Immer auf der Suche nach Futter: Schwarzbär in Whistler. Immer auf der Suche nach Futter: Schwarzbär in Whistler. - © Foto: picture alliance/dpa/Tourism Whistler | Mike Crane -
DAUN, 30.03.2021 - 13:26 Uhr
Touristik

Auge in Auge mit Giganten: Bären beobachten in Nordamerika

(dpa/tmn) - Im Olympic Park von Whistler liefen einst Biathleten um die Wette, Skispringer sausten über die Schanzen. Das Areal hatte man mitten in den Wald gebaut, unweit der Skiberge Whistler und Blackcomb Mountain in der kanadischen Provinz British Columbia. Heute haben es die Waldbewohner wieder übernommen. Darunter sind echte Riesen - die Touristen beobachten können.

Nicht nur Vögel, Erdhörnchen, Luchse und Pumas leben in dem Gebiet, sondern auch mehrere Dutzend Schwarzbären und einige Grizzlybären. Sie sind am besten in der Morgen- und Abenddämmerung zu sehen.

Gibt es eine Garantie, die Bären zu sehen?

Wer früh aufsteht, hat zumindest sehr gute Chancen. „Es ist komplette Glückssache, wann, wo und wie viele Bären man sieht“, sagt Joel Lycklama vom Touranbieter Whistler Photo Safaris.

Schon morgens um sechs Uhr steht der Guide mit seinem Geländewagen bereit, um die Besucher in den Olympic Park zu bringen. Neben ihm liegt ein Tablet, über das er mit seinen Kollegen verbunden ist.

Es geht bergauf und bergab, durch dichten Wald. Doch ein Bär ist auch nach Stunden nicht in Sicht. Oft sehen Guides und Besucher die Tiere auf der großen Wiese voller Klee an den Sprungschanzen, manchmal bei den Schießständen an der Biathlonstrecke. Und manchmal bleiben die bis zu 300 Kilo schweren Schwarzbären einfach im Unterholz.

Als die Gruppe sich schon auf den Rückweg machen will, ist plötzlich Bewegung in einem großen Feld voller Teufelskralle zu sehen. Eine Bären-Mama mit ihren zwei Kindern frisst und spielt hier.

Wie reagiere ich bei einer unfreiwilligen Begegnung?

Das Muttertier lässt sich von den Touristen nicht stören. „Wenn man sie allerdings beim Wandern gesehen hätte, dann wäre Vorsicht geboten“, sagt Joel Lycklama. Denn gerade Mütter, die ihre Kinder beschützen, können mitunter aggressiv sein. „Hier gehören Bärenspray und eine Glocke in den Rucksack.“ Als Wanderer ist es am besten, Ruhe zu bewahren und sich durch laute Geräusche bemerkbar zu machen. „In aller Regel suchen die Bären von alleine das Weite.“

Woher weiß ich, ob in der Umgebung Bären unterwegs sind?

Hinweise auf Bären in der Nähe sind Spuren der Tatzen sowie Fell oder Kratzspuren an Baumstämmen, heißt es bei der kanadischen Organisation Bear Smart Society. Auch umgedrehte Felsbrocken oder Baumstämme können anzeigen, dass ein Bär unterwegs war.

Zudem gibt es sowohl in Kanada als auch in den USA Hinweistafeln an Wanderwegen, wo sich potenziell Bären aufhalten können. Und das ist an vielen Stellen der Fall: Schwarzbären kommen nahezu überall in Kanada vor, zudem nahezu im gesamten Westen der USA, an den Großen Seen, in Neuengland und sogar in Florida.

Wie gefährlich sind Bären?

Wer tatsächlich von einem aggressiven Bären angegriffen wird, hat wenig Chancen: Der Schwarzbär ist ein schneller Läufer, ein guter Schwimmer und ein flinker Kletterer. „Außerdem hat er große Tatzen und Krallen“, sagt Joel Lycklama.

Bären können zudem viele Hundert Meter weit Essengerüche wahrnehmen und gut sehen. „Daher sollte man, wenn man im Wald campt, das Essen immer entfernt von seinem Zelt aufbewahren“, so der Guide. Vorräte am besten luftdicht verpacken und zwischen zwei Bäumen aufhängen.

