Beim Anblick solch eines Sonnenuntergangs versteht man die Anziehungskraft der Nordsee. Beim Anblick solch eines Sonnenuntergangs versteht man die Anziehungskraft der Nordsee. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Dörthe Nohrden -
DAUN, 22.06.2022 - 12:48 Uhr
Touristik

St. Peter-Ording: Strandparadies zwischen Wald und Wattenmeer

(dpa/tmn) - Wer sich über die lang gestreckte Seebrücke zur Nordsee aufmacht, steht bald in einer schier endlosen Weite - nichts als Meer, Sand und Seeluft im Takt der Gezeiten. Über zwölf Kilometer erstreckt sich der feine Sandstrand von Nord nach Süd. Bis zu zwei Kilometer ist er breit.

Dieser Strand hat St. Peter-Ording berühmt gemacht. Er zählt - wie das gesamte deutsche Wattenmeer - zum Unesco-Weltnaturerbe. Barfüßler genießen ausgedehnte Spaziergänge entlang der Brandung, Wasserratten stürzen sich in die Fluten, Erholungssuchende lieben die Auszeit im Strandkorb. Doch der Kurort an der Nordseeküste im Westen der Halbinsel Eiderstedt hält mehr als Strandleben bereit.

Über den Dingen schweben

Bäckermeister Max Ranft errichtete 1911 den ersten der charakteristischen Pfahlbauten am Strand von St. Peter-Ording. Er nannte ihn „Giftbude“, was dem Plattdeutschen im Sinne von „dor gift dat wat“ entlehnt ist („Dort gibt es was“). Und was gab es dort? Butterkuchen und Schnaps - die erste Strandbar war geboren.

Längst sind die Pfahlbauten ein Wahrzeichen der Gemeinde. Von Nord bis Süd streben fünf Restaurants auf mächtigen Lärchenpfählen bis zu sieben Meter gen Himmel. Man speist, während man quasi über dem Strand schwebt. Hinzu gesellen sich die Pfahlbauten der Badeaufsichten sowie die Toilettenhäuschen.

Insgesamt 13 hölzerne Stelzenbauten zieren die fünf bewachten Strandabschnitte. An diesen nagen nicht nur Stürme und Gezeiten. Jahr für Jahr rückt die Nordsee acht bis zehn Meter den Strand hinauf. Die Strandbar 54° Nord hat mittlerweile „nasse Füße“ und wird im kommenden Jahr 230 Meter landeinwärts versetzt.

Vier Mal Vielfalt - die Ortsteile Ording, Bad, Dorf und Böhl

St. Peter-Ording hat vier Ortsteile mit je ganz eigenem Flair. Das Eldorado für Wassersportfans ist der Ordinger Strand im Norden. Hier wirbeln Kite-Surfer durch die Lüfte, balancieren Stand-Up-Paddler auf dem Meer und geben sich Surfer heranrauschenden Wellen hin. Am großen Strandparkplatz stehen zahllose Vans und Campingmobile.

Der Ortsteil Bad bildet das quirlige Herz des Orts. Auf der 1095 Meter langen Seebrücke pilgern Urlauber entlang Salzwiesen Richtung Strand. In Bad finden sich zahlreiche Hotels, die Dünen-Therme und die Erlebnis-Promenade für Familien und Fitnessfans.

Weiter südlich locken im Ortsteil Dorf Boutiquen, Restaurants und Cafés. Rund um die namensgebende Kirche St. Peter drapiert sich der historische Ortskern. Spannende Einblicke in die Vergangenheit der Region zeigt das Museum Landschaft Eiderstedt. Tierisch ist der Besuch des Westküstenparks und Robbariums.

Am südlichsten, meist ruhigeren Strandabschnitt Böhl galoppieren Reiterinnen und Reiter auf ihren Pferden gerne dem Sonnenuntergang entgegen, während der Böhler Leuchtturm die ersten Sichtzeichen aufs Meer hinausschickt. Wer diese Szenerie aus luftigen Höhen genießen möchte, kehrt ins jüngst eröffnete Pfahlbau-Restaurant Salt and Silver ein.

Schwefelquelle und „reizendes“ Klima

Die Verbindung aus Sonne, Wind und Salz schafft das nordseetypische Reizklima. Es weckt die Lebensgeister, Haut und Atemwege profitieren. Besonders heilsam sollen sich die salz- und iodhaltigen Aerosole in der direkten Brandungszone der See auf den Körper auswirken.

St. Peter-Ording darf sich als einziges Nordseeheilbad auch als Schwefelbad bezeichnen. Entdeckt wurde die Schwefelsolequelle 1957 unter der heutigen Dünen-Therme.

Sanfte Erholung im Küstendünenwald

Ein manchmal übersehener Schatz St. Peter-Ordings ist der bewaldete Küstendünengürtel. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich östlich des Seedeiches über mehrere Kilometer entlang der Ortschaft.

Um Sandverwehungen vorzubeugen, pflanzte man bereits vor gut 150 Jahren Berg- und Schwarzkiefern, später Tannen und Fichten an, die trotz rauer Bedingungen gut gediehen und heute einen artenreichen Dünenwald formen.

Besonders schön ist ein Spaziergang in den stillen, frühen Morgenstunden, wenn Frühnebel und sanfte Sonnenfäden das Gehölz durchziehen. Der Höhepunkt: die Aussichtsdüne Maleens Knoll. Sind die Stufen der hölzernen Plattform erklommen, reicht der Blick über Dünen und Wald, Salzwiesen und Strand bis hinaus zum anbrandenden Meer.

Informationen: St. Peter-Ording

Anreise: St. Peter-Ording ist mit der Bahn (über Husum) gut erreichbar. Es fahren stündlich Regionalbahnen.

Tipp: Um St. Peter-Ording zu erkunden, lohnt ein Leihfahrrad. Damit lassen sich auch Touren auf der Halbinsel Eiderstedt unternehmen. Ein legendäres Ziel der Gegend ist nach rund 15 Kilometern erreicht: der rot-weiß gestreifte Leuchtturm Westerhever, deutschlandweit bekannt aus TV-Spots einer größeren norddeutschen Biermarke und das Wahrzeichen der Halbinsel.

Übernachtungen: Unter den insgesamt 16 000 Betten St. Peter-Ordings (2019 wurden 2,6 Millionen Übernachtungen gezählt) können Urlauber zwischen einer Vielzahl unterschiedlicher Unterkünfte wählen. Von Zimmern zahlreicher Privatpensionen über Ferienwohnungen bis zu mondänen Hotels. Darüber hinaus stehen Campingurlaubern und Wohnmobilisten mehrere Camping- und Stellplätze zur Wahl.

Informationen: Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording, Maleens Knoll 2, 25826 St. Peter-Ording (Tel.: 04863/ 9990; E-Mail: info@tz-spo.de; Website: www.st-peter-ording.de)

Von Dörte Nohrden, dpa

 


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