Dr. Martin Gruber (Hans Sigl). Dr. Martin Gruber (Hans Sigl). - © Foto: ZDF / Erika Hauri -
DAUN, 10.01.2022 - 10:00 Uhr
Kultur

Interview mit Hans Sigl: Beim Bergdoktor ist nicht der Kitsch zu Hause

Der „Bergdoktor“ ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Arztserien im deutschen Fernsehen. Jedes Mal locken die Episoden mit Dr. Martin Gruber in der Hauptrolle, gespielt von Hans Sigl, mehrere Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernseher. In diesem Jahr startet die Serie bereits mit der 15. Staffel. Hans Sigl hat uns einiges über seine Reise als Bergdoktor verraten.

Werden Sie privat als Doktor angesprochen?

Nein, wenn dann nur im Spaß. Seit der „Schwarzwaldklinik“ hat sich zum Glück viel getan. Aber hin und wieder höre ich „Martin, mein einziger Freund“, eine Anrede, die Mark Keller als Dr. Kahnweiler bei jeder Gelegenheit fallen lässt.

Auch in den neuen Folgen wird Dr. Martin Gruber (Hans Sigl) vor persönliche und fachliche Herausforderungen gestellt. © ZDF / Erika Hauri„Der Bergdoktor“ feiert 15-jähriges Jubiläum. Hätten Sie gedacht, dass Sie so lange mit dem Bergdoktor im TV sein werden?

Als wir 2008 mit der Serie erstmals auf Sendung gingen, ahnte niemand, was für eine Reise damit beginnen würde. Ich bin dafür enorm dankbar und freue mich riesig. Das Schöne daran ist, zu sehen, dass wir mit unseren Geschichten offensichtlich eine große Sehnsucht erfüllen und man mit uns „erwachsen“ geworden ist.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet? Haben Sie einem Arzt über die Schulter gesehen?

Ich habe als junger Mann Zivildienst im Krankenhaus Innsbruck geleistet und zehre von diesem einen Jahr noch heute. Nicht nur fachlich, sondern vor allem menschlich. Ich bin aber immer wieder mit unserem medizinischen Fachberater Dr. Pablo Hagemeyer in Kontakt.

Haben Sie auch schon mal ihr Veto gegenüber dem Regisseur eingelegt und gesagt: „Das würde der Bergdoktor so nicht machen“?

Natürlich, würde ich behaupten, kenne ich diesen Dr. Martin Gruber am besten und weiß, wie er tickt, wie er handelt und wie er spricht. Das macht es am Ende einfach authentischer und das ist in der Abstimmung mit den RegisseurInnen auch gang und gäbe. Was die inhaltliche Entwicklung angeht, so bin ich mit dem Produzenten und der Redaktion durchaus im regen Austausch. Also zu einem frühen Zeitpunkt, denn am Set selbst lässt sich nicht mehr das große Ganze verändern.

Welche Herausforderungen bringt der Dreh in den Bergen mit sich?

Wir sind uns sehr bewusst, dass wir vor einer atemberaubend schönen Kulisse drehen und die sollte natürlich auch zu sehen sein. Viel findet darum draußen statt. Wir haben wenige Drehtage im Studio oder in der Praxis, die wir nicht nur aus dramaturgischen Gründen, sondern auch als Wetter-Backup brauchen. Nach Tim Hausers (Oliver Mommsen, 2. v. r.) Zusammenbruch hat Katja Bannert (Annika Kuhl, 3. v. l.) sofort Dr. Martin Gruber (Hans Sigl, 2. v. l.) und die Bergrettung alarmiert. © ZDF / Erika HauriTatsächlich ist die größte Herausforderung das Wetter. Gerade wenn wir im Herbst die letzten Folgen des Jahres drehen, kann es schon passieren, dass über Nacht der Winter einbricht und so gab es durchaus auch schon Folgen, in denen Spätsommer, Herbst und Winter zu sehen waren. Das lässt sich leider manchmal nicht vermeiden.

Wie hat sich die Serie im Lauf der Zeit entwickelt?

