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DAUN, 19.02.2021 - 10:27 Uhr
Kultur

Ein Mann für alle Fälle – Interview mit Bjarne Mädel

Ist das Recht immer gerecht? Diese Frage stellt der Schriftsteller und studierte Jurist Ferdinand von Schirach in der Verfilmung seines gleichnamigen Bestsellers. Beklemmend intensiv spielt Grimme-Preisträger Bjarne Mädel in dem aus zwei Perspektiven erzählten Gerichtsdrama über einen fiktiven Kriminalfall, den ermittelnden Kommissar, der bei seiner fieberhaften Suche nach einem entführten Mädchen zunehmend unter Druck gerät und mit allen Mitteln für seine Auffassung von „Gerechtigkeit“ kämpft. Auch in seinem beeindruckenden Regiedebüt „Sörensen hat Angst“ ist der Comedypreisträger und Charakterdarsteller als emotional überforderter Polizist zu sehen und beweist dabei erneut sein feines Gespür für schwankende Gefühlslagen und starke Stimmungsmomente. Im Interview spricht Mädel darüber, was er an seiner Rolle besonders reizvoll fand, wie der Film seine Sicht auf die Rechtsprechung verändert hat, warum es ihn nun erstmals hinter die Kamera zog und wieso er als Exil-Hamburger weiterhin dem HSV die Treue hält.

Herr Mädel, wie würden Sie Ihre Filmrolle beschreiben?

Kommissar Peter Nadler hat viel Berufserfahrung und kennt das Gesetz. Trotzdem überschreitet er die Rechtsgrenze, um das Leben eines entführten Kindes zu retten. Er reagiert aus Verzweiflung. Weil das nicht der erste Entführungsfall in seiner Laufbahn ist und weil nicht alle Geiselnahmen gutgegangen sind. Das fand ich besonders spannend an der Rolle, dass Nadler durch diese Erlebnisse eine gewisse Traurigkeit in sich trägt. Er hat große Angst, dass er wieder zu spät kommt, wenn er sich an die Regeln hält und das Mädchen nicht retten kann. Deshalb kommt es bei ihm im Verhör mit dem mutmaßlichen Täter dann zu dieser Grenzüberschreitung.

Wieviel Sympathie haben Sie für Nadler?

Ich mag diesen Typ schon sehr gerne. Weil er nicht leichtfertig handelt, sondern aus dieser traurigen Erfahrung heraus, schlimme Sachen erlebt zu haben. Und das macht ihn mir sehr sympathisch. Ich finde ihn verantwortungsvoll, ernsthaft und empathisch. Mich hat Nadler vor allem als Mensch interessiert. Deshalb mochte ich auch diese intensive Szene nach der Grenzüberschreitung, als er von seinem eigenen Verhalten selber schwer erschüttert ist. Diesen Moment habe ich mir mit der Regie zusammen erkämpft, um zu zeigen, wie sehr Nadler selber unter seinem brachialen Handeln leidet.

Die Figuren im Buch von Ferdinand von Schirach, auf dem der Film basiert, sind eher holzschnittartig angelegt. Konnten Sie Ihrem Charakter trotzdem genügend Tiefe verleihen?

Die Personen im Stück sind tatsächlich eher theoretische Anordnungen als Menschen aus Fleisch und Blut. Deshalb war es eine Hauptaufgabe für uns als Schauspieler, das möglichst glaubwürdig zu gestalten. Ich habe jedenfalls versucht, einen echten Menschen entstehen zu lassen und diesen Charakter so lebensnah wie möglich zu verkörpern. Zum Beispiel mag ich sehr gerne diese ganz alltäglichen Szenen, in denen man Nadler zu Hause mit seiner Familie sieht. Wie er die Spülmaschine ausräumt oder mit seiner Frau über die Schulprobleme seiner Tochter spricht. Wir wollten sein Privatleben und seine Gefühlswelt nachvollziehbar machen, damit man als Zuschauer fast schon möchte, dass er so handelt wie er handelt.

Inwieweit konnten Sie sein Verhalten selber nachvollziehen?

Als Schauspieler liest man ein Drehbuch ja immer erstmal durch die Brille der eigenen Rolle und erhofft sich für die Sichtweise seiner Figur ein möglichst großes Verständnis des Zuschauers. Dass Nadlers Gerechtigkeitsempfinden nicht zwangsläufig mit dem Gesetz konform geht, darüber habe ich beim Spielen nicht nachgedacht. Auch als Zuschauer ist man am Anfang total auf der Seite Nadlers. Man denkt zunächst: Jeder, der Kinder hat, würde auch so reagieren. Auch ich konnte das ganz klar nachvollziehen und nachempfinden. Aber trotzdem ist Nadlers Verhalten nicht richtig. Genau dieser Widerspruch - zwischen dem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden und dem gesetzlich verankerten gesellschaftlichen Recht – das macht dieses Filmexperiment so interessant.

