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DAUN, 07.11.2019 - 14:48 Uhr
Touristik

Geeinte Stadt: Auf der Suche nach der Berliner Mauer

(dpa/tmn) - Berlin war rund 28 Jahre lang eine geteilte Stadt. Auf einer Länge von 155 Kilometern trennte die Mauer West- von Ost-Berlin und vom Umland. Die innerdeutsche Grenze lief mitten durch das Stadtgebiet. Heute ist davon so gut wie nichts mehr zu sehen.

„Die städtebauliche Wunde ist verheilt“, sagt Axel Klausmeier. Für Berlin-Besucher ist das jedoch oft eine Enttäuschung. „Viele sind entsetzt, wie wenig von der Mauer übrig ist“, sagt der Direktor der Stiftung Berliner Mauer. „Aber die Mauer musste weg vor 30 Jahren. Die Menschen wollten mit der Teilung nicht mehr konfrontiert werden.“

Es gibt aber weiterhin Orte in Berlin, an denen die frühere Grenze nach wie vor sichtbar ist. Eine Auswahl:

Symbol der Teilung: Bernauer Straße

Einige Orte des Erinnerns gehören zur Stiftung, wie die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, die mit dem Mauerbau am 13. August 1961 zu einem Symbol der Teilung wurde. Denn die Fassaden der Häuser bildeten auf Ost-Berliner Seite die Grenze, der Gehweg gehörte zum Westen. Ganze Familien sprangen aus den Fenstern in den Westen, bis die Öffnungen zugemauert und die Bewohner umgesiedelt wurden.

Die Gedenkstätte liegt am ehemaligen Grenzstreifen und ist 1,4 Kilometer lang. Im Dokumentationszentrum erfahren Besucher viel Interessantes über die Hintergründe der Teilung. 220 Meter der Originalmauer sind hier erhalten geblieben. Allein im Jahr 2018 kamen 1,1 Millionen Interessierte in die Gedenkstätte.

Besuchermagnet: East Side Gallery

Noch weit mehr Besucher zieht die East Side Gallery an: Jedes Jahr strömen laut der Stiftung drei Millionen Besucher in die Mühlenstraße, um das längste erhaltene Teilstück der Berliner Mauer zwischen dem Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke zu sehen.

118 Künstler und Künstlerinnen aus 21 Ländern gestalteten kurz nach dem Mauerfall auf 1,3 Kilometern der früheren Betonelemente die längste Open-Air-Gallery der Welt. Eines der bekannteren Motive ist Dmitri Wrubels „Bruderkuss“ von Erich Honecker und Leonid Breschnew.

Lange gab es für dieses Stück Mauer kein wirkliches Konzept, inzwischen steht die Anlage unter Denkmalschutz. Die Stiftung will die East Side Gallery zu einem Ort mit historischen Informationen entwickeln. Geplant sind unter anderem eine Ausstellung sowie Erklärungen zu den Kunstwerken und Führungen.

Mittendrin: Günter-Litfin-Gedenkstätte

In insgesamt 280 Wachtürmen entlang der Berliner Mauer bewachten Soldaten die Grenze. „Heute sind noch 4 davon übrig“, erzählt Sören Marotz, Ausstellungsleiter des DDR-Museums. Einer davon steht in der Kieler Straße und ist inzwischen ein Gedenkort, der an eines der ersten Todesopfer an der innerdeutschen Grenze erinnert.

Am 24. August 1961 versuchte Günter Litfin unweit des Turms die Flucht nach West-Berlin und wurde erschossen. Nach dem Fall der Mauer setzte sich der Bruder Litfins erfolgreich für den Erhalt dieses Wachturms ein. Das Besondere: „Der Turm steht inmitten eines neuen Wohngebietes“, erzählt Stiftungsdirektor Klausmeier.

Wie ein Rummel: Checkpoint Charlie

Einen Hauch von Hollywood gibt es am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße. Am einstigen Grenzkontrollpunkt für Diplomaten und Ausländer standen sich nach dem Mauerbau US-amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber.

Heute steht hier ein nachgebautes Wachhaus der US-Streitkräfte, vor dem bislang Soldaten-Darsteller posierten. Dort drängeln sich meist die Touristen für ein Foto - den falschen Soldaten jedoch wurde Anfang November ihre Tätigkeit verboten.  

