- © Foto: picture alliance / dpa | Tobias Hase -
DAUN, 12.03.2021 - 09:43 Uhr
Kultur

Tierisch schöne Zeiten – Interview mit Ursela Monn

Ein tödliches Virus, das sich unter den Säugetieren im Zoo verbreitet und nur durch einen neuartigen Impfstoff gestoppt werden kann. Eine Zoodirektorin, der Profit und Profilierung wichtiger sind als Natur- und Artenschutz. Auch in den neuen Folgen geht „Tierärztin Dr. Mertens“ wieder mit der Zeit. Die Geschichten über die tierischen und menschlichen Beziehungen rund um den Leipziger Zoo sind nach der siebten Staffel dennoch auserzählt: Trotz guter Quoten und treuer Fans entschied sich die ARD nach 15 Jahren „Laufzeit“ für das unerwartete Aus der belieben Dramaserie. Ursela Monn spielt seit der ersten Filmklappe Charlotte Baumgart, die engagierte Mutter der Tierärztin und temperamentvolle Ehefrau des früheren Zoodirektors. In der finalen Staffel schließt sich die energiegeladene Charlotte der Sportgruppe „Graue Tiger“ an, um das goldene Sportabzeichen zu erwerben. Außerdem träumt die passionierte Künstlerin von einer großen Ausstellung im Ausland. Wie sehr ihr diese Filmrolle ans Herz gewachsen ist, wie sportlich sie privat ist und warum sie sich im wahren Leben für die Hospizbewegung engagiert, verrät die gebürtige Berlinerin und Bundesverdienstkreuzträgerin im Interview.

Frau Monn, waren Sie sehr traurig, als Sie vom baldigen Ende dieser nach wie vor sehr beliebten Serie erfahren haben?

Da ich bisher „vom Mädchen bis zur Mörderin“ so gut wie jede Art von Rolle vor der Kamera und auf der Bühne dargestellt habe, war so eine lange Serie eigentlich gar nicht „mein Ding“. Doch durch die gute Zusammenarbeit mit den Macherinnen und Machern von „Tierärztin Dr. Mertens“ spüre ich schon eine kleine Trauer in Hinblick auf all die Menschen, die ich jetzt nicht mehr wiedersehen werde.

Warum haben die Zuschauer „Tierärztin Dr. Mertens“, Ihrer Meinung nach, schon so lange die Treue gehalten?

Bei uns hat einfach alles gestimmt. Wir waren von Anfang an ein Super-Team. Wir saßen die ganze erste Zeit auch immer mit den Drehbuchautorinnen und Autoren zusammen und haben gemeinsam an den Geschichten und Figuren „gestrickt“. Das war für uns alle ein ziemlich idealer Arbeitszustand. Jede Figur wurde dadurch noch echter, und - ich glaube - das hat auch das Publikum gespürt. Dazu kamen dann noch die wirklich interessanten Tiergeschichten. Die Menschen und die Tierwelt wurden sehr genau und sehr real dargestellt, und beide Welten erzählten etwas vom Leben.

Inwieweit haben sich der Filmstoff und Ihre Filmfigur der Charlotte Baumart im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Über all die Jahre mit der Tierärztin ist „meine“ Charlotte stets frisch geblieben und immer wieder offen für Neues - diesmal ganz aktuell zum Thema Umweltschutz. Und natürlich fehlen auch diesmal wieder nicht die kleinen ehelichen Plänkeleien der Eheleute Charlotte und Georg. Auch der Filmstoff ist mit der Zeit gegangen, wir haben immer neue Geschichten erzählt. Diese gute gesunde Basis, die wir von Anfang an in der Arbeit hatten, die blühte einfach immer weiter und weiter. Jeder wollte, dass seine Figur aktuell und lebendig bleibt. Ich wollte als Charlotte Baumgart zum Beispiel unbedingt zeigen, dass man auch als älterer Mensch noch studieren kann – somit wurde ich zur Malerei-Studentin. In einigen früheren Filmen wurde dieser Werdegang der Charlotte zu meiner großen Freude erzählt. So kam es immer wieder vor, dass ich vor einer Staffelei saß.

Zieht es Sie privat auch hin und wieder vor eine Staffelei?

Leider nur im Film, obwohl ich es im Leben auch gerne getan hätte. Aber der Tag hat leider immer nur 24 Stunden, und so schafft man es einfach nicht, alles was man möchte, auch wirklich umzusetzen. Sicher hat es immer wieder mal die eine oder andere Zuschauerin gepackt, es mir nachzumachen und Malerei zu lernen. Und das war es ja letztlich, was ich damit erreichen wollte. Den anderen Mut machen, sich immer wieder neu zu erfinden.

Sind Sie selber so sportlich wie Charlotte im Film?

Ich muss auch immer wieder mal meinen inneren Schweinehund besiegen, um gesunden Sport zu machen. Gut und hilfreich ist es für mich, wenn es irgendeinen Aufhänger gibt, der meinen Ehrgeiz antreibt. Vor kurzem musste ich zum Beispiel für eine andere Serie eine Yoga-Figur zu Hause einüben. Für mich war das ganz toll, denn ich bekam dadurch wieder Lust, Yoga zu machen - weil ich gesehen habe, wie gut diese ganzen Übungen für den Körper sind.