Was hat Sie an dem Filmprojekt künstlerisch besonders gereizt?

Eine Geschichte konsequent aus zwei Perspektiven zu erzählen, fand ich äußerst spannend. Und als Schauspieler war es für mich sehr reizvoll, eine so widersprüchliche Figur wie Nadler zu spielen. Diese Rolle war für mich ganz klar einer der Hauptgründe, dieses Projekt anzunehmen. Weil ich den Bogen spannend finde, wie Nadler immer mehr unter Druck gerät. Es war eine schöne Aufgabe, spürbar zu machen, wie sich in ihm dieser innere Druck aufbaut, der sich dann in seinem extremen Verhalten entlädt. Auch die Dichte des Kammerspiels im Gericht hat mich enorm gereizt – darzustellen, wie Nadler zur Zeugenaussage geht und dabei selber immer mehr ins Verhör gerät. Das an nur einem Platz zu spielen und mit Spannung zu füllen, war eine tolle Herausforderung. Viel Spaß gemacht hat mir natürlich auch die Zusammenarbeit mit Klaus Maria Brandauer.

Hat der Film Ihre eigene Sichtweise auf die deutsche Rechtsprechung verändert?

Der Film zeigt mir, dass ein Verhalten emotional und moralisch „richtig“ sein kann, in einem Rechtsstaat aber trotzdem als „falsch“ zu bewerten ist. Die geltenden Gesetze haben wir uns ja als Gesellschaft selber aufgebaut. In der Gerichtsszene habe ich gemerkt, dass der Anwalt auch Recht hat und unterm Strich sogar mehr Recht als Nadler. Das fand ich wahnsinnig spannend, auch weil ich vorher nicht darüber nachgedacht hatte. Dieser konkrete Fall hat mich dann aber überzeugt: Wenn der Polizist selber entscheiden kann, was richtig oder falsch ist, dann ist die Tür aufgemacht für Machtmissbrauch und Willkür - und nicht jeder Polizist ist so empathisch wie Nadler. Aufgrund dieser Erkenntnis hat sich meine Meinung zu Recht und Gerechtigkeit zwar nicht verändert, wohl aber mein Verständnis für unsere Gesetze.

Können Filme zur Meinungsbildung beitragen?

Ich glaube schon. Jede Form von Kunst ermöglicht es uns, unsere eigene Sichtweise zu hinterfragen, andere aufzuzeigen und vielleicht auch Vorurteile abzubauen. Meinungen, Lebensweisen und Ideen, die uns fremd erscheinen, können uns zum Beispiel in Filmen nähergebracht werden und dadurch nachvollziehbarer werden, auch wenn wir sie vielleicht nicht teilen. Kunst kann uns aus der Enge des eigenen Kopfes befreien, unser Denken und Fühlen maßgeblich beeinflussen. Auch bei diesem Filmprojekt ist es beabsichtigt und gewünscht, dass man hinterher darüber spricht. Und dass man darüber diskutiert.

Welche Rolle spielen, Ihrer Ansicht nach, die sozialen Medien bei der Bildung einer eigenen Meinung?

Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen nicht zuletzt durch die sozialen Medien - heute sehr schnell eine feste Meinung zu etwas haben. Viel wichtiger ist jedoch, dass man eine Haltung hat. Zu Mitmenschlichkeit, zu Gerechtigkeit, zum Recht. Die sozialen Medien werden mit ungeprüften Nachrichten und zweifelhaften Fakten überflutet. Da wird fast reflexartig mit einem Smiley oder mit einem Daumen nach oben oder unten bewertet - wie bei den Gladiatorenkämpfen im alten Rom. Das ist sehr schwarz-weiß, da gibt es oft nichts dazwischen.

Ähnlich wie beim Umgang mit den Corona-Maßnahmen?

Genau. Auch da haben viele Menschen sehr rasch eine eigene Meinung, auf der sie beharren – und sei sie auch noch so abstrus. Doch viel entscheidender ist auch hier die eigene Haltung: Ob einem die Selbstverwirklichung und das Eigeninteresse wirklich wichtiger ist als Solidarität. Oder ob man Verantwortung übernimmt und als Gesellschaft zusammenhält, um die Menschen, die besonders betroffen sind, zu schützen. Und wenn ich sehe, wie unterschiedlich die verschiedenen Regierungen mit der Pandemie umgehen, da bin ich eigentlich ganz froh über die Haltung, die unsere Regierung in der Corona-Krise hat.

