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DAUN, 25.03.2020 - 15:46 Uhr
Kultur

Zum Tod von Albert Uderzo

Hachette Livre und Egmont Ehapa Media trauern um Asterix-Schöpfer

Der französische Zeichner und Asterix-Erfinder Albert Uderzo ist in der Nacht auf den 24. März gestorben. Der 92 Jährige starb im Schlaf in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris, an einem Herzstillstand. Friedlich und im Kreis der Familie.

Konzernchef von Hachette Livre Arnaud Nourry zum großen Verlust: "Mit großer Trauer haben wir vom Tod Albert Uderzos erfahren, der zusammen mit René Goscinny die Kultfigur Asterix kreierte. Seit mehr als 60 Jahren bereitet Asterix weltweit Millionen von Lesern, die seine Abenteuer immer wieder neu entdecken, Seite um Seite viel Spaß und Freude. Der kleine Gallier ist inzwischen nicht nur Kult, sondern auch Teil des internationalen literarischen und künstlerischen Kulturerbes, und wird dank seiner Abenteuer auch in Zukunft für Werte wie Toleranz und Widerstand gegen die Unterdrückung stehen. Mit Uderzo verlieren wir nicht nur einen großartigen Künstler, sondern auch einen außergewöhnlichen Menschen, der von all jenen geschätzt wurde, die das Glück hatten, ihn kennenzulernen. Ich selbst habe ihn stets für seine Menschlichkeit und sein feines Gespür bewundert - aber auch dafür, dass ihm der Ruhm, trotz des grandiosen Erfolgs, den Asterix in Frankreich gehabt hat, niemals zu Kopf gestiegen ist. Ich bin in Gedanken bei seiner Frau Ada, mit der er fast 70 Jahre seines Lebens verbracht hat, seiner Tochter Sylvie sowie seiner ganzen Familie, mit der wir in dieser schwierigen Zeit von ganzem Herzen mitfühlen. Albert Uderzo geht in die Kunstgeschichte ein als eines der größten Genies, die Frankreich je hervorgebracht hat. Er wird für immer in unseren Herzen sein. Wir sind ihm unendlich dankbar für das Vertrauen, das er in uns gesetzt hat, indem er das Schicksal der von ihm kreierten Figur in unsere Hände gelegt hat, und sind uns unserer großen Verantwortung bewusst. Vielen Dank, Maestro!"

Die Abenteuer von Asterix und Obelix erscheinen seit 1968 im deutschsprachigen Raum bei Egmont Ehapa Media. Wolf Stegmaier, Asterix-Spezialist und Editorial Director der Egmont Comic Collection zur traurigen Nachricht: "Auch das deutsche Asterix Team ist angesichts der traurigen Nachricht von Albert Uderzos Ableben zutiefst betroffen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden. Aber wir sind auch ungeheuer dankbar für dieses wunderbare Comic-Universum, das er erschaffen hat. Ein Universum, das uns seit unserer Kindheit so viel Freude bereitet hat. Jeden Tag mit Asterix arbeiten zu dürfen, das ist ein Kindheitstraum, der in Erfüllung gegangen ist. Herrn Uderzo persönlich treffen zu dürfen, ist eine der bemerkenswertesten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich werde seinen Charme, seine Höflichkeit und seinen Humor für immer in Erinnerung behalten. So geht es allen aus dem Egmont Team, die dieses Glück hatten. Asterix und Obelix werden für immer weiterleben! Vielen Dank, Monsieur Uderzo!"

© Francois Guillot / dpaDas jüngste Interview mit Monsieur Albert Uderzo können Sie hier nachlesen (2017):

Herr Uderzo, in einem früheren Interview haben Sie mal gesagt, dass das Arbeiten in der Comic-Branche Sie jung hält. Wie fühlen Sie sich?

Bis vor einem Jahr habe ich mich jünger gefühlt. Seit 2017 fühle ich mich nicht mehr so jung. Ich bin gesundheitlich angeschlagen. Bis dahin hatte ich das Glück, immer gesund zu sein. Dann hat der liebe Gott mir vielleicht sagen wollen, dass es keinen Grund gibt, warum ich immer gesund sein sollte. Jetzt geht es aber schon etwas besser.

Die Asterix-Reihe wird von zwei neuen Autoren fortgesetzt. Fehlt Ihnen das Zeichnen von Comics?

Nein, jetzt nicht mehr. Irgendwann musste ich ja mal in den Ruhestand gehen. Vor neun Jahren habe ich beschlossen aufzuhören. Wir hatten das Glück, dass wir zwei großartige Autoren gefunden haben, einen für das Szenario und einen für die Zeichnungen. Am Anfang merkte man ihnen an, dass sie sich erst mal auf die Reihe einstellen mussten. Jetzt geht es ihnen leicht von der Hand, und das merkt man auch. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

Sie haben einmal gesagt, die Asterix-Reihe fremden Autoren zu überlassen sei ein bisschen so, als würden Sie einen Sohn zur Adoption freigeben. Wie geht es Ihnen jetzt mit dem Riesenerfolg, den Ferri und Conrad haben?

