Leonie Gaul, Auszubildende zur Verkäuferin, überprüft den Warenbestand in den Regalen für Nachbestellungen. Leonie Gaul, Auszubildende zur Verkäuferin, überprüft den Warenbestand in den Regalen für Nachbestellungen. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Henning Kaiser -
DAUN, 22.02.2021 - 09:14 Uhr
Wirtschaft

Gaming, Food & Mode: Verkäufer können ihre Interessen ausleben

(dpa/tmn) - Ein Beruf, der einen fordert - den wollte Leonie Gaul. Die 20-Jährige entschied sich dafür, Verkäuferin zu werden - und hat diesen Schritt bislang noch keinen Tag bereut. „Ein Job im Einzelhandel ist viel mehr als einfach nur Waren an den Mann oder an die Frau zu bringen“, sagt Leonie Gaul, die eine Ausbildung bei Aldi-Süd in Dormagen (Rhein-Kreis Neuss) absolviert.

Man muss zum Beispiel mit Lebensmitteln und Waren fachgerecht umgehen und die Produkte im Laden verkaufsfördernd platzieren und präsentieren können. Und das Beste an dem Beruf? „Das ist der Kontakt mit Kunden unterschiedlichster Art“, sagt Leonie Gaul.

Ob Bewerber Freude am Umgang mit Menschen haben, ist schon im Vorstellungsgespräch Thema. „Kandidaten müssen neben einem Faible für Kunden- und Serviceorientierung auch Teamgeist mitbringen“, sagt Katharina Weinert vom Handelsverband Deutschland (HDE) in Berlin. Pluspunkte sind auch ein Hang zur Sorgfalt und ein ausgeprägter Ordnungssinn.

Preise und Rabatte kalkulieren

Von Vorteil sind zudem gute Noten in Mathematik - damit fällt zum Beispiel das Kalkulieren von Preisen oder Rabatten leichter. Wichtig ist auch eine gute mündliche Ausdrucksweise, um Kunden beraten zu können. „Wer dann auch noch ein Organisationstalent ist, kann sich im Einzelhandel gut verwirklichen“, so Weinert.

Genau das hat Leonie Gaul vor. Als Auszubildende sieht ihr klassischer Arbeitsalltag so aus: Waren einräumen, kassieren, für Ordnung in Laden und Regalen sorgen und Kunden beraten.

In Sachen Organisation geht es etwa darum, den Warenbestand zu kontrollieren und zu pflegen, rechtzeitig fehlende Produkte zu bestellen, Lieferungen anzunehmen, zu kontrollieren und richtig zu lagern.

„Toll ist, dass ich in meinem Ausbildungsbetrieb früh viel Verantwortung habe und Vertrauen in meine Fähigkeiten gezeigt wird“, sagt die Auszubildende. Auch ein geregelter Tagesablauf und eine faire Ausbildungsvergütung sprechen für den Job sprechen.

Von Drogerie bis Elektromarkt

Verkäuferinnen und Verkäufer haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Sie können im Supermarkt arbeiten oder etwa im Mode- und Schmuckhandel tätig sein, auch Drogerien und Parfümerien brauchen geschultes Personal. „Jeder kann sein Interessengebiet zum Beruf machen“, erklärt Weinert.

Wer Kunden dazu beraten will, wie man Räume mit den richtigen Details zum Strahlen bringt, ist etwa als Verkäufer in einem Baumarkt oder im Dekohandel richtig. Diejenigen, die auf Gaming oder Technik stehen, sind womöglich die perfekten Mitarbeiter in einem Elektromarkt.

Schichtdienst ist gewöhnungsbedürftig

Die Angestellten im Einzelhandel sind in der Regel an die dort üblichen Öffnungszeiten gebunden und arbeiten oft im Schichtdienst. Schichtpläne können für Beschäftigte die Vereinbarung von Familie und Beruf unter Umständen vereinfachen, etwa wenn Eltern überwiegend in der Frühschicht arbeiten. Natürlich muss dafür auch der Arbeitgeber mitspielen.

Für viele Auszubildende sind die wechselnden Arbeitszeiten erst einmal gewöhnungsbedürftig. „Mich an den neuen Schlafrhythmus aufgrund des Schichtdienstes zu gewöhnen, war die bislang größte Herausforderung für mich“, erzählt Leonie Gaul.

Sie steht kurz vor Ende ihrer Ausbildung, die im Betrieb und in der Berufsschule erfolgt. Regulär dauert sie zwei Jahre. Weil Leonie Gaul das Abitur hat, kann sie die Ausbildung verkürzen. Neben Abiturienten sind auch Auszubildende mit Hauptschulabschluss oder mit mittlerem Bildungsabschluss im Einzelhandel willkommen. Bewerber ohne Abschluss haben ebenfalls Chancen auf einen Ausbildungsplatz, wie Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) belegen.

Viele Ausbildungsplätze für Verkäuferinnen

Gute Verkäufer sind gefragt und gesucht. Zum Stichtag 30. September 2020 wurden nach HDE-Angaben rund 25.000 Ausbildungsstellen angeboten. Wie Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigen, bleiben Ausbildungsstellen für Verkäuferinnen und Verkäufer regelmäßig unbesetzt.

Wie hoch die Vergütung für Azubis ausfällt, hängt von dem jeweiligen Tarifvertrag und dem Bundesland ab. Laut Bundesagentur für Arbeit kann im ersten Jahr die Vergütung zwischen 755 und 900 Euro liegen, im zweiten Jahr zwischen 805 und 1.005 Euro. „Einige Handelsunternehmen zahlen ihren Azubis eine übertarifliche Ausbildungsvergütung“, sagt Weinert. Hinzu kämen mitunter Extras.

Handelsunternehmen bestimmt das Gehalt

Das Einstiegsgehalt einer fertig ausgebildeten Fachkraft kann laut Bundesagentur für Arbeit bei bis zu 2.700 Euro brutto pro Monat liegen, aber auch deutlich darüber. „Hier kommt es ebenfalls darauf an, bei welchem Handelsunternehmen man beschäftigt ist“, so Weinert.

Wer will, kann sich weiterbilden und sich zum Beispiel Kenntnisse darüber aneignen, wie man Online- und Offline-Handel sinnvoll miteinander verknüpft. Auch eine sogenannte Aufstiegsweiterbildung ist eine Option. So können Verkäufer sich beispielsweise zu Handelsfachwirten weiterbilden. Leonie Gaul schließt nicht aus, eines Tages ein duales Studium zu absolvieren. „Momentan ist das aber offen“, sagt sie.

Von Sabine Meuter, dpa


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