Inwieweit hat die Corona-Pandemie Ihre eigene Arbeit bisher beeinflusst?

Ich hatte wahnsinniges Glück: Für meinen Film „Sörensen hat Angst“ hatte ich meinen letzten Drehtag am 19. März 2020, also genau drei Tage vor dem ersten Lockdown. Und bin dann unterm Radar weitergeflogen. Das heißt, die ganze Postproduktion – wie zum Beispiel Schnitt, Sound und Musik - konnte ich während des Lockdowns machen und somit durcharbeiten. Und als wir dann wieder drehen durften, habe ich im Film „Geliefert“, eine Produktion des Bayerischen Rundfunks, die Hauptrolle gespielt. Das war auch eine tolle Arbeit, eine schöne Vater-Sohn-Geschichte, die ebenfalls 2021 gesendet wird. Somit hatte ich also bis zum zweiten Lockdown quasi nonstop durchgearbeitet.

Und dann kam Ihre Corona-Pause?

Sozusagen. Im November 2020 war es zum ersten Mal so, dass Corona meine Arbeit getroffen hat. Weil bestimmte Lesungen und öffentliche Auftritte abgesagt werden mussten. Aber insgesamt gesehen, bin ich da bisher sehr glimpflich davongekommen. Auch weil ich das Glück habe, zu den paar wenigen Prozent der Künstler zu gehören, die gut genug beschäftigt sind, um so eine Zwangspause unbeschadet zu überstehen. Die nicht existenziell von dieser Krise betroffen sind. Momentan sieht es bei mir so aus, dass meine nächsten Projekte im Sommer starten. Das ist bei uns Schauspielern ja oft so, dass man erst wochenlang nichts hat und dann mehrere Sachen auf einmal. Aber das ist eigentlich ein Luxusproblem. Viele Kollegen würden sich freuen, wenn sie meine „Probleme“ hätten.

Ihr Film „Sörensen hat Angst“ hat im Januar TV-Premiere. Für diesen ungewöhnlichen Krimi haben Sie zum ersten Mal selber Regie geführt. Wie kam es dazu?

Es war nie mein Wunsch, dass ich unbedingt Regie führen wollte, sondern hat sich so ergeben. Es ist mir quasi vor die Füße gefallen. Also der Drehbuchautor, Sven Stricker, kommt vom Hörspiel; da haben wir uns auch kennengelernt und befreundet. Sven hat das Hörspiel „Sörensen hat Angst“ für mich geschrieben und er teilt meinen Hang zum wortkargen norddeutschen Humor. Irgendwann hat er festgestellt, dass dieses Hörspiel noch mehr hergibt und hat einen Roman daraus gemacht. Und plötzlich gab es Produktionsfirmen, die sich das auch als Film vorstellen konnten, mit mir in der Hauptrolle als Sörensen. So saßen wir dann eines Tages mit unserem Produzenten Jakob Claussen zusammen, der auf einem Zettel einige Regievorschläge notiert hatte.

Und auf dem Zettel stand auch Ihr Name?

(lacht) Nein. Aber bei dem Namen eines Regisseurs habe ich spontan gesagt: „Entschuldige, bevor der das macht, mache ich es lieber selber.“ Sven und ich befürchteten, dass der Film anders werden könnte, als wir ihn in unseren Köpfen hatten. Ich fand diesen Stoff ja gerade deshalb so interessant, weil er eine tolle Balance hält zwischen lakonischem Humor, dieser Angststörung als Phänomen und dann am Ende diesem harten, düsteren Krimistoff. Diese Mischung fand ich total spannend. Bei den Regievorschlägen hatte ich hingegen das Gefühl, dass der Ausschlag in die eine oder andere Richtung gehen könnte – einige Kollegen oder Kolleginnen können gute Krimis machen, andere gute Komödien. Also schlug ich mich leichtsinnigerweise selber vor. Und dann ging die Reise los.

Spielen Sie in dem Film bewusst mit den Erwartungen der Zuschauer?

Da steckt schon ein gewisser „Fahrplan“ dahinter: Wir fangen humorvoll an, sodass der Zuschauer denkt, da kommt ein lockerer Fernsehabend auf ihn zu. Man fährt raus aufs Land, man geht ans Meer, und alles wird gut. Genau diese Hoffnung hegt auch Hauptkommissar Sörensen, der sich von Hamburg in die Provinz nach Katenbüll versetzen lässt, weil er in einem stressfreien Ambiente seine Angststörung loswerden will. Ich wollte, dass die Zuschauer diesen Weg mitgehen: Der Humor führt in die Geschichte rein. Dann übernimmt aber die Härte des Kriminalfalls. Der Zuschauer begreift, wo er gelandet ist und wird – wie Sörensen – in diese beklemmende Angststimmung mit reingezogen.