Grizzlys sind deutlich gefährlicher als Schwarzbären, da sie größer, schwerer und oft aggressiver sind. Das gilt vor allem für Mütter mit Jungen, die sich bedroht fühlen. Grizzlys leben außerdem eher weiter entfernt von Siedlungen und oft in einer Umgebung, die nicht so bewaldet ist. „Der Schwarzbär geht einer Gefahr eher aus dem Weg, der Grizzly greift eher an“, erklärt Lycklama.

Doch eigentlich haben alle Bären den Sommer über nur eines im Sinn: Fressen, um für den Winterschlaf eine gute Fettschicht zu haben. Darum sind sie im Wald auf der Suche nach Beeren, Bienenwaben und vielem Kleinen, was über den Waldboden krabbelt. Würmer und Insekten haben viel Eiweiß. An Flüssen und am Meer suchen die Bären das Wasser - und natürlich die leckeren Lachse.

Wo kann ich die Bären beim Lachsfang beobachten?

In Alaska gibt es mehrere Orte, von denen man mit dem Flugzeug zu entlegenen Stellen fliegen kann, an denen die Bären auf die Jagd nach Lachsen gehen. Der Katmai-Nationalpark ist so ein Ort. Kleine Maschinen bringen Touristen von Homer dorthin.

Michael Hughes ist der Inhaber von Alaska Bear Adventures und fliegt schon seit vielen Jahren im Sommer zu den Grizzlys. Er ist immer ausgerüstet mit Bärenspray, Krachmachern und einem Gewehr. Sein wichtigster Sicherheitstipp: Er und seine fünf Passagiere bleiben dicht zusammen. „So denkt der Bär, wir sind der größere Bär.“

Vor dem Abflug teilt er noch hüfthohe Gummistiefel aus. Man weiß nie, in welche Arme das Meer gerade fließt und wohin man waten muss, um die Bären zu sehen. Ein Schauspiel ist es allemal, die teils schon wohlgenährten Tiere dabei zu beobachten, wie sie Lachse fangen - oder auch nicht. Manches Jungtier sieht zwar schon imposant aus, ist aber noch zu tapsig, um die Fische zu erwischen.

Welche Bären gibt es in Nordamerika noch?

Neben Schwarzbären und Grizzlys gibt es noch zwei weitere Bärenarten: Eisbären leben vor allem im Norden Alaskas und in den kanadischen Territorien im Norden. In Nunavut, das einen großen Teil der kanadischen Arktis umfasst, fahren Expeditionsschiffe vom Hauptort Inuvik auf den Spuren der früheren Nordwestpassage.

Ein bisschen Glück braucht es, um einen Eisbären zu sehen. Am einfachsten ist das nach einem „Kill“, wenn er Bär sich also gerade über eine frisch erlegte Robbe hermacht.

Anders als die anderen Bären hat der Eisbär keine Ruhephase, daher ist er im Sommer oft in den Felsen an der Küste, schwimmend im Polarmeer oder auf einer Eisscholle zu sehen.

Der Great Bear Rainforest an der Küste British Columbias ist die Heimat des Kermodebären, eine Unterart des amerikanischen Schwarzbären, der von den Ureinwohnern auch Spirit Bear (Geisterbär) genannt wird. Ein rezessives Gen sorgt dafür, dass das Fell dieses Bären weiß oder cremefarben ist.

Nur mehrere Hundert dieser Bären gibt es nach Schätzungen, sie alle leben in dem einzigartigen Ökosystem, das sich über die nördliche und zentrale Küste der westlichsten kanadischen Provinz erstreckt.

Wie organisiere ich einen Ausflug zu den Bären?

Touristen können sowohl in den USA als auch in Kanada spezielle Bear-Viewing-Touren buchen - mit Wasserflugzeugen, Booten oder im Geländewagen. Oder sich gleich in eine Lodge einbuchen, die so einsam gelegen ist, dass Bären fast garantiert vorbeischauen.

Und manchmal hat man auf einer der entlegeneren Straßen im Yukon, in Alaska oder andernorts sogar das Glück, dass eine Bärenfamilie am Straßenrand auftaucht. Dann heißt es: sofort abbremsen, den Warnblinker einschalten - und das Schauspiel genießen.

Von Verena Wolff, dpa


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Mai 2021 / No 84

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