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DAUN, 26.03.2020 - 10:03 Uhr
Kultur

Nachhaltige Zahnpflege – mit Bedacht

Zahnärztin gibt Tipps zur Verwendung von Naturborsten und Co.

Seit einiger Zeit strebt die Gesellschaft nach neuen Handlungsprinzipien. Zum Beispiel durch New Work in der Arbeitswelt, bei dem die Vereinbarkeit von Job und Freizeit stärker im Fokus steht als früher. Oder in Gestalt von Greta Thunberg, die mit der Fridays-for-Future-Bewegung die Aufmerksamkeit auf die Lebenszeit unseres Planeten richtet, sowie durch den Wunsch, das eigene Leben gesünder zu gestalten und Zusatzstoffe und andere Chemikalien in der Nahrung sowie Massentierhaltung zu reduzieren. „Nachhaltigkeit ist etwas sehr Wichtiges, doch schlagen gut gemeinte Ideen mitunter eine Richtung ein, unter der die Gesundheit leidet“, weiß Dr. Dr. med. dent. Thea Lingohr MSc., Zahnärztin und Oralchirurgin aus Köln und Inhaberin der Zahnarztpraxis Dr. Dr. Lingohr & Kollegen. Sie merkt in ihrem Alltag, dass Patienten auch in Bezug auf die Zahnpflege den Weg zu nachhaltigen Materialien und Inhaltstoffen gehen wollen. Doch nicht alles, was auf den ersten Blick nachhaltig erscheint, ist auch gut für die Zähne. Sie klärt auf, welche Trends für Umwelt und Zähne gut sind und was den Zähnen eher schadet.

Trend Naturzahnbürste

Als ökologisch und nachhaltig stellt sich der Trend der Bürsten aus Naturmaterialien für die Zahnpflege dar. Statt Kunststoff setzen Hersteller Holz und Naturborsten ein oder solche, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind. Doch muss die Frage gestellt werden, wie nachhaltig dieser Trend auch für die Zahngesundheit ist. Denn wer als Nutzer nur eine einzelne Bürste besitzt, macht schon einen groben Fehler. „Nur wenigen ist bekannt, dass Zahnbürsten aus Naturmaterialien über 12 Stunden trocknen müssen, bevor eine erneute Benutzung erfolgt. Tun sie es nicht, bilden sich auf ihnen Bakterien und Pilze, die beim Putzen in den Mund gelangen. Aus diesem Grund rate ich dazu, mindestens zwei Bürsten gleichzeitig zu verwenden und zwar immer nur die, die auch wirklich durchgetrocknet ist“, erläutert Dr. Dr. Lingohr. Sonst entstehen möglicherweise Bläschen, Aphten oder eine Pilzinfektion. Bei billigen Bürsten lösen sich hin und wieder auch Borsten, die das Zahnfleisch verletzen oder in der empfindlichen Schleimhaut stecken bleiben können, sodass diese dann entfernt werden müssen. Auch bei der Art des Holzes und der Borsten gibt es feine Unterschiede. „Nicht jedes Land hat die gleichen Auflagen in Bezug auf die Qualität des Holzes. Damit keine unerwünschten Inhaltsstoffe wie Düngemittel oder Pestizide über das Holz in den Mund und so in den Organismus gelangen, sollte es unbehandelt sein. Bambus aus China lässt sich beispielsweise empfehlen, denn er wächst dort ohne Zusätze als Rohstoff schnell nach und besitzt von Natur aus eine antibakterielle Wirkung“, weiß die Zahnärztin. Für die Borsten findet oft Nylon-4 Verwendung. Es ist zwar biologisch abbaubar, wird aber aus Erdöl gewonnen und ist leider schwer von herkömmlichem Nylon zu unterscheiden. Hier einen seriösen und transparenten Lieferanten zu finden stellt für Hersteller eine Herausforderung dar. In der Vergangenheit kam es schon zu Betrugsfällen. Jedoch gibt es derzeit kaum Alternativen, die gar keine Nachteile besitzen. So ist Bambusviskose nicht so ökologisch, wie der Name vermuten lässt, sondern ein halbsynthetisches Material. Zudem sind diese Borsten sehr weich, wodurch die Zahnreinigung auf lange Sicht nicht einwandfrei verläuft. Es können sich hartnäckige Beläge festsetzen und zu Karies führen. Hier geht der nachhaltige Lebensstil dann auf Kosten der Zähne.

Trend Fluoridfrei

Auch in puncto Zahnpasta hat sich einiges geändert. Noch vor einigen Jahren gab es Probleme mit den Zähnen vieler Kinder, weil Eltern Zahnpasten mit hohem Fluoridanteil nutzten, um die Kinderzähne zu stärken. In der Folge kam es zu Überfluoridierung und es entstanden weiße Flecken auf den Zähnen, die sogenannte Fluorose. Hierbei handelt es sich um einen Hohlraum auf dem Zahnschmelz, der Karies begünstigt. „Mittlerweile hat sich dies ins komplette Gegenteil gekehrt. Viele Eltern verzichten ganz auf den Einsatz von Fluorid bei der Kinderzahnpflege. Doch auch eine derartige Unterversorgung begünstigt Karies. So erlebe ich seit circa drei Jahren wieder häufiger Kariesfälle bei meinen kleinsten Patienten. Bei der Frage nach den Putzgewohnheiten wird hier in der Regel angegeben, dass eine Paste ganz ohne Fluorid genutzt wird. Ich rate zu einem Mittelmaß. Dabei spielen Ernährung, Zahnpflege und die Art der Fluoridzufuhr eine Rolle, wobei alles mit dem Zahn- und Kinderarzt abgestimmt werden sollte, um einen optimalen Schutz vor Karies zu erreichen.“

Weitere Informationen unter www.dr-lingohr.de


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