- © Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen -
DAUN, 06.09.2022 - 09:11 Uhr
Kultur

„Ich hatte immer den Mut, etwas Unerwartetes zu tun“ – Interview mit Salma Hayek

Der Begriff ‚Powerfrau‘ wird manchmal inflationär eingesetzt. Aber auf Salma Hayek trifft er zweifelsohne zu. Die 55-Jährige steuert erfolgreich Ihre Hollywood-Karriere als Produzentin und Schauspielerin und gibt den weiblichen Actionstar in Filmen wie „Killer’s Bodyguard 2“ (zu sehen bei Amazon Prime), während sie parallel mit ihrem Mann ein Leben zwischen zwei Kontinenten führt und ihre 14-Jährige Tochter großzieht, wenn sie nicht gerade für ihre humanitären Aktivitäten im Einsatz ist. Vielleicht sind es gerade diese immense Energie und Offenheit, die dazu führen, dass sie im Interview so lebendig und natürlich herüberkommt wie nur wenige große Stars.

Ihre Figur in „Killer’s Bodyguard 2“ liefern Sie sich etliche Kampfszenen. Können Sie eigentlich gewalttätig werden? Wenn ein geliebter Mensch bedroht wäre, dann schon. Ansonsten bin ich total friedliebend. Aber wenn ich dann kämpfen müsste, würde ich wahrscheinlich gewinnen, weil ich so viele Actionrollen gespielt habe. Sie haben’s ja im Film gesehen, wozu ich imstande bin.

Sie sind also wirklich physisch schlagkräftig? Zweifeln Sie das etwa an? Aber ich geb’s zu. Ich habe alle möglichen Zipperlein, einschließlich eines doppelten Bandscheiben-vorfalls. Bei dem Film hatte ich eine Stuntfrau, und ich meinte zunächst: ‚Super. Lasst sie alles machen.’ Aber dann bin ich ins Grübeln gekommen: ‚Vielleicht haben sie die nur angeheuert, weil sie sich sagten: ‚Da kommt die Oma, der kann man nichts mehr zumuten.’ Und das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich habe alle Stunts selbst gedreht, habe gekickt, bin gesprungen, habe Bösewichten die Arme gebrochen und so weiter.’ Am Schluss haben alle applaudiert. Die Woche drauf konnte ich mich zwar nicht mehr bewegen, doch dafür war ich stolz auf mich.

Auf welche der Entscheidungen Ihres Lebens sind Sie sonst stolz? Dass ich immer wieder den Mut hatte, etwas unerwartetes zu machen. Zum Beispiel, als ich meine erfolgreiche Karriere in Mexiko hinter mir ließ und in die USA ging, wo ich mich von ganz unten hocharbeiten musste. Oder als ich meinen Mann heiratete, obwohl er aus einer ganz anderen Welt kam.

Die Welt Ihres Mannes ist das Reich der Milliardäre. Wie schaffen Sie es, in so einem Leben auf dem Teppich zu bleiben? Die Leute in dieser Welt mögen vielleicht unter anderen Umständen leben, aber sie sind Menschen die du und ich. Und ich mag einfach Menschen – egal aus welcher Schicht. Ich bin unter feudalen Umständen groß geworden, denn mein Vater war Ölmanager, aber ich habe es gelernt, jeden Menschen gleich zu behandeln. Ich sehe immer Individuen vor mir, keine Klassen. Und mein Mann ist einfach unwiderstehlich, er liebt mich, wir haben ein Kind zusammen, und ich tue das, was ich liebe.

In „Killer’s Bodyguard 2“ sind Sie ja ebenfalls glücklich verheiratet. Worin besteht eigentlich das Geheimnis einer erfüllten Ehe? Sie dürfen mich allerdings nicht mit dieser Frau verwechseln, die ist komplett anders als ich. Ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Ehe ist, dass du den richtigen Partner findest. Und musst zueinander stehen, aber dem anderen auch seinen Freiraum lassen. Du darfst nicht versuchen, das Leben deines Partners komplett zu übernehmen.

Haben Sie eigentlich Angst, dass Ihr persönliches Glück einmal gefährdet sein könnte? Ich bin kein ängstlicher Mensch. Was die Dinge angeht, die ich unter Kontrolle habe, bin ich total optimistisch. In der Hinsicht kann es für mich nie bergab gehen – sondern immer nur aufwärts. Doch ich habe nicht alles unter Kontrolle, und deshalb ich betrachte das Leben immer voller Demut.

Aber kennen Sie überhaupt noch die Schattenseiten des Lebens? Natürlich, was denken Sie denn. Ich habe meine karitativen Aktivitäten, unter anderem für UNICEF. Ich erlebe das ganze Spektrum des Lebens. Und es ist ja auch nicht so, dass mir mein Erfolg in den Schoß gefallen ist. Als ich nach Hollywood kam, war ich völlig unbekannt Ich musste alles lernen – zu produzieren, zu schreiben, großartige Charakter zu kreieren, sogar Regie zu führen. Um mein Herzensprojekt „Frida“ zu drehen, brauchte ich acht Jahre. Und das alles war ein großer Vorteil.

Inwiefern? Hätte man mir gute Rollen auf dem Silbertablett serviert, dann hätte ich mir all diese Fähigkeiten nicht aneignen müssen. Ich musste mir viele neue Ideen einfallen lassen und belastbarer werden, und habe dadurch auch ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Das sind Qualitäten, die mir auch sonst nützlich sind.

Weniger produktiv waren aber Ihre Erfahrungen mit Produzent Harvey Weinstein, der Sie bei „Frida“ zu einer freizügigen Sexszene zwingen wollte. Sind Sie froh über seine Verurteilung wegen Vergewaltigung? Aber sicher, denn das Ganze war eine schmerzhafte Erfahrung. Ich dachte ursprünglich, ich hätte das alles schon für mich verarbeitet, denn ich hatte ihm ja Grenzen aufgezeigt und mich ihm verweigert. Aber im Zuge der „MeToo“-Kampagne wurde bekannt, wie vielen Frauen es genauso, wenn nicht noch schlimmer ergangen war. Deshalb habe ich mich zu dem Fall geäußert. Allerdings habe ich wegen des Urteils keine Freudentänze vollführt, dafür war die ganze Sache viel zu traurig. Es gab so viele Menschen, die darunter gelitten hatten. In jedem Fall war das Urteil aber notwendig. Früher sind Männer mit solchen Vergehen viel leichter davongekommen. Und mit solchen Entscheidungen ist klar, dass sie sich das nicht leisten können. Sie müssen Frauen respektieren. Und für mich war das eine große Befriedigung.

Und wie sehen Sie die Situation in punkto Frauenrechten allgemein? Es hat sich vieles gebessert. Denn nun wird das alles nicht mehr ohne Widerrede hingenommen. Wir Frauen können sagen ‚Jetzt reicht’s’, und das bringt diese Männer ganz schön in Schwierigkeiten. Wir haben noch ein großes Stück des Weges bevor uns, aber wir sind geeinter denn je.

Ein Interview von Rüdiger Sturm

 

 

 


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://vivanty.de/kultur/ich-hatte-immer-den-mut-etwas-unerwartetes-zu-tun-interview-mit-salma-hayek-0
Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.