Charlotte ist sehr tierlieb. Beschäftigen Sie sich privat auch mit dem Thema Tierschutz?

Auf jeden Fall. Tierschutz liegt mir sogar sehr am Herzen. Tiere brauchen an allen Ecken und Enden unsere Unterstützung und Hilfe. Zum Glück gibt es einige sehr gute Tierschutzorganisationen. Am liebsten würde ich alle gleichwertig unterstützen. Ganz oft kann man mit dem Tierschutz aber auch im Kleinen anfangen. So habe ich zum Beispiel verboten, dass in unserem Garten so ein Pusteding benutzt wird, um das Laub einzusammeln. Die ganzen kleinen Tiere werden da blindlings mit weggepustet und ihrem Lebensraum entrissen. Das tut mir im Herzen weh, wenn ich das irgendwo sehe. Ich selber nehme einen Rechen und harke alles zusammen – dabei habe ich dann selber noch wohltuende Gymnastik, die mich nichts kostet.

Haben Sie eigene Haustiere?

Ich hatte schon immer, während meines ganzen Erwachsenenlebens, zwei Katzen, die mit mir leben. Zwei deshalb, weil ich sicher bin, dass auch Katzen Freunde brauchen. Eine Wohnung ohne Katzen ist für mich kein Zuhause. Trostlos wäre das, die Haustür aufzumachen und keine Katze käme mir entgegen. Man sagt ja, dass es Hunde oder Katzentypen gibt. Ich bin voll ein Katzentyp. Katzen können dir neben den Freunden im übrigen sehr viel Hilfe geben, wenn du Probleme hast. Ich durfte das bei all meinen Katzen immer wieder erleben.

Bei „Tierärztin Dr. Mertens“ spielen nicht nur tierische, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen eine große Rolle. Was meinen Sie: Kann man sich selbst im reiferen Alter noch verlieben?

Unbedingt. Man liest doch immer wieder sagenhafte Geschichten über verliebte ältere Paare. Ich selber kann mir das ohne weiteres vorstellen. Ich bin doch immer der gleiche Mensch mit all seinen Gefühlen. Warum sollte denn da die Liebesfähigkeit plötzlich weg sein? Im Gegenteil würde ich sogar denken. Man entwickelt sich ja hoffentlich im Leben weiter, und die Liebe kann dadurch bestimmt noch schöner werden. Ich jedenfalls fühle mich im Älterwerden nicht schlechter, sondern besser. Einfach, weil ich auf allen Gebieten dazulerne. Zum Beispiel, nicht gleich wütend oder ärgerlich zu werden. Der ganze Mensch weiß mit zunehmendem Alter meistens besser, was er selber will. Dadurch wird er viel ausgeglichener und gegenüber dem anderen sanfter und verständnisvoller. Neben Liebe ist aber Freundschaft etwas ganz Wichtiges. Ein Mensch, der keine wahren Freunde hat, ist arm dran. Wirkliche Freunde sind immer zur Stelle, wenn der Mensch unglücklich ist oder Probleme hat. Ein Gespräch mit einem wahren Freund ist immer die beste Hilfe.

Als freche Berliner Göre „Rieke“ im legendären ZDF-Mehrteiler „Ein Mann will nach oben“ sind Sie bundesweit bekannt geworden. Werden Sie heute noch auf diese Rolle angesprochen?

Gerade in der letzten Staffel der „Tierärztin“ war eine blutjunge Schauspielerin, die meine Enkelin spielte und mich als erstes voller Begeisterung auf die Rieke in „Ein Mann will nach oben“ ansprach. Ihre Familie hat die DVD-Kassette zu Hause, und so mindestens einmal pro Jahr sitzt die ganze Familie davor und schaut sich die 13 Filme an. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Ich denke, dass diese Serie zu den Filmen gehört, die immer wieder mal gezeigt werden könnten, denn es handelt sich ja um eine historische Geschichte. Und Geschichten aus der Historie halte ich für besonders sinnvoll, um auch jungen Leuten Vergangenes sichtbar zu machen. Meiner Meinung nach eignen sich Filme zur Geschichtsvermittlung oft sogar besser als Schulbücher, in denen es oft mehr um Zahlen als um Menschenschicksale geht.

Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die in Ihre Fußstapfen treten und auch Schauspieler werden wollen?

Sich nicht nur auf Filme festzulegen. Für mich sollte ein Schauspieler sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera spielen. Das ist ein großer Unterschied. Es gibt da den Spruch „Auf der Bühne spielst du, und vor der Kamera musst du sein.“ So ist es. Auf der Bühne spielt der ganze Körper, und vor der Kamera erzählen oft nur die Augen. Deshalb hab ich immer gern beides gemacht. Was aber vor allem zählt, ist die große Leidenschaft für dieses Beruf. Wenn du die nicht hast, werde bitte nicht Schauspieler. Das sage ich allen jungen Menschen, die mich um Rat fragen. Insgesamt gesehen, bin ich von den vielen jungen Kolleginnen und Kollegen ganz begeistert, die haben alle so eine wunderbare Ernsthaftigkeit, die überzeugt. Das zu beobachten, ist für mich immer eine große Freude. Bei meiner Film-Enkelin war das jedenfalls voll und ganz der Fall.

