In der Nähe des Hunsrückhauses am Erbeskopf steht der Grundstein zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald. In der Nähe des Hunsrückhauses am Erbeskopf steht der Grundstein zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Bernd F. Meier -
DAUN, 13.04.2021 - 08:19 Uhr
Touristik

Deutschlands Jüngster: Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald

(dpa/tmn) - Der erste Höhepunkt der Tour ist eine Wiese voller Erdhaufen. Ranger Oliver Groß zeigt auf die bis zu 40 Zentimeter hohen Hügel. „Wir nennen sie Bulken, geschaffen von der Gelben Waldameise“, sagt er.

Im Laufe der Jahre sind unzählige solcher Gebilde entstanden. Die Wiese der 1000 Hügel im Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist nur eine Station auf dem barrierefreien Rundweg, auf den Oliver Groß seine Gäste an diesem Tag mitnimmt. Der Weg führt durch Thranenweier, das wie eine Insel zwischen Wäldern, Wiesen und sattgrünen Weiden liegt und der Route ihren Namen gab. Gerade einmal 28 Einwohner leben dort, wo sich einst Köhler, Wald- und Hüttenarbeiter ansiedelten.

Wie der Borkenkäfer die Buchen zurückbringt

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist der jüngste unter den 16 Nationalparks in Deutschland. Er entstand am 1. März 2015 als rund 30 Kilometer lange und bis zu acht Kilometer breite Schutzzone. Der waldreiche Park liegt in zwei Bundesländern, im westlichen Hunsrück von Rheinland-Pfalz und im saarländischen Hochwald.

Oliver Groß ist einer der 28 Ranger des Parks, alles ehemalige Forstwirte mit der Zusatzqualifikation Natur- und Landschaftspfleger. Regelmäßig bieten sie kostenlose Touren an, in Zeiten der Pandemie begrenzt auf maximal zehn Teilnehmer. Besucher sollten sich vorab über die aktuellen Angebote informieren.

Hinein in den alten Buchenwald. Dies ist die typische Baumart für die Gegend um den Erbeskopf. „Aber ich sehe doch viele Fichten ringsum. Einige sind bereits braun, vom Borkenkäfer befallen“, sagt einer der Mitwanderer. Ranger Groß erklärt: „Fichten wurden im 19. Jahrhundert als Brot- und Butterbäume für Bau- und Brennholz angepflanzt.“ Und der Borkenkäfer? Der darf seinem zerstörerischen Werk im Nationalpark durchaus nachgehen. „Die Fichten sterben ab, der Wald lichtet sich, und auf dem Waldboden siedeln sich wieder Buchen an.“

Rangerkollege Gerd Welker läuft derweil seine Kontrollrunde über den Holzsteg im Ochsenbruch. „In der Senke standen vor Jahr und Tag noch Fichten. Die Bäume wurden abgeholzt und Entwässerungsgräben zugeschüttet, damit das Hangmoor wieder entstehen kann.“

Das ist gut gelungen: Heute wachsen Birken auf der feuchten Fläche, Adlerfarn, Mehlbeere und Wollgras. Torfmoos zeigt sich zwischen den mannshohen Farnen, an manchen Stellen schimmert bereits Wasser in kleinen Tümpeln. Mehr Moor soll sich im Thranenbruch entwickeln, wo im Februar 2018 die letzten Fichten gefällt wurden.

Die Wildnis zurückbringen - ein Mammutprojekt

Über vier Jahre dauerten die Planungen für den Park. „Wir sind über die Dörfer gezogen und haben den Bewohnern, Landwirten, Jägern, Reitern, Imkern und Waldbauern den Park vorgestellt“, erinnert sich Harald Egidi, Leiter der Nationalparkverwaltung in Birkenfeld.

Das umfassende Projekt sollte den Menschen nicht einfach übergestülpt werden, sondern ein Muster für die zukünftige Entwicklung des ländlichen Raumes sein. Egidi: „Wir haben gefragt: Wie kann man Natur und Tourismus zusammenbringen?“ Schließlich sollen nach 30 Jahren, also 2045, drei Viertel des Nationalparks in einer Kernzone für immer Wildnis sein. Und naturverbundene Urlauber anziehen.

Der Tagestourismus wurde am Nordhang des Erbeskopfes konzentriert. Sommerrodelbahn, Abfahrtspisten für sportliche Mountainbiker, Hochseilklettergarten, Wohnmobilplätze und ein Skilift locken Besucher an, die vorrangig an Spaß und Sport interessiert sind.

Naturliebhaber und Wanderer schätzen hingegen die Einsamkeit des Schutzgebietes. Sie sind unterwegs auf dem mehrfach prämierten Fernwanderweg Saar-Hunsrück-Steig sowie den sechs ausgeschilderten Rundwanderwegen. Diese Traumschleifen sind zwischen sieben und 14 Kilometer lang und bieten Überraschungen wie die Hirschtränke an der Börfinker Ochsentour. Die urige Tränke entpuppt sich als Zinkbadewanne am Bach mit gekühlten Getränken zur Selbstbedienung - Softdrinks und Bier laden zur Rast ein.

Wanderer sollten aber Verpflegung und Getränke im Rucksack dabei haben, denn an Einkehrmöglichkeiten mangelt es noch. Manch ein Landgasthof öffnet selbst in der Hochsaison erst zur Kaffeezeit oder abends. Alternativen bieten mittags die heißen Theken in Metzgereien oder belegte Brötchen vom Dorfbäcker.

Von Wildkatzen und Warzenflechten

Als Wappentier des jungen Nationalparks wurde die scheue Wildkatze ausgewählt. Auf 100 Exemplare wird das Vorkommen der nachtaktiven Jäger in den alten Buchenwäldern geschätzt.

„Außerdem können wir die Verrucaria hunsrückiensis vorzeigen“, sagt Nationalparkleiter Harald Egidi stolz. Hinter dem lateinischen Namen verbirgt sich die grünlich-braune Hunsrück-Warzenflechte. Sie wurde erstmals 2015 von Experten entdeckt und wächst nur auf Rosselhalden-Steinbrockenhängen im Nationalpark.

Voller Geheimnisse steckt auch der keltische Ringwall von Otzenhausen am Südwestrand des Nationalparks im Saarland. „Wir wissen nicht, wie die Kelten zigtausende Steine den Berg hinaufschafften“, sagt Norbert Hoff. Der Pensionär zählt zu den 20 Nationalpark-Führern, die das Angebot der Ranger ergänzen und kostenpflichtige Touren anbieten.

Hoff konzentriert sich auf den Keltenwall. „Was wir wissen: Ab 400 vor Christus wurde an dem Wall gebaut, mindestens 50 Jahre lang.“ Ein riesiges Bollwerk ist entstanden. Auf einer Länge von 3,4 Kilometern sind die Steine bis zu 15 Meter hoch aufgeschichtet.

„Kennen Sie einen Kelten?“, fragt Hoff seine Mitwanderer. Klar doch: Asterix und Obelix, von den Römern als Gallier bezeichnet.

Info-Kasten: Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Anreise: Mit der Bahn Regionalbahn Mainz-Saarbrücken bis Idar-Oberstein, Nohfelden oder Türkismühle.

Informationen: Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald, Brückener Str. 24, 55765 Birkenfeld (Tel.: 06782/8780 0, E-Mail: poststelle@nlphh.de, www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de).

Von Bernd F. Meier, dpa


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