In den letzten 15 Jahren hat sich wirklich viel getan. In den ersten Jahren waren unsere Folgen jeweils nur 45 Minuten lang. Als wir dann zur 5. Staffel auf 90er umgestellt haben, hat sich natürlich der größte Wandel vollzogen. Wir hatten auf einmal doppelt so viel Zeit, den medizinischen Fall zu erzählen und konnten auch der horizontalen Familiengeschichte mehr Tiefe geben. Über die Zeit hat sich zudem aber auch die Haltung von Martin Gruber als Arzt geschärft. Er ist sehr viel klarer, als in den Anfängen. Seine Empathiewar ja schon immer groß und das Wartezimmer bot schon immer die Möglichkeit spontaner Hausbesuche. Jetzt aber redet er mit seinen Patienten viel konkreter, versucht sie auch mit unbequemen Wahrheiten aus ihrer Situation zu holen und zum Kampf gegen ihre Krankheit zu motivieren. Beim „Bergdoktor“ ist nicht der Kitsch zuhause, wie es uns manche unterstellen, die meist noch nie reingesehen haben. Auch wenn der Berg mächtig und die Landschaft wunderschön ist, so geht es in den Filmen um essentielle Fragen, ethische Grundsätze und menschliche Tragödien. Und diese haben sich über die Jahre verändert.

Wie haben sich die einzelnen Charaktere - und besonders der des Bergdoktors - verändert?

Von links: Hans Gruber (Heiko Ruprecht), Lilli Gruber (Ronja Forcher) Dr. Martin Gruber (Hans Sigl), Lisbeth Gruber (Monika Baumgartner), Anne Meierling (Ines Lutz). © ZDF / Erika HauriDie größte Verwandlung in der Serie hat sicher Ronja Forcher in der Rolle der Tochter Lilli Gruber vollzogen und an ihr sieht man auch sehr deutlich, wieviel Zeit schon vergangen ist. Ronja war 10, als wir anfingen und ist heute eine junge, selbstbewusste Frau und Kollegin.

Was waren Ihre emotionalsten Momente?

Derer gäbe es viele aufzuzählen. In 15 Jahren Familiensaga mit einer Arztgeschichte. Das wirklich schöne und emotionale ist, mit den Episoden-Kollegen die emotionale Reise anzutreten und den Film zu machen.

Haben Sie zwischendurch nicht schon mal mit dem Gedanken gespielt, den Arztkittel an den Nagel zu hängen?

Nein. Mir macht das nach wie vor eine große Freude.

Wird der Bergdoktor noch weitere 15 Jahre gedreht?

Das hinge im Falle von sehr vielen Faktoren ab. Die Welt ist groß und es wollen auch noch andere Geschichten erzählt werden. Ich habe mal in einem Interview kurz vor meinem 50. Geburtstag gesagt, dass ich nicht glaube, dass ich auch meinen 60. mit dieser Rolle verbringen werde. Dazu stehe ich weiterhin.

Sie haben auch noch eine wilde Seite. Ich denke an Ihren Fallschirm-Sprung. Ist das etwa eine Vorbereitung für eine Action-Rolle - wie „Missi-on Impossible“?

Eine „wilde Seite“ würde ich das nicht gerade nennen. Es war ein Tandem-Sprung und ich habe das nicht zum ersten Mal gemacht. Ein unglaubliches Gefühl und nein, keine Vorbereitung für eine Rolle, sondern rein privates Vergnügen. Aber Action gab es auch schon in unserer Serie. Immerhin konnte ich schon einige Male einen Tauflug am Dr. Martin Gruber (Hans Sigl). © ZDF / Erika HauriHubschrauber machen. Das ist fast so toll wie ein Fallschirmsprung.

Auf jeden Fall haben Sie einen Thriller gedreht. Was dürfen Sie uns darüber verraten?

Wir haben vor zwei Jahren den Thriller „Flucht durchs Höllental“ gedreht, in dem ich den Strafverteidiger Klaus Burg spielte. Der Film lief sehr erfolgreich und nun haben wir die Geschichte weitererzählt. „Der Feind meines Feindes“ wurde in Italien gedreht und wieder hat Marcus O. Rosenmüller Regie ge-führt. Eine spannende Geschichte im Mafia-Milieu mit tollen Kollegen wie z.B. Oliver Mommsen, und vielen anderen. Wann der Film ausgestrahlt wird, kann ich Ihnen allerdings noch nicht sagen.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Da gibt es jede Menge. Ein eigenes Streamingstudio mit Live Bühne in Stegen (www.groundlift.de), Lesungen und jede Menge interessantes. Aber ich schmiede eigentlich nicht wirklich Pläne. Meist kommt das Leben doch anders, als geplant. Mein Plan ist, gesund und glücklich zu bleiben im Hier und Jetzt und das wünsche ich Ihnen auch!

Ein Interview von Gabrielle Klawitter


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Januar 2022 / No 92

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