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DAUN, 28.07.2021 - 16:28 Uhr
Kultur

Körpersprache ist der Motor unseres Handelns

Gestik und Mimik sagen mehr als tausend Worte

Körpersprache ist der sichtbare Ausdruck unserer Wünsche, unseres Befindens, unserer Gefühle, unseres Wollens und Handelns. Unsere Körpersprache spiegelt unser Ich, unsere eigene Wirklichkeit wider. Wann immer wir Menschen begegnen, ist sie ein wesentlicher Teil unserer Kommunikation. Während Worte nicht immer unsere wahren Absichten widerspiegeln, kann sich unsere Körpersprache nicht verstellen. Es sei denn, man ist ein exzellenter Schauspieler. Aber das sind die wenigsten Menschen.

“Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt ohne ihr”

Wenn wir Mitmenschen begegnen, wollen wir wahrgenommen und respektiert werden. Wahrnehmen bedeutet, dass der Gegenüber unsere Körpersignale und unser Verhalten erkennt und richtig interpretiert, um darauf angemessen zu reagieren. Eine typische, weil anerzogene Verhaltensweise, ist dabei die Bescheidenheit, sich nicht in den Vordergrund zu drängeln, sich womöglich klein zu machen. Ein derartiges Verhalten widerspricht aber in vielen Fällen unserem Wesen und ist widernatürlich. Körpersprache ist keine Gymnastik, sondern Ausdruck unserer Gefühle, die wir nicht unterdrücken sollten. Sie ist der Motor unseres Handelns. Nicht umsonst steckt in dem Begriff Emotion das Wort Motion, Bewegung.

Territorien werden immer neu abgesteckt

Das Konzept des Territoriums des Pantomimen Sammy Molcho besagt, dass Menschen ihre persönlichen Grenzen markieren und verteidigen - ob in der Arbeit, in der Öffentlichkeit oder in der Familie. Das können Orte sein oder geistige Gebiete, wie eine Sprache oder eine Religion. Ohne Grenzen zu leben ist schwer. Menschen brauchen Territorien und ihre (un-)sichtbaren Grenzen. Wenn Eltern abends das Spielzeug ihrer Kinder aus dem Wohnzimmer wegräumen, wollen sie klar machen, dass dies ab jetzt wieder ihr Bereich ist. Das Handy auf dem Tisch beim gemeinsamen Essen und die Reaktion auf eine SMS signalisiert: Das ist wichtiger für mich als Du es bist. Kommt ein Manager einen Gast in seinem Büro nicht entgegen, ist das ein Zeichen dafür, dass derjenige für ihn nicht wichtig ist. Der Gast muss tief in das Territorium des Managers laufen, was einschüchtern soll. Wer Oxford Englisch spricht, möchte zeigen, dass er zu einer privilegierten Gruppe gehört. Territorien müssen immer wieder neu verhandelt werden. Sie bestimmen unsere Identität, unser Weltbild, unser Verhalten. Letztendlich geht es beim Abstecken eines Territoriums immer um Macht.

Kleine Gesten mit großer Wirkung

Wer seine Lieblings-Kaffeetasse, aus der er täglich seinen Kaffee trinkt, eines Morgens auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz auf dem Schreibtisch eines Kollegen entdeckt, ist irritiert. Es stört ihn massiv, weil man mit der Gewohnheit der täglichen Benutzung der Tasse sein Territorium markiert hat. Dass der Kollege so ungeniert genau diese Tasse benutzt, empfindet man als Angriff auf das eigene Territorium. Ein weiterer Klassiker der Territoriumsverletzung ist der Chef, der ständig in das Büro seiner Angestellten platzt oder Arbeitsaufträge einfach auf den Schreibtisch seiner Mitarbeiter wirft. Er dringt in das Territorium einer anderen Person ein, verletzt Grenzen und demonstriert seine Macht. Die Reaktion darauf ist oft emotional und aggressiv. Engagement wird der Chef von diesem Mitarbeiter nicht mehr erwarten können. Es geht aber auch anders: Er kann beispielsweise fragen, ob er reinkommen kann? Eine kleine Geste, die viel bewirkt, wenn sie ernst gemeint ist. Und schon wird der Mitarbeiter kooperativ und motiviert sein, weil er sich wertgeschätzt fühlt.

