Modell einer Stadt aus dem 3D-Drucker - im Futurium geht es viel um die Zukunft von Metropolen wie Berlin. Modell einer Stadt aus dem 3D-Drucker - im Futurium geht es viel um die Zukunft von Metropolen wie Berlin. - © Foto: picture alliance/dpa | Gregor Fischer -
DAUN, 03.08.2020 - 10:43 Uhr
Kultur

Nachdenken über Morgen: Das Zukunftsmuseum Futurium in Berlin

(dpa/tmn) - In den Monaten kurz vor der Corona-Pandemie ließ sich der Andrang im neuen Museum Futurium in Berlin gut mitverfolgen. An den Wochenenden bildeten sich lange Schlangen vor dem scheinbar schwebenden Metallkoloss, der seinen Platz in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und zum Bundeskanzleramt hat. Das Thema der Dauerausstellung traf offenbar einen Nerv: „Wie wollen wir leben?“

Doch was genau können Touristen in Berlins neuestem Museum lernen, dessen Eintritt noch bis mindestens 2022 kostenlos ist? Und gibt es dort auch etwas über die Zukunft der Hauptstadt zu erfahren?

Die Zukunft zieht an

„Wir sind von der Resonanz auf das Haus total überwältigt“, sagt der Direktor des Futuriums, Stefan Brandt, kurz vor dem ersten Jahrestag der Museumseröffnung. Im September 2019 plante man mit rund 200 000 Besuchern in den ersten zwölf Monaten - nun waren es allein bis zur corona-bedingten vorübergehenden Schließung im März mehr als 510 000.

Ganz am Anfang war das Museum, entworfen von den Architekten Richter und Musikowski, einmal als Showroom der deutschen Wirtschaft gedacht. Gesellschafter sind neben dem Bund mit rund 80 Prozent mehrere große Forschungseinrichtungen und Industriekonzerne wie BASF oder Siemens.

Doch das bis zur Eröffnung mehrfach überarbeitete Konzept geht am Ende deutlich darüber aus: Das Museum will laut seinem Katalog Verständnis schaffen für die wichtigen Fragen der Zukunft, einen Diskurs ermöglichen und zum Handeln ermutigen.

Wenn Bäume auf Häusern wachsen

Ein kleiner Roboter begrüßt den Besucher im ersten Stock und fordert ihn dazu auf, sich ein Armband mit einem Chip zu nehmen: „Hallo Menschlein! Willkommen in der Ausstellung.“ Wer das Gesehene zu Hause vertiefen will, kann den Chip in der Ausstellung an Ladestationen halten und die Nummer auf dem Chip später auf der Webseite des Futuriums eingeben. Dann gibt es weitere Informationen. 

Die Ausstellung ist in die drei großen Bereiche Natur, Mensch und Technik unterteilt. Im Bereich Natur geht es zum Beispiel um die Frage, wie Natur in Städten erhalten werden kann. Nicht nur in Berlin ist aufgrund des starken Zuzugs zu beobachten, dass viele freie Brachen für Wohnraum zubetoniert werden. Das Verschwinden der Natur hat Folgen für das Wohlbefinden des Menschen und die Artenvielfalt. 

In der Ausstellung ist zum Beispiel das Projekt GraviPlant zu sehen. Das rotierende Pflanzenversorgungssystem ermöglicht es, Bäume auf Häuserfassaden zu pflanzen, wenn auf dem Boden nicht genug Grünfläche vorhanden ist. Die Bepflanzung würde auch verhindern, dass Gebäude im Sommer sich stark aufheizen. Denn das Heizen und Kühlen von Gebäuden verbraucht 25 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, erfahren die Besucher.

Apropos grüne Städte: Zu sehen gibt es auch eine Karte der Hauptstadt mit ihren wilden grünen Flächen von den Falkenberger Rieselfeldern bis zum Spreepark. Immer wieder geht es in der Ausstellung um Berlin: Wie lässt sich Verkehr anders organisieren? Wie stellt man sich die partizipative Stadt vor? Welche nachhaltigen Baumaterialien gibt es? All das gibt Anreize, über das Berlin von morgen nachzudenken.

Gedankenexperimente auf Basis der Wissenschaft

Das Futurium ist aber nicht nur die Ausstellung: Neben dem Museum gibt es Veranstaltungen und das „Lab“ mit Workshops etwa für Schulklassen, die dort an Entwürfen für die Zukunft basteln können.

Die Ausstellung regt an, über die Zukunft nachzudenken und präsentiert mögliche Handlungsoptionen - sie gibt aber keine vor. „Wir sagen nirgendwo, wohin die Reise geht“, sagt Brandt. „Wir sagen nur, was es für Straßen gibt, die man beschreiten kann. Weder wissen wir genau, wo diese Straßen enden, noch können wir heute schon sagen, welche Hürden und Hindernisse sich auf diesen Straßen finden werden.“

Für eines hat das Museum jedoch keinen Platz: „Verschwörungstheorien, Aberglaube, Dinge, die sich wissenschaftlich nicht belegen lassen - solchen Theorien räumen wir keinen Spielraum ein“, sagt Brandt.

Ein mobiles Futurium

Für die Zukunft des Zukunftsmuseums gibt es bereits einige Pläne: Die Dauerausstellung soll bis zum Jahr 2021 um das Thema Mobilität ergänzt und auch danach fortlaufend aktualisiert werden, langfristig sind außerdem Wechselausstellungen geplant.

Außerdem soll es ein mobiles Futurium geben, das aus Berlin hinaus in die Fläche geht. Auch der Workshop-Bereich soll perspektivisch erweitert werden. Ob der Eintritt über 2022 hinaus weiter kostenlos bleibt, steht noch nicht fest. In allzu ferne Zukunft verschieben Berlin-Touristen den Besuch deshalb besser nicht.

Informationen: Futurium, Alexanderufer 2, 10117 Berlin (Tel.: 030/40 818 97 77, www.futurium.de).

Von Kristin Kruthaup, dpa


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