Sie haben nicht nur ein Herz für die Jugend, sondern engagieren sich seit Jahren für Menschen am Lebensende. Wie kam es zu Ihrem großen Engagement in der Hospizbewegung?

Das ist mir ein Herzensanliegen. Ich wusste lange gar nicht, dass ich diese große Überzeugung, dass der Tod zum Leben dazu gehört, in mir drin habe. Aber der unglaublich engagierte Dirk Müller vom Unions-Hilfswerk in Berlin sprach mich eines Tages an und brachte mir die Hospizbewegung nahe, für die ich mich von Stund an einsetzte.

Hatten Sie keine Berührungsängste mit diesem Thema, das in unserer Gesellschaft oft verdrängt wird?

Ich war da absolut stimmig, weil ich eigentlich nur meine eigene Überzeugung transportieren musste. Meine Mutter hatte uns zum Glück schon Zeit unseres Lebens beigebracht, dass der Tod zum Leben dazugehört. Nach dem besagten Gespräch mit Dirk Müller war ich in gefühlt jeder Talk-Show, um über dieses Thema zu sprechen. Da war ein so großes Interesse der Menschen. Nein, mehr als Interesse. Es war ein ganz starkes Bedürfnis, denn bis dahin hatte man immer nur still den Kopf gesenkt, wenn das Thema Tod in einem Gespräch aufkam. Dabei ist es für jeden Menschen essentiell, sich den Gedanken an den Tod irgendwie anzueignen und mit ihm zu leben. Ich glaube, dass Dirk und ich es tatsächlich geschafft haben, den Tod sichtbar und anfassbar zu machen, so dass er zum ganz normalen Thema wurde, über das man inzwischen ganz selbstverständlich sprechen kann. Das zu erleben, hat mich sehr befriedigt und glücklich gemacht.

Dann freut es Sie sicherlich auch, dass in Deutschland immer mehr Palliativstationen und Hospize entstehen...

Das finde ich in der Tat ganz großartig. Zum Beispiel liegt nicht weit von unserem Haus in Berlin ein freundlicher lang gestrickter Flachbau, von dem ich weiß, dass es ein Hospiz ist. Ich bin jedes Mal zufrieden, wenn ich auf meinem Weg zur morgendlichen Zeitung daran vorbeiradle. So treffen auf die Art auch wieder Tod und Leben zusammen.

Für Ihren jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz in der Hospizbewegung sind Sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Was hat Ihnen das bedeutet?

Das war natürlich eine große Ehre. Aber fast noch mehr habe ich mich über ein anderes Verdienstkreuz gefreut, das sich voll auf Berlin bezieht und das mir von dem damaligen Bürgermeister Klaus Wowereit an mein Revers gesteckt wurde: der Verdienstorden des Landes Berlin. Das war so ein schöner Moment. Ich denke so gerne und voller Herzenswärme an Klaus Wowereit zurück. Ich wünsche mir immer wieder so sehr, dass dieser Mann nochmal ausdrücklich gewürdigt wird. Eigentlich müsste er noch ein neues, nur für ihn bestimmtes Kreuz kriegen, denn er hat Berlin zu dem gemacht, was Berlin heute ist. Zu einer weltweit beliebten und auch von den Berlinern gebliebten Stadt. Ich würde dann für ihn „Ik liebe Dir, Ik liebe Dich“ singen, dass „damals“ meistens von Harald Juhnke interpretiert wurde.

Interview von Claudia Pless aus der Vivanty No. 82 / März 2021

Ebenfalls in dieser Ausgabe enthalten: Interview mit Max Riemelt. Er hat das geschafft, wovon andere träumen: Max Riemelt wird im Kino-Blockbuster „Matrix 4“ 2021 neben Hollywood-Star Keanu Reeves als einziger Deutscher einen tragenden Part spielen. Doch während sich andere Schauspieler für solche Karriere-Highlights im Rampenlicht sonnen, meidet der gebürtige Berliner rote Teppiche und möglichst jeden Max Riemelt als Komissar Lutz Gering im Film „Der Schneegänger“, der am 22. Februar um 20:15 Uhr im ZDF zu sehen ist. © ZDF/Network Movie/Britta Krehl Medienrummel um seine Person. Dass sein Gesicht dem breiten deutschen Publikum bekannter ist als sein Name, spricht für das Understatement des zurückhaltenden Shootingstars. Über seine Rolle im ZDF-Krimi „Der Schneegänger“ sprach Riemelt jedoch sehr gerne. Außerdem verriet er Spannendes über die große Leidenschaft für seinen Beruf und äußerte Kluges über Rollenklischees, soziale Medien sowie die kostbaren Momente, die ihn jenseits der Kamera glücklich machen. Die Ausgabe finden Sie hier.  


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Mai 2021 / No 84

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