Hübsche Fachwerkhäuser schmücken das Elbufer in Schmilka. Hübsche Fachwerkhäuser schmücken das Elbufer in Schmilka. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ralf Hirschberger -
DAUN, 23.06.2021 - 15:39 Uhr
Touristik

Freizeitpark mit Bio-Siegel: Schmilka in der Sächsischen Schweiz

(dpa/tmn) - Der Ofen ist aus, die Pizza gebacken. Menschen mit Masken drängen sich um René Schulze, lassen sich die Vorzüge eines Elektroofens gegenüber dem Backen auf Holz erklären und machen Fotos. Die kleine Backstube in Schmilka ist rappelvoll.

„Vielen Dank für Ihr Interesse - und jetzt mal alle raus hier“, sagt Schulze in die Menge und macht eine Handbewegung, die keinen Widerspruch duldet. Dann geht er selbst hinaus an die frische Luft der Nationalparkregion Sächsische Schweiz.

Biodorf mit historischer Mühle

René Schulze ist Bäcker im sogenannten Bio- und Nationalpark Refugium Schmilka. So heißt der Tourismuskomplex, der sich mit Freizeiteinrichtungen, Bioküche und vielen ökologisch sanierten Unterkünften über die gesamte Ortschaft Schmilka erstreckt. Der Ortsteil gehört zu Bad Schandau.

„Das war hier mal eine Holzfällergemeinde im Wald und wurde dann ein Urlaubsort an der Elbe“, erklärt Andrea Bigge. Die Kunsthistorikerin hat das Konzept für die Mühlenführung geschrieben und legt Wert auf Stimmigkeit. „Man findet in Schmilka keine Kirche, keinen Dorfplatz und keine Bauernhöfe. Die Mühle diente der Versorgung der Schankwirtschaft für den Tourismus.“

Das alte Mühlrad zerfiel, die Gäste blieben. Bis heute: Jeden Mittag versammeln sie sich, um die Geschichte der alten Wassermühle zu erfahren. Nicht wenige zeigen Skepsis, wenn sie den kleinen Quellbach sehen. Ob der echt sei, will ein Gast wissen. Das schon, sagt René Schulze. Aber unrentabel. „Die Wasserkraft reicht nicht aus.“

Urlaubsrefugium in idealer Lage

Nur ein paar Meter oberhalb der alten Mühle beginnt der Nationalpark Sächsische Schweiz mit seinen zerklüfteten Felsen in bizarren Formen und steilen Schluchten, die schon im 18. Jahrhundert Romantiker und Künstler begeisterten. Malerweg nennt sich die Hauptwanderroute, die von Pirna aus erst rechts der Elbe durch den Nationalpark führt und dann links des Flusses über fünf Tafelberge zurück.

Mittendrin, kurz hinter dem Großen Winterberg und direkt vor der Elbquerung, liegt Schmilka. Wer Caspar David Friedrichs Spuren und dem Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ folgt, passiert auch die Wassermühle. Der Unternehmer Sven-Erik Hitzer erwarb, restaurierte und reanimierte sie. Seither bildet sie mit Backstube, Biergarten, Brauerei und Badehaus das Zentrum des Refugiums.

Der Begriff steht eigentlich für einen Zufluchtsort, der Ungestörtheit und Rückzug bietet. Bisweilen bedeutet er aber auch ein touristisches Spektakel. In Schmilka kommen 37 000 Übernachtungen jährlich auf 70 Einwohner. Der Ort an der tschechischen Grenze lebt von der Nähe zum Elbradweg und zur Sächsischen Schweiz. Sven-Erik Hitzer gehören heute die meisten Gastbetriebe und 160 Betten.

„Bei den Mühltagen kommen sie in historischen Gewändern und mit Fiedelmusik. Es wird immer mehr, und der Ort wird eingenommen“, beklagt Romy Fuhrmann. Die Pensionswirtin ist in Schmilka aufgewachsen und kennt die Mühle noch aus DDR-Zeiten, als Ferienheim des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB).

Die 41-Jährige verbindet damit einfache, schöne Erinnerungen: „Da gab es immer Nudelsuppe, die habe ich mir meistens geholt, und wo jetzt die Pension Rauschenstein ist, war das Bettenhaus.“

Modernisierung und Verdrängung

Rauschenstein heißt einer der markanten Klettergipfel, aber auch einer der bekannten Übernachtungsbetriebe. Auf der Webseite www.schmilka.de ist er weit oben listet. Kein Wunder, denn Haus wie Homepage gehören zu Sven-Erik Hitzers Imperium.

Angestammte Betriebe wie die „Pension Fuhrmanns Elbcafé“ fühlen sich davon abgehängt. „Ich sitz hier mittendrin im Bioland wie auf einer Insel“, sagt Romy Fuhrmann, die das Gasthaus vor zehn Jahren übernommen hat. Die Eltern hatten es 1982 gegründet. Seitdem hat der Ort viele Veränderungen und Elbhochwasser gesehen.

Inzwischen muss Romy Fuhrmann für ihre Gäste Parkplätze vom Öko-Resort anmieten. „Die Stadt unterstützt Hitzer, er wird als der Retter von Schmilka hingestellt“, sagt sie.

Wo einst Könige ihren Urlaub verbrachten

Bad Schandau ist ein Kneipp-Kurort, der vom Tourismus lebt. Dass hier einst auch Könige und reiche Bürger in mächtigen Villen im Dresdner Elbflorenzstil Urlaub machten, hängt mit einem Hotelier zusammen, der in Monumenten und Straßennamen noch gegenwärtig ist.

„Rudolf Sendig hat den gehobenen Tourismus in die Stadt geholt und oben in Ostrau die gesamten Villen gebaut, die mit dem Fahrstuhl zugänglich gemacht werden sollten“, erzählt Andrea Bigge. Der frei stehende elektrische Personenaufzug am Elbuferhang ist heute ein technisches Denkmal und so etwas wie das Wahrzeichen von Bad Schandau. „Das hat große Spuren hinterlassen. Und so ähnlich ist es mit dem, was der Herr Hitzer in Schmilka macht“, sagt die Museumsleiterin, die für den Bioresort-Gründer nebenbei Bildervorträge hält und Führungen macht. „Das wäre ein ausgestorbener Wohnort, wenn er das alles nicht machen würde.“

Ausgestorbene Orte muss man in der Sächsischen Schweiz allerdings suchen. Die Region boomt. „Das ist ein Trendurlaubsgebiet geworden und kommt durch den gestiegenen Inlandstourismus an seine Grenzen“, sagt Andrea Bigge. Im Corona-Sommer 2020 kamen noch mehr Gäste.

„Es ist nur noch ein Geschubse, es sind zu viele Betten“, sagt Pensionsbetreiberin Romy Fuhrmann. Auch zu DDR-Zeiten sei Schmilka nachgefragt gewesen, aber von einem anderen Publikum. „Lactosefreien Cappuccino oder glutenfreien Kuchen, das hatten wir früher alles nicht.“ Ihre Pension hat sie Hitzer bis jetzt nicht verkauft.

Info-Kasten: Schmilka

Anreise: Vom Dresdener Hauptbahnhof fährt die S-Bahn stündlich über Bad Schandau nach Schmilka-Hirschmühle. Von dort bringt einen die Elbfähre hinüber nach Schmilka.

Informationen: Tourist-Service im Haus des Gastes, Markt 12, 01814 Bad Schandau (Tel.: 035022/ 90030, E-Mail: info@bad-schandau.de, www.bad-schandau.de).

Von Deike Uhtenwoldt, dpa


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