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DAUN, 30.07.2019 - 10:15 Uhr
Touristik

Mallorca ohne Massen: Wo die Insel ruhig und einsam ist

(dpa/tmn) - Von einem „Alarm am Ballermann“ war zu Beginn des Sommers die Rede, wegen ausbleibender Touristen. Hoteliers und Restaurantbesitzer gaben sich besorgt. Wer derzeit durch die berühmt-berüchtigte Schinkenstraße schlendert, hört einen anderen Alarm - der wie gewohnt vom Partyvolk ausgeht.

Der Strand in Arenal ist überfüllt wie immer. Vor der Kathedrale in Palma reihen sich die Menschen in langen Warteschlangen auf. Auch ziehen unzählige Kreuzfahrtpassagiere durch die Altstadt.

Richtig ist: Die neuen Benimmregeln und Alkoholeinschränkungen am Ballermann und die Erholung der Türkei als Reiseziel haben zu einem spürbaren Rückgang der Gästebuchungen geführt. In diesem Sommer ist Mallorca nicht ganz so überfüllt wie in den vergangenen Jahren.

Aber leere Strände und Hotels wird es auf der liebsten Ferieninsel der Deutschen kaum geben. Zumal die Hoteliers mit Preisnachlässen auf den schwachen Beginn der Hauptsaison reagiert haben. Und die Mehrheit der Urlauber kommt nach wie vor im Juni, Juli und August.

Wer auf Mallorca seine Ruhe findet, dem gelingt dies nicht, weil keine anderen Urlauber über die Insel herfallen würden. Sondern, weil er jene schönen Orte kennt, die nicht überlaufen sind.

Der Gegensatz zwischen dem Ballermann-Trubel und der Hotelterrasse des „Son Bleda“, einem ehemaligen Kloster aus dem 12. Jahrhundert im Nordwesten der Insel, könnte kaum größer sein.

Ein Pärchen genießt mit einem Glas Wein den Blick ins grüne Tal von Sóller. Zwei andere Hotelgäste schauen vom Pool aus in die Bucht von Deià - alleine. Man hört Vogelgezwitscher, den Wind, das Zirpen der Grillen. Sonst nichts. Und das Ende Juni.

Das ist das Mallorca, von dem schon der spanische Schriftsteller Santiago Rusiñol in „Die Insel der Ruhe“ schrieb. „Auf Mallorca ist die Stille tiefer als sonst wo“, berichtete auch George Sand 1842 im Reiseliteratur-Klassiker „Ein Winter auf Mallorca“.

„Mallorca ist immer noch so, auch im Sommer. Man muss bloß wissen, wo“, sagt Hotelbesitzer Dieter Rahmel. Die zwischen Pinien, Oliven- und Orangenbäumen liegende Hotel-Finca „Son Bleda“ des gebürtigen Düsseldorfers ist eher eine Unterkunft für betuchte Gäste - hier bremst also schon der Preis die Massen aus. Doch auch im Inneren der Insel, gar nicht weit von der Küste entfernt, gebe es viele gute und auch preisgünstigere Hotels, in denen man nichts mehr vom Trubel mitbekomme, sagt Rahmel. „Selbst im Sommer kann man auf Mallorca dem Massentourismus leicht entfliehen.“ Man müsse sich nur wenige Kilometer von der Küste und den Touristenzentren entfernen.  

Die meisten Urlauber wollen im Sommer aber doch an den Strand und im Meer baden. „Das ist ja kein Problem. Mallorca hat auch im Juli und August nicht überlaufene Strände und Buchten“, erklärt der Wahl-Mallorquiner. „Man muss nur bereit sein, ein wenig zu laufen und auf einen Liegestuhl und den Kiosk verzichten.“ Seinen Gästen empfiehlt Rahmel kleine Buchten in der Nähe des Hotels in Richtung Deià, wo man auch in den Sommermonaten relativ ungestört ist.

Das klappt selbst an Mallorcas vielleicht beliebtesten Sandstrand Es Trenc im Süden der Insel. In der Nähe des Parkplatzes liegen die Strandgäste noch dicht an dicht. Vor allem Familien mit Kindern. Doch je weiter man sich entfernt, desto leerer wird es. Nach einem halbstündigen Strandspaziergang wird es relativ einsam. Wasser und ein paar Snacks sollte man unbedingt mitnehmen.

Auch weiter im Nordosten der Insel liegen die Urlauber am Strand von Alcúdia wie in Sardinenbüchsen. Nur 15 Autominuten entfernt befindet sich die Halbinsel La Victoria, auf der man die zahlreichen Strände wesentlich entspannter genießen kann.

Vom gleichnamigen Kloster aus führt ein schattiger Wanderweg in 45 Minuten zur Bucht von Coll Baix. Die einsame, von Felsen umgebende Bucht erreicht man nur mit dem Boot oder eben zu Fuß. Zunächst verläuft der Pfad durch dichte Pinienwälder. Immer wieder öffnen sich tolle Ausblicke auf die Steilküste. Die letzten Meter hinab zur Bucht muss man ein wenig klettern. Aber der Weg lohnt sich. Unten wartet ein breiter Strand ohne Gedrängel.

Frank Mittelbach führt hier oft seine Gäste hin. Der gebürtige Rheinländer kennt jede Ecke auf der Insel. Seit 28 Jahren lebt der Wanderführer auf Mallorca, wo er jedes Jahr nicht nur Hunderte von Wandertouren organisiert, sondern auch ständig auf der Suche nach neuen, nicht überlaufenden Routen ist.

