Guru Guru auf dem Finki Festival 2018, Foto: Udo Bley Guru Guru auf dem Finki Festival 2018, Foto: Udo Bley - © Foto: Udo Bley -
DAUN, 17.08.2018 - 20:19 Uhr
Kultur

Klein-Woodstock im Odenwald - Das etwas andere Festival

Finki Open Air 2018 - 2500 Fans feiern mit zehn Bands 50 Jahre Guru Guru

Es hat schon so ein bisschen etwas von echtem Woodstock-Feeling, wenn am zweiten August-Wochenende das Finki Festival im kleinen Ort Finkenbach steigt. Besonders die 36. Auflage des Woodstock des Odenwalds hatte es in sich. Denn Mani Neumeiers Krautrockband "Guru Guru" feierte in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum, zusammen mit "Kraan", "Birth Control", "Epitaph", "Amon Düül II", "Embryo", "Jane", "Dissidenten", "Mablewood" und "Vibravoid". Rund 2.500 Finkianer und ganz Finkenbach feierten mit. Sogar das SWR Fernsehen war dabei. Die Band gilt als eine der herausragenden Bands des "Krautrock"-Musikgenres der 70er Jahre. Das SWR Fernsehen BW hat das Festival dokumentiert. Die Sendung ist in der Mediathek zu sehen. Foto: Udo Bley

Man fühlte sich wirklich um Jahre zurückversetzt, wenn dann gleich noch neun weitere Urgesteine aus der deutschen Krautrockszene auf der Bühne stehen, um das Jubiläum der Elektrolurche zusammen mit den Gründern und seinen Besuchern des Finki-Open Airs und dem ganzen Ort ausgiebig zu feiern.

Mani Neumeier und seine Frau Etsuko, Foto: Udo BleyVeranstaltet wurde das Festival von Mani Neumeier und dem örtlichen Fußballverein "FC Finkenbachtal 1946 e.V.". Und das schon seit 41 Jahren! Das Festival wurde von der Finkenbacher Feuerwehr und dem Fußballklub FC Finkenbach 1946 e.V., zusammen mit der Band Guru Guru und Mani Neumeier ins Leben gerufen. Seither ist die Kultstätte des Krautrocks zum ältesten Krautrock-Festival Deutschlands gewachsen. Die Band Guru Guru und sowie andere Formationen von Mani Neumeier sind seither regelmäßige Teilnehmer am sogenannten "Finki".

Noch bis kurz vor Festivalbeginn mussten die Veranstalter darum bangen, ob das Open Air überhaupt stattfinden konnte. Wegen der wochenlanger Hitze und Trockenheit wäre das Festival beinahe wegen Brandgefahr abgesagt worden. Doch dann kam der Befreiungsschlag: Finki 2018 kann unter Auflagen stattfinden. Als Auflage ordneten die Behörden das Verbot von Grillen und Rauchen auf den Campingplätzen an. Außerdem durften wegen der Brandgefahr keine Fahrzeuge auf die Campingwiesen. Alles gut.

Campingplatz, Foto: Udo Bley Anders als man das auf anderen Open-Air Events kennt, herrschte auf dem Campingplatz gleich so etwas wie eine völlig gechillte Familienatmosphäre. Ob man sich kannte oder nicht, alle Finkianer halfen sich gegenseitig beim Zeltaufbau und die Kinder aus Finkenbach reisten mit dem Bollerwagen über den Campingplatz und versorgten die Camper mit leckerem Kaffee am Morgen. Eine Bäckerei vor Ort und eine Pension boten zu korrekten Preisen ein leckeres Frühstück an. Wer sein morgendliches nicht im Dixi machen wollte, ging einfach ins Schwimmbad, das sich direkt neben dem Festivalgelände befindet und konnte sich dort gleich noch eine Erfrischung im kühlen Nass holen. Wer Samstagsmittags dort war, hatte die Gelegenheit der Band Embryo beim ausgiebigen Soundcheck zuzuhören.

