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DAUN, 14.03.2019 - 16:32 Uhr
Touristik

Mehr als schöne Blumen - Die Bundesgartenschau als Zukunftsvision

(dpa/tmn) - Fabrikbauten, Bahngleise und eine rumorende Bundesstraße umschließen das Gelände - die Bundesgartenschau (Buga) gibt sich 2019 nicht gerade als entrücktes Idyll. Sie zieht mitten hinein in die Industriestadt Heilbronn. Es ist der passende Rahmen für eine Bundesgartenschau, die Neuland betreten wird. Zum ersten Mal in der 68-jährigen Geschichte werden Hunderte Menschen auf dem Areal leben. Stadtausstellung heißt das Konzept.

In die Höhe ragen dort 22 Wohngebäude, unter ihnen das mit zehn Geschossen höchste Holzhaus Deutschlands. 1500 Kubikmeter Fichtenholz aus Bayern und Österreich wurden dafür verbaut. Obwohl zum Teil schon bewohnt, können die Buga-Besucher die Häuser erkunden und innovative Architektur erleben.

Unter der Erde schlummern aber auch eine Million Blumenzwiebeln. „Wir bleiben unseren Wurzeln treu. Das Hauptthema ist der Garten“, sagt Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas. Tulpen in allen Variationen, Narzissen, Traubenhyazinthen, Allium, Kaiserkronen und Prärielilien warten darauf, in den kommenden Wochen zu sprießen. Faas verspricht ein farbenfrohes Spektakel: „Die Stauden und Rosen haben im letzten Jahr schon geblüht und waren absolut top.“

Die Kulisse für die wechselnden Blumenschauen bildet eine alte Zughalle, der sogenannte Fruchtschuppen. Wo früher Güter verladen wurden, zeigen bald Floristen und Produktionsgärtner ihr Können. Unter freiem Himmel gibt es auf dem mit rund 40 Hektar eher kleinen Gelände Ungewohntes zu entdecken: Ein Pilzgärtner stellt Züchtungen vor. „Die sind alle essbar, aber im Laden findet man vielleicht nur zwei oder drei davon“, so Faas. Dem emsigen Treiben eines Bienenvolkes sollen die Besucher mit Kopfhörern lauschen können.

Die Heilbronner Landschaft wird von Weinhängen charakteristisch geformt. Schier endlos reihen sie sich den Neckar entlang. Auf den nährstoffreichen Muschelkalkböden gedeihen die traditionellen Rebsorten Trollinger und Lemberger, wie Winzer Martin Heinrich erklärt. Das Weingut G.A. Heinrich bewirtschaften mittlerweile dessen Söhne - es liegt abseits des Flusses im Osten Heilbronns. „Zu unseren Spezialitäten gehören Lemberger und Spätburgunder, die bei uns vom tiefgründigen Keuperboden geprägt werden.“ So entstehen gehaltvolle Rotweine „mit viel Tiefgang und Nachdruck“.

Martin Heinrich und andere Wengerter - so werden die Weinbauern in der Region genannt - sind mit einem Pavillon auf der Buga vertreten. Sie bieten dort Weinverkostungen und kultivieren Reben.

Abseits der Gartenschau lasse sich Weinbau am besten auf Radtouren am Neckar oder auf dem Weinpanoramaweg erleben, meint Steffen Schoch, Geschäftsführer von Heilbronn Marketing. „Viele fahren in die Pfalz, an die Mosel, für Gastronomie, Genuss und Urlaub. Der Weinanbau hier war bisher eher industriell geprägt und nicht touristisch“, erzählt er. „Das ändert sich gerade.“

Das berühmteste Aushängeschild der Stadt wird sich für die Buga natürlich in Schale werfen: „Das Käthchen von Heilbronn“, die literarische Schöpfung Heinrich von Kleists, bekommt ein maßgeschneidertes Sommerkleid. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten am 17. April zeigen sich vier junge Frauen zum ersten Mal im luftigen Kreppsatin. Die Käthchen werden Führungen durch Heilbronn geben an bekannte Orte des Ritterschauspiels.

Im Mittelalter gelangte die Stadt durch den Neckar zu wirtschaftlicher Blüte. Heilbronn profitierte über Jahrhunderte davon, Endpunkt der Neckarschifffahrt zu sein. Heute ist der Fluss nicht nur Transportweg, sondern für Erholungssuchende wie Wassersportler Zufluchtsort inmitten der Stadt. Für die Buga wurden Teile des Ufers zugänglich gemacht.

„Das Thema Wasser spielt eine zentrale Rolle“, erklärt Faas. Auch in Hinblick auf den Klimawandel. Mitten auf dem Gelände wurden zwei Seen angelegt. Statt Oberflächenwasser über die Kanalisation abzuleiten, wird es in ihnen gesammelt und gereinigt. Zugleich bildet eines der Becken die Bühne für eine spektakuläre Wassershow: 160 Fontänen werden bis zu 40 Meter hoch in den Abendhimmel schießen, auf riesigen Wasserleinwänden zeichnen Laser fantasievolle Bilder in die Luft.

Auf dem ehemaligen Hafengelände wachsen 1700 eigens gepflanzte Pappeln heran, um Schatten für die Gartenschaubesucher zu spenden. Bäume gab es dort zuvor so gut wie keine. Dem Areal direkt am Hauptbahnhof haftete eher der Ruf eines schmuddeligen Hinterhofs an. Das hat sich zur Buga geändert: 300 Tonnen Schrott wurden aus dem Boden geholt, auch 13 Tonnen Kampfmittel mussten entsorgt werden.

Heilbronn war bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg beinahe dem Erdboden gleichgemacht worden. Die komplette Altstadt lag 1945 in Trümmern. Heute zählt die Stadt mehr als 120 000 Einwohner. Für 3500 Menschen soll es in einigen Jahren auf dem Buga-Gelände neuen Wohnraum geben. Schließt die Gartenschau im Oktober ihre Pforten, soll dort ein lebendiges Wohnquartier wachsen. Den Ausgangspunkt markieren die innovativen Konstruktionen der Stadtausstellung, die schon jetzt stehen.

Info-Kasten: Die Bundesgartenschau in Heilbronn

Reiseziel: Heilbronn liegt in Baden-Württemberg etwa 50 Kilometer nördlich von Stuttgart und wird vom Fluss Neckar durchquert.

Bundesgartenschau: Die Buga 2019 wird am 17. April eröffnet und geht bis zum 6. Oktober. Erwachsene zahlen 23 Euro Eintritt, junge Erwachsene bis 25 Jahre 8 Euro. Kinder bis 15 Jahre dürfen kostenlos hinein. Die Dauerkarte kostet 110 Euro fu?r Erwachsene, 50 Euro fu?r junge Erwachsene. Zur Buga sind rund 5000 Veranstaltungen geplant, darunter Konzerte, Theater, Lesungen und Tanz. Sie sind in der Tageskarte inklusive. Kurz vor der Buga eröffnet auf rund 25 000 Quadratmetern die Wissens- und Erlebniswelt. Für vier Euro können Buga-Besucher dort im Science Dome ein speziell konzipiertes Programm sehen.

Anreise: Mit dem Auto gelangt man u?ber die A6 oder A81 nach Heilbronn. Wer mit der Bahn kommt, läuft vom Hauptbahnhof zu Fuß rund 800 Meter oder fährt mit Stadtbahn/Stadtbus eine Station.

Informationen: www.buga2019.de


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