Dass der Checkpoint Charlie mehr von einem Rummel hat als von einer Gedenkstätte, ist für Sören Marotz kein Problem: „Die Menschen sollen an solchen Orten auch Spaß haben. Die Mauer verträgt das.“ Hier steht auch das private Mauermuseum, auf der Zimmerstraße wird in der Nähe mit Pflastersteinen der Mauerverlauf nachgezeichnet.

Leiser Ort: Parlament der Bäume

Weniger aufgedreht erinnert das Parlament der Bäume an die deutsche Teilung. Wo heute das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestages steht, hat der Aktionskünstler Ben Wagin nach dem Mauerfall ein Stück des Grenzstreifens bepflanzt sowie Bilder und Texte installiert.

Entstanden ist dadurch in der Adele-Schreiber-Krieger-Straße ein „unkonventioneller Garten“ - so beschreibt Visit Berlin diesen Ort. 58 authentische Mauerteile wurden künstlerisch bearbeitet. Die Granitplatten nennen 258 Namen von Mauertoten.

Baudenkmal: Berliner Mauer am NS-Dokumentationszentrum

Nicht weit entfernt vom Checkpoint Charlie befindet sich das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Hier waren während der NS-Herrschaft die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamts. Und während der deutschen Teilung verlief an der Niederkirchnerstraße die Grenze zwischen den Berliner Bezirken Mitte im Osten und Kreuzberg im Westen.

Rund 200 Meter Mauer sind hier erhalten geblieben. Deutlich zu sehen sind die Spuren von 1989 und der Folgezeit. Damals klopften Menschen mit Hammer und Meißel Stücke aus noch stehenden Mauerteilen heraus, um sie als Erinnerungsstücke aufzuheben. Mitunter entstanden in den Beton-Elementen große Löcher, wie hier gut zu sehen ist.

Spuren überall im Stadtgebiet

Neben den bekannten Gedenkorten sind im ganzen Stadtgebiet Reste der innerdeutschen Grenze zu finden. „Es gibt noch viele Spuren“, sagt Marotz. Oft erkennt man sie allerdings nicht auf den ersten Blick. Wer zum Beispiel an der Berliner Stadtgrenze mitten in der Natur einen Stromkasten oder Lichtmast entdeckt, kann fast sicher sein, dass dieser einst zu den Grenzanlagen gehörte.

Im Mauerpark im Stadtteil Prenzlauer Berg wurde vor kurzem eine Betonplatte mit eingelassener Fahrzeugsperre wieder eingesetzt - damit sollte die Flucht mit Autos oder Lastwagen verhindert werden. Auch stehen im Mauerpark noch Reste der sogenannten Hinterlandmauer.

Versteckte Reste der Mauer

In manchen Ecken Berlins gibt es auch für den Denkmalschutz bisher unerschlossene Reste der Mauer, zum Beispiel in Pankow. In der Dolomitenstraße stehen dort noch etwa 60 Meter Hinterlandmauer. Diese gehören zu einem ursprünglich mehrere hundert Meter langen Abschnitt entlang der Bahnstrecke Berlin-Stettin.

Wer sich nicht auskennt, läuft an dem historischen Ort schnell vorbei. Denn die Mauer steht versteckt an der Rückseite einer Reihe von Garagen auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses. Graffiti-Künstler aber haben diesen Abschnitt für sich entdeckt und die Mauer auf dem wild bewachsenen Gelände an den Bahnschienen bunt bemalt.

Auf dem katholischen Domfriedhof in der Liesenstraße in Berlin-Mitte stehen ebenfalls noch Reste der Mauer. Die Grenze wurde damals direkt über den Friedhof gezogen. Unter anderem an der nördlichen Spitze des Friedhofs finden sich heute einige Meter der Grenzmauer.

Suche abseits der Touristenströme

Ein weiterer versteckter Ort, der es aus Sicht von Axel Klausmeier in sich hat, befindet sich ganz im Südwesten der Stadt. Am Groß Glienicker See verläuft heute die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg, früher war es die zwischen West und Ost.

Die Gegend ist landschaftlich reizvoll - umso irritierender ist das Stück Mauer am nördlichen Rand des Sees. „Die Mauer steht plötzlich da“, erzählt Klausmeier, „fast wie ein senkrechtes Erinnerungsmal.“ Auch solche Mauerabschnitte abseits des Stadtzentrums dürften nicht in Vergessenheit geraten. Die Stiftung Berliner Mauer und das DDR Museum wollen den Erhalt solcher Orte daher gemeinsam unterstützen.

Von Falk Zielke, dpa


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