Finkenbach Chor zum Auftakt am ersten Festivaltag

Finkenbach-Chor, Foto: Udo Bley

Den Auftakt des Festivals machte der über 30-köpfige Finkenbach Chor auf der Festival-Bühne. Sie gehörten zu den ersten Gratulanten der Guru Guru Jubilare und hunderte Finki-Fans jubelten und sangen kräftig mit.

Epitaph erster Act

Epitaph, Foto: Udo Bley Als erster Act betraten dann "Epitaph" vor dem ausverkauften Festival die Bühne, deren Geschichte unwesentlich später als bei Guru Guru begann. Die Band kann im kommenden Jahr ebenfalls sein 50. Jubiläum feiern. Doch am Festivalfreitag heizten sie das Publikum erstmal zu Ehren von Mani Neumeiers Guru Guru-Jubiläum ein.

Im Anschluss brachten dann die von Rolling Stone als "Godfathers of World-Beat" bezeichneten "Dissidenten", zu Ehren der Jubilare, vor etwa 2.000 Zuschauern Weltmusik- und Indie-Rock vom allerfeinsten. Dissidenten, Foto: Udo Bley Als der Sportplatz dann rappelvoll war, verzauberten dann "Amon Düül II", einer der wichtigsten Vertreter der Krautrockszene, das Publikum mit seinem musikalischen Repertoire. Spät nach Mitternacht schloss dann die Schweizer Psychedelic Rockband "Marblewood" den ersten Festivaltag ab. Amon Düül II, Foto: Udo Bley

Der zweite Festivaltag

Embryo, Foto: Udo BleyAnders als im letzten Jahr, startete der zweite Festivaltag bei besten Sommerwetter. Um bloß nichts vom Hammer Line-Up des zweiten Tages zu verpassen, musste man sich schon am frühen Nachmittag auf das Festivalgelände begeben. Denn bei strahlendem Sonnenschein standen "Embryo" schon zur Kaffee & Kuchenzeit als erster Act auf der Bühne.

220 Kuchen und 850 Kilo Kartoffeln

Doch die Finkenbacher haben vorgesorgt: Am Kaffee- und Kuchenstand gab es eine große Auswahl leckerer selbstgebackener Kuchen und frischen Filterkaffee und das zu angenehmen Preisen. Insgesamt gingen über 220 Kuchen am Festivalwochenende über die Theke. Aber nicht nur Kaffee und Kuchen gab es auf dem Festivalgelände. Für die leckeren Bratkartoffeln schnippelte das ganze Dorf, laut Angaben des Veranstalters 850 Kilo Kartoffeln. Rund 200 Helfer leisteten zusammen über 1000 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit.

Hard- und Krautrock "Birth Control" aus Deutschland

Birth Control, Foto: Udo BleyAm späten Nachmittag rockten dann die legendären "Birth Control" die Bühne. Beim Auftritt fühlte man sich um 40 Jahre zurückversetzt als die fünf Bandmitglieder vor den begeisterten Zuschauern abrockten. Natürlich fehlte auch Gamma Ray zur Setliste der Band, mit den Altmeistern Hans-Peter Föller an der Gitarre und Gesang, Manni von Bohr am Schlagzeug und Hannes Vesper am Bass sowie Sascha Kühn am Keyboard und Martin "Ludi" Ettrich an der Gitarre.