Ein genereller Tipp, um Urlaubermassen im Sommer zu vermeiden: „Versuchen Sie, den spanischen Tagesrhythmus und deren Esszeiten zu übernehmen“, sagt Mittelbach. „Gehen Sie wie die Mallorquiner erst am späten Nachmittag an den Strand. Dann sind nicht nur die Temperaturen viel angenehmer, sondern auch die meisten Pauschalurlauber weg, die ab 18.00 Uhr zum Hotelbüfett stürmen.“ 

Als Beweis zeigt er vom Parkplatz hinunter zur Platja de S'Illot. Es ist 17.00 Uhr. Der Strand befindet sich ganz in der Nähe vom touristischen Alcúdia. Doch tatsächlich brechen die meisten Touristen bereits auf, klappen die Sonnenschirme ein.

Spanischer Tagesablauf also. Aber was macht man den lieben langen Tag? Als Wanderführer schlägt Mittelbach für den heißen Sommer kurze Wanderungen in den Morgenstunden oder am späten Nachmittag vor. Steil führt etwa der Steinpfad hinauf zur Burgruine von Alaró. Während der eineinhalbstündigen Wanderung zwischen Pinien und Olivenhainen sieht man mehr Ziegen als Touristen - vor allem im August. 

Es gibt auch viele kaum überlaufende kurze Wanderrouten direkt an der Küste, wo eine frische Meeresbrise herrscht und Pinien Schatten spenden. Schräg gegenüber von Sant Elm zum Beispiel, wo im äußersten Südwesten zwei kleine Passagierboote Gäste zur vorgelagerten Insel La Dragonera bringen. Auf den drei möglichen Wanderwegen gibt es viel zu sehen: alte Wachtürme, Kanonen, Leuchttürme, zigtausende Eidechsen, riesige Falkenkolonien. Nur keine Touristenmassen.

Wer keine Lust auf Wandern hat, hat viele Alternativen im ruhigen Inselinneren. Im Orangental von Sóller kann man Zitrusfarmen besuchen oder alte Olivenmühlen entdecken. Ein sehenswertes Dorf ist Montuiri. Neben der kolossalen Kirche sitzen nur Einheimische auf der Terrasse der Dorfkneipe. Touristen? Fehlanzeige! Dabei müsste die nahe prähistorische Siedlung von Son Fornés doch Massen anzuziehen.

Im Hochsommer anderen Mallorca-Touristen über den Weg zu laufen, ist schwer zu vermeiden. Doch die Massen lassen sich meiden. Beispiel Wochenmärkte: „Alle Touristen fahren zum Mittwochsmarkt nach Sineu. Völlig überlaufen“, sagt Mittelbach. „Dabei gibt es in Alaró am Samstag und in Santa Maria del Camí am Sonntag zwei richtig große, sehr authentische Märkte, auf denen fast nur Mallorquiner einkaufen.“

Und warum muss es immer nur Palmas Altstadt mit der Kathedrale sein? Eine Alternative ist das ehemalige Fischerviertel Santa Catalina mit hippen Läden, alten Windmühlen und Mallorcas ältester Markthalle.

Auch die Inselregierung versucht, die Touristen besser über die ganze Insel zu verteilen. Sie fördert vor allem weniger touristische Regionen. In Gemeinden wie Manacor, Son Servera, Capdepera oder Artà sollen Angebote außerhalb der Hauptsaison geschaffen werden.

Die Inselregierung plant, den Kreuzfahrttourismus in Palma auf drei Schiffe pro Tag zu begrenzen und geht mit einer Reihe von Benimmregeln gegen die Alkoholexzesse vor, um damit das Image der Ferieninsel zu verbessern. So darf seit dem 1. April an der Schinkenstraße nur noch im Lokal und nicht mehr auf der Straße getrunken werden. Es drohen Strafen von bis zu 3000 Euro.

Ferienhausvermietungen wurde in vielen Regionen eingeschränkt. Die Zahl der Gästebetten soll um fast 30 Prozent sinken, indem man beispielsweise keine neuen Lizenzen vergibt, wenn ein Hotel schließt. Zudem geht die Landesregierung derzeit verstärkt gegen Portale wie Airbnb vor. Damit soll Wohnraum für Einheimische geschützt werden.

Im Juli 2016 wurde eine Touristensteuer eingeführt, die 2018 noch einmal verdoppelt wurde, um zahlreiche Projekte für einen nachhaltigen Tourismus zu finanzieren.

Die Regierung hat auch vom 15. Juni bis 15. September die Zufahrt zum Leuchtturm Cap Formentor für den privaten Autoverkehr gesperrt. Besucher werden nur noch mit öffentlichen Shuttle-Bussen befördert.

Generell sollen das hohe Verkehrsaufkommen und die touristischen Ströme im Sommer besser gesteuert werden. Hierfür wurde das Projekt Smart Island Mallorca ins Leben gerufen. „Wir erfassen gerade Daten über Strecken mit dem höchsten Verkehrsaufkommen, um die Infrastruktur hier zu verbessern. Digitale Verkehrsschilder werden Autofahrer demnächst gezielter auf Staus und mögliche Ausweichrouten hinweisen“, erklärt Josep Lluís Colom, Direktor für Modernisierung und Innovation der Regionalregierung.

So könnte Mallorca irgendwann die Probleme des Massentourismus zumindest eindämmen - wenn der nächste Besucherrekord ansteht. Bis dahin ist es gut, die ruhigen Orte der Insel zu kennen. 

Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/725033, www.spain.info).


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