Wer bei der Auswahl seiner Fonds oder Banken wählerisch ist, kann so auch umweltfreundliches Wirtschaften unterstützen. Wer bei der Auswahl seiner Fonds oder Banken wählerisch ist, kann so auch umweltfreundliches Wirtschaften unterstützen. - © Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene -
DAUN, 30.08.2021 - 16:33 Uhr
Wirtschaft

Impact Investment: Kann meine Geldanlage die Welt verändern?

(dpa/tmn) - Dürrezeiten, Hitzewellen, Überschwemmungen: Nach Annahmen des Weltklimarates (IPCC) werden Extremwetterereignisse durch die Klimaerwärmung in Zukunft häufiger. Was das bedeutet, hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur in Deutschland, sondern an vielen Orten der Welt gezeigt. Vielen Menschen reicht es da nicht aus, nur Politik und Wirtschaft die Entscheidungen für mehr Klimaschutz zu überlassen. Sie wollen selbst ihren Beitrag leisten.

Zum Beispiel bei der Geldanlage: Jeder Dritte (32 Prozent) ist inzwischen bereit, ökologische Aspekte in seinem Spar- und Anlageverhalten stärker zu berücksichtigen. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Opinium im Auftrag des Finanzdienstleistungsunternehmens Fidelity International.

Unterschiede bei den Altersgruppen

Bei jüngeren Anlegerinnen und Anlegern ist die Bereitschaft dazu überdurchschnittlich: 42 Prozent der 18- bis 34-Jährigen wollen ihr Geld der Umfrage zufolge nachhaltiger anlegen. In der Altersgruppe der über 55-Jährigen ist es lediglich ein Viertel (25 Prozent).

Solche Umfrageergebnisse überraschen Sir Ronald Cohen nicht: „Die Werte haben sich geändert“, sagt der Philantrop und Risikokapitalgeber. „Umwelt- und Sozialthemen sind für junge Menschen deutlich wichtiger.“ Schließlich gehe es dabei um ihre Zukunft. „Die Folgen des Klimawandels zeigen sich ziemlich deutlich.“

Anleger wissen um Einfluss

Dieser allmähliche Wertewandel lässt sich schon jetzt an den Finanzmärkten beobachten. Während zum Beispiel Ölunternehmen in den vergangenen Jahren zum Teil an Börsenwert verloren haben, gewinnen neue innovative Unternehmen wie Tesla deutlich.

Zugleich wächst die Nachfrage nach nachhaltigen Investments. Laut dem jährlichen Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) investierten Privatanleger im Jahr 2020 insgesamt 39,8 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds und Mandate. Das waren 21,4 Milliarden Euro oder 117 Prozent mehr als zum Jahresende 2019.

Bewusste Anlageentscheidungen

Ihre Entscheidungen treffen viele Anlegerinnen und Anleger bewusst: 43 Prozent der Befragten sind laut der Opinium-Umfrage überzeugt davon, dass sie durch eine Anlage eine Änderung im Verhalten von Unternehmen bewirken können. 24 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Unternehmen, die sich nicht um Nachhaltigkeit kümmern, zu den Verlierern zählen werden, da sie für die Gesellschaft inakzeptabel werden.

Das sieht Sir Ronald Cohen ähnlich. In seinem Buch „Impact“ plädiert er für einen neuen Ansatz des Kapitalismus: Neben einer finanziellen Rendite müsse ein Investment potenziell positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt haben. „Die ethische und ökologische Wirkung, die ein Unternehmen hat, wird in der Zukunft nachweisbar und messbar sein“, ist Cohen überzeugt.

Viele sollten mitmachen

„Spätestens der Bericht des Weltklimarates hat gezeigt, dass es notwendig ist, etwas zu tun“, sagt auch Thomas Küchenmeister von der Nichtregierungsorganisation (NGO) Facing Finance. „Es braucht einen Wandel zu einer nachhaltigeren Wirtschaft.“ Um das zu erreichen, müssten möglichst viele Menschen mitmachen. Und das könne durchaus gelingen: „Bei Lebensmitteln schauen viele Verbraucher inzwischen auch auf Bio-Qualität.“

Mit einer Internetkampagne will Facing Finance Verbraucherinnen und Verbraucher daher für die Frage sensibilisieren, was mit ihrem Geld passiert. Ein ähnliches Angebot macht die Verbraucherzentrale Bremen.

„Als Anleger und Kunde hat man schließlich die Wahl, welche Geschäftsmodelle man unterstützen möchte.“

Aktionärsrechte nutzen

Doch wie viel Einfluss haben Anleger wirklich? Können Kleinaktionäre große Unternehmen zum Umlenken bewegen? Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist da skeptisch: „Die Macht liegt eher bei den institutionellen Anlegern.“

Allerdings könnten Kleinaktionäre auf Hauptversammlungen ihr Fragerecht nutzen, um auf Themen hinzuweisen. „Der Vorstand muss Ihnen darauf ja eine Antwort geben.“ Und: „Der Kauf von Aktien ist oft mehr als nur eine reine Geldanlage“, findet Kurz. „Es ist die bewusste Entscheidung, Miteigentümer eines Unternehmens zu werden.“ Und dabei spiele nicht nur die Absicht, einen Gewinn zu erzielen, eine Rolle, sondern auch das Geschäftsmodell des Unternehmens.

Fonds als Alternative zu Einzelaktien

Wer nicht so tief in die Materie einsteigen will, kann zu Fonds greifen. Inzwischen gibt es viele Fonds, die nicht in fossile Energien investieren und andere kontroverse Geschäfte ausschließen, erklärt die Stiftung Warentest. Beim Nachhaltigkeitstest von 99 Fonds für die Warentest-Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 9/2021) bekamen vier aktiv gemanagte Fonds die beste Nachhaltigkeitsbewertung.

Allerdings kosten aktive Fonds Gebühren. Günstiger sind börsengehandelte ETF. Nachhaltige Indexfonds sind aber oft weniger streng. Bei der „Finanztest“-Bewertung schneiden sie daher in puncto Nachhaltigkeit etwas schlechter ab.

Wer will, kann seine ganzen Geldgeschäfte umstellen: Nachhaltig anlegen kann man auch in Tages- und Festgeld bei ethisch-ökologischen Banken, wie fast überall zu nicht gerade üppigen Zinsen. Bei diesen Banken kann man ebenso ein Girokonto eröffnen. Auch dabei gilt: Je größer die Nachfrage, desto größer wird auch das Angebot werden.

Von Falk Zielke, dpa


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