Comeback: "Kraan" in Originalbesetzung zu Ehren der Jubilare

Kraan, Foto: Udo BleyNach einer kurzen Umbaupause, gleich nach Birth Control begrüßten die 2500 Fans Hellmut Hattler mit seiner Gruppe "Kraan" auf der Bühne. Der gesundheitlich angeschlagene Ausnahmebassist sagte trotz langer Auszeit, zusammen mit Peter Wolbrandt an der Gitarre und Gesang und Jan Fride (Wolbrandt) am Schlagzeug, seinem Auftritt zum 50. Jubiläum von Guru Guru zu. Wie nicht anders zu erwarten, lieferte das Trio "unverkennbar" einen Auftritt der ersten Güteklasse ab. Wer kennt sie nicht, die zahlreichen Alben, die Kraan in seiner rund 48-jährigen Geschichte herausgebracht hat: Andy Nogger, Let It Out, Wiederhören, Flyday um nur einigen zu nennen. Zum Schluss kündigte Hattler das Release eines neuen Kraan-Albums mit Livemitschnitten aus dem Archiv der Band an, das ab dem 12. Oktober 2018 erhältlich ist, was die Kraan-Fans bis zum release des Albums in Spannung versetzt.

Der Elekrolurch und seine Gurus (und Kids) feiern ihr Jubliäum

Guru Guru, Foto: Udo BleyKaum hatte man Zeit das überaus beeindruckende Konzert des Kraan-Trios zu verarbeiten, stand schon der eigentliche Hauptact "Guru Guru" mit dem 77-jährigen immer noch voll Energiegeladenen Mani Neumeier an den Drums, Jan Lindqvist an der Gitarre und Slide-Gitarre, Peter Kühmstedt am Bass und Roland Schaeffer am Saxophon, Nadaswaram und Gitarre auf der Bühne, um vor 2.500 Fans auf der Festivalwiese und rund hundert "Zaungästen" ihr Jubiläumskonzert auf dem Finki 2018 zu zelebrieren. Als Überraschung lud Neumeier seine alten Bandkumpanen Luigi Archetti und Ax Genrich ein, um Stücke wie den berühmten LSD Marsch oder Moshi Moshi nochmal live zu spielen. Mit der aktuellen Besetzung lieferten die Guru Gurus den tobenden Guru-Oldies und Guru-Joungstern ein rund zweieinhalbstündiges Line-up mit den bekanntesten Stücken der Band sowie zwei Songs vom neuen Jubiläumsalbum "Rotate!". Als Höhepunkt kam natürlich der "Elekrolurch" zum Zug und das gleich mit jungen Nachwuchs. Drei Kids mit selbstgebastelten Masken feierten mit dem Elektroluchen auf der Bühne den finalen Abschluss des 50-jährigen Jubiläumskonzerts.

Jane, Foto: Udo BleyAls nächstes stand der Auftritt von "Jane" auf dem Programm. Die Krautrocker aus Hannover lieferten einen erstklassigen "Psychedelic-Rock"-Auftritt auf der Bühne für das Publikum und zu Ehren Gurus.

Zum Schluss des Festivals betraten spät nach Mitternacht die Band "Vibravoid" die Bühne und begeisterten das Publikum trotz niedrigen Temperaturen auf der Festivalwiese.

Unmittelbar nach dem Festival zog der Leader of Guru Guru auf seinem Facebook-Account positive Bilanz: "Nochmal ganz großen Dank an alle Bands, Helfer'innen, an die Bewohner von Finkenbach und das Publikum!" schrieb er. "Für dieses friedliche, harmonische miteinander. Das muss uns erstmal jemand nachmachen. Es war ein Musterbeispiel, wie es auf unserem Planeten zugehen kann! - geht doch*peace and love, euer Mani".

Ja, und genau so war es auch. Eben ein etwas anderes Festival.

Line-Up

  • Finkenbach Chor
  • Epitaph
  • Dissidenten
  • Amon Düül
  • Marblewood  
  • Embryo
  • Birth Control
  • Kraan
  • Guru Guru
  • Vibravoid

www.finki-festival.de

www.finkenbach.de

Homepage von Guru Guru

Woodstock des Odenwalds im SWR-Fernsehen (Mediathek)

Von Udo Bley, INFOSAT Verlag & Werbe GmbH Urheberrecht aller Fotos im Artikel by Udo Bley


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