Ein Himmel, der Lust auf Urlaub macht: Inselidylle auf Nantucket. Ein Himmel, der Lust auf Urlaub macht: Inselidylle auf Nantucket. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Verena Wolff -
DAUN, 27.05.2021 - 10:04 Uhr
Touristik

Promis und Walfänger: Cape Cod, Martha's Vineyard, Nantucket

(dpa/tmn) - Nantucket, Martha's Vineyard, Cape Cod: Das sind die Inseln an der Küste vor Massachusetts, die viele Amerikaner in Verzückung bringen. Hier leben die Reichen und Schönen.

Zumindest haben sie ein Häuschen auf einer der Inseln, die von Boston aus in rund zwei Stunden zu erreichen sind. Es sei denn, es ist Hochsommer. Wenn dann die Städter Richtung Meer fliehen, kann der Stau an der Sagamore Bridge nach Cape Cod um ein Vielfaches länger dauern. Nur diese eine Straße führt auf die Inseln, die ein beliebtes Ziel für Menschen mit dem nötigen Kleingeld sind.

Ankunft der ersten Siedler

Cape Cod, die Halbinsel, die in den Atlantik reicht, und die beiden Inseln Nantucket und Martha's Vineyard sind nicht nur hübsche Touristenziele. Sie haben auch eine bewegte Vergangenheit, die bis zur Ankunft der Pilgerväter zurückreicht. Das war im Jahr 1620, in Provincetown an der Nordspitze Cape Cods.

„Hier legte die „Mayflower“ zum ersten Mal an, und von Cape Cod aus fanden die Briten um William Bradford schließlich Plymouth auf dem Festland, wo sie die erste Siedlung gründeten“, berichtet Stacy Stuart von der Nantucket Historical Association.

Als die ersten Spannungen in Plymouth auftraten, gingen einige der Siedler wieder zurück nach Nantucket. Dort stießen sie auf Ureinwohner, die seit Tausenden Jahren auf der nahezu baumlosen Insel lebten. Die Indigenen hatten eine Fertigkeit, die sich die Engländer abschauten: Sie jagten sehr erfolgreich Wale. Und die waren begehrt. Mit dem Walöl wurden Kerzen hergestellt und Öllampen gefüllt.

Eine extrem gefährliche Arbeit

In den 1750er Jahren wurde Nantucket zur Hauptstadt der Walfänger, ein zweites Mal zwischen 1815 bis 1850. Doch die Walfänger jagten nicht vor der Küste von Massachusetts, sondern fuhren um die halbe Welt, um die großen Meeressäuger zu fangen. Sie hatten es auf Pottwale abgesehen, aus ihnen ließ sich das meiste Öl gewinnen.

„Die Menschen hatten ein gutes Auskommen, aber sie hatten auch einen gefährlichen Job“, sagt der Einheimische Buddy Vanderhoop, der von Martha's Vineyard aus selbst zur See fährt. Er gehört zum Stamm der Wampanoag und weiß, wovon er redet. Sämtliche seiner Vorfahren haben Wale gefangen. „Unsere Leute waren die besten, jedes Walboot wollte Wampanoag an Bord haben“, sagt Vanderhoop.

Im Whaling Museum in Nantucket ist ein altes Ruderboot ausgestellt, mit dem die Walfänger die Tiere auf offener See jagten. Darüber hängt auch das Skelett eines Pottwals, das deutlich größer und länger ist als das Boot. „Das war ein extrem gefährlicher Job, aber er war auch extrem gut bezahlt“, sagt Buddy Vanderhoop.

Schon als kleinen Jungen packte ihn das Angelfieber. Mit der Rute des Vaters ging er an den Strand, was dieser ihm streng verboten hatte. „Grund genug für mich, gleich loszuziehen“, erzählt Vanderhoop. Gleich am ersten Tag fing er einen dicken Fisch. „So um die zehn Kilo wird der gewogen haben.“ Diesen Erfolg wollte er wieder und wieder erleben. Als Jugendlicher heuerte er auf einem Schwertfischer-Boot an, wurde schnell geübt ihm Umgang mit der Harpune.

