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DAUN, 31.05.2019 - 16:29 Uhr
Touristik

Felsen und Feen: Nordirlands Klippenpfad The Gobbins

(dpa/tmn) - Auf dem Wasser gehen kann man hier nicht. Auch, wenn es manchmal den Anschein hat. Heutzutage braucht es zwar gutes Schuhwerk, um den spektakulären Klippenweg The Gobbins an der nordirischen Küste zu bewältigen. Aber man muss längst nicht mehr so wagemutig sein wie die Menschen, die hier vor mehr als 100 Jahren das Abenteuer gesucht haben.

Der Klippenpfad an der Causeway Coastal Route war schon in der viktorianischen Zeit eine bedeutende Urlaubsattraktion, die für Schlagzeilen in den Tageszeitungen sorgte. Das lag an Eisenbahningenieur Berkeley Dean Wise, der den Pfad 1902 plante. Durch die ersten Dampflokomotiven erschlossen sich große Städte wie Belfast und auch Naturlandschaften wie die Küste des Countys Antrim. Ein erster Tourismusboom setzte ein.  

The Gobbins musste jedoch 1954 geschlossen werden. Die Spätfolgen der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre und der Materialmangel nach dem Zweiten Weltkrieg machten den weiteren Betrieb unmöglich. Erst 2015 kam es zur Wiedereröffnung. Für die Restaurierung wurden 7,5 Millionen Pfund investiert. Doch die Freude währte nicht lange.

Schon ein Jahr später war der Weg nach zahlreichen Felsstürzen wieder dicht. 2017 dann die erneute Eröffnung, nachdem weitere 430 000 Pfund für die Sanierung in die Hand genommen wurden.

«Welcome guys! Ready to start?» - so begrüßt Alan Hurst seine zwölfköpfige, internationale Reisegruppe an diesem Morgen. Bevor es losgeht, steht eine kurze Sicherheitseinweisung an.

Platzangst sollte man nicht haben, auch keine Angst vor Vögeln, erklärt der Guide. «Aber ich garantiere euch, dass ihr viel Spaß haben werdet», beruhigt er die Gäste. Und viel Hunger, nach dieser gut zweieinhalbstündigen Tour. Zu Fuß sind 4,5 Kilometer und mehr als 1200 Stufen zu bewältigen. Danach knurrt der Magen.

Die Rucksäcke bleiben im Besucherzentrum, weil sie auf den schmalen Pfaden, in den tiefen Schluchten und engen Felsspalten hinderlich sein könnten. Mützen und andere Kopfbedeckungen ab, Sicherheitshelme auf - und hinein in den Kleinbus, der die Reisegruppe nach einer kurzen Fahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung bringt.

Das Wetter ist immer ein Fragezeichen an der nordirischen Küste. Heute ist der frühsommerliche Himmel klar, der Wind beherrschbar. «Hoffentlich bleibt das auch so. Meine Finger sind sicherheitshalber gekreuzt», sagt Hurst, der beim steilen Abstieg zum Einstieg des Klippenpfads natürlich auch eine sagenhafte Geschichte parat hat.

Demnach nahm man bei der erstmaligen Errichtung des Pfads Anfang des vergangenen Jahrhunderts auch auf Fabelwesen Rücksicht. «Schaut auf die Weißdornbäume. Dort wohnen Feen, die sich vom Nektar der rundherum wachsenden blauen Glockenblumen ernähren. Also war es selbstverständlich, dass man diese Bäume nicht fällen durfte, um die Feen gnädig zu stimmen», erzählt Hurst.

Woher der Name The Gobbins stamme, will ein Teilnehmer wissen, als er die in Stein gemeißelten Buchstaben sieht. Die Bezeichnung komme möglicherweise aus dem Gälischen und bedeute so viel wie «Spitze der Felsen», erklärt Alan. Genau wisse man es nicht.

Dann wird es eng. Es geht bergauf und bergab. Am Wise's Eye beginnt der aufregende Weg entlang der Klippen, der über Stahlseile gesichert und manchmal nicht breiter als einen halben Meter ist. Trittfest sollte man hier durchaus sein, 23 Metallbrücken sind zu überqueren.

In den Felsen nisten Papageientaucher, Klippenmöwen und andere Vögel. Mit etwas Glück kann man auch Wanderfalken und Kormorane entdecken.

Der Blick geht auf die Basaltküste und die zahlreichen Schichten an Sedimentgestein, die viel über das Klima in den Trias- und Jurazeiten verraten. Aber auch nach unten. Je nach Tidenhub befindet man sich nur wenige Meter über dem Atlantik. Nasse Füße sind auf diesem Weg grundsätzlich nicht ausgeschlossen.

«Als wir gestern hier waren, mussten wir immer auf die Wellen achten, und die Leute konnten manche Passagen nur auf mein Kommando und einer nach dem anderen überqueren», berichtet Hurst. Dann plaudert er ein wenig aus dem Nähkästchen und erzählt von Zeiten, als Schmuggler über die Klippen unerkannt an Land kommen wollten.

Nun gilt es, noch den steilen Schlussanstieg zurück zum Ausgangspunkt zu bewältigen. Manche sind ins Schwitzen gekommen, andere weniger. «Eigentlich war es nicht übermäßig anstrengend. Da sind wir aus den Schweizer Bergen anderes gewöhnt. Aber die Atmosphäre hier direkt am Atlantik ist schon etwas ganz Besonderes», sagt Erika Gillioz, die mit ihrer Freundin auf einer Rundreise unterwegs ist.

Auch Alan Hurst ist sichtlich zufrieden. Ob seine gekreuzten Finger dafür verantwortlich sind, dass die Sonne nach wie vor scheint, ist die Frage. In Bezug auf den zu erwartenden Hunger seiner Tagesgäste hat er in jedem Fall Recht behalten.

Info-Kasten: Klippenpfad The Gobbins

Klima und Reisezeit: Von April bis Oktober. Mit Regen muss stets gerechnet werden. Durch den Golfstrom herrscht das ganze Jahr hindurch ein eher mildes, ausgeglichenes Klima. Die Temperaturen fallen selten unter 0 Grad und klettern ebenso selten über 25 Grad.

Anreise: Nonstopflüge nach Dublin gibt es von mehreren deutschen Flughäfen. Die Flugzeit beträgt rund zwei Stunden. Mit dem eigenen Auto geht es per Nachtfähre von Nordfrankreich aus direkt nach Irland (Cherbourg/Roscoff-Rosslare) oder zunächst nach Großbritannien und von dort mit Anschlussfähre weiter nach Irland.

Währung: In der Republik Irland ist der Euro die Währung, in Nordirland wird mit Pfund Sterling gezahlt.

Informationen: Irland Information, Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt am Main (Tel.: 069/66 80 09 50, E-Mail: info.de@tourismireland.com, www.ireland.com).


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