Wegen des starken Kontrasts zum Wochenende, fühlt sich der erste Tag der Arbeitswoche oft mies an. Wegen des starken Kontrasts zum Wochenende, fühlt sich der erste Tag der Arbeitswoche oft mies an. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Christin Klose -
DAUN, 23.11.2021 - 14:19 Uhr
Wirtschaft

Gibt es den „Montagsblues“ wirklich?

(dpa/tmn) - Die ganze Arbeitswoche liegt noch vor einem. Man hat noch nichts geschafft: Logisch, dass man montags eher durchhängt als an anderen Tagen der Woche. Oder? Eigentlich fühlen wir uns an Montagen nicht unbedingt schlechter als an anderen Tagen, sagt Arbeitspsychologe Oliver Weigelt.

Gemeinsam mit seinem Team am Institut für Psychologie - Wilhelm Wundt der Universität Leipzig hat er sich in einer Studie dem Thema genähert und herausgefunden, warum der Übergang in die neue Arbeitswoche oft trotzdem so schwerfällt.

Frage: Herr Weigelt, gibt es den Montagsblues wirklich?

Oliver Weigelt: Im engeren Sinne gibt es den Montagsblues so nicht. Das Verständnis von Montagsblues ist häufig, dass das Wohlbefinden an Montagen schlechter ist als an anderen Arbeitstagen. Dafür findet sich aber keine Evidenz.

Wir haben an der Universität Leipzig eine Tagebuchstudie mit knapp 100 Personen gemacht, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dafür intensiv ihr Wohlbefinden dokumentiert haben. Es gibt aber größere Studien mit zum Teil über 300.000 Befragten, die zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Kurz gesagt: Entgegen der Empfindung des „Montagsblues“ ist das Wohlbefinden montags nicht geringer als dienstags, mittwochs und donnerstags.

Es gibt aber zum Beispiel sehr wohl Unterschiede zwischen dem Wohlbefinden am Wochenende und dem unter der Woche. Da gibt es eine relativ starke Verschlechterung, wenn das Wochenende sich dem Ende zuneigt.

Daher geht es wohl gar nicht unbedingt um den Montag. Vielmehr lässt sich unser Ergebnis wahrscheinlich ganz gut generalisieren: Es ist ein relativ robuster Effekt festzustellen, dass bereits der Beginn der Arbeitswoche an unseren Energiereserven zehrt. Über zwei Tage am Wochenende baut man ein Vitalitätspolster auf. Dieses Polster büßt man aber oft schon am ersten Tag der Arbeitswoche wieder ein.

Frage: Graust es deshalb so vielen vor dem Montag?

Weigelt: Ja, meine Erklärung wäre, dass es an dem Kontrast zwischen dem Wochenende und der Arbeitswoche liegt. Bei vielen Berufstätigen sind die Unterschiede zwischen freien Tagen und unter der Woche groß: Sie stehen während der Arbeitswoche zum Beispiel früher auf, als ihnen vielleicht guttut.

Am Wochenende oder an arbeitsfreien Tagen sind die Abläufe außerdem oft entspannter und etwas entzerrter. Das führt dazu, dass wir den Montag im Kontrast etwas schlimmer erleben.

Viele stellen am Wochenende ihren ganzen Tagesablauf um. Davon ist zum Beispiel der Schlaf betroffen. Menschen berichten, dass sie dann aber zum Beispiel am Sonntagabend schlecht einschlafen oder nicht gut durchschlafen können. Der Übergang in die neue Woche verursacht also bei vielen psychische Kosten. Das macht es uns erst mal schwerer, in Schwung zu kommen.

Frage: Können wir uns da selbst austricksen und den Übergang etwas entspannter gestalten?

Weigelt: Ja. Ich würde an verschiedenen Stellen ansetzen. Der Übergang in die Woche ist eine stressige Situation. Vorfreude kann helfen, das besser zu meistern. Man kennt das, wenn man privat Pläne hat und besonders leicht aus dem Bett kommt, weil man sich auf den Tag freut. Je mehr ich mich also auch auf meine beruflichen Aufgaben freue, desto mehr kann ich von dem Schwung aus dem Wochenende mitnehmen.

Was kann ich nun konkret dafür tun? An sich alles, was dazu beiträgt, meine Arbeit angenehmer zu gestalten. Man nennt das auch Job Crafting: Oft hat man Spielräume, seine individuellen Arbeitsbedingungen etwas anzupassen. Etwa, indem man sich mehr von den Aufgaben sucht, die man gerne mag oder häufiger mit den Lieblingskolleginnen zusammenzuarbeiten.

Es kann auch um die Arbeitszeiten gehen. Vielleicht fällt mir der Übergang in die neue Woche leichter, wenn ich flexible Arbeitszeiten habe, die gut zu meinem Biorhythmus als Frühaufsteher oder Langschläfer passen. Meine Beobachtung ist, dass viele Organisationen dafür offen sind.

Auch Selbstmanagement spielt eine Rolle: Es geht darum, zu überlegen, welche Aufgaben liegen mir gut, welche sind anspruchsvoller? Es kann dann helfen, den Montag eher mit Routineaufgabe zu belegen. Aus der Forschung wissen wir: Wenn wir schnell Erfolgserlebnisse haben, hilft uns das, in den Flow zu kommen. Das wiederum ist ein Auslöser von guter Stimmung. Direkt einige Aufgaben wegzuarbeiten, kann also dazu beitragen, gut in den Montag reinzukommen.

Interview: Amelie Breitenhuber, dpa


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