Der Körper kommuniziert immer

Das wirkt aber nur dann, wenn die Körpersprache auch der inneren Haltung entspricht. Ist unsere Einstellung authentisch, verhält sich unser Körper entsprechend. Schauspielerei wirkt aufgesetzt und wird schnell enttarnt. Denn in diesem Fall stimmen Körpersprache und innere Haltung nicht überein. Authentizität ist dann gegeben und überzeugt, wenn Körpersprache und Einstellung übereinstimmen. Entsprechend des Paul Watzlawickschen Axiom “Man kann nicht nicht kommunizieren” sendet der Körper immer eine Botschaft. Entscheidend ist dabei nicht, wie man etwas gemeint hat, sondern wie es wahrgenommen wird. Wer z.B. mit offenen, nach oben gerichteten Handflächen agiert, wird schnell feststellen, dass die Menschen offener reagieren. Wer um etwas bittet, stößt einen Prozess des Gebens und Nehmens an. Eine Faust oder ein Zeigefinger sind Befehlsgesten, die eine Drucksituation erzeugen. Wer seine Hände hinter dem Kopf verschränkt signalisiert seine Offenheit für Ideen. Mit vor der Brust verschränkten Armen kann man nicht auf andere wirken, sie für etwas begeistern oder generell handeln.

Körpersprache lügt nicht

Wie die Beispiele zeigen, offenbart unsere Körpersprache immer, wie wir uns wirklich fühlen und ob wir wirklich an die Ideen glauben, die wir anderen präsentieren wollen. Wenn wir von unserer Botschaft nicht überzeugt sind, wird unser Publikum sie erst recht nicht glauben. Die Verbindung zwischen Körper und Einstellung ist wechselseitig. Eine offene Körpersprache wirkt sich positiv auf unsere Einstellung und unser Verhalten aus, genauso wie eine negative Einstellung unsere Körperhaltung beeinflusst.

Körperhaltung kann man lernen

Eine schlechte Körperhaltung ist allerdings auch nicht unbedingt mit einem geringen Selbstvertrauen verbunden. Sie kann durch mangelndes Bewusstsein über unseren Körper, mangelnde oder falsche Bewegung, schlechte Gesundheit oder einfach nur durch Müdigkeit entstehen. Das Fatale an der Situation ist, dass sie aber von anderen höchstwahrscheinlich als mangelndes Selbstvertrauen interpretiert wird. Passt man seine Körperhaltung an, beginnt man auch auf eine subtile Art die eigene Einstellung zu verändern. Die Körperhaltung steht in direktem Zusammenhang mit der Atmung und der Stimme. Nur in einer aufrechten Haltung kann man richtig und tief aus dem Bauch heraus atmen, so dass die Stimme kräftig, voll und natürlich klingt. Dazu steht man am besten mit beiden Beinen beckenbreit auf dem Boden und hebt das Brustbein an. Beine und Knie sind entspannt, nicht angespannt, und Rücken und Schultern sind gerade. Sich ein Buch auf den Kopf zu legen und es zu balancieren, hilft automatisch, die richtige Haltung einzunehmen.

Das Auge kommuniziert mit

Blickkontakt, in westlichen Gesellschaften üblich - mehr noch - erwünscht, ist ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Gesprächspartner und dem Publikum. Die Augen sind ein wichtiger Teil der menschlichen Kommunikation. Sie zeigen Präsenz, Stärke und Zuversicht. Deshalb sollte man, sobald man die Bühne betreten hat, den Augenkontakt zum Publikum herstellen und bis zum Ende aufrecht halten. Dabei sollte man vermeiden, Blickkontakt nur zu Personen, die in der Mitte des Raumes sitzen herzustellen, sondern auch zu denen auf der rechten und der linken Seite des Auditoriums. Sich auf Menschen zu konzentrieren, vor denen man Angst hat, ist kontraproduktiv. Es hilft dagegen sehr, den Blickkontakt zu den Menschen zu suchen, auf deren Zustimmung man zählen kann. Idealerweise schweift der Blick ruhig und entspannt über das gesamte Publikum, denn jeder im Publikum ist wichtig!

