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DAUN, 12.06.2018 - 16:32 Uhr
Kultur

Gut bepackt für große Freiheit: So gelingt die Radtour

(dpa/tmn) - Den Fahrtwind spüren, spontan irgendwo anhalten, übernachten, und dann am nächsten Tag weiter ins Unbekannte: Mit dem Rad auf Urlaubstour zu gehen, klingt für viele nach der großen Freiheit. Doch wer seinen Urlaub auf dem Fahrrad verbringen will, darf sich nicht nur von romantischen Vorstellungen leiten lassen. Damit das ganze nicht zum Horrortrip wird, lohnt sich etwas Planung.

Erste Regel dabei: Je weniger Gepäck, desto größer der Fahrspaß. „Denn spätestens am ersten Berg spürt man jedes Gramm zu viel“, sagt Louise Böhler, Tourismusexpertin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Was mit muss und was nicht, hängt natürlich vom Reiseziel und der Art der Tour ab. „Fahre ich in die Alpen, brauche ich andere Sachen als im flachen Holland“, erklärt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad. „Übernachte ich draußen, brauche ich anderes Equipment als im Hotel.“

Einige Dinge sind aber immer unverzichtbar. Markus Gutbrod ist Fachwart für Wanderfahrten im Bayerischen Radsportverband. Auf seiner Liste stehen Fahrradhelm, Handschuhe, Fahrradhose, Fahrradtrikot, Trinkflasche, Müsliriegel, Regenjacke, wasserdichte Gepäcktaschen, kleines Werkzeug, Ersatzschlauch, passende Luftpumpe, Erste-Hilfe-Set, Wechselkleidung und Kartenmaterial.

Gunnar Fehlau hält darüber hinaus Ersatzbremsklötze- oder Beläge, Schalt- und Bremszüge, Schrauben und Klebeband für sinnvoll. Mit spezielle Sitzcremes tut man sich häufig ebenfalls einen Gefallen. Denn keine Tour macht Spaß, wenn das Hinterteil schmerzt.

Viel Sparpotential gibt es bei der Garderobe: „Zwei Hosen und zwei Shirts - am besten Funktionskleidung - reichen für die Radtour“, sagt Böhler. „Für den Restaurantbesuch am Abend empfehlen sich feste Schuhe und noch ein Wechseloutfit.“ Schmutziges lässt sich abends schnell durchwaschen. Ein Waschmittel oder eine Waschpaste gehört daher mit in den Kulturbeutel.

Wer nun sein Gepäck zusammen hat, muss das alles noch auf dem Rad verteilen. „Es lohnt sich, das Gepäck auf zwei separate Packtaschen am Gepäckträger zu beschränken“, sagt Böhler. Zusätzliche kleine Taschen oder Beutel helfen dabei, Ordnung in den Packtaschen zu halten. Wer etwas mehr Gepäck mitnehmen möchte, kann eine Lenkertasche für oft Benötigtes verwenden - Handy, Kartenmaterial und Sonnenbrille etwa.

Der Rest kommt an den Gepäckträger - zumindest, solange insgesamt nicht mehr als 15 Kilogramm zusammenkommen. Spätestens ab 20 Kilo sollte das Equipment aber auf das gesamte Rad verteilt werden, rät Fehlau - der Fahrdynamik zuliebe. „Außerdem ist vor Reisebeginn die maximale Zuladung, die sich aus Fahrer und Gepäck ergibt und vom jeweiligen Hersteller vorgegeben wird, zu überprüfen.“ Hinweise dazu stehen in der Bedienungsanleitung des Fahrrads.

Das Packen und Beladen erledigt man im Idealfall nicht erst am Vorabend der Abfahrt. Stattdessen lohnt sich ein paar Tage vorher ein Probepacken und Probefahren. „So bekommt man ein Gefühl dafür, wie anstrengend es wird und kann seine Tagesetappen darauf abstimmen“, sagt Fehlau.

Viel Gepäck lässt sich oft einsparen, wenn man in größeren Gruppen unterwegs ist. Fön, Werkzeug, Kamera, Zelt und Campingkocher etwa muss nicht jeder dabeihaben. Und auch sonst sind Absprachen vor dem Start das A und O. Markus Gutbrod nennt Beispiele: „Die Fahrweise, ob nebeneinander, was ohnehin erst ab 15 Personen erlaubt ist, oder in Reihe. Das Verhalten am Berg - wird gewartet, bis der Letzte oben angekommen ist? Das Verhalten an Kreuzungen und beim Abbiegen.“

Auch Fahrzeiten und Ziele muss man gemeinsam festlegen. Denn das Fahren in der Gemeinschaft kann zwar sehr viel Spaß machen. Wichtig ist aber, dass Fahrstile und -geschwindigkeiten zusammen passen. „Wenn Partner unterschiedlich schnell oder ausdauernd unterwegs sind, kann einer auf ein E-Bike wechseln“, sagt Böhler.

Zu guter Letzt müssen Fahrer und Rad selbst natürlich fit genug für die große Tour sein. „Nicht zu kurzfristig, sondern etwa zwei Wochen, bevor es losgeht, sollte man in die Fachwerkstatt zum Check. So sind noch Proberunden möglich“, rät Gunnar Fehlau. Auf den klassischen Tourismusrouten gibt es zwar oft Fahrradläden und -werkstätten. Die lassen sich ihren Notfalldienst aber oft gut bezahlen.

Wie man sich selber körperlich auf die Tour vorbereitet, ist eine sehr individuelle Frage - und hängt natürlich auch vom Anspruch der Tour ab. „Für eine normale Radreise benötigen Sie kein umfangreiches Trainingsprogramm“, sagt Louise Böhler. Gelegenheitssportler sollte das in der Regel gut schaffen - auch wenn sie sonst wenig auf dem Rad sitzen. „Für eine bessere Kondition hilft auch regelmäßiges Joggen.“


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November 2018 / No 54

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