aufführungen praktisch pausenlos gespielt. Wie haben Sie das körperlich geschafft?

Das war schon extrem anstrengend. Auch diese riesige Bühne in den Griff zu bekommen, war ein echter Kraftakt. Hinzu kam, dass wir 2018 einen sehr heißen Sommer hatten und in schwarzen Kostümen spielen mussten. Morgens um 8.30 Uhr ging es mit den Proben los - mittags hätten wir gar nicht draußen proben können, ohne einen Hitzschlag zu bekommen. Abends waren dann die Aufführungen, und gegen Mitternacht waren wir fertig. Fix und fertig (lacht).

Wie halten Sie sich eigentlich fit?

Mir kommt heute zugute, dass ich mein Leben lang Sport gemacht habe. Momentan muss ich da aber leider zurückschalten, weil ich Probleme mit meinem Knie habe. Dafür gehe ich täglich mit unserem Hund spazieren. Aber weil Pippo ein typischer Beagle ist, mag er viel lieber fressen als laufen (lacht). Wir haben ihn aus einem italienischen Tierheim adoptiert, also so zu sagen aus dem Knast geholt. Es ist rührend zu sehen, wie aus ihm – seit er bei uns ist – ein ganz anderer Hund geworden ist. Da geht einem das Herz auf.

Wie Sie schon gesagt haben, ist aktuell nicht die Zeit für große Pläne, aber haben Sie 2021 vielleicht etwas Kleines geplant?

Momentan hängt noch viel in der Luft. Es wäre wunderbar, wenn wir kommendes Jahr in unser Haus nach Italien fahren könnten. Dort zu sein, ist für mich das Schönste. Und was das Filmen betrifft: Für 2021 habe ich ein Angebot für eine internationale Produktion erhalten, die in Irland gedreht werden soll. Ob das dann auch wirklich so zustande kommt, weiß ich nicht. Die Corona-Pandemie ist ja noch nicht ausgestanden. Wir müssen weiterhin Geduld haben. Aber in Geduld sind wir Schauspieler ja geübt.

Interview von Claudia Pless


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