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DAUN, 31.01.2020 - 10:02 Uhr
Kultur

„Wann, wenn nicht jetzt“ - Interview mit Anna Striesow

Interview von Gabrielle Klawitter

Frau Striesow, wir kennen Sie als Blumenmädchen im Film „Die kleine Hexe“ und als Johanna von den Schlachthöfen auf der Bühne. Wo sind Sie gerade aktiv? Ich bin gerade als Supporterin beim at.tension Festival. Das ist ein zweijährlich stattfindendes, interdisziplinäres Theaterfestival des Kulturkosmos Müritz e.V. Im Moment bin ich dort ehrenamtlich tätig und springe einfach dort ein, wo ich gebraucht werde. Aber mein Ziel ist es, ein eigenes Projekt dort aufzuführen.

Was wäre das für ein Projekt? Mit Rechtsextremismus bin ich bereits während meiner Kindheit in Rostock in Berührung gekommen. Nach dem Schauspielstudium in München und meinem Erstengagement am Theater Plauen Zwickau ist mir deshalb besonders aufgefallen, wie sehr Rechtsextremismus dort präsent ist. Vor den Landtagswahlen in Sachsen habe ich mich bei der Kampagne „Wann wenn nicht jetzt“ engagiert, die als Konzert- und Aufklärungstour durch Thüringen, Brandenburg und Sachsen getourt ist und die ich auch in Plauen moderiert habe. Das Thema will ich jetzt anpacken und ein Stück für die Bühne daraus machen.

Was wollen Sie mit dem Stück vermitteln? In Sachsen gibt es den „Dritten Weg“, eine rechtsextremistische Partei, die woanders längst verboten ist. Die sitzt sogar mit im Stadtrat. Wie diese Partei propagiert und agiert wirkt es wie eine krasse Satire. Aber natürlich meinen sie es ernst. Für mich als liberal Denkende war das einfach empörend. Ich würde genau diese Texte nehmen und auf die Bühne bringen. Diese Art der Propaganda wird oft belächelt und mir ist es wichtig, dass die Zuschauer verstehen, dass sie wirklich ernst und bedrohlich ist. Und natürlich werde ich es mit eigenen Texten zu einer Handlung verbinden für einen Stückverlauf.

Das hört sich sehr engagiert an und als ob in Ihnen das berühmte Feuer brennt, das Sie bei anderen entzünden wollen. Wann haben Sie Ihre Berufung zum Schauspiel gespürt? Was war der auslösende Funke? Obwohl ich aus einer Schauspielfamilie stamme, wusste ich erst nicht wohin mit mir. Erst wollte ich Tierärztin werden, dann irgendetwas mit Musik machen. Nach dem Abitur habe ich auf den Internetseiten von Hochschulen für Theater und Musik recherchiert und festgestellt, dass Schauspiel ganz viel mit Körperarbeit und Musik zu tun hat. Ich habe dann Theaterwissenschaften in Leipzig studiert und bei Schauspielschulen vorgesprochen. Ich habe immer nach einer Ausdrucksform gesucht, meine inneren Bedürfnisse nach außen zu bringen.

Wir kennen Sie auch aus Ihrer Rolle als Blumenmädchen im Film ‚Die kleine Hexe‘, aus Fernsehrollen und von der Bühne. Was ist der Unterschied und was macht mehr Spaß Theater, Fernsehen oder Film? Ich glaube, die Mischung macht es. Ich liebe die Bühne. Nach zwei Jahren intensiver Theaterarbeit fange ich jetzt wieder an zu drehen. Dabei merke ich, wie viel Spaß es macht in einem Superteam zu spielen. Als Schauspieler beim Film wird man behandelt wie ein König. Leider hat man nur ein paar Tage in denen man ein Teil des Filmteams ist. Beim Theater ist man viel länger in einer Produktion involviert.

Das Theaterstück „Johanna von den Schlachthöfen dauert ganze drei Stunden. Wie schaffen Sie es, sich den ganzen Text zu merken? Das ist sicher Trainingssache, wie bei jedem Beruf. Aber Brecht schreibt teilweise auch in Versform und sehr literarisch. Wenn man den Trick raus hat und den Autor verstanden hat, dann geht das runter wie Butter. Mein Körper hat das so tief verinnerlicht, dass ich es jederzeit wieder hervorrufen kann.

Was drehen Sie gerade Anna? In der TV-Serie ‚Um Himmels willen‘ spiele ich Susie, eine angehende Novizin, die ins Kloster geht. Susie ist ein sehr junges Mädchen und deshalb kommt ihr beispielsweise auch die Liebe dazwischen. Mehr möchte ich nicht verraten, außer, dass meine Rolle sich über die nächste Staffel zieht, die voraussichtlich Mitte nächsten Jahres zu sehen ist.

Und was haben Sie in Richtung Film geplant? Ich habe einen Kurzfilm gedreht. „Kennen wir uns?“, das ist eine ganz leichte, süße Story über eine Studentin, die ganz glücklich ist als Single bis sie sich in einen Mann verguckt, der aber schon vergeben ist. Ein Film zum Lächeln und fürs Herz.

Sie sind ja noch ganz am Anfang Ihrer Karriere. Was planen Sie um reich und berühmt zu werden? Ich bin Schauspielerin, weil ich so viele Themen in mir habe, die ich gerne zum Ausdruck bringen möchte, dass mir so ein gewisser Berühmtheitsfaktor gleichgültig ist. Ich möchte eher Leute berühren. Auf der Bühne will ich Inhalte vermitteln, die mir auf der Seele brennen.

Welche Themen brennen Ihnen besonders auf der Seele? Rechtsextremismus nimmt einen großen Raum ein, aber auch Gleichberechtigung. Die Theaterwelt ist immer noch hauptsächlich männlich dominiert. Das liegt teilweise auch daran, dass es mehr männliche Rollen gibt. Es gibt zum Beispiel keinen weiblichen Hamlet auf der Bühne. Ich würde das gerne durchbrechen und zum Beispiel Männerrollen mit Frauen besetzen. Ein Klassiker hat ja auch immer eine Aktualität, weil es den Menschen immer um Liebe und Politik geht und da kann man die Rollen auch umbesetzen.

Gibt es für Sie eine Traumrolle? Ich weiß, dass ich sehr lieblich aussehe und dass ich deshalb oft als Naive besetzt werde. Das macht auch Spaß. Aber ich würde unheimlich gerne eine junge starke Frau spielen, die sich durchs Leben kämpfen muss.

In „Johanna von den Schlachthöfen“ ist mit Greta Thunberg eine ganz junge, starke Frau präsent, die gerade viel bewegt. Greta ist nur ganz kurz in einem kleinen Videoeinspieler zu sehen. Als Johanna sage ich zu den Kapitalisten: „Das ist übrigens meine Freundin Greta, die kommt euch sicher auch einmal besuchen.“ Die Idee kam vom Regisseur, der meinte, wir haben damit einen aktuellen Bezug, weil Greta in der großartigen ‚Fridays for future‘ -Bewegung gegen den Kapitalismus kämpft.


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