(von links): Prof. Dr. Werner Bätzing (Alpenexperte, Kulturlandschafs-Experte und emeritierter Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. Sabine Rödel (1. Bürgermeisterin von Bad Hindelang), Martin Kluger (Leiter des context verlag Augsburg), Josef Miller (Bayerischer Landwirtschafsminister a.D.), Leonhard Bellot (Oberalpmeister der fünf Bad Hindelanger Galtalpen), Roman Haug (Stellvertretender Oberallgäuer Landrat) und Maximilian Hillmeier (Tourismusdirektor von Bad Hindelang) (von links): Prof. Dr. Werner Bätzing (Alpenexperte, Kulturlandschafs-Experte und emeritierter Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. Sabine Rödel (1. Bürgermeisterin von Bad Hindelang), Martin Kluger (Leiter des context verlag Augsburg), Josef Miller (Bayerischer Landwirtschafsminister a.D.), Leonhard Bellot (Oberalpmeister der fünf Bad Hindelanger Galtalpen), Roman Haug (Stellvertretender Oberallgäuer Landrat) und Maximilian Hillmeier (Tourismusdirektor von Bad Hindelang) - © Foto: Bad Hindelang Tourismus -
DAUN, 14.09.2018 - 16:09 Uhr
Kultur

Vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Bad Hindelanger Alpen auf 168 Seiten

Klares Gebirgswasser und frische Bergluft, von Hand produzierter Bergkäse und wildwachsende Kräuter. Es gibt viele gute Gründe, für eine Auszeit vom Alltag eine der 46 Hindelanger Alpen auszuwählen. Das jetzt von der Gemeinde Bad Hindelang (Allgäu) im context verlag Augsburg herausgegebene Buch „Kühe. Menschen. Berge.“ beschreibt auf 168 Seiten in Wort und Bild das Schaffen und Zusammenleben von Mensch und Tier auf den Hindelanger Alpen sowie die große Bedeutung der Alpwirtschaft für die Gemeinde. Das Buch ist eine Hommage an alle Älpler und Bergbauern, die auf bis zu 2.200 Metern Höhe mit ihrer sehr harten Arbeit seit Jahrhunderten Arten- und Naturschutz betreiben und auf diese Weise die heimische Kulturlandschaft für die Nachwelt erhalten. Die Gesamtfläche der 46 Alpen beträgt mehr als die Hälfte des Gemeindegebiets – damit gilt Bad Hindelang als alpflächenreichste Kommune Deutschlands. 80 Prozent der 140 Quadratkilometer großen Gemeindefläche stehen unter Natur- und Landschaftsschutz. Nicht zuletzt wegen der Arbeit der Älpler ist das Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen das artenreichste Gebirge Deutschlands.

„Unsere Alpen machen uns unverwechselbar. Dass wir der Öffentlichkeit unmittelbar nach dem 225. Hindelanger Viehscheid ein Buch über unsere so wertvolle und unbezahlbare Arbeit der Älpler und Bergbauern präsentieren können, ist eine großartige Fügung. Die harte Arbeit der Älpler prägt die Identität der Gemeinde und ist gelebte und erlebte Kultur unserer Heimat und unserer Geschichte – zugleich ist die hochalpine Alpwirtschaft das Fundament für unseren Tourismus”, sagt Dr. Sabine Rödel, 1. Bürgermeisterin von Bad Hindelang.

Für Leonhard Bellot ist das neue Buch „eine Anerkennung für alle Meisterhirten, Älpler, Tagwerker sowie Kleinhirten aus Bad Hindelang. Es freut mich sehr, dass immer wieder darauf aufmerksam gemacht wird, wie wichtig die Arbeit auf den 46 Hindelanger Alpen ist. Ohne diese harte Arbeit würde es unseren traditionellen Alpabtrieb in Bad Hindelang nicht geben. Wer den Hindelanger Viehscheid in diesen Tagen hautnah mitverfolgt hat, der weiß, was das bedeuten würde“, sagt Bellot, der seit 1992 Hindelanger Oberalpmeister ist.

Das Buch porträtiert die 46 Hindelanger Alpen, beschreibt ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart und ist somit ein außergewöhnliches Porträt der Allgäuer Gemeinde. Zahlreiche Fotografien zeigen Mensch und Tier auf der Alpe, die Alpgebäude sowie die erst durch die Alpwirtschaft besonders artenreichen Bergwiesen unter den Gipfeln und in den Hochtälern des Naturschutzgebiets Allgäuer Hochalpen.

Während des Alpsommers zwischen Juni und September weiden Jungrinder die Wiesen ab und sorgen dafür, dass die Wiesen nicht verbuschen und verstrohen. Dies hätte zur Folge, dass Blumen und Kräuter zunehmend im Keim ersticken würden. „Verrichten Mensch und Vieh diese wichtige Arbeit auf den Alpen nicht mehr, macht es für Touristen gar keinen Sinn mehr, ins Gebirge zu fahren. Dann wäre diese einzigartige Kulturlandschaft für immer verloren“, sagt der Hindelanger Meisterhirte Florian Karg.

Die Hindelanger Alpwirtschaft wurde in den vergangenen Jahren vielfach belobigt und ausgezeichnet: 2015 wurde die „Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang“ zunächst in die Landesliste „Immaterielles Kulturerbe“ und 2016 als „Beispiel guter Praxis“ von der Deutschen UNESCO-Kommission in das Bundesverzeichnis „Immaterielles Kulturerbe“ aufgenommen. Zusätzlich erhielten die Hindelanger Älpler 2016 den Schwäbischen Heimatpreis. Basis der Auszeichnungen war der im context verlag Augsburg 2015 erschienene Bildband „Kulturerbe Alpwirtschaft“, der erstmals die Schönheit, Vielfalt und Einzigartigkeit der Allgäuer Hochalpen in Bild und Text auf 120 Seiten dokumentierte.

Ideengeber und Betreuer der Bewerbungen für Landes- und Bundesliste des Immateriellen Kulturerbes war der Inhaber des context verlag Augsburg, Martin Kluger: „Bad Hindelang ist es gelungen, eine Allianz zwischen Berglandwirtschaft, Naturschutz und Tourismus zu schmieden und so gemeinsam mit Landwirten und Älplern die Ursprünglichkeit der Landschaft zu erhalten. Über das 'Ökomodel Hindelang' wurden zudem ökologisch sinnvolle Praktiken der Alpwirtschaft in die Talwirtschaft übertragen und so der drohende Kulturlandschaftswandel gestoppt.“

Der Alpenexperte und Kulturlandschafs-Experte, Prof. Dr. Werner Bätzing, nennt Bad Hindelang „ein Paradebeispiel dafür, wie man einer anbahnenden Verwilderung einer Kulturlandschaft erfolgreich entgegenwirkten kann. Auf den Hindelanger Alpen haben Menschen über Jahrhunderte Lebensräume und Wirtschaftsformen geschaffen, ohne die Natur zu zerstören – das ist beindruckend. Ohne die Arbeit der Älpler wären die Bad Hindelanger Alpen bis in große Höhen hinauf mit Wäldern bedeckt und viel dunkler und finsterer sowie wesentlich weniger artenvielfältig“, so der emeritierte Professor für Kulturgeographie am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.


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