Wochenlang war Vanderhoop im Nordatlantik unterwegs. Irgendwann wurde er sein eigener Kapitän und fischte weiterhin für den Verkauf. Aber er blieb Martha's Vineyard nicht mehr so lange fern.

Heute unternimmt der Seefahrer überwiegend Tagestouren. Vorbei an No Man's Land geht es, einer kleinen Insel, die früher für Bombentests des amerikanischen Militärs genutzt wurde. Vanderhoop kennt die besten Stellen, um Barsche, Thunfische und andere schmackhafte und große Fische zu fangen. Er weiß auch, wo man Buckel- und Minkwale sehen kann. Auch Haie und Delfine leben vor der Küste.

Nicht selten sind Prominente zu Gast an Bord. Musiker, Schauspieler, Politiker. Buddy Vanderhoop macht kein großes Aufheben darum. „Auf See sind alle gleich“, sagt er. Die Promis schätzen das.

Wo Tom Hanks aus der Buchhandlung spaziert

Auf Martha's Vineyard laufen die Berühmtheiten ungeschminkt und mit Baseballcap durch die Gegend. Viele erkenne man nicht einmal, sagt Nancy Gardella, die die Handelskammer auf der Insel leitet. Sie selbst habe sich schon mit Tom Hanks unterhalten, als dieser mit einem Kind auf dem Arm aus einer Buchhandlung kam. „Die ganze Zeit dachte ich, dass er mir bekannt vorkommt“, sagt sie. Erst, als sie die Buchhändlerin fragte, ob sie den Schauspieler näher kenne, kam die Erleuchtung. „Da bin ich fast in Ohnmacht gefallen.“

Martha's Vineyard, Nantucket und Cape Cod sind Hotspots für den Sommerurlaub. Saison ist zwischen Memorial Day im Mai und Herbst. Das hängt ein wenig vom Wetter ab. Mancher Urlauber kommt dann nur auf einer Tagestour von Boston rüber. Auch Promi-Spotter, die unbedingt Stars sehen wollen, sind darunter. Andere, zumeist deutlich wohlhabendere Gäste verbringen Wochen auf den Inseln.

Besonders schön allerdings ist die ruhigere Zeit, in der die Amerikaner keine Ferien haben: Frühjahr und Herbst. Die Temperaturen sind noch nicht allzu hoch, die Einheimischen haben Zeit. Für einen Kaffee hier und ein Schwätzchen dort. Fast vergisst man, Tourist zu sein. Und gibt sich der Illusion hin, selbst an diesem Ort zu leben.

Info-Kasten: Cape Cod, Martha's Vineyard, Nantucket

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Boston. Weiter mit dem Mietwagen nach Cape Cod. Martha's Vineyard und Nantucket sind mit der Fähre oder von Boston aus mit dem Flugzeug erreichbar. Die meisten Fähren legen in Hyannis Port ab. Dort gibt es den „Steamer“, eine Autofähre, und die Hyline-Katamarane, die nur Fußgänger mitnehmen.

Übernachtung: Viele Amerikaner haben ein Ferienhaus auf den Inseln. Hotels und Bed & Breakfasts gibt es trotzdem ausreichend. Wer während der amerikanischen Sommerferien auf die Inseln reist, sollte jedoch zeitig eine Unterkunft reservieren.

Einreise und Corona-Lage: Deutsche Urlauber brauchen kein Visum für die USA, müssen unter https://esta.cbp.dhs.gov aber eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen. Derzeit sind touristische Einreisen in die USA aufgrund der Pandemie nicht möglich. Die Infektionszahlen sind rückläufig, allerdings sind die USA weiter Corona-Risikogebiet. Entsprechend gibt es eine Reisewarnung.

Informationen: Massachusetts Office of Travel and Tourism, c/o Get It Across GmbH & Co. KG, Neumarkt 33, 50667 Köln (www.massvacation.de).

Von Verena Wolff, dpa


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