Gesten verleihen dem Gesagten Nachdruck

Nicht nur die Augen, sondern auch die Hände sind ein Mittel der Körpersprache. Gesten sind sehr individuell und hängen vom persönlichen Stil, dem Kontext und den Personen ab, mit denen man spricht. Die Bewegung der Hände verleiht den Worten Nachdruck und erweitert die Bedeutung des Gesagten. Hände können eine große visuelle Hilfe sein, wenn die Gesten klar und deutlich sind und gezielt eingesetzt werden. Wildes Gestikulieren erschwert dem Publikum aber zu entscheiden, was wichtig ist und was nicht. Wenn man nicht so recht weiß, wie man seine Hände einsetzen soll, sollte man sie in Hüfthöhe vor sich zusammenlegen und leicht ineinanderlegen. Dies ist eine sehr entspannte und natürliche Position für die Hände und gleichzeitig stehen sie sofort bereit, wenn man sie einsetzen will. Und das Publikum wird nicht durch unsinnige oder überzogene Gesten abgelenkt.

Mimik - Spiegel der Emotionen

Neben der Gestik kommuniziert auch die Mimik auf einer Ebene, die über Sprach- und Kulturbarrieren hinausgeht. Wie bei der Gestik können wir die Mimik einsetzen, um die Bedeutung unserer Worte zu erweitern oder zu betonen oder sie sogar zu ersetzen. Andererseits ist es fast unmöglich, die Emotionen in unserem Gesicht zu verbergen, selbst wenn wir es wollten. Ein offenes und freundliches Gesicht zieht die Menschen an und schafft eine positive Atmosphäre. Der stärkste Gesichtsausdruck ist ein Lächeln, vorausgesetzt natürlich, dass es in der jeweiligen Situation angemessen ist. Ein Lächeln hat die Kraft, andere Menschen zu erreichen, aber nur, wenn es echt ist. Emotionen, die man gerade nicht erlebt, lassen sich nicht simulieren. Das Publikum wird das sofort spüren!

Mit der Stimme auf Stimmenfang

Nicht zuletzt ist auch die Stimme ein wichtiges Werkzeug für den Aufbau von Beziehungen. Auch sie hat erheblichen Einfluss darauf, wie wir wahrgenommen werden. Obwohl unsere Stimme 38 Prozent der Wirkung, die wir auf andere haben, ausmacht, mag jeder fünfte Mensch seine Stimme nicht. Gequetschte, flache Stimmen irritieren und ermüden den Zuhörer. Zu hohe oder zu tiefe Stimmen wirken gestresst und überfordern den Zuhörer. Und monotones Sprechen langweilt den Zuhörer und lenkt vom Inhalt ab. Eine kräftige Stimme, die tief aus dem Bauch kommt, kombiniert mit einer anspruchsvollen Sprache, impliziert Überzeugung und Stärke. Eine angenehme (starke, weiche, ausdrucksstarke, klare und melodiöse) Stimme wirkt interessant und einladend. Einer solchen Stimme zuzuhören, kann eine wahre Freude sein. Ein Mensch, der einen sicheren Tonfall besitzt und seine Stimme flexibel einsetzen kann, kommt bei den Zuhörern oder seinem Gegenüber in der Regel gut an. Die Stimme hat deshalb einen großen Einfluss darauf, wie wir unsere Botschaft vermitteln und ob wir Menschen überzeugen können.

Je authentischer die Körpersprache, desto größer der Erfolg

Letztendlich geht es um die relative Wirkung der menschlichen Dynamik. Das Visuelle dominiert das Verbale oder einfach ausgedrückt: Taten sagen mehr als tausend Worte. Entscheidend ist der Eindruck, den man hinterlässt. Und je authentischer die Körpersprache ist, desto mehr darf man hoffen, dass die eigenen Anliegen zur Kenntnis genommen werden und man Gehör und bestenfalls sogar Gefolgschaft findet. Bereits in den 1960er Jahren hat der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian festgestellt, dass im Gespräch mit dem Partner etwa 55 Prozent der Informationen durch Körpersprache und 38 Prozent durch die Stimme übermittelt werden. Lediglich 7 Prozent entfallen auf den Inhalt. Das erklärt auch, warum gute Gedankenleser keine magischen Zauberkräfte besitzen. Sie verfügen vielmehr über eine gute Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, Worte und Körpersprache miteinander abzugleichen und in einen Gesamtkontext zu setzen.

Autor: Reinhard F. Leiter, Executive Coach München


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Oktober 2021 / No 89

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