Worin bestand für Sie die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Vor allem darin, Komik und Tragik im Gleichgewicht zu halten. Auf der einen Seite dem Humor und der Angststörung gerecht zu werden, auf der anderen Seite diesen düsteren Ort einzufangen, an dem sich die schlimmsten Verbrechen abspielen, die man sich vorstellen kann. Es ist der sprichwörtliche Ritt auf der Rasierklinge gewesen. Bei missglückter Regie hätte der Film leicht entweder in ein schweres Drama oder in Richtung Schmunzelkrimi abrutschen können.

Wie haben Sie Ihr Filmteam zusammengestellt?

Zuerst habe ich den Kameramann Kristian Leschner gefragt, den ich vom „Tatortreiniger“ kenne, ob er sich diesen Film mit mir vorstellen kann. Die Zusammenarbeit mit ihm war für mich eine Grundvoraussetzung, mir diese Regie zuzutrauen. Und dann hab ich mir fast die ganze „Tatortreiniger“-Familie mit ins Boot geholt. Alles nicht nur fachlich, sondern auch menschlich fantastische Leute, denen ich komplett vertrauen konnte und mit denen ich wahnsinnig gerne zusammengearbeitet habe. Sie bildeten quasi meine Anker beim Drehen, ich konnte gar nicht groß wegtreiben. Mit ihnen habe ich mich sicher genug gefühlt, das Projekt ins Wasser zu lassen.

War es nicht sehr schwer, Regie zu führen und gleichzeitig die Hauptrolle zu spielen?

Da kam mir vielleicht meine Theaterausbildung in Potsdam zugute. Dort habe ich gelernt, dass es beim Spielen nicht darum geht, wie ich mich auf der Bühne fühle, sondern was unten beim Zuschauer ankommt. Wirkung war damals die oberste Prämisse. Ich habe das so verinnerlicht, dass ich sie fast immer automatisch mitdenke, wenn ich spiele. Bei „Sörensen hat Angst“ habe ich ja in fast jeder Szene mitgewirkt, dadurch konnte ich schon beim Spielen den Rhythmus mitbestimmen. Insofern war das Spielen für die Regiearbeit keine Erschwernis, sondern auch eine Hilfe. Außerdem hatte ich alles sehr gut vorbereitet, um diese Doppelfunktion möglichst gut zu erfüllen.

Und wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Ich finde, ich bin damit sehr gut durchgekommen. Der Regisseur Andreas Dresen hat mir mal gesagt, wenn man als Regisseur 70 Prozent von dem umsetzen kann, was man sich vorher gewünscht hat, dann ist man ein glücklicher Mensch. Ich selber liege nach meinem Gefühl bei 93 Prozent. Ich habe eine Vorstellung davon gehabt, wie der Film aussehen sollte, und so sieht er jetzt auch aus.

Warum haben Sie für die Geschichte einen so harten Kriminalfall gewählt?

Diese schrecklichen Verbrechen, die in Katenbüll geschehen, sind Teil der Geschichte des Kommissars, der seine Angst überwinden muss, um das Leben eines Jungen zu retten. Es ist also wichtig für unsere Geschichte, dass es sich um genau diesen beklemmenden Fall handelt. Je größer der Druck auf Sörensen als Ermittler wird, umso weniger Platz hat die Angst in ihm. Ich muss aber hinzufügen, dass ich mir das nicht ausgesucht habe, es ist vom Autor ja bereits so im Roman geschrieben worden.

Wie viel von Ihnen selber steckt in dieser Figur?

Sörensen ist mir mit seinen inneren Zuständen und seiner Sehnsucht nach Ruhe sehr vertraut. Er sagt nach seiner Flucht aus Hamburg: „Irgendwo muss man ja sein.“ Das kann ich sehr gut nachempfinden. Auch sein Hang zur Melancholie ist mir nicht fremd.

Sörensen ist sehr sensibel und hat einen besonderen Draht zu Kindern. Würden Sie sich selbst auch als empathischen Menschen charakterisieren?

