Typisch kroatisch sind die Leuchttürme aus Stein - in einigen kann man auch übernachten. Typisch kroatisch sind die Leuchttürme aus Stein - in einigen kann man auch übernachten. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Anita Arneitz -
DAUN, 25.06.2020 - 15:45 Uhr
Touristik

Mehr als Badeurlaub: Sieben sehenswerte Orte in Kroatien

(dpa/tmn) - Kroatien war eines der ersten Länder in Europa, das in der Corona-Krise wieder um Urlauber warb. Das Kleinod an der Adria hat viel mehr zu bieten als Strand und Meer. Die Natur im Hinterland und an der Küste ist abwechslungsreich, die Massen lassen sich auf Abstand halten. Sieben Reisetipps.

Gorski kotar: Braunbären-Watching in den Bergen

Die Hochebene von Gorski kotar im Nordwesten Kroatiens ist eines der letzten Wildnis-Gebiete Europas. Bereits bei den Römern war die Region aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und außergewöhnlichen Heilkräuter als „hortus diabolicus“ bekannt, als Teufelsgarten.

In heutigen Zeiten haben hier Braunbären, Wölfe und Luchse ihre Ruhe, und das gerade einmal 15 Kilometer vom Meer entfernt. Damit das so bleibt, wird ein eher sanfter Tourismus ermöglicht. Im Schutzgebiet des Nationalparks Risnjak bleiben Urlauber am besten auf den Wegen. Oder sie folgen mit dem Mountainbike der Gorski kotar Bike Route.

An die 600 Bären streifen in der Bergregion herum - aber es ist unwahrscheinlich zufällig auf einen zu treffen. Um Braunbären zu sehen, braucht es Glück und Geduld. Fotografen aus der Region kennen gute Verstecke und legen sich mit Teleobjektiven auf die Lauer. Auch Nationalpark-Ranger organisieren Bärenbeobachtungen - wegen beschädigter Wege ist in diesem Jahr allerdings Pause.

Wer dennoch Bären sehen will, macht einen Abstecher ins weiter südlich gelegene Dorf Kuterevo. Tierfreunde haben dort eine Schutzstation für verwaiste Braunbärenkinder errichtet. Finanziert wird das Projekt mit Spenden und Einnahmen aus den Führungen.

Parenzana: Bahntrassen-Radeln durch das grüne Hinterland

Ein Abstecher ins Künstlerdorf Groznjan hat es in sich. Wo sich von 1902 bis 1935 die Schmalspurbahn Parenzana über die grünen Hügel des Hinterlandes zur Küste quälte, schnaufen heute die Radfahrer. Denn aus der alten Bahntrasse von Triest nach Porec, früher Parenzo genannt, wurde einer der schönsten Radwege Kroatiens. 78 Kilometer führen quer über die Halbinsel Istrien vorbei an mittelalterlichen Bergdörfern, toskanisch anmutenden Landschaften, rustikalen Konobas - das sind kleine Restaurants - und ehemaligen K.u.K.-Bahnhöfen.

Während Mussolini in Italien die Bauwerke der habsburgischen Ingenieure abreißen ließ, blieben diese auf dem kroatischen Teil der Strecke überwiegend erhalten. Auf Schotterwegen geht es an den Relikten vorbei durch Tunnel und über Viadukte und Brücken. Das macht den Reiz der Strecke aus. Den einstigen wirtschaftlichen Aufschwung hatte die Region der Schmalspurbahn zu verdanken. Deshalb ist der Parenzana in Livade ein eigenes Museum gewidmet.

Nationalpark Krka: Baden bei den Winnetou-Wasserfällen

Vom Lager der Apachen auf den See mit der Klosterinsel blicken, bei den Fischgründen der Osagen sitzen und wie Paloma im Film „Old Shatterhand“ beim Wasserfall schwimmen - im Nationalpark Krka, etwas mehr als eine Autostunde von Split oder Zadar entfernt, wurden ein paar der beliebten Winnetou-Filme gedreht. Wer will, kann im Nationalpark auf den Spuren von Karl Mays Geschichten wandeln oder einfach die Natur für sich sprechen lassen.

