Nur ein Namensschild verweist auf die Toten – individuelle Grabgestaltung ist durch Friedhofsordnungen in der Regel komplett untersagt Nur ein Namensschild verweist auf die Toten – individuelle Grabgestaltung ist durch Friedhofsordnungen in der Regel komplett untersagt - © Foto: _antic - stock.adobe.com -
DAUN, 20.11.2019 - 15:32 Uhr
Wirtschaft

Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal fordert gesellschaftlichen Wandel

Am Ewigkeitssonntag werden die Friedhöfe in Deutschland und der Schweiz wieder besonders viele Besucher verzeichnen können. Jährlich sterben in Deutschland fast eine Million Menschen (954.874 in 2018 lt. Stat. Bundesamt), mehrere Millionen trauernde Hinterbliebene bleiben zurück. Doch unterstützt und begleitet die Gesellschaft Trauernde noch richtig? Nur wenn wir deren Bedürfnisse erkennen, verstehen und wertschätzen, können wir sie befähigen, optimal aus ihrer schwierigen Lebensphase herauszufinden. Und diese Bedürfnisse haben sich verändert: Heilsame Trauer braucht neuesten Studien zufolge vor allem individuelle Rituale, wie sie auf Friedhöfen oft (noch) nicht gestattet sind. Die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal fordert daher auch angesichts zunehmender privater Konkurrenz, dass sich der Friedhof als immer noch wichtigster Ort der Trauerbewältigung erneuert. Nur so könne aus Trauer unbelastete Erinnerung werden. Denn auch moderne, oft anonyme Varianten der Bestattung böten dafür keine optimalen Voraussetzungen. Zu diesen Ergebnissen kommen aktuell gleich zwei wissenschaftlich fundierte Studien des Trendforschers Matthias Horx und der Soziologen Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler.  

Friedhöfe sind meist stark reglementiert. Sie lassen wenig Raum für individuelle Trauerhandlungen, werden im Gegenteil meist eher mit Pflichten und Konformitätsdruck assoziiert. Zunehmend suchen Menschen daher nach alternativen Bestattungsformen, wie etwa in Beisetzungswäldern, bei Seebestattungen oder auf Streuwiesen. Doch auch hier ist es meist nicht zugelassen oder möglich, Grabschmuck oder kleine Trauergrüße am Ort der Beisetzung zu hinterlassen – Handlungen, die jedoch für viele Trauernde wichtig und den Studienergebnissen zufolge auch als heilsame Rituale anzusehen sind. Gerade die Anonymität namen- und zeichenloser Bestattungsformen, wie sie zunehmend von Sterbenden gewünscht würden, stehe einer gelingenden Trauerarbeit ihrer Hinterbliebenen entgegen. Das ist das zentrale Ergebnis sowohl der Studie „Trauerkultur der Zukunft“ des Zukunftsinstitutes als auch der Soziologen Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler (Universität Passau) in ihrem Bericht „Trauerkultur in der Moderne – zum gesellschaftlichen Wandel des Friedhofs“. 

Dr. Dirk Pörsch­mann ist Geschäfts­führer der Arbeits­ge­mein­schaft Friedhof und Denkmal e.V. und Direktor von Zentral­in­stitut und Museum für Sepul­kral­kultur in Kassel: „Wir möchten zu einer heilsamen Trauerkultur anregen, die die Hinterbliebenen in den Mittelpunkt rückt. Um heilsam trauern zu können, brauchen wir echte und lebendige Orte, die Raum für individuelle Rituale bieten, und wir brauchen die Bereitschaft, Trauernden mit einem offenen Herzen zu begegnen. So brauchen Menschen beispielsweise Orte, an denen sie mit ihrer Trauer so frei umgehen dürfen und können, wie es ihnen gut tut. Dazu muss die Welt der Friedhöfe nicht völlig neu erfunden werden. Aber Menschen benötigen auf dem Friedhof Beisetzungsorte, die einen positiven, einen lebendigen Trauerprozess ermöglichen, und an dem sie individuelle Trauerhandlungen durchführen können, ohne auf Grabpflege verpflichtet zu werden.“

Viele Menschen sind auf Tod und Trauer nicht vorbereitet. Wie wir als Gesellschaft mit unserer Trauer so umgehen, damit wir am besten damit fertigwerden, dazu will die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. auch online anregen – mit dem neuen Onlinemagazin www.trauer-now.de.


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