Ich bin Schauspieler, und Empathie sollte eigentlich eine Grundvoraussetzung für meinen Beruf sein. Wenn man nicht nachvollziehen kann, warum manche Menschen so handeln wie sie handeln, dann wird es schwer, glaubhaft andere Figuren zu spielen und nicht nur sich selbst. Dass es überwiegend Sympathieträger sind, die ich spiele, das hat sich einfach so ergeben. Das ist nichts, was ich mir bewusst so ausgesucht habe. Als Schauspieler müsste ich auch einen Kindesentführer verstehen, um ihn spielen zu können. Bei Sörensen war mir jedenfalls wichtig, dass er den Kindern auf Augenhöhe begegnet.

Wird es eine TV-Fortsetzung mit Sörensen geben?

Ich würde mich freuen, wenn es Einzelstücke blieben, und es soll keine leicht konsumierbare Krimireihe daraus werden. Aber es gibt Figuren, die ich gern noch mal sehen würde. Es gibt ja auch schon den zweiten Sörensen Roman von Sven Stricker „Sörensen fängt Feuer“ und denkbare Nachfolgefälle. Doch das Besondere an diesem Film ist ja Sörensens Angststörung, und ich wüsste nicht, wodurch wir die in einem zweiten Fall ersetzen könnten. Auch das visuelle Konzept des Films ist auf diese Angst ausgelegt. Es geht ja nicht um einen Kommissar, der eine Macke hat, sondern um einen Mann mit einem ausgeprägten Krankheitsbild, das uns interessiert hat. Und das könnte ich in einem zweiten Film nicht einfach wiederholen. Dann bräuchten wir noch mal einen ganz neuen Ansatz. Außerdem glaube ich nicht, dass ich jetzt Krimi-Reihen-Regisseur werden möchte. Auch weil sich eine Regiearbeit über anderthalb Jahre erstreckt, und ich mich gern in verschiedenen Projekten ausprobiere.

Beruflich fängt das neue Jahr ja schon sehr gut für Sie an...

Stimmt. Mit diesen neuen Filmen bin ich im Januar schon sehr präsent im deutschen Fernsehen. Das ist ein bisschen so wie in der Schule, wenn man sich am Anfang ganz vehement meldet, um den Lehrern aufzufallen. So fühlt sich das neue Jahr jetzt auch für mich an (lacht). Mal sehen, wie’s danach weitergeht.

„Glück reimt sich nicht auf Leben: Na ja, so ist das eben“. Unter diesem Titel haben Sie vor zehn Jahren ein Gedichtband geschrieben. Wird es da ein Nachfolgewerk geben?

Das war auch wieder so ein Projekt, das mir quasi vor die Füße gefallen ist. Damals war ich in der NDR-Talkshow und wurde im Anschluss gefragt, ob ich nicht mal meine Reiseerlebnisse humorvoll aufschreiben möchte. Als ich dann gestand, dass ich schon mal ein paar Gedichte verfasst hatte, weil ich gerne reime, wurde es zu einer lustigen Herausforderung, rund 100 kurze Gedichte zu schreiben und in einem Lyrikband zu veröffentlichen. Eine Fortsetzung ist erstmal nicht in Planung.

Apropos vor die Füße gefallen: Als Kind wollten Sie Profi-Fußballer werden und sind trotz Umzugs von Hamburg nach Berlin noch immer bekennender HSV-Fan. Verfolgen Sie weiterhin die Spiele Ihres Lieblingsvereins?

Eigentlich hatte ich mir nach der letzten Saison fest vorgenommen, zum HSV auf Distanz zu gehen, auf Sicherheitsabstand so zu sagen. Aber ich hab’s nicht durchgehalten. Natürlich hab ich mir die letzten Spiele angeguckt und bin auch in dieser Saison als Fan verzweifelt, wie das momentan schon wieder läuft. Ich mag den Trainer Daniel Thioune. Und Simon Terrode ist der Robert Lewandowski der zweiten Liga, aber es scheint erneut eine Wasserader im Stadion zu verlaufen, die jeden, der zu uns kommt, schlechter macht als er sein könnte.

Haben Sie noch einen privaten Wunsch für 2021?

Einen sehr großen sogar: Mein Vater wird 80 und lebt in Amerika. So wie auch meine Schwester und ihre Familie. Deshalb hoffe ich sehr, dass ich meinen Vater zu seinem Geburtstag besuchen und alle wiedersehen kann. Momentan ist das durch Corona ja noch ziemlich unklar, auch ob und wie lange man danach in Quarantäne müsste. Und natürlich wünsche ich mir, dass alle in meinem Umfeld gesund bleiben. Immerhin ist ein Wunsch von mir für 2021 schon in Erfüllung gegangen: Mit Trump wird es in diesem Jahr keine Fortsetzung mehr geben, der wurde von der Mehrheit der Amerikaner gefeuert.

Interview von Claudia Pless


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März 2021 / No 82

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