Ich finde das toll. Wenn sie keinen Erfolg hätten, hätte Asterix keine Leser mehr, und den Lesern haben wir wie gesagt alles zu verdanken. Ich kann diesen Erfolg nur anerkennen und mich darüber freuen. Hätten wir keinen Erfolg gehabt, hätten wir nicht weitergemacht, das ist klar. Aber der Erfolg ist ungebrochen, gerade in Deutschland. Das ist ein großes Glück für uns.

Kontrollieren Sie die Arbeit Ihrer Nachfolger, geben Sie Ihnen Tipps und Ideen?

Nein, nein. Zu Beginn habe ich ein paar Anmerkungen gemacht, zu den Zeichnungen, nicht zum Text. Einige Zeichnungen mussten noch mal angefasst werden. Aber das ist jetzt nicht mehr notwendig, sie haben die Figuren gut im Griff. Ich kenne das Album und habe seine Entstehung mitverfolgt. Das Ergebnis ist tadellos. Die Leser können ganz beruhigt sein: Sie werden nicht enttäuscht werden.

Mit 14 haben Sie begonnen kleine Geschichten zu zeichnen. Ihr Bruder Bruno besorgte Ihnen damals einen Job beim Jugendmagazin „Junior“. Hat Ihnen das Zeichnen zu dieser Zeit geholfen, die Situation während des Krieges zu ertragen?

Nein. Mein älterer Bruder kam auf die Idee während der Schulferien. Ich wollte eigentlich Automechaniker werden wie er. Aber in den Ferien sagte mein Bruder: „Bevor Du die ganze Zeit mit Deinen Freunden auf der Straße rumhängst, suche ich Dir lieber einen Job bei einem Verlag.“ Er hatte mich öfter kleine Zeichnungen machen sehen. Also stellte er mich 1941 bei einem großen Verlag vor. Ich wurde genommen und durfte nicht nur die zwei Monate in den Ferien bleiben, sondern ein ganzes Jahr. Die Mechanikerschule ließ ich sein. Im Krieg, während der Besatzung, gab es in Paris wenig zu essen. Ich war 14 und in einem Alter, in dem man viel essen muss. Mein Bruder hatte eine Anstellung als Fahrer und Mechaniker in der Bretagne gefunden. Er holte mich zu sich, weil ich dort wenigstens Kartoffeln zu essen bekam. Immerhin Kartoffeln gab es! Es gab natürlich noch andere Sachen, aber auch dort war es schwierig. Aber in Paris war es noch viel schlimmer. Und so bin ich drei Jahre in der Bretagne geblieben. In der Zeit war an Zeichnen nicht zu denken. Als ich nach dem Krieg nach Paris zurückkehrte, fing ich zuerst in einem Trickfilmstudio an. Ich kannte diese Branche nicht, fand sie aber reizvoll. Das hatte mit Walt Disney zu tun, wissen Sie. Es ist Walt Disney zu verdanken, dass praktisch alle Zeichner zu meiner Zeit diesen Berufsweg gewählt haben. Seine Figuren hatten einen solchen Erfolg, dass wir es ihm alle gleichtun wollten. Deshalb haben wir alle in einem Trickfilmstudio angefangen. Aber ich musste feststellen, dass das kein Beruf für mich war. Es ist ein sehr harter Job, man bekommt keine Anerkennung. Ich bin nur ein Jahr geblieben, das war 1946. Danach habe ich einen Job als Comiczeichner bei einer Zeitschrift gefunden. Da hat dann alles angefangen.

Sie haben mit 14 den Zeichner Calvo kennen gelernt. Hat er Ihren Stil beeinflusst? Etwa mit dem Comic „Die Bestie ist tot“?

Er war sehr talentiert. Dieses Album hat er während der Besatzung gemacht, daher konnte er es nicht veröffentlichen. Ich habe es erst nach dem Krieg gelesen. Ich besitze eine Ausgabe davon, sie steht da gleich hinter Ihnen. Er war ein großartiger Zeichner und unglaublich liebenswürdig. Ich habe ihn kennengelernt, weil wir beide für den gleichen Verlag arbeiteten. Wie alle Zeichner versäumte er häufig den Abgabetermin. Er wohnte bei der Porte de Montreuil und ich in der Rue de Montreuil, ziemlich weit davon entfernt. Der Verlagsleiter dachte, ich würde in der Nähe wohnen, weil die Adressen so ähnlich klangen. In Wahrheit wohnte ich ganz und gar nicht in der Nähe, denn ich wohnte im 11. Arrondissement und die Porte de Montreuil ist im 20. Arrondissement. Aber das sagte ich dem Verlagsleiter nicht. Und der Verlagsleiter sagte: „Hol die Zeichnungen von Calvo ab, er hätte sie uns eigentlich schon liefern müssen. Warte so lange, bis er die Zeichnungen fertig gestellt hat, und bring sie dann her.“ Ich sagte ihm nicht, dass ich die Metro nehmen musste, um zu Calvo zu kommen. Und so schaute ich ihm dabei zu, wie er seine Zeichnungen fertigstellte. Ich setzte mich neben ihn und schaute ihm beim Zeichnen zu. Das war wie der Himmel auf Erden für mich. Und er war wahnsinnig nett. Er hat mich viel unterstützt und mich bestärkt in dem, was ich tun wollte. Ich bereue sehr, dass wir uns nicht noch nähergestanden haben.

© Quelle: Egmont Ehapa Verlag / www.egmont.de


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