mposantes Farbenspiel: der Kratersee des Ijen im Morgengrauen. mposantes Farbenspiel: der Kratersee des Ijen im Morgengrauen. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Philipp Laage -
DAUN, 04.02.2021 - 09:30 Uhr
Touristik

Von Java nach Komodo: Einsteiger-Rundreise durch Indonesien

(dpa/tmn) - Ein Monat Indonesien - das klingt nach jeder Menge Zeit und einem entspannten Reisemodus, um paradiesische Buchten, spektakuläre Vulkane und uralte Tempel zu sehen.

Von wegen.

Das Land in Südostasien besteht aus mehr als 17 500 Inseln, allein Sumatra ist größer als Deutschland. In vier Wochen kann man nur einen ganz kleinen Teil sehen und muss sich auf wenige Regionen beschränken, will man nicht dauernd in Bus, Bahn oder Flieger sitzen und vom Stress überwältigt werden. Allein für An- und Abreise und einen Stopover zum Beispiel in Singapur gehen schon drei Tage drauf.

Für Einsteiger empfiehlt sich die klassische und abwechslungsreiche Rundreise von Jakarta über Java nach Bali und von dort weiter nach Lombok - oder stattdessen in den Komodo-Nationalpark. Die hier vorgestellte Route ist aber nur eine von unzähligen Möglichkeiten und lässt sich natürlich beliebig ausbauen, verkürzen oder abändern.

Mit dem Zug über Java tuckern

Nach einhelliger Meinung von Indonesien-Kennern ist die Zugreise immer noch die schönste Art und Weise, Java zu entdecken. In mehreren Tagen - je nach Zeit und Laune - geht es dabei entspannt von West nach Ost über die am dichtesten besiedelte Insel Indonesiens.

Die Hauptstadt Jakarta - ein gigantischer Moloch - lassen die meisten Reisenden schnell hinter sich. Tipp: das Hotel für die erste Nacht in der Nähe eines Fernbahnhofs (zum Beispiel Gambir) buchen. Das Zugticket wird am besten mit ein wenig Vorlauf online gekauft und an der Station ausgedruckt. Auswahl besteht zwischen drei Klassen, die günstigste (Ekonomi) fehlt auf manchen schnelleren Verbindungen.

Erstes gesetztes Ziel auf der Reise nach Osten ist Yogyakarta, kurz „Jogja“. Die Stadt ist Javas kulturelles Zentrum und hat mehrere historisch bedeutsame Orte zu bieten, etwa den Sultanspalast. Wer ein hochwertiges Souvenir sucht, wird in den Antiquitätenläden rund um die Prawirotaman-Straße glücklich, wo sich zudem zahlreiche Boutique-Hotels, Kaffeebars und stylische Restaurants finden.

Ein Sonnenaufgang, der die Sinne berührt

Ist die erste Reiserschöpfung überstanden, lohnt sich schon wieder frühes Aufstehen. Außerhalb von Yogyakarta wartet ein wahrer Augenöffner: die Tempelanlage von Borobudur, ein kolossaler Stupa mit dem Grundriss eines Mandalas, das größte buddhistische Bauwerk der Welt. Am schönsten ist die Stimmung beim Anbruch des Tages, auch wenn man sich den Ausblick meist mit Dutzenden anderen Touristen teilt.

Die Tour lässt sich in fast jedem Hostel in „Jogja“ buchen. Zu nachtschlafender Zeit beginnt die Fahrt, so dass man vor den Busreisegruppen an der Tempelanlage eintrifft. Während die Sonne hinter dem Gunung Merapi aufgeht und der Dunst aus den Reisfeldern steigt, singen die Muezzine - auf Java leben vorwiegend Muslime. Ist es dann hell geworden, bestaunt man die kunstvollen Reliefs.

Rauchende Krater und blaues Feuer in der Nacht

Vulkane faszinieren und flößen Furcht ein, sind zugleich akute Bedrohung und beliebte Ausflugsziele. Indonesien, gelegen auf dem Pazifischen Feuerring, hat gerade auf Java einige besonders heiße Exemplare anzubieten. Schade wäre es, sie alle links liegen zu lassen, zumal die Besichtigungstouren bestens organisiert sind.  

Als Muss gilt der Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru mit seinem riesigen Vulkankessel und gleich mehreren Kratern. Dafür geht es mit dem Zug nonstop von Yogyakarta nach Probolingoo, auch wenn entlang der Strecke natürlich Zwischenziele liegen - siehe Reiseführer.

Wieder kommt der Schlaf zu kurz, wieder lohnt es sich. In der Nacht starten die Touren in der Stadt mit Abholung im Hotel und bringen die Gäste zu einem Parkplatz im Nationalpark. Von dort geht es zu Fuß mit einer Stirnlampe unter einem funkelnden Sternenhimmel vorsichtig auf den King Kong Hill, zum wahrscheinlich besten Aussichtspunkt.  

Der Blick auf Gunung Bromo und Semeru während des Sonnenaufgangs ist buchstäblich malerisch schön. Besonders dramatisch wird es, wenn die ersten Wolken in den Kessel kriechen, unter einem blauen Himmel. Unten lässt sich später auf dem Kraterrand des Bromo spazieren, während der Rauch aus dem Schlund des Vulkans aufsteigt.

Noch spektakulärer ist ein nächtlicher Ausflug zum Vulkan Ijen im Osten Javas - er führt bis auf den Grund des Kraters. Dort schießen sich entzündende Schwefelgase in teils meterhohen blauen Flammen aus dem Vulkangestein. Weil die Gase derart beißen, tragen die Touristen Schutzmasken auf dem Gesicht, während einheimische Arbeiter die Schwefelbrocken in Schwerstarbeit vom Berg holen - ohne Maske. Der türkisfarbene See im Innern des Ijen kommt mit dem ersten Licht des Tages am besten vom Kraterrand des Vulkans zur Geltung.

Überfahrt auf die Insel der Götter

Mit dem kräfteraubenden Vulkanausflug zum Ijen endet die Zugreise in der Küstenstadt Banyuwangi. Nach den Strapazen der bisherigen Reise wartet nun Bali, wo man es einige Tage so ruhig angehen kann, wie man möchte. Die Fähre legt ab, und man lässt Java und die erste Woche Indonesien hinter sich.

Auf Bali kann man natürlich ebenso gut eine Woche wie einen Monat verbringen. Genug zu sehen gibt es allemal, und die Community der internationalen Reisenden und Teilzeit-Aussteiger ist groß. Die Freundlichkeit der Balinesen, der verspielte Charme der Insel, der sich in den kunstvollen Haustempeln seiner hinduistischen Einwohner zeigt, und die ausgezeichnete Infrastruktur machen es leicht, hier länger als geplant zu bleiben und die Tage zu vergessen.

Während im Süden in Kuta vor allem die Strände zum Surfen locken, quartieren sich viele Globetrotter besonders gerne in Ubud ein, einer kleinen Stadt im Hinterland, in der Hipster auf Hippies und Hedonisten auf kulturbeflissene Ausflügler treffen. Vegane Restaurants, Smoothie-Cafés und jede Menge Geschäfte machen Ubud zu einer Touristenhochburg, allerdings der angenehmen Sorte.

Wer die Sehenswürdigkeiten der Insel erkunden will, mietet sich einen Roller oder nutzt die beliebte Taxi-App Grab. Und wer bislang eher mit schmalem Budget unterwegs war, gönnt sich vielleicht eine höherwertige Unterkunft, zum Beispiel mit einem kleinen Privatpool.

Zu Balis frequentierten Attraktionen gehören die Tempel Gunung Kawi und Pura Tirta Empul - es gibt aber natürlich noch viele weitere sehenswerte. Gleiches gilt für das Bergdorf Munduk als Startpunkt für ausgedehnte Wanderungen, die Reisterrassen von Jatiluwih und der Affenwald von Sangbeh. In Ubud lohnen sich die balinesischen Tanzaufführungen. Taucher finden schöne Plätze im Norden.

Was Bali angeblich einmal war und mittlerweile geworden ist, darüber ließe sich lange diskutieren. Fest steht: Auf einer Rundreise kann die Insel der perfekte Ort zum Runterkommen sein. Und für viele Besucher ist Bali wohl einfach auch eine Must-See-Destination, wo man einmal gewesen sein möchte - und das auch zeigen mag. Organisierte Touren führen nicht umsonst zu den tollsten Instagram-Spots, darunter das tausendfach geteilte „Tor des Himmels“ in Lempuyang. 

Weiter nach Lombok oder Wildnis pur?

Nach den Klassikern Java und Bali haben Reisende die Wahl: Weiter zur Nachbarinsel Lombok, die mit dem imposanten Vulkan Rinjani lockt? Auf die vorgelagerten Gili-Inseln, wo Backpacker relaxte Tage am Strand in einfachen Hütten verbringen und im Grunde nicht viel passiert? Oder mit einem Inlandsflug von Denpasar nach Kalimantan (Borneo), um dort einen Trip zu den Orang-Utans im Regenwald zu unternehmen?

Alles gut machbar, alles sehenswert. Doch statt für Affen kann man sich auch für Echsen entscheiden - und was für welche! Von der Insel Flores aus starten Bootstouren in den Komodo-Nationalpark mit seinen berühmten, durchaus Angst einflößenden Komodo-Waranen.

Dafür fliegt man von Bali in einer Stunde nach Labuan Bajo, einer übersichtlichen Hafenstadt mit einem abendlichen Fischmarkt am Wasser. Örtliche Reiseveranstalter bieten Touren in den Nationalpark von unterschiedlicher Länge an, unkompliziert buchbar per Whatsapp nach einer kurzen Recherche im Internet und mit Abholung direkt im Hotel. Die Unterbringung auf den Schiffen ist oft spartanisch, aber die Erlebnisse auf und zwischen den Inseln entschädigen für alles.

Echsen und Rochen der Superlative

So bekommen Reisende die urzeitlich anmutenden Riesenechsen zu Gesicht, denen man besser nicht zu nahe kommt. Die Tiere leben auf den Inseln Rinca und Komodo, letztere soll künftig zu einer Premiumdestination mit entsprechend hohem Eintrittsgeld ausgebaut werden. Im Nationalpark liegen aber auch grandiose Tauchspots - darauf spezialisierte Ausflüge lassen sich in Labuan Bajo buchen.

Wer nicht so tief hinabtauchen mag, geht zumindest schnorcheln. Absoluter Höhepunkt ist hier der Manta Point mitten im Meer zwischen zwei Inseln. Die größten Rochen der Erde gleiten dort nur wenige Meter unter dem eigenen Körper durchs Wasser, scheinbar langsam, doch man kommt ihnen schwimmend nicht hinterher. Oder man planscht einfach ein bisschen am Pink Beach im tropischen Meer. Der Sandstrand hat durch die Ablagerungen tatsächlich eine leicht pinke Farbe.

Nach einem Monat Insel-Hopping geht es zurück in die Heimat - in dem Wissen, wahnsinnig viel erlebt, aber noch mehr nicht gesehen haben. Indonesien lohnt sicherlich eine zweite Reise. Mindestens. 

Info-Kasten: Rundreise in Indonesien

Klima und Reisezeit: Indonesien liegt in den Tropen, das Klima ist entsprechend ganzjährig warm, aber keineswegs einheitlich. Die Regenzeiten können sich stets leicht verschieben. Als Hochsaison gelten die Monate Juni bis September sowie Dezember und Januar.

Anreise und Formalitäten: Flüge nach Jakarta gibt es in der Regel mit einem Zwischenstopp zum Beispiel in Bangkok oder Singapur. Für die Einreise brauchen deutsche Staatsbürger einen Reisepass, der bei der Ankunft noch mindestens sechs Monate gültig ist.

Transport: In Indonesien gibt es ein gut ausgebautes Netz an Inlandsflugverbindungen, so dass Reisende relativ einfach mehrere Inseln in kurzer Zeit verbinden können. Zwischen Drehkreuzen wie Bali und Jakarta verkehren mehrere Maschinen täglich. 

Geld: Die Währung ist die Indonesische Rupiah (IDR). 1 Euro entsprechen etwa 17 000 IDR (Januar 2021). Bargeld bekommen Reisende bei Banken, per Kreditkarte an Bankautomaten und in manchen Hotels.

Gesundheit: Für die Inseln Java und Bali ist keine Malaria-Prophylaxe mit Tabletten nötig, auf Flores und im Komodo-Nationalpark kann dies unter Umständen angezeigt sein. Empfohlene Impfungen: mindestens Tetanus, Diphtherie und Polio sowie Hepatitis A.

Corona-Lage: Indonesien lässt derzeit keine Ausländer einreisen. Das Land ist von der Pandemie stark betroffen, vor allem im Großraum Jakarta, es besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. 

Informationen: Visit Indonesia Tourism, Hanauer Landstraße 184, 60314 Frankfurt/Main (Tel.: 069/175 37 10 38, www.indonesia.travel).

Von Philipp Laage, dpa


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März 2021 / No 82

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