Mit einem ETF allein nur auf einen Weltindex zu setzen, ist manchen Anlegern zu langweilig. Es gibt aber genug Angebote, um bestimmte Anlageschwerpunkte zu setzen. Mit einem ETF allein nur auf einen Weltindex zu setzen, ist manchen Anlegern zu langweilig. Es gibt aber genug Angebote, um bestimmte Anlageschwerpunkte zu setzen. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Alexander Heinl -
DAUN, 11.01.2022 - 09:37 Uhr
Wirtschaft

Exotische Fonds: So setzen Anleger ihre eigene ETF-Strategie um

(dpa/tmn) - Einfach, günstig, transparent - das wollen börsengehandelte Indexfonds eigentlich sein. Ein Rezept, das bei Anlegern gut ankommt. Nach Angaben des Fondsverbandes BVI konnten sich ETF-Anbieter bis September über kräftige Zuflüsse freuen: In den ersten drei Quartalen 2021 investierten Anleger rund 19,9 Milliarden Euro. Damit verwalteten Anbieter in Deutschland Ende September ein Vermögen von 210,3 Milliarden Euro - weit mehr als ein Jahr zuvor.

„Für den Privatanleger haben ETF den Charme, dass man zu recht günstigen Kosten sein Vermögen breit gestreut anlegen kann, ohne ein Einzelwertrisiko einzugehen“, sagt Nicolas Pilz, Geschäftsführer der Societas Vermögensverwaltung in Düsseldorf. Denn die Fonds, die einen Aktienindex abbilden, investieren ihre Mittel in viele verschiedene Unternehmen, verteilt über viele Branchen und Länder.

Angebote sind vielfältig

Mit der Nachfrage wächst allerdings auch das Angebot. Um sich von der Masse abzuheben, legen Anbieter immer öfter spezielle ETF auf, die sich einzelnen Branchen oder Themen widmen. So gibt es zum Beispiel inzwischen Rohstoff-ETF, Krypto-ETF, Cybersecurity-ETF, Klima-ETF oder Seltene-Erden-ETF. Manche ETF setzen auf Small Caps, also kleinere Unternehmen, andere ETF investieren vor allem in dividendenstarke Firmen. Die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

„Heute nur in den einen Länderindex zu investieren, reicht häufig nicht aus“, sagt Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement. „Denn bestimmte Themen sind global und miteinander vernetzt.“ Deshalb können spezielle ETF durchaus eine Bereicherung für das Depot sein, findet auch die Stiftung Warentest. Bis zu 30 Prozent kann man nach Ansicht der Warentester durchaus auf exotische ETF setzen - solange der Rest des Vermögens in marktbreite Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All Country investiert ist.

Welche Strategie funktioniert wann?

Doch was wählen? Die Auswahl an Themen oder Anlageansätzen ist inzwischen ziemlich groß. Jeder Fokus birgt unterschiedliche Risiken. „Je spezieller die Auswahl ist, desto spekulativer wird es letztlich“, sagt Andreas Görler, Vermögensverwalter bei Pruschke & Kalm. „Hier muss man sich die grundsätzliche Frage stellen: Will ich investieren oder spekulieren?“

Zwei Beispiele: Viele Anleger erhoffen sich von dividendenstarken Titeln weniger Wertschwankungen und eine bessere Rendite. Das geht nur teilweise auf, so die Stiftung Warentest. Zwar schwanken entsprechende ETF weniger, weil die Unternehmen oft aus defensiven Branchen kommen, dafür glänzen sie nicht unbedingt bei der Rendite.

Und die sogenannte Momentum-Strategie - also die Annahme, dass Aktien, die besonders gut gelaufen sind, auch in Zukunft gut laufen, funktioniert nur in guten Börsenphasen. Gibt es einen starken Kurseinbruch, kann das nach hinten losgehen. Daher eignet sich dieser Ansatz nach Ansicht der Stiftung Warentest eher zum kurzfristigen Spekulieren. Entscheiden sich Anlegerinnen und Anleger also für eine bestimmte Strategie, müssen sie sich damit vor dem Kauf beschäftigen.

Verschiedene Kriterien des ETF prüfen

Das gilt auch für die verschiedenen ETF selbst. „Beispielsweise kann man mit einem Themen-ETF auf die 'Alternde Bevölkerung' setzen“, gibt Frank Wieser ein Beispiel. Dies wird allerdings höchst unterschiedlich umgesetzt. „Mal stehen dann eher Medikamente gegen das Altern im Vordergrund und mal Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel Altersheime. Beim gleichen Thema kann die Performance damit sehr unterschiedlich sein.“

Gerade bei Themen ETF kann es sich deshalb lohnen, sich vorab bestimmte Kriterien anzuschauen. „So sollte das Fondsvolumen groß genug sein, dass der ETF auch auf Sicht für die Gesellschaft interessant ist und nicht Gefahr läuft, liquidiert zu werden“, sagt Rainer Göritz von der B&K Vermögensverwaltung. „Der ETF sollte vernünftig diversifiziert sein und mindestens 25 bis 30 Titel enthalten. Deren Zusammensetzung sollte regelmäßig überprüft werden.“

Langfristig dabei bleiben

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät dazu, eher nicht zu speziell in seiner Strategie zu werden. „Der MSCI World Index ist ein guter Index, aber er bildet die Schwellenländer kaum ab.“ Statt auf Themen zu setzen, würde Nauhauser daher eher den Anteil der Schwellenländer mit ETF zum Beispiel auf den MSCI Emerging Markets erhöhen. „Oder Sie erhöhen den Anteil europäischer oder asiatischer Werte mit einem entsprechenden ETF.“

Doch auch wenn es langweilig klingen mag: Erfolgreich sind Aktieninvestments in der Regel, wenn sie weltweit breit gestreut und vor allem langfristig angelegt sind, sagt Nauhauser. „Versuchen Sie nicht, den Markt zu schlagen.“ Denn das gelingt selbst Profis in der Praxis nur selten.

Von Falk Zielke, dpa


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