Schick und passend für (fast) jeden Anlass: Die Auswahl an Panamahut-Modellen ist groß. Schick und passend für (fast) jeden Anlass: Die Auswahl an Panamahut-Modellen ist groß. - © Foto: picture alliance/dpa/Homero Ortega | Gabriel Art -
DAUN, 20.01.2021 - 09:36 Uhr
Kultur

Souvenir und Statussymbol: Die Geschichte des Panamahutes

(dpa/tmn) - Napoleon, Winston Churchill und Ernest Hemingway haben ihn gern getragen. Promis wie Paul Newman, Naomi Watts, Kate Hudson und Paris Hilton lieben ihn. Und natürlich will ihn fast jeder Tourist, der nach Panama kommt: Den weltberühmten weißen Panamahut mit dem dunklen Band, der zu fast jedem Kopf und Anlass passt - egal, ob es leger oder elegant zugeht.

In den Souvenirläden Panamas gibt es jede Menge davon, doch wer in dem mittelamerikanischen Land einen original Panamahut direkt beim Hersteller kaufen und bei der Produktion zusehen will, wird bitter enttäuscht. Dafür nämlich müsste er fast 1.000 Kilometer weiter in den Süden reisen - der echte Panamahut kommt aus Ecuador.

Dort wächst die Toquilla-Palme, aus deren Fasern der Hut in mühevoller Handarbeit geflochten wird. Mindestens 6.000 Jahre ist diese Handwerkskunst alt, was Ausgrabungen in Ecuador bestätigen:

Forscher haben Figuren gefunden, die einen Sombrero tragen.

Die Flechtkunst ist in Ecuador bis heute weit verbreitet, seit dem 17. Jahrhundert hat sie ihren Schwerpunkt in Montecristi, Jipijapa und Cuenca. Hüte aus diesen Städten gelten als die besten der Welt.

Mühevolle Handarbeit

In der kleinen Hutfabrik von Homero Ortega in Cuenca sind Besucher willkommen. Gabriela Ortega führt sie stolz durch ihr Reich - zu den Kesseln, in denen die großen Palmblätter abgekocht werden, aus deren getrockneten Fasern das begehrte Toquilla-Stroh gewonnen wird. Und zu den Schwefelfeuern, über denen das Stroh rösten muss, um seine helle Farbe zu bekommen. Darüber hinaus natürlich auch zu den Flechtern, die den wichtigsten und schwierigsten Part übernehmen. In filigraner Handarbeit fertigen sie ihr kleines Kunstwerk.

Die Handwerker beginnen in der Mitte, das Oberteil des Hutes zu formen und arbeiten sich dann Faser für Faser nach außen bis zur Krempe vor. Weil das Produkt dann noch immer nicht aussieht wie ein schicker Panamahut, muss das Ganze noch in Pressen in Form gebracht werden. Heraus kommt der berühmte Panamahut, der es zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco geschafft hat. In bester Qualität kann er locker ein paar Tausend Euro kosten.

Ein Hut für den Reisekoffer

Doch der Hut zahlt seinem Käufer das Geld über Jahre hinweg zurück. Er schützt den Kopf nicht nur vor Hitze und Sonne, sondern durch seine besondere Webtechnik auch vor Nässe. Zudem ist er ungewöhnlich robust und bei entsprechender Luftfeuchtigkeit sogar biegsam.

Nicht zufällig wird er vom Hersteller in einer länglichen Holzbox eingerollt an die Kundschaft ausgeliefert, und erst nach dem Ausrollen entfaltet er seine Form.

Wer auf Reisen geht und seinen Panamahut mitnehmen will, weiß diese Eigenschaft zu schätzen: Leicht angefeuchtet, lässt sich der Hut wieder prima einrollen und sicher in den Koffer packen. Nur Knicken nimmt die edle Kopfbedeckung übel. Dabei können Fasern brechen.

Südamerikanische Eleganz

Seine Träger und Freunde meinen, dass kein Hut edler und vornehmer ist als ein echter Panamahut. Nicht nur ist er in feiner Handarbeit hergestellt und absolut hochwertig, sondern immer auch ein modisches Statement. Der Hut steht für südamerikanische Leichtigkeit, für Stil, Klasse und Eleganz. Natürlich ist er auch ein wenig Statussymbol.

Viele Prominente aus Vergangenheit und Gegenwart wussten und wissen diese Vorzüge zu schätzen. Der frühere US-Präsident Theodor Roosevelt und der Multimillionär John Rockefeller zählten dazu. Auch DDR-Staatsratschef Erich Honecker trug den Panamahut zu Lebzeiten gern, nicht nur bei seinen Besuchen in Kuba, sondern auch bei diversen Militärparaden in Ostberlin.

Kemal Atatürk, der Gründer der modernen Türkei, machte ihn gar zum Ersten Hut im Staate: Als er 1925 sein Gesetz erließ, das den Männern das damals übliche Tragen des osmanischen Fes verbot, wählte er demonstrativ den Panamahut als seine bevorzugte Kopfbedeckung.

Ein kurioser Irrtum

Warum aber heißt das tolle Teil nun Panamahut und nicht Ecuador-Hut? Manche Zeitgenossen meinen, das komme von den Arbeitern, die sich beim Bau des Panamakanals mit ihm vor der Sonne schützten und ihm so seinen Namen gaben. Wahrscheinlicher ist, dass die Bezeichnung auf eine Serie folgenreicher Verwechslungen zurückzuführen ist.

Als sich Napoleon III. 1885 einen „Sombrero, gemacht aus Toquilla“ bestellte, wurde dieser in Panama nach Frankreich verschifft - was in Paris zu dem Fehlschluss führte, der Hut sei auch dort entstanden. Und weil in späteren Jahren Waren aus Südamerika immer über Panama in die USA verschickt wurden und alle Hut-Lieferungen aus Ecuador den panamaischen Zollstempel trugen, verfestigte sich dieser Eindruck.

Als Theodore Roosevelt 1906 beim Besuch des Panamakanals den berühmten Hut trug und das Foto davon buchstäblich um die Welt ging, war das Schicksal des Produkts made in Ecuador endgültig besiegelt: Es konnte nur noch Panamahut heißen.

Von Joachim Hauck, dpa


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