Für Dolby-Surround-Sound sorgt das Rauschen der Flüsse Krka und Cikola an vielen Stellen des Nationalparks. Ganz leise ist es beim Aussichtspunkt hoch über dem Wasserfall Roski slap, tosend laut wiederum beim Skradinski buk - der 45 Meter hohe Wasserfall mit 17 Kaskaden ist der Star unter den sieben Fällen des Parks.

Am Haupteingang des Nationalparks führt ein zweieinhalb Kilometer langer Rundweg auf Holzstegen bis zur Badestelle, wo im Sommer ein Sprung ins kühle Flusswasser erlaubt ist. Auf diesem Weg sind viele Touristen unterwegs. Die anderen Bereiche des Nationalparks sind zwar nicht so berühmt, aber ebenso abenteuerlich und mystisch.

Trüffelsuche im Mirnatal: Ein Eichenwald mit Geschmack

Ein Kilo der edlen weißen Wintertrüffel (tuber magnatum pico) ist ab rund 1000 Euro zu haben. Der Preis hat seine Gründe. Zum einen lässt sich diese Trüffelart nicht züchten, zum anderen wächst sie ausschließlich an zwei Orten auf der Welt - im Norden Italiens und in Kroatien. Der kroatische Trüffelsucher Giancarlo Zigante fand mit seiner Suchhündin Diana 1999 eine 1,31 Kilo schwere Knolle und schaffte damit den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. 2018 folgte ein schwarzer Sommertrüffel mit stattlichen 4,87 Kilo.

Solche herausragenden Exemplare erschnüffeln die sensiblen Hundenasen häufig rund um Motovun im beschaulichen Mirnatal. Der Wald des Städtchens ist einer der letzten drei mediterranen Auwälder Europas und steht unter Naturschutz. Wer selbst einmal sein Knollenglück versuchen möchte, darf die lizenzierten Trüffeljäger in den Wald begleiten. In den Trüffelmanufakturen können die Fundstücke dann verkostet und für Zuhause erworben werden. Denn die Trüffel sind etwas günstiger als ihr italienisches Pendant.

Promi-Insel Hvar: Ausflug ins verlassene Bergdorf

Im Hafen von Hvar reihen sich Luxusjachten aneinander, und Hollywoodstars flanieren durch die venezianisch geprägte Stadt mit ihrer mittelalterlichen Burg. Seit der Antike hat die dalmatische Insel eine strategische Bedeutung für die Seefahrer, was Macht und Reichtum brachte. Aber die Insel hat auch eine andere Seite. Etwa zwölf Kilometer von der Altstadt entfernt und zu Fuß erreichbar, liegt oberhalb der Bucht Milna das verlassene Bergdorf Malo Grablje.

Lange lebten die Familien dort in den Bergen vom Lavendel- und Weinanbau. Doch im 19. Jahrhundert vernichteten Feuer die Pflanzen und Schädlinge die Reben. Die Existenzgrundlage brach weg. 180 Menschen packten ihre Sachen und zogen an die Küste, wo mit Tourismus leichter Geld zu verdienen war. Steinhäuser, Kirche und Olivenölmühle sind verlassen. Treppen führen ins Nichts, Bäume wachsen aus Räumen empor. Ein Ort der Einkehr und Entschleunigung. 

Berti Tudor kam ins Haus seiner Familie zurück, als einziger der ehemaligen Bewohner des Dorfes. In seiner Konoba bewirtet der Teilzeit-Eremit hungrige Wanderer. Essen und Hauswein gibt es allerdings nur für jene, die ihren Besuch ankündigen und genügend Zeit mitbringen, um den alten Geschichten zu lauschen.

Via Adriatica: Fernwandern mit Meerblick

Bei Kroatien denken die meisten wohl ans Baden im Meer. Doch auch Wanderurlaub ist möglich. Zwar schafft es kein Berg über die 2000-Meter-Marke, aber das muss auch nicht sein. Es gibt genug felsige Pfade und abwechslungsreiche Gebirgslandschaften -  mit Ausblicken auf das Meer.

Genau darauf setzt der jüngste kroatische Fernwanderweg Via Adriatica, der von Istrien im Norden entlang der Küste bis ins Touristenzentrum Dubrovnik im Süden führt. Bis jetzt haben erst eine Handvoll Wanderer die gesamte Strecke von 1100 Kilometern beschritten. Wer ihnen folgen möchte, braucht 50 Tage Zeit für 14 Berge, neun Flüsse, zwei Seen und 18 Naturschutzgebiete. Mehr Kroatien geht kaum.

Die meisten Wanderer entscheiden sich für einzelne, kürzere Etappen mit einem ortskundigen Guide. Hütten gibt es unterwegs wenige. Daher empfiehlt es sich, die Verpflegung selbst mitzunehmen oder die Übernachtung in einem naheliegenden Dorf zu planen. Wer zwischendurch die Zivilisation vermisst, hat es einfach: Die Küste mit ihren Hotels und Restaurants ist vom Wanderweg nie weit entfernt.

Eine Nacht im Leuchtturm: Liebe, Turmwärter und verschollene Schätze

Kroatiens Küste misst mehr als 6000 Kilometer. Damit Segler und Fischer zwischen den Felsen und Riffen sogar bei Bora - ein tückischer, stürmischer Fallwind an der Adria - sicher in den Hafen finden, wurden schon früh zahlreiche Leuchttürme gebaut. Obwohl es mittlerweile moderne Navigationssatelliten gibt, geben die Signale den Seefahrern noch immer Orientierung. Typisch kroatisch sind die Leuchttürme aus Stein mit einem Häuschen für den Leuchtturmwärter.

Einige dieser Unterkünfte sind nach wie vor bewohnt, andere wurden zur Ferienwohnung umgebaut - zum Beispiel in Savudrija. Als eines der ältesten und nördlichsten Leuchtfeuer an der Adria ist dieser Turm nach wie vor in Betrieb. Während Urlauber am Strand liegen, kümmert sich der Leuchtturmwärter um die Technik und erzählt alte Legenden.

In Savudrija ließ Graf Metternich, Staatskanzler des ehemaligen österreichischen Kaisertums, 1818 den Turm für sich und ein kroatisches Fräulein bauen, in welches er sich beim Opernball in Wien verliebt hatte. Doch bevor der Leuchtturm fertig wurde, verstarb die Angebetete. Der Graf setzte nie einen Fuß in das Gebäude. Sein Geist soll dennoch umher spuken.

Auch von Goldschätzen ist zu hören. Der römische Kaiser Vespasian soll beim Leuchtturm Kap Verudica Goldmünzen vergraben haben. Und in den unterirdischen Gängen beim Leuchtturm auf Kap Crna Punta lagert angeblich ein Schatz. Entdeckt hat ihn bisher noch niemand. Macht nichts. Die Übernachtung in einem Leuchtturm an der kroatischen Adriaküste bleibt ein romantisches Erlebnis.

Info-Kasten: Urlaub in Kroatien

Corona-Bestimmungen: Kroatien erlaubt Bundesbürgern wieder die Einreise ohne Nachweis von Gründen. Reisende müssen an der Grenze lediglich erklären, wo sie sich aufhalten werden und wie sie erreichbar sind. Damit sollen sie gefunden werden können, wenn es in ihrer Umgebung neue Corona-Infektionen gibt. Um längere Wartezeiten zu vermeiden, können Urlauber schon vor der Einreise ein Formblatt auf der Webseite entercroatia.mup.hr ausfüllen.

Übernachtung: Neben zahlreichen Hotels an der Küste gibt es in den ländlichen Dörfern Agrotourismus-Betriebe und Ferienhäuser.

Geld: Kroatien ist EU-Mitglied, hat aber keinen Euro. 1 kroatische Kuna entspricht etwa 0,13 Euro. Geld abheben ist mit Kreditkarte bei ATM-Maschinen in jedem größeren Ort möglich, genau wie bargeldloses Bezahlen in Hotels und Restaurants.

Informationen: Kroatische Zentrale für Tourismus - Frankfurt, Stephanstraße 13, 60313 Frankfurt/Main (Tel.: 069/23 85 350, E-Mail: info@visitkroatien.de, https://croatia.hr/de-DE).

Von Anita Arneitz, dpa


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