picture alliance/dpa/dpa-tmn | Mascha Brichta picture alliance/dpa/dpa-tmn | Mascha Brichta - © Foto: Lange gearbeitet und trotzdem wenig Rente? Die Grundrente beschert vielen ab 2021 ein Plus. -
DAUN, 28.10.2020 - 10:27 Uhr
Wirtschaft

Anerkennung der Lebensleistung: Das muss man zur Grundrente wissen

(dpa/tmn) - Die Rente mag zwar sicher sein. In vielen Fällen fällt sie aber schmal aus. Und das, obwohl lange gearbeitet wurde. Um das zu ändern, hat das Bundeskabinett beschlossen, eine Grundrente einzuführen. „Wer jahrzehntelang in die Rentenversicherung eingezahlt hat, wird im Alter künftig besser dastehen“, so das Versprechen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

„Die Grundrente soll den Rentnern zugutekommen, die lange Jahre gearbeitet und Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt, dabei aber nur unterdurchschnittlich verdient haben“, erklärt ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Sie sollen ab 2021 von der Rentenversicherung einen Zuschlag zur gesetzlichen Rente erhalten, der individuell berechnet wird.

Ob man erstmals eine Rente erhält oder bereits Rentenbezieher ist, spielt dabei keine Rolle. Auch aus den laufenden Renten werden diejenigen Biografien herausgefiltert, die alle Voraussetzungen erfüllen, erläutert die Deutsche Rentenversicherung. Wichtige Fragen und Antworten:

Wie lange muss man gearbeitet haben?

Um die Grundrente in voller Höhe erhalten zu können, müssen mindestens 35 Jahre an sogenannten Grundrentenzeiten vorhanden sein. Das bedeutet, dass man in dieser Zeit gearbeitet und verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. „Aber auch, wer nur 33 Jahre gearbeitet und eingezahlt hat, bekommt die Grundrente - dann allerdings in abgeschmälerter Form“, sagt Daniel Konczwald, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Rentenberater.

Zu den Grundrentenzeiten zählen aber auch Zeiten der Kindererziehung und Pflege sowie Zeiten, in denen während Krankheit oder Rehabilitation eine Leistung bezogen wurde. Nicht berücksichtigt werden dagegen die Jahre, in denen freiwillige Beiträge gezahlt wurden, Zeiten der Arbeitslosigkeit und solche, in denen man Erwerbsminderungsrente bezogen hat.

Durch die Grundrente soll nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums die Lebensleistung von berufstätigen Menschen anerkannt werden. „Wer kaum oder nur wenige Jahre gearbeitet hat, erhält demnach auch keine Grundrente“, erläutert ein Sprecher des Ministeriums.

Was bedeutet „unterdurchschnittlich verdient“?

Das Einkommen muss über das gesamte Berufsleben im Durchschnitt mindestens 30 Prozent und darf höchstens 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland betragen haben. „Für das Jahr 2020 heißt das zum Beispiel: Mindestens 1013 Euro und maximal 2703 Euro brutto im Monat“, so Konczwald.

Liegt das durchschnittliche Einkommen des gesamten Berufslebens über 80 Prozent des Verdienstes, der als Bundesdurchschnitt für die jeweiligen Berufsjahre ermittelt wird, kann die Grundrente nicht gezahlt werden. Ebenso werden Zeiten mit einer geringfügigen Beschäftigung nicht berücksichtigt.

„Sollten tatsächlich nach 33 Jahren weniger als 30 Prozent des Prozent des Durchschnittsverdienstes erzielt worden sein, so ist davon auszugehen, dass die Person neben einem Mini-Job über den Partner abgesichert war oder schon während des Arbeitslebens aufstockend Grundsicherungsleistungen erhalten hat“, heißt es aus dem Bundesarbeitsministerium. Solche geringen Rentenanwartschaften sollten durch die Grundrente nicht aufgewertet werden.

Wie hoch ist die Leistung?

Grundlage für die Berechnung des Zuschlags sind die Entgeltpunkte, die aufgrund der Beiträge während des gesamten Versicherungslebens erworben wurden. Für höchstens 35 Jahre werde der erworbene Rentenanspruch verdoppelt, allerdings gegebenenfalls begrenzt auf 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Am Ende werde der so errechnete Zuschlag pauschal um 12,5 Prozent gemindert, so die Deutsche Rentenversicherung. „Der durchschnittliche Zuschlag liegt bei 75 Euro“, schätzt Daniel Konczwald. Maximal sei ein Zuschlag von 420 Euro möglich.

Erzielt man neben der Rente noch Einkommen, muss man sich Abzüge gefallen lassen. Wenn ein Alleinstehender mit der Rente ein Einkommen von mehr als 1250 Euro im Monat zur Verfügung hat, wird dieses zu mindestens 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet, ab 1600 Euro sogar vollständig.

Wie wirkt sich die Grundrente auf Sozialleistungen aus?

Ziel der Grundrente ist es nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, dass nach einem Leben voller Arbeit die Rente in der Regel oberhalb der Grund liegen soll. Wer die Voraussetzungen für die Grundrente erfüllt, genießt daher zudem Freibeträge bei der Grundsicherung und beim Wohngeld Diese sollen jeweils mindestens 100 und maximal 216 Euro betragen.

„Damit stellen wir in allen Fällen sicher, dass den langjährigen Versicherten monatlich mehr zur Verfügung steht, als der aktuelle Grundsicherungsbedarf“, so ein Sprecher des Ministeriums. „Grundsätzlich liegt das Einkommensniveau mit Grundrente etwa zehn Prozent über dem der Grundsicherung“, stellt Rentenberater Konczwald fest.

Ab wann gibt es die Grundrente?

Die Neuregelung tritt Anfang 2021 in Kraft. Die Auszahlung der ersten Grundrentenzuschläge, kann frühestens Mitte 2021 erfolgen. Beträge, auf die bereits ab Januar 2021 ein Anspruch besteht, werden dann automatisch nachgezahlt. Ein Antrag auf Grundrente muss nicht gestellt werden. „Wir prüfen für alle Rentenbezieher, ob ein Anspruch besteht und zahlen den Zuschlag zur Rente automatisch“, so die Deutsche Rentenversicherung.

Von